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Zwischen Provinz und Metropole – Weibliche Lebenswelten in der Weimarer Republik in den Texten von Irmgard Keun, Marieluise Fleißer und Mascha Kaléko

Title: Zwischen Provinz und Metropole – Weibliche Lebenswelten in der Weimarer Republik in den Texten von Irmgard Keun, Marieluise Fleißer und Mascha Kaléko

Thesis (M.A.) , 2010 , 97 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Julia Grubitzch (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Der Erste Weltkrieg war eines der einschneidendsten Erlebnisse für die Menschen am Beginn des 20. Jahrhunderts. Eine Situation des politischen und gesellschaftlichen Umbruchs entstand, die ganz besonders für Frauen weitreichende Auswirkungen hatte. Die unzähligen männlichen Todesopfer des Weltkrieges hinterließen große Lücken, die bald den Arbeitsmarkt grundlegend verändern sollten. Für die Frauen ergaben sich ungeahnte Möglichkeiten, neue Berufsfelder entstanden und verbesserte Ausbildungsmöglichkeiten. Vor diesem Hintergrund des Umbruches und des Aufbruchs entsprang das Schlagwort der ‚Neuen Frau’, das „noch heute als Synonym für das Frauenbild der Zwanziger Jahre gilt.“ Alexandra Kollontai versucht in ihrem Aufsatz das Phänomen der „Neuen Frau“ zu erfassen. Sie grenzte es von den „alten“ Frauenbildern ab:
„Es sind nicht die reinen, lieben Mädchen, deren Roman sein Ende in einer wohlgelungenen Verheiratung fand, es sind nicht die Ehefrauen, die unter der Untreue ihres Mannes leiden, oder die sich selbst des Ehebruchs schuldig gemacht haben, es sind auch nicht die alten Mädchen, die die unglückliche Liebe ihrer Jugend beweinen, es sind ebenso wenig die „Priesterinnen der Liebe“, die Opfer der traurigen Lebensbedingungen oder ihrer eigenen lasterhaften Natur.“
In dieser Arbeit sollen die Lebenswelten von Frauen in der Weimarer Republik betrachtet werden unter besonderer Berücksichtigung der Unterschiede zwischen dem Leben in der Metropole Berlin und dem Leben in der Provinz. Als literarische Texte wurden „Das Kunstseidene Mädchen“ von Irmgard Keun, „Die Mehlreisende Frieda Geier“ und „Pioniere in Ingolstadt“ von Marieluise Fleißer und das Gedicht „Großstadtliebe“ von Mascha Kaléko herangezogen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Hauptteil

