[...] Wie die Frage „Perikles - Demokratie eines Tyrannen?“ bereits andeutet, soll es mir dabei sowohl um die Reformen des Perikles gehen, aufgrund derer er von einigen Forschern nach Solon und Kleisthenes als Vollender der demokratischen Verfassung gesehen wird, als auch um den Vorwurf der Tyrannenherrschaft, der ebenfalls in der Forschung viel diskutiert wurde. Gleichzeitig ist für mich jedoch auch von großem Interesse, welche Charakteristika ihn für einige Historiker zum Tyrannen machten und welche Gegenargumente es gibt.
Die Frage nach Demokratie und Tyrannei erscheint mir aus heutiger Sicht vor allem von großem Interesse, da man aus der Geschichte der Vergangenheit für die Gegenwart und Zukunft lernen kann, es meines Erachtens sogar sollte. Außerdem handelt es sich bei dem Thema „Demokratie“ um ein zeitloses; so waren die Athener die ersten, die die Demokratie realisierten und praktizierten, aber gleichzeitig ist der Demokratiebegriff einer der häufigsten missbrauchten, instrumentalisierten und diskutierten überhaupt. Denn das Demokratieverständnis war und ist zu verschiedenen Zeiten und an jedem Ort anders, wenngleich immer derselbe Begriff verwendet wurde und wird. Aus heutiger Sicht erscheint die Demokratie als die beste Staatsform, die es auch von jedem Staat anzustreben gilt. Dies ist sogar in den aktuellen Lehrplänen verankert, indem es beispielsweise heißt, dass die Schüler erkennen sollen, „dass die Stabilität einer Demokratie vom Engagement ihrer Bürger abhängt und die demokratische Verfassungsordnung geschützt und verteidigt werden muss“ .
Um die Reformen des Perikles und seine Rolle bei der Entstehung der Demokratie historisch besser einordnen zu können, möchte ich zunächst einen knappen Überblick über die Reformen des Solon und Kleisthenes geben. Zentral werde ich mich dann mit den verschiedenen Quellen und Forschungsmeinungen zur Herrschaft von Perikles auseinandersetzen. Dabei wird sein Leben und Wirken für meine Fragestellung nur auf innenpolitischer Ebene eine Rolle spielen, sodass ich die militärischen Auseinandersetzungen in meiner Hausarbeit gänzlich außer Acht lasse. Abschließend werden dann noch einmal alle wesentlichen Aspekte kurz zusammengefasst und von mir beurteilt. [...]
Inhaltsverzeichnis
1.) Einleitung
1.1) Vorbemerkungen zum Thema „Perikles - Demokratie eines Tyrannen?“
1.2) Die athenische Demokratie vor Perikles
2.) Hauptteil
2.1) Die Reformen in perikleischer Zeit
2.2) Die Herrschaft des Ersten Mannes
3.) Schlussteil
3.1) Zusammenfassung und Beurteilung Perikles‘ Herrschaft
4.) Quellen- und Literaturverzeichnis
4.1) Quellen
4.2) Forschungsliteratur
4.3) Internetquellen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die politische Rolle des Perikles im antiken Athen mit dem Fokus auf die Frage, ob sein Wirken als demokratisch zu bewerten ist oder den Vorwurf einer Tyrannenherrschaft rechtfertigt. Dabei wird analysiert, inwieweit seine innenpolitischen Reformen die demokratische Teilhabe breiterer Bevölkerungsschichten ermöglichten oder primär seiner Machtfestigung dienten.
- Reformen in der perikleischen Zeit und deren Bedeutung für die Demokratieentwicklung
- Die Rolle des Areopags und die Verlagerung politischer Macht
- Sozialpolitische Maßnahmen wie Richter- und Ratsherrensold sowie das Schaugeld
- Das Bürgerrechtsgesetz von 451/50 v. Chr.
