Im Kontext einer sprachgeschichtlichen Analyse des 18. Jahrhunderts möchte ich in meiner Hausarbeit das Thema „Die sprachgeschichtliche Leistung des deutschen Pietismus“ erörtern. Dieses Thema spielt für die Betrachtung der deutschen Sprache im 18. Jahrhundert insofern eine wichtige Rolle, da es innerhalb des 18. Jahrhundert zu vielen Veränderungen und nebeneinander auftretenden Strömungen kam, in die auch der Pietismus als konfessionelle Reformbewegung einzuordnen ist. Im Rahmen meiner Hausarbeit möchte ich folgende These thematisieren: Der deutsche Pietismus wurde und wird mit den Stichworten belegt wie kontrakulturell, irrational, Subjektivismus und Empfindsamkeit. Die sprachgeschichtliche Leistung des deutschen Pietismus besteht weniger in der Hervorbringung eines Seelen- und Gefühlswortschatzes als vielmehr in der Säkularisierung religiösen Wortschatzes für den allgemeinen Gefühlswortschatz.
Die dem Pietismus entgegengebrachte Kritik der Kontrakulturalität und des Subjektivismus möchte ich demnach in meiner Arbeit ebenso in den Blick nehmen wie den Wortschatz des deutschen Pietismus, den August Langen in seinem gleichnamigen Werk gesammelt und dargelegt hat. Bevor ich im Hauptteil meiner Hausarbeit diese These bearbeiten werde, möchte ich jedoch zunächst einen kurzen literarhistorischen Einstieg vornehmen, um ein grundlegendes Verständnis zu den Rezipienten und Produzenten des 18. Jahrhunderts zu schaffen. Im Anschluss daran soll außerdem eine allgemeine überblicksartige Einführung zum Pietismus gegeben werden, nach der ich die These bearbeiten möchte. Abschließend werde ich dann einen kurzen Exkurs zur Herrnhuter Brüdergemeine und deren Gründungsvater Nikolaus Graf von Zinzendorf machen, wobei es sich hier um ein exemplarisches Beispiel für einen bedeutenden Pietisten und dessen Wirkungsstätte handeln soll.
Während ich mich bei der Thematik des deutschen Pietismus im 18. Jahrhundert zentral mit dem Verhältnis zur Kultur und dem Wortschatz befassen möchte, könnte man auch die Rolle der Frau im Umfeld des Pietismus in den Mittelpunkt der Betrachtungen rücken, was ich jedoch nur am Rande thematisieren werde. Auch die Sprach- und Dichtungstheorie Zinzendorfs wäre ein weiterer zu untersuchender Aspekt, den ich in meiner Arbeit allerdings komplett vernachlässigen werde, da ich lediglich einen kurzen Exkurs zum Leben und Wirken Zinzendorfs machen möchte.
Inhaltsverzeichnis
1.) Einleitung
1.1) Vorbemerkungen zum Thema „Die sprachgeschichtliche Leistung des deutschen Pietismus“
1.2) Literarhistorischer Hintergrund
2.) Hauptteil
2.1) Überblick über den Pietismus
2.2) Der Pietismus eine kontrakulturelle Bewegung?
2.3) Der pietistische Wortschatz
3.) Schlussteil
3.1) Zinzendorf und die Herrnhuter Brüdergemeine als Beispiel pietistischen Wirkens
3.2) Zusammenfassung und Beurteilung des Pietismus
4.) Quellen- und Literaturverzeichnis
4.1) Quellen
4.2) Forschungsliteratur
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die sprachgeschichtliche Relevanz des deutschen Pietismus im 18. Jahrhundert und prüft die These, ob der Pietismus primär einen neuen Gefühlswortschatz schuf oder vielmehr zur Säkularisierung religiöser Begriffe für den allgemeinen Sprachgebrauch beitrug.
- Analyse des Pietismus als konfessionelle Reformbewegung und dessen kulturelle Einordnung.
- Untersuchung des pietistischen Wortschatzes und dessen Verbreitung in nichtreligiöse Kontexte.
- Kritische Auseinandersetzung mit der methodischen Vorgehensweise von August Langen.
- Exkurs zur Bedeutung von Nikolaus Graf von Zinzendorf und der Herrnhuter Brüdergemeine.
- Evaluation der Säkularisierung des Gefühlswortschatzes im 18. Jahrhundert.
Auszug aus dem Buch
2.3) Der pietistische Wortschatz
Nachdem ich im vorangegangenen Kapitel herausgestellt habe, dass man beim deutschen Pietismus generell weder von einer Kontrakulturalität noch von Irrationalismus sprechen kann, sondern das immer gesondert auf einzelne Bereiche und pietistische Gruppen bezogen sehen muss, möchte ich in diesem Abschnitt auf den zweiten Teil der These eingehen, der sich mit dem pietistischen Wortschatz befassen soll.