1. Hintergründe

1.1 Die Frau in der Politik

1.1.1 Die „Neue Frau“ in den Medien

1.1.2 Bubikopf und Zigarettenspitze- Mode und Frisuren

1.1.3 Liebe und Ehe

1.1.4 Weibliche Angestellte in der Weimarer Republik

1.1.5 Schriftstellerinnen und Reporterinnen

1.1.6 Die Neue Sachlichkeit

1.1.7 Die Darstellung der Frau in der Literatur der 20er Jahre

1.2 Großstadt in der Literaturgeschichte

1.2.1 Berlin in der Literatur der Weimarer Republik

2. „Das kunstseidene Mädchen“ von Irmgard Keun

2.1 Biografischer Abriss zu Irmgard Keun

2.2 Die Darstellung der Frau in der Großstadt anhand von „Das Kunstseidene Mädchen“

2.3 Die Großstadterfahrung von Protagonistin Doris

2.4 Schlussfolgerung

3. Marieluise Fleißer

3.1 Biografischer Abriss zu Marieluise Fleißer

3.2 Marieluise Fleißer und ihr Verhältnis zu Ingolstadt

3.3 „Mehlreisende Frieda Geier“ von Marieluise Fleißer

3.3.1. Frieda Geier als Berufstätige

3.3.2. Die Beziehung von Frieda Geier zu Gustl

3.3.3. Vergleich der beiden Fassungen hinsichtlich des Frauenbildes

3.3.4. Die Darstellung Frieda Geiers als Frau

3.3.5 Provinz und Metropole in „Die Mehlreisende Frieda Geier“

3.4 „Pioniere in Ingolstadt“ von Marieluise Fleißer

3.4.1. Die Figur Alma

3.4.2. Die Figur der Berta

3.4.3. Die männliche Perspektive in „Pioniere in Ingolstadt“

4. „Großstadtliebe“ von Mascha Kaléko

4.2 Biografischer Abriss zu Mascha Kaléko

4.3. Die Neue Sachlichkeit und Mascha Kaléko

4.4 Selbstwahrnehmung der Mascha Kaléko

4.5 Die Großstadt in der Lyrik Mascha Kalékos

4.6. Mascha Kaléko „Großstadtliebe“

III. Schlussbetrachtung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Lebenswelten von Frauen in der Weimarer Republik, wobei die Unterschiede zwischen den Erfahrungen in der Metropole Berlin und denen in der Provinz im Fokus stehen. Anhand ausgewählter literarischer Werke werden Emanzipationsbestrebungen, das Bild der „Neuen Frau“ sowie die Verflechtungen von Liebesbeziehungen und ökonomischer Unabhängigkeit analysiert.

  • Das Frauenbild der „Neuen Frau“ in der Weimarer Republik.
  • Der Einfluss der Großstadt als Schauplatz und prägendes Element der literarischen Moderne.
  • Die Spannung zwischen emanzipatorischem Anspruch und traditionellen Rollenmustern.
  • Die Rolle der Neuen Sachlichkeit als literarische Strömung in der Reflexion gesellschaftlicher Umbrüche.
  • Literarische Analyse von Irmgard Keun, Marieluise Fleißer und Mascha Kaléko.

Auszug aus dem Buch

Die Darstellung der Frau in der Großstadt anhand von „Das Kunstseidene Mädchen“

Irmgard Keuns Roman „Das Kunstseidene Mädchen“ erschien im Sommer 1932. Zu Beginn des Romans verdient Doris ihren Lebensunterhalt als Sekretärin, sie ist stolz auf ihre Berufstätigkeit, um sich ihre Existenz zu sichern. In diesem Punkt folgt Keun in ihrer Darstellung dem Bild der „Neuen Frau“. Doch wie Silvio Vietta in seinem Sammelband „Das Literarische Berlin im 20. Jahrhundert“ feststellt und hier ist ihm zuzustimmen, verachtet Doris die „normale“ Angestellten-Welt. Sie will darüber hinaus.

Doris Rosenstein ordnet die Figur der Doris dem Typ „Flapper“ zu, der u.a. in dem Film „Gentlemen prefers blonde“ vorgestellt wird. Doch an dieser Stelle kommt die Frage auf, wie modern jene Frauenfiguren tatsächlich sind. Doris, die nur mit einem Mann an ihrer Seite glücklich zu werden glaubt und ihre Mutter, die mit einem arbeitslosen Alkoholiker verheiratet bleibt, da man „irgendwo mal hingehören muss.“

Keuns Heldin Doris, ein achtzehnjähriges Mädchen, setzt ihre Weiblichkeit sehr bewusst und berechnend ein: „[...] und bei jedem Komma, was fehlte, schmeiß ich ihm [dem Rechtsanwalt] einen sinnlichen Blick. Politisch ist sie völlig desinteressiert und unbeholfen, Zeitungslektüre findet keine Beachtung bei ihr, doch in ihren Beziehungen zu Männern zeigt sie sich raffiniert. Konträr zu Keuns Heldin Gilgi fehlen Doris sämtliche Eigenschaften, die sich Gilgi voller Stolz angeeignet hat. Sie spricht kein Englisch, bildet sich nicht weiter und wehrt sich gegen Körperertüchtigung. Ihr fehlt der Stolz auf das eigene Leben, die mühsam erkämpfte Berufstätigkeit. Sie konzentriert sich voll auf ihre Wirkung als Frau. Selbst bei einem Zwischenfall mit einem „Schupo“ benutzt sie ihre kokette Weiblichkeit: „Und ein Schupo wollte uns aufschreiben. […] Da glitzerte ich ihn an – so mit Augen und gab ihm einen Kuß auf einen Uniformknopf, der blind wurde. Der Schupo auch. Und aufgeschrieben hat er nicht.“

Zusammenfassung der Kapitel

1. Hintergründe: Dieses Kapitel erläutert den gesellschaftlichen Wandel und das Aufkommen der „Neuen Frau“ in der Weimarer Republik, beleuchtet die Rolle der Massenmedien und diskutiert neue Lebensmodelle sowie die schwierige Vereinbarkeit von Erwerbsarbeit und privater Lebensgestaltung.

2. „Das kunstseidene Mädchen“ von Irmgard Keun: Hier wird der Roman von Irmgard Keun analysiert, wobei die Protagonistin Doris als ambivalente Figur zwischen dem Wunsch nach Unabhängigkeit und der fortbestehenden finanziellen Abhängigkeit von Männern im großstädtischen Berlin dargestellt wird.

