Wissenschaftlicher Literaturvergleich zum Thema Asset und Portfoliomanagement
Die aktuelle Finanzkrise hat die Wirtschaft in ihren Grundfesten erschüttert. Ausgehend von den USA in Form der so genannten „Subprime-Krise“ hat sie Europa Ende 2007 erreicht. Vor allem im Vergleich mit der Weltwirtschaftskrise 1929 und dem Platzen der „Dotcom-Blase“ 2000 sind
erhebliche Unterschiede auszumachen. Die Ursachen dieser Krisen resultierten aus der Überbewertung von Wertpapieren und mündeten in einen Börsencrash. Die Finanzkrise hat ihren Ursprung im Wertverlust bestimmter Forderungen und brachte nicht nur Banken sondern das gesamte Weltwirtschaftssystem an den Rand des Abgrundes. Der Vertrauensverlust zwischen den Banken führte zu starken Liquiditätsengpässen. Diese konnten nur durch massives Gegensteuern der europäischen Zentralbank gemildert werden.
Im Rahmen meiner beruflichen Tätigkeit in einer steirischen Regionalbank habe ich nicht nur diese Krise hautnah miterlebt, sondern bin jeden Tag mit ihren Auswirkungen konfrontiert. Durch das Leiten von Vertriebseinheiten bzw. die Betreuung von Freiberuflern und „gehobenen
Privatkunden“ ist meine tägliche Arbeit durch starke Kundennähe geprägt. Als bisherige Erkenntnis aus der Krise kann beim privaten Investor eine deutliche Veränderung des Anlageverhaltens gepaart mit einem gewissen Maß an Orientierungslosigkeit festgestellt werden. Während im Rahmen des Börsencrash 2000 lediglich eine Verschiebung der Anlagepräferenzen
von riskanten zu sicheren Anlageformen zu beobachten war, wird heute von manchen Kunden das gesamte Finanzsystem in Frage gestellt.
Trotz der erwähnten schwierigen Rahmenbedingungen, von volatilen Märkten bis zur Orientierungslosigkeit der Kunden, besteht meine berufliche Herausforderung in der Zusammenstellung eines für den Anleger optimalen Wertpapierdepots. Mein Beratungskonzept im Bereich der Veranlagung stellt zwei Schwerpunkte in den Fordergrund. Zum einen empfehle
ich das Portfolio möglichst breit und gut diversifiziert aufzustellen. Zum anderen bin ich davon überzeugt, dass gerade in schwierigen Zeiten, eine gewisse - wenn auch vorläufig untergewichtete Aktienanlage in den Depots der Privatanleger einen Beitrag zu einer langfristig zufrieden stellenden Performance liefert. Diesen von mir in der Praxis eingesetzten
Beratungsansatz möchte ich anhand des folgenden Literaturstudiums einer Prüfung unterziehen.[...]
Inhaltsverzeichnis
1.Einleitung
2.Ziele des Investors
2.1.Das Magische Dreieck
2.2.Rendite
2.3.Risiko
2.3.1.Risiko nach Markowitz
2.3.2.Risiko nach Roy
2.3.3.Weitere Risikomaße
2.4.Liquidität
2.5.Investment-Opportunity-Set
3.Kundensegmentierung
3.1.Einteilung und Beratung nach dem Wertpapieraufsichtsgesetz 2007 (WAG)
3.2.Einteilung nach dem Veranlagungsvolumen
4.Auswahl und Zusammensetzung der Assets
4.1.Asset Allocation im weiteren Sinn
4.2.Strategische Asset Allocation
4.3.Taktische Asset Allocation
5.Anlagestile
5.1.Die Ertragserwartungen des Anlegers
5.2.Aktives versus passives Portfoliomanagement
5.3.Core-Satellite-Ansatz
5.4.Timing
5.5.Stock-Picking
5.6.Zyklisches Investment
5.7.Long-Short-Strategie
5.8.Value- versus Growth-Strategie
5.9.Börsengurus
6.Portfoliotheorie
6.1.Die Markttechnik
6.2.Die Fundamentalanalyse
6.3.Die Moderne Portfoliotheorie
7.Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Masterarbeit befasst sich mit den Herausforderungen und Methoden der modernen Portfoliozusammenstellung für Privatkunden unter Berücksichtigung von Risiko-, Rendite- und Liquiditätsaspekten. Ziel ist es, einen fundierten Beratungsansatz für die Praxis zu validieren, der eine breite Diversifikation mit einer langfristig ausgerichteten Aktienstrategie kombiniert.
- Analyse des "Magischen Dreiecks" der Kapitalanlage
- Methoden der Kundensegmentierung und Risikotoleranz
- Strategische vs. Taktische Asset Allocation
- Vergleich aktiver und passiver Anlagestrategien
- Fundamentale Analyse und moderne Portfoliotheorie
Auszug aus dem Buch
4.2.Strategische Asset Allocation
Aus Abbildung 4 gehen die fünf möglichen Dimensionen hervor, innerhalb derer Diversifikationseffekte erzielt werden können. Drei Bereiche davon fallen der strategischen bzw. zwei der taktischen Asset Allocation zu. Grundsätzlich ist der strategischen ein deutlich höherer Einfluss auf die Portfoliorendite beizumessen als der taktischen Asset Allocation. Richtet der Investor sein Portfolio und die darin gewichteten Kapitalanlagen langfristig aus, spricht man von der strategischen Asset Allocation. Dabei werden entsprechend einem vorher festgelegten langfristigen Veranlagungshorizont die Ziele und Wünsche des Kunden erhoben, und darauf abgestimmt, die Gewichtung der einzelnen Produkte im Portfolio vorgenommen.
Bei strategischer Herangehensweise an die Asset Allocation werden Anpassungen des Portfolios nur vorgenommen, wenn sich aufgrund von unterschiedlichen Kursentwicklungen die ursprünglichen Gewichtungen der einzelnen Assetklassen verschoben haben. Unter dem Begriff „rebalanced“ versteht man das Wiederherstellen seinerzeitiger Gewichtungsverhältnisse durch Verkauf oder Kauf von Assets. Durch diese langfristige Ausrichtung der einzelnen Assets können oft hohe Transaktionskosten