Diese Seminararbeit beinhaltet eine Analyse der ober österreichischen Zeitung “Tagespost“. Im Rahmen meiner Seminararbeit werde ich die Darstellung und das Vorkommen von Frauen in der Tagespost und die damit einhergehenden Frauenbilder fokussieren, ebenso werde ich aber auf die politische Orientierung und Ausrichtung der Tagespost im Allgemeinen eingehen. Ebenso werde ich versuchen, die in der Zeitung und durch deren Berichterstattung aufgeworfenen Themen in einen Kontext mit der historischen und sozioökonomischen Situation zu setzen. Der meiner Arbeit zugrunde liegende Analysezeitraum umfasst die Ausgaben der Tagespost vom 17.2.1919 bis inklusive zum 11.3.1919.
Inhaltsverzeichnis
1.) Vorwort und Inhalt der Seminararbeit
2.) soziale Lage und historisch- soziopolitischer Hintergrund 1919
3.) Charakterisierung der Tagespost
3.1.) Allgemeine Charakterisierung und Aufbau des Analysematerials
3.2.) Themenschwerpunkte/ Hauptthemen und politische Ausrichtung der Tagespost
3.2.1.) Antikommunistische und rassistisch-nationalistische Hetze
4.) Vorkommen und Darstellung von Frauen in der Tagespost
4.1.) Frauen als politische Akteurinnen
4.2.) Frauen und Verbrechen
4.3.) Frauenorganisationen und -verbände, Bildungsmöglichkeiten
4.4.) Frauen und Erwerbstätigkeit
4.5) Frauenbild: Heiratsinserate und Kontaktanzeigen
5.) Schlusswort
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Seminararbeit analysiert die Darstellung und das Vorkommen von Frauen in der oberösterreichischen Zeitung „Tagespost“ im Zeitraum vom 17. Februar bis zum 11. März 1919, um das dort vermittelte Frauenbild im Kontext der sozioökonomischen Situation der frühen ersten Republik zu untersuchen.
- Analyse der politischen Ausrichtung der deutschnationalen Zeitung „Tagespost“
- Untersuchung der medialen Repräsentation von Frauen als politische Akteurinnen
- Darstellung der Lebens- und Arbeitssituation von Frauen in der Zwischenkriegszeit
- Analyse von Geschlechterstereotypen in Heiratsinseraten und Stellenanzeigen
- Untersuchung der ideologischen Instrumentalisierung des Frauenbildes
Auszug aus dem Buch
4.2.) Frauen und Verbrechen
Da die Tagespost viel über Verbrechen und VerbrecherInnen (welche sie immer mit vollem Namen, Adresse, und Berufsbezeichnung benennt) berichtet, ist es nicht erstaunlich, dass hier auch Frauen vorkommen. Frauen kommen oft auch als Opfer von Gewalttaten vor, jedoch stürzt sich die Tagespost auf Meldungen, in denen Frauen als TäterInnen vorkommen um so eine dem dichotomisierten Frauenbild, wonach Frauen entweder reine, gottähnliche Gestalten oder böse, verdorbene Bestien sind (Mutter-Hure-Dichotomisierung) entsprechende Darstellung zu verfestigen und mit anzuwenden. So schreibt die Tagespost oft über Frauen, die sich an Plünderungen beteiligen oder über Frauen, die ihre Kinder töten, hier werden die Frauen als die Verkörperung alles Bösen und Gewissenlosen dargestellt- über die Existenzängste und die Verzweiflung durch Nahrungsmittelmangel etc, die die Frauen höchstwahrscheinlich zu ihren Taten zwangen, wird natürlich in der Tagespost nichts geschrieben.
Ein symptomatisches Beispiel für die Darstellung von Frauen als skrupellose, böse, von niederen Gefühlen geleitete Unmenschen ist der Fall einer Frau, die ihren Ehemann ermorden haben lassen soll. Obwohl noch kein Gerichtsverfahren auch nur im Laufen ist, schreibt die Tagespost gleich am nächsten Tag nach dem Verüben der Tat blind Mutmaßungen über das Tatgeschehen als bewiesene Wahrheit hin. In der vermeintlichen Täterin kumulieren sich vor allem für ein rechtes politisches Weltbild viele Eigenschaften, welche die Frau als Täterin (und damit als Opfer der Hetze der Tagespost) förmlich prädestinieren: Die Frau hatte ein Verhältnis mit einem 17-Jahre jüngeren Mann.
Zusammenfassung der Kapitel
1.) Vorwort und Inhalt der Seminararbeit: Vorstellung des Analysegegenstandes „Tagespost“ und des Untersuchungszeitraums sowie der Zielsetzung der Arbeit.