3. Marieluise Fleißer: Dieser Abschnitt untersucht das Werk von Marieluise Fleißer, insbesondere die Darstellung der weiblichen Lebenswelt in der Provinz und den Konflikt zwischen dem Individuum und den kleinstädtischen sozialen Strukturen.

4. „Großstadtliebe“ von Mascha Kaléko: Das letzte inhaltliche Kapitel analysiert die Lyrik von Mascha Kaléko, die durch eine nüchterne Beobachtung des modernen Alltags in Berlin und die Darstellung flüchtiger Liebesbeziehungen im Kontext der Neuen Sachlichkeit geprägt ist.

Schlüsselwörter

Weimarer Republik, Neue Frau, Neue Sachlichkeit, Großstadtliteratur, Berlin, Irmgard Keun, Marieluise Fleißer, Mascha Kaléko, Emanzipation, Geschlechterrollen, Provinz, Liebesbeziehung, Berufstätigkeit, Identität, Alltagssprache.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die Lebensrealitäten und Identitätsentwürfe von Frauen in der Literatur der Weimarer Republik, speziell unter dem Einfluss der gegensätzlichen Lebensräume Großstadt (Berlin) und Provinz.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Zentrum stehen das Idealbild der „Neuen Frau“, die Spannung zwischen Emanzipation und traditionellen Abhängigkeitsverhältnissen sowie die literarische Auseinandersetzung mit modernen Lebensformen im Kontext der Neuen Sachlichkeit.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, Unterschiede und Gemeinsamkeiten im Frauenbild innerhalb der literarischen Werke von Keun, Fleißer und Kaléko herauszuarbeiten und zu hinterfragen, wie sich Selbstständigkeit und Liebe unter den zeitgenössischen gesellschaftlichen Bedingungen vereinbaren ließen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den historischen Kontext der Weimarer Republik mit einer werkimmanenten Untersuchung der ausgewählten Romane und Gedichte verbindet.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Hintergründe, die Untersuchung des Romans „Das kunstseidene Mädchen“, die Auseinandersetzung mit dem Werk von Marieluise Fleißer sowie die Betrachtung der Lyrik von Mascha Kaléko.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie „Neue Frau“, „Neue Sachlichkeit“, „Großstadt“, „Emanzipation“ und die Analyse spezifischer Autorinnen wie „Irmgard Keun“, „Marieluise Fleißer“ und „Mascha Kaléko“ charakterisieren.

Inwiefern unterscheidet sich die Protagonistin in Fleißers „Mehlreisende Frieda Geier“ von anderen Frauenfiguren?

Frieda Geier ist als „Ein-Frau-Unternehmerin“ in der Provinz tätig und repräsentiert ein älteres, qualifizierteres Modell der „Neuen Frau“, das zwar beruflich unabhängig ist, aber an den sozialen Normen der Provinz und der Beziehung zu Gustl scheitert.

Welche Rolle spielt die Großstadt Berlin in den Werken von Irmgard Keun und Mascha Kaléko?

Berlin fungiert sowohl als Ort der verheißungsvollen Freiheit und Selbstverwirklichung als auch als distanzierte Kulisse, in der sich die Protagonistinnen in einem funktionalen, oft entindividualisierten Alltag zurechtfinden müssen.

Welche Bedeutung hat der „Pioniere in Ingolstadt“-Skandal für die literarische Arbeit von Marieluise Fleißer?

Der Skandal um das Stück markierte einen tiefen Einschnitt in Fleißers Leben und Werk; er verdeutlichte den Konflikt zwischen dem liberalen Geist der Metropole und den konservativen, teils feindseligen Reaktionen der Provinz.

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Details

Title
Zwischen Provinz und Metropole – Weibliche Lebenswelten in der Weimarer Republik in den Texten von Irmgard Keun, Marieluise Fleißer und Mascha Kaléko
College
Martin Luther University
Grade
2,0
Author
Julia Grubitzch (Author)
Publication Year
2010
Pages
97
Catalog Number
V153255
ISBN (eBook)
9783640652686
ISBN (Book)
9783640652921
Language
German
Tags
Zwischen Provinz Metropole Weibliche Lebenswelten Weimarer Republik Texten Irmgard Keun Marieluise Fleißer Mascha Kaléko
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Julia Grubitzch (Author), 2010, Zwischen Provinz und Metropole – Weibliche Lebenswelten in der Weimarer Republik in den Texten von Irmgard Keun, Marieluise Fleißer und Mascha Kaléko, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/153255
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