- Die Charakterisierung von Perikles als „Erster Mann“ im Spannungsfeld zwischen Demokratie und Tyrannei
Auszug aus dem Buch
2.1) Die Reformen in perikleischer Zeit
Wie der Titel bereits erahnen lässt, soll es in diesem Abschnitt nicht nur um die Reformen des Perikles gehen, sondern auch um die des Ephialtes, in dessen Schatten Perikles lange Zeit stand, bis er Nutznießer dessen Ermordung wurde.48
Die 462/1 v. Chr. von Ephialtes eingeführten Reformen stellten weitere „Etappen der Demokratieentwicklung“49 dar, denn er verlagerte die Macht des Areopags auf die Gerichte, den Rat und die Ekklesia. Diese Verlagerung kam einer Entmachtung des Areopags gleich, sodass dieser nur noch religiöse Funktionen hatte.50 Plutarch äußerte sich zur Entmachtung der Areopagiten und der Rolle Perikles dabei folgendermaßen:
„Als er [Kimon - J. H.] aber wieder zu einem Feldzug ausgefahren war, fühlte die Menge sich aller Zügel entledigt, beseitigte die bestehende Staatsordnung und die väterlichen Bräuche, nach denen sie bisher gelebt hatten, nahm unter Führung des Ephialtes dem Rat auf dem Areopag bis auf wenige Ausnahmen die Gerichtshoheit, machte sich selbst zur Herrin der Gerichte und stürzte so den Staat in eine uneingeschränkte Demokratie, wobei auch Perikles schon ein Wort mitredete und die Sache des Volkes vertrat.“51
Mit diesem Zitat wird zudem deutlich, dass Kimon zu dieser Zeit deren politischer Gegner darstellte und „nach seiner Rückkehr äußerst entrüstet war über die Herabwürdigung des Areopagrates und den Versuch machte, ihm die Gerichtshoheit wiederzugeben und die Aristokratie der Zeit des Kleisthenes wiederherzustellen“52. Kimon blieb es jedoch vergönnt, die Reformen des Ephialtes53 rückgängig zu machen und wurde stattdessen 461 v. Chr. ostrakisiert.
Zusammenfassung der Kapitel
1.) Einleitung: Die Einleitung steckt den Kontext des Aufstiegs Athens ab und formuliert die zentrale Fragestellung, ob Perikles als Vollender der demokratischen Verfassung oder als Tyrann zu betrachten ist.
2.) Hauptteil: Der Hauptteil analysiert die Reformen unter Ephialtes und Perikles, die sozialen Auswirkungen der Besoldung politischer Ämter sowie die Stellung des „Ersten Mannes“ innerhalb der Strategen.
3.) Schlussteil: Der Schlussteil fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass die Reformen als stetiger, nicht bewusst auf Demokratie zielender Prozess zu verstehen sind und Perikles trotz seiner Vormachtstellung kein Tyrann war.
4.) Quellen- und Literaturverzeichnis: Dieses Kapitel listet alle verwendeten antiken Quellen sowie die moderne Forschungsliteratur auf.
Schlüsselwörter
Perikles, Athen, Demokratie, Tyrannei, Ephialtes, Areopag, Volksversammlung, Strategenamt, soziale Reformen, Bürgerrecht, Partizipation, Antike, Machtpolitik, Politische Führung, Rhetorik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die historische Bewertung von Perikles als politischer Akteur im antiken Athen und hinterfragt den Vorwurf einer Tyrannenherrschaft angesichts seiner Rolle bei der Entwicklung der athenischen Demokratie.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Im Mittelpunkt stehen die innenpolitischen Reformen der perikleischen Zeit, die Rolle des Areopags, die Bedeutung finanzieller Zuwendungen für die politische Partizipation sowie das Spannungsfeld zwischen der Machtstellung des „Ersten Mannes“ und demokratischen Prinzipien.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, eine historisch fundierte Einordnung von Perikles vorzunehmen und kritisch zu prüfen, ob die in der Forschung diskutierten Vorwürfe einer tyrannischen Herrschaft im Vergleich zu seinem Beitrag zur Demokratisierung stichhaltig sind.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Es handelt sich um eine historische Analyse, die sich primär auf die Auswertung antiker Quellen (u.a. Thukydides, Plutarch, Aristoteles) und deren Interpretation durch moderne geschichtswissenschaftliche Forschungsliteratur stützt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Reformen (insbesondere durch Ephialtes und Perikles) sowie die Analyse der Herrschaftsausübung von Perikles als Stratege und politisches Führungsorgan.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Perikles, Athen, Demokratieentwicklung, Partizipation, Machtpolitik, Tyrannenvorwurf und athenische Institutionen.
Warum spielt das Losverfahren für den Autor eine besondere Rolle?
Der Autor diskutiert das Losverfahren als Instrument der Demokratisierung, das zwar die Gleichheit der Chancen förderte, jedoch wegen mangelnder juristischer Fachkenntnisse in den Geschworenengerichten in der Forschung kontrovers debattiert wird.
Wie bewertet der Autor den Vorwurf, Perikles habe das Volk „bestochen“?
Der Autor argumentiert, dass Maßnahmen wie das Schaugeld oder die Diäten zwar ein Mittel zur Gunstgewinnung des Volkes darstellten, aber vordergründig die politische Teilhabe ärmerer Bevölkerungsschichten ermöglichten und somit als Teil der demokratischen Partizipation zu werten sind.
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- Anonym (Autor), 2009, Perikles Demokratie eines Tyrannen, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/153372