Hans Eggers formulierte bezüglich der Wirkung der Pietisten auf die deutsche Sprache, dass sie „nicht eigentlich die Schöpfer des Seelen- und Gefühlswortschatzes [waren]. Ihre Bedeutung vielmehr darin [liegt], daß sie schon fast versiegte Quellen wieder zum Strömen gebracht haben.“ Denn mithilfe ihrer religiösen Schriften haben sie den alten innerkirchlichen, religiösen Wortschatz wieder ins Bewusstsein der Menschen zurückgeholt, ihn populär gemacht und weiterentwickelt, sodass er auch wieder von der Ober- und Mittelschicht im alltäglichen Frömmigkeits- und Gesellschaftsdiskurs genutzt wurde. Für den im Pietismus gebräuchlichen Wortschatz bezog man sich vor allem auf Wörter aus den Kirchenliedern, der Lutherbibel, der Mystik und der Barockdichtung, wobei auch ausländische Wörter eingeflochten wurden.
Zusammenfassung der Kapitel
1.) Einleitung: Einführung in die Thematik der sprachgeschichtlichen Leistung des Pietismus sowie Darlegung der Forschungsabsicht und der zu prüfenden These.
1.1) Vorbemerkungen zum Thema „Die sprachgeschichtliche Leistung des deutschen Pietismus“: Erläuterung der zentralen Fragestellung, die sich mit der Säkularisierung religiöser Wortschätze durch pietistische Einflüsse befasst.
1.2) Literarhistorischer Hintergrund: Knapper Überblick über die sozio-kulturellen Rahmenbedingungen der Buchproduktion und Rezeption im 18. Jahrhundert.
2.) Hauptteil: Analyse des Pietismus als Reformbewegung, der verschiedenen Strömungen und deren inhaltlicher Ausrichtung.
2.1) Überblick über den Pietismus: Skizzierung der Entstehung des Pietismus unter Philipp Jacob Spener und Einordnung der Bewegung in die Zeit des 17. und 18. Jahrhunderts.
2.2) Der Pietismus eine kontrakulturelle Bewegung?: Auseinandersetzung mit Vorwürfen der Kulturfeindlichkeit und Untersuchung der verschiedenen pietistischen Gruppenansätze.
2.3) Der pietistische Wortschatz: Untersuchung des Einflusses der Pietisten auf die deutsche Sprache und kritische Betrachtung der Wortsammlungen von August Langen.
3.) Schlussteil: Zusammenfassende Beurteilung der Ergebnisse und Exkurs zu spezifischen Wirkungsbeispielen.
3.1) Zinzendorf und die Herrnhuter Brüdergemeine als Beispiel pietistischen Wirkens: Darstellung des Lebens von Zinzendorf und der Bedeutung der Herrnhuter Brüdergemeine als exemplarisches Modell.
3.2) Zusammenfassung und Beurteilung des Pietismus: Abschließendes Fazit zur Vielfalt der pietistischen Bewegung und Bestätigung der Säkularisierungsthese.
4.) Quellen- und Literaturverzeichnis: Auflistung der im Rahmen der Untersuchung herangezogenen Primär- und Sekundärquellen.
4.1) Quellen: Zusammenstellung der genutzten historischen Gesangbücher und Quellentexte.
4.2) Forschungsliteratur: Verzeichnis der wissenschaftlichen Fachliteratur zur Vertiefung des Themas.
Schlüsselwörter
Pietismus, Sprachgeschichte, Gefühlswortschatz, Säkularisierung, Zinzendorf, Herrnhuter Brüdergemeine, Religion, 18. Jahrhundert, Literaturgeschichte, Frömmigkeit, August Langen, Reformation, Reformbewegung, Empfindsamkeit, Subjektivismus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der sprachgeschichtlichen Leistung des deutschen Pietismus im 18. Jahrhundert und dessen Beitrag zur Entwicklung des modernen Gefühlswortschatzes.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die Einordnung des Pietismus als Reformbewegung, die Untersuchung des pietistischen Sprachgebrauchs und die historische Wirkung dieser Strömungen auf die Gesellschaft.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Ziel ist es zu belegen, dass der Pietismus nicht primär einen neuen Gefühlswortschatz erschuf, sondern religiöse Begrifflichkeiten durch Säkularisierung in den allgemeinen Sprachgebrauch überführte.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt eine historisch-philologische Herangehensweise, ergänzt durch eine kritische Rezeption bestehender Forschungsliteratur, insbesondere der Monographie von August Langen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die historischen Grundlagen des Pietismus, die Kontroverse um den Vorwurf der Kontrakulturalität sowie die sprachlichen Mechanismen des pietistischen Wortinventars.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Schlüsselbegriffe sind Pietismus, Säkularisierung, Gefühlswortschatz, Zinzendorf, Herrnhuter Brüdergemeine und die Sprachentwicklung des 18. Jahrhunderts.
Wie bewertet die Autorin die Rolle von August Langen?
Obwohl Langens Arbeit als umfassende Materialsammlung geschätzt wird, übt die Autorin scharfe Kritik an seiner methodischen Vorgehensweise bei der Selektion und Einordnung der Wörter.
Welche Bedeutung kommt Nikolaus Graf von Zinzendorf zu?
Zinzendorf und seine Herrnhuter Brüdergemeine dienen als exemplarisches Fallbeispiel für eine pietistische Gemeinschaft, die trotz religiöser Abgeschiedenheit einen intensiven kulturellen Austausch pflegte.
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- Anonym (Author), 2008, Die sprachgeschichtliche Leistung des deutschen Pietismus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/153362