In der vorliegenden wissenschaftlichen Ausarbeitung zur soziologischen Kommunikationstheorie von Pierre Bourdieu werde ich sein Unterfangen, eine soziologische Position jenseits von jedem Subjektivismus und Objektivismus zu formulieren, in prägnanter Weise nachzeichnen. „Wie können Verhaltensweisen geregelt sein, ohne dass ihnen eine Befolgung von Regeln zugrunde liegt?“ (Bourdieu, P., Rede und Antwort. Frankfurt am Main, 1992, 85f.), bildet dabei die Ausgangsfrage seiner Kulturtheorie, die er primär mit dem Terminus des Habitus zu beantworten sucht.
Inhaltsverzeichnis
1. Pierre Bourdieu und die Ökonomie des sprachlichen Tauschs
2. Soziologische Sprachtheorie und zentrale Termini
2.1 Habitus
2.2 Soziale Klasse, soziales Feld und Raum
2.3 Kapitalbegriff
3. Kommunikation und symbolische Macht
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, die soziologische Kommunikationstheorie von Pierre Bourdieu zu erläutern und seine Position, die eine Synthese aus Subjektivismus und Objektivismus anstrebt, darzulegen. Dabei wird untersucht, wie soziale Ordnungsstrukturen die Kommunikation des Individuums beeinflussen und welche Rolle dabei Begriffe wie Habitus und Kapital spielen.
- Vermittlung zwischen objektivistischen und subjektivistischen Ansätzen
- Erläuterung der zentralen Termini: Habitus, soziales Feld, soziale Klasse und Kapital
- Analyse des Zusammenhangs zwischen sprachlicher Praxis und sozialer Herkunft
- Untersuchung von Sprache als symbolische Macht in sozialen Diskursen
Auszug aus dem Buch
Der Schlüsselbegriff für die Theorie Bourdieus bildet das Konzept des Habitus.
In einem allgemeinen Zugang versteht er unter dem Habitus eine soziologische Kategorie, die ein gesellschaftlich bedingtes Dispositionssystem von verschiedenen Akteuren darstellt, d.h. es geht um die vielschichtigen Bedeutungen von Fähigkeiten, Gewohnheiten und Haltungen. Dieses System setzt sich aus drei unterschiedlichen Schemata zusammen: den Wahrnehmungsschema, den Denkschema und den Handlungsschema.
Der Habitus des Akteurs, als generatives Prinzip, kann somit zusammenfassend als Inkorporation äußerer sozialer Existenzbedingen beschrieben werden. Der Terminus des Habitus versucht folglich, zwischen den komplementären Einseitigkeiten des Objektivismus und des Subjektivismus zu vermitteln (siehe hierzu genauer: Krais, B.; Gebauer, G., Habitus, Bielefeld 2002, 18-25).
Neben dem Habitus verobjektiviert sich die soziale Realität auch in den verschiedenen Ordnungen und Institutionen des sozialen Raumes. Die Größe des sozialen Raumes ist „durch die gegenseitige Exklusion oder Destinktion der ihn konstituierenden Positionen definiert“ (Bourdieu, P., Meditationen. Zur Kritik der scholastischen Vernunft, Frankfurt am Main 2001, 172). Der soziale Raum wiederum ist durch soziale Klassen, soziale Felder und der geschlechtlichen Arbeitsteilung strukturiert.
Zusammenfassung der Kapitel
Pierre Bourdieu und die Ökonomie des sprachlichen Tauschs: Einleitung in das theoretische Vorhaben Bourdieus, die soziale Praxis jenseits von Subjektivismus und Objektivismus zu verorten.
Soziologische Sprachtheorie und zentrale Termini: Detaillierte Darstellung der Begriffe Habitus, soziale Klasse, soziales Feld und Kapital als Fundament für das Verständnis von Sprache als soziale Praxis.
Kommunikation und symbolische Macht: Untersuchung der Art und Weise, wie Sprache durch soziale Machtverhältnisse geformt wird und selbst als Mittel zur Konstruktion sozialer Realität dient.
Schlüsselwörter
Pierre Bourdieu, Habitus, sozialer Raum, soziales Feld, Kapital, symbolische Macht, Kommunikationstheorie, sprachlicher Markt, soziologische Praxis, Distinktion, soziale Klasse, Konstruktion, Handlungsschema, Kommunikation, Macht.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die soziologische Kommunikationstheorie von Pierre Bourdieu und wie er menschliches Handeln in einen sozialen Zusammenhang einbettet.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Überwindung des Gegensatzes von Subjektivismus und Objektivismus sowie die Analyse von Sprache als symbolische Macht.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, nachzuzeichnen, wie Bourdieu soziale Ordnungsstrukturen mit individuellen Handlungsweisen verknüpft, um eine konsistente Theorie der Praxis zu formulieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung und Interpretation soziologischer Fachliteratur, um die zentralen Begrifflichkeiten Bourdieus zu systematisieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die vier Kernbegriffe (Habitus, soziale Klasse, soziales Feld, Kapital) erläutert und ihre Bedeutung für die Kommunikation analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich am besten durch Begriffe wie Habitus, symbolische Macht und soziale Felder beschreiben.
Warum spielt der Kapitalbegriff eine so wichtige Rolle?
Der Kapitalbegriff (soziales, kulturelles, ökonomisches und symbolisches Kapital) ist die Voraussetzung für die Reproduktion des Habitus und bestimmt die Positionierung im sozialen Raum.
Inwiefern beeinflusst die soziale Herkunft die Kommunikation?
Laut Bourdieu sind kommunikative Ausdrucksformen stets mit sozialen Ordnungsmustern und damit der Herkunft verknüpft, da jedes Sprechen einen spezifischen Distinktionswert besitzt.
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- Ulrike M. S. Röhl (Author), 2010, Pierre Bourdieu und die Ökonomie des sprachlichen Tauschs, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/153305