„After all, for every neck, there are two hands to choke it.“

Die Entwicklung des Realismus an ausgewählten Beispielen in Bezug auf Hobbes’ Leviathan


Seminararbeit, 2010
16 Seiten, Note: 1,5

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2.Thomas Hobbes
2.1. Hobbes’ Konzeption des Naturzustandes
2.2. Die Entstehung der Staaten
2.3. Der institutionelle Staat

3. Theorien moderner Vertreter des Realismus
3.1. Morgenthaus Machtpolitik
3.2. Waltz’ defensiver Neorealismus
3.3. Mearsheimers offensiver Realismus

4. Fazit

5. Literatur

1. Einleitung

Der folgende Aufsatz stellt eine historisch angelegte Untersuchung über die Entwicklung des Realismus’ dar. Innerhalb der Abhandlung werden die Grundannahmen Thomas Hobbes’ zur Entstehung der Staaten, des theoretischen Modells des Naturzustandes und die Verfasstheit seines institutionellen Staates dargestellt. Im Folgenden werden dann unterschiedliche Vertreter des Realismus untersucht, deren Grundthesen in Kürze dargestellt und mit denen Hobbes’ verglichen werden. Als Vertreter des Realismus’ wurden Morgenthau, Waltz und Mearsheimer ausgesucht. Durch diese Auswahl ist ein historischer Durchgang durch die Entwicklung dieser Denkschule von ihren Anfängen, bis in die Gegenwart hinein gewährleistet.

Es ist das Ziel zu zeigen, welche Grundthesen und Denkweisen die Jahrhunderte überlebt haben und welche modifiziert wurden. Darüber hinaus soll untersucht werden, welche Unterschiede in den Theorien zu entdecken sind.

Am Abschluss soll eine Bewertung hinsichtlich der Erklärungskraft der Theorien insgesamt stehen.

2.Thomas Hobbes

Hobbes entwirft im 13. Kapitel des Leviathans das Bild des Naturzustandes(Vgl. Hobbes 1970: 112ff). Dieses Denkmodell schildert die möglichen Zustände des menschlichen Zusammenlebens, vor der Einführung von allgemeingültigen Regeln und einer Institution, die über die Einhaltung dieser Regeln wacht.

Im 17. Kapitel des Buches geht er auf die Entstehung der Staaten ein.

Diese beiden Punkte werden hier dargestellt um einen Ansatzpunkt für die weitere Bearbeitung des Themas zu liefern. Dabei wird ein besonderes Augenmerk auf die Konzeption des institutionellen Staates geworfen.

2.1. Hobbes’ Konzeption des Naturzustandes

Ihm ist bei der Beschreibung durchaus bewusst, dass es diesen Naturzustand in seiner Reinform nie gab, jedoch dient er ihm zur Veranschaulichung und zur Begründung der Notwendigkeit eines Herrschaftsapparates. Dieses Denkmodell wird zunächst dargestellt, um die folgenden Argumentationen Hobbes’ nachvollziehen zu können.

Hobbes geht von einer generellen Gleichheit der Menschen hinsichtlich ihrer natürlichen Beschaffenheit aus. Sein Ansatzpunkt ist, dass alle Menschen sowohl körperlich, wie auch geistig ähnlich begabt sind, etwaige Unterschiede in der körperlichen Verfasstheit könne man durch List, oder durch Verbündung mit anderen immer ausgleichen (Vgl. Hobbes 1970:112f).

Allerdings führt er die Selbstzufriedenheit, als allgemeines Merkmal der Menschen ein. Ein Jeder, so Hobbes, würde sowohl seinen eigenen Verstand und seine Körperkräfte so einschätzen, dass er dem anderen überlegen ist. Durch diese Einschätzung sei es nun bedingt, dass ein Jeder hofft, seine Konzeption eines guten Lebens zum Vollzug bringen zu können. Daraus müsse nun denklogisch die Feindschaft zu Anderen resultieren, da ein Konkurrenzkampf um knappe Güter stattfinden müsse (Vgl. Hobbes 1970:113f).

Da ein Jeder aber nur auf seine eigenen Fähigkeiten angewiesen sei, und es keine allgemeine Ordnung gäbe, sei es immer möglich, dass der Nachbar sich den Besitz seines Gegenübers aneignen will. Hinzu kommt noch verschärfend, dass dieser Nachbar auch die Konkurrenz, durch Tötung, ganz ausschalten kann (Vgl. Hobbes 1970:114). Durch diesen Zustand entsteht eine ständige Angst eines Jeden. Denn durch die gleichmäßige Vergabe der Talente ist es, wie oben beschrieben, jederzeit möglich, dass auch der Stärkste durch List oder den Zusammenschluss mehrerer Schwächerer getötet, oder ‚enteignet’ wird. Es kommt zu ‚Präventivschlägen’ der Menschen. Man muss in diesem Falle die Vorherrschaft über die Anderen erlangen, bevor diese aktiv werden und man selbst unterdrückt oder getötet wird (Vgl. Hobbes 1970:114).