2.) soziale Lage und historisch- soziopolitischer Hintergrund 1919: Einordnung der Lebensumstände der Frauen während und nach dem ersten Weltkrieg unter Berücksichtigung der politischen Umbrüche.
3.) Charakterisierung der Tagespost: Analyse der journalistischen Struktur, der inhaltlichen Schwerpunkte und der ausgeprägten deutschnationalen politischen Ideologie der Zeitung.
3.1.) Allgemeine Charakterisierung und Aufbau des Analysematerials: Beschreibung des Formats, der Rubriken und der Funktion der Tagespost als Informationsmedium in Linz.
3.2.) Themenschwerpunkte/ Hauptthemen und politische Ausrichtung der Tagespost: Untersuchung der deutschnationalen Agenda und der einseitigen Berichterstattung über aktuelle politische Ereignisse.
3.2.1.) Antikommunistische und rassistisch-nationalistische Hetze: Analyse der feindseligen Rhetorik der Zeitung gegenüber Kommunisten und der rassistischen Darstellung nationaler Minderheiten.
4.) Vorkommen und Darstellung von Frauen in der Tagespost: Darstellung der Unterrepräsentanz von Frauen und deren gezielte Instrumentalisierung im redaktionellen Teil.
4.1.) Frauen als politische Akteurinnen: Untersuchung des Umgangs der Zeitung mit dem neuen Wahlrecht für Frauen und deren Rolle in der Politik.
4.2.) Frauen und Verbrechen: Analyse des dichotomisierten Frauenbildes in der Kriminalberichterstattung zwischen „reiner Gestalt“ und „verdorbener Bestie“.
4.3.) Frauenorganisationen und -verbände, Bildungsmöglichkeiten: Dokumentation der selektiven Berichterstattung über Frauenvereine und den Mangel an Informationen zu Bildungschancen.
4.4.) Frauen und Erwerbstätigkeit: Analyse des Stellenmarktes und der mit traditionellen Frauenberufen verknüpften gesellschaftlichen Erwartungshaltungen.
4.5) Frauenbild: Heiratsinserate und Kontaktanzeigen: Untersuchung der ökonomischen und sozialen Kriterien bei der Ehepartnerwahl sowie der Rollenbilder in den Inseraten.
5.) Schlusswort: Resümee über die Diskrepanz zwischen den neuen politischen Rechten der Frauen und der tatsächlichen gesellschaftlichen Unterdrückung.
Schlüsselwörter
Tagespost, Linz, 1919, Zwischenkriegszeit, Frauenbild, Deutschnationalismus, Politische Partizipation, Erwerbstätigkeit, Kriminalberichterstattung, Heiratsinserate, Sozialdemokratie, Räterepublik, Geschlechterrollen, Androzentrismus, Erste Republik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie Frauen in der oberösterreichischen Zeitung „Tagespost“ zu Beginn des Jahres 1919 dargestellt wurden und welche Rollenbilder dabei von der deutschnationalen Redaktion vermittelt wurden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Rolle der Frau als politische Akteurin, ihre Darstellung in der Kriminalberichterstattung, ihre Situation auf dem Arbeitsmarkt sowie die Spiegelung konservativer Ideologien in Heiratsinseraten.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, den Androzentrismus und die reaktionäre Ideologie der Zeitung offenzulegen, die Frauen in der ersten Republik trotz der Erlangung des Wahlrechts weiterhin auf den privaten Bereich beschränken wollte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es erfolgt eine qualitative Inhaltsanalyse des Anzeigenteils und der redaktionellen Berichterstattung der „Tagespost“ im Zeitraum vom 17.02. bis 11.03.1919.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die politische Charakterisierung der Tagespost sowie die detaillierte Analyse der Darstellung von Frauen als Täterinnen, Arbeiterinnen und Akteurinnen in Verbänden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Zwischenkriegszeit, Frauenrolle, Deutschnationalismus, Geschlechterstereotypen und historische Medienanalyse beschreiben.
Wie bewertet die Arbeit die Rolle der Frau in der Ehe laut Zeitung?
Die Arbeit zeigt auf, dass die Heiratsinserate die Ehe primär als ökonomische Versorgungsgemeinschaft darstellten, wobei Vermögen und Klassenzugehörigkeit als entscheidende Kriterien für die Partnerwahl fungierten.
Warum wurde Frauen in der Zeitung kaum politische Bedeutung beigemessen?
Aufgrund der deutschnationalen Gesinnung der Tagespost wurden Frauen eher als „Haushüterinnen“ gesehen; eine aktive politische Partizipation passte nicht in das reaktionäre Weltbild der Zeitung.
- Citation du texte
- Katharina Bergmaier (Auteur), 2010, Zeitungsanalyse 'Tagespost' 02.1919-03.1919, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/153034