„Mitbewerbung, Verteidigung und Ruhm sind die drei hauptsächlichen Anlässe, daß die Menschen miteinander uneins werden.“ (Hobbes 1970:115) Mit diesem Punkt beantwortet Hobbes die Frage nach dem Warum des Kampfes eines Jeden gegen Jeden. Hier führt er aber noch einen weiteren Punkt ein, nämlich den Ruhm. Die Erlangung von Ansehen ist für Hobbes also auch ein wichtiger Beweggrund, der es zum Kampf zwischen den Menschen kommen lässt.

Das eigentliche Problem, das Hobbes in diesem Naturzustand sieht ist, dass „…sich kein Fleiß, weil kein Vorteil davon zu erwarten ist,…“ findet, dass es „… keine Schiffahrt, kein bequemes Leben, keine Werkzeuge höherer Art, keine Länderkenntnis, keine Zeitrechnung, keine Künste, keine gesellschaftlichen Verbindungen[.]…“ gibt (Hobbes 1970:115). Die Gründe des fehlenden Kulturlebens scheinen auf der Hand zu liegen. Wenn ein Jeder ständig Angst um sein Eigentum und sein Leben haben muss, so ist es für ihn nicht wichtig lesen, schreiben oder musizieren zu können, da ihn diese Fähigkeiten nicht vor dem Nachbarn beschützen können, der es auf die nachbarliche Scholle abgesehen hat. Auch ergibt sich nicht die Möglichkeit eine größere Bautätigkeit durchzuführen. Für den Bau eines Schiffes, das für eine Entdeckung in der Welt nahezu unverzichtbar ist, benötigt man mehr als die eigene Arbeitskraft, ferner benötigt man für ein solches Vorhaben auch eine gewisse Zeitspanne, wobei es unter den geschilderten Zuständen unwahrscheinlich ist, dass man für eine so lange Zeit nicht angegriffen wird und man nicht durch die Verteidigung des eigenen Lebens und Besitzes vom eigentlichen Vorhaben abgelenkt wird.

Ein Grund für das Verlangen nach der Durchbrechung des Zirkels, bei dem Gewalt immer durch Gewalt beantwortet wird und auch ein legitimes Mittel zur Erhaltung des eigenen Lebens ist, ist für ihn hauptsächlich die „…Furcht vor einem gewaltsamen Tod…“ (Hobbes 1970:118),die in einem jeden Menschen vorhanden ist.

Ein Entkommen aus diesem Zirkel ist für Hobbes nur durch die menschliche Vernunft möglich. Diese Vernunft bringt dann die so genannten natürlichen Gesetze hervor, wobei auf die Darstellung dieser in der vorliegenden Arbeit aus Platzgründen verzichtet wird.

Durch diese Verfasstheit der menschlichen Natur, seinen Leidenschaften und Wünschen entsteht der Zwang dazu, eine Instanz zu schaffen, die Gesetze aufstellt und ihre Einhaltung überwacht (Vgl. Hobbes 1970:116f).

Wie oben erwähnt ist sich Hobbes natürlich bewusst, dass es die Reinform des Naturzustandes so nicht gegeben haben dürfte, da der Mensch sich auch schon in Urzeiten zu Gruppen zusammenschloss und dieses Zusammenleben auch durch gewisse Regeln, der Vorstufe zu Gesetzen, geprägt gewesen sein dürfte. Aber er rettet seine Konzeption dadurch, dass er einen Ebenenwechsel vollzieht, weg von der Mikro-Ebene, dem Verhältnis Mensch-Mensch, hin zur Makro-Ebene, dem Verhältnis Staat-Staat, oder Königreich-Königreich (Vgl. Hobbes 1970:117). Hier sieht Hobbes den Naturzustand verwirklicht, da es keine übergeordnete Macht gibt, die das Verhalten der Staaten, oder Herrscher untereinander, reguliert.

In diesem Abschnitt wurde das Denkmodell des Naturzustandes dargestellt, dessen Begründung für Hobbes die Leidenschaften des Menschen sind. Er zeigt zum Ende des 13. Kapitels auch schon die mögliche Lösung dieses Problems. Im folgenden Abschnitt soll dem Grund für die Entstehung der Staaten im Allgemeinen nachgegangen werden.

[...]

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
„After all, for every neck, there are two hands to choke it.“
Untertitel
Die Entwicklung des Realismus an ausgewählten Beispielen in Bezug auf Hobbes’ Leviathan
Hochschule
Universität Stuttgart  (Abteilung für Internationale Beziehungen und Europäische Integration )
Veranstaltung
Theorien der internationalen Beziehungen
Note
1,5
Autor
Jahr
2010
Seiten
16
Katalognummer
V153241
ISBN (eBook)
9783640653720
ISBN (Buch)
9783640653492
Dateigröße
461 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Hobbes, Mearsheimer, Waltz, Morgenthau, Machtpolitik, Realismus, offensiv
Arbeit zitieren
Martin Böse (Autor), 2010, „After all, for every neck, there are two hands to choke it.“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/153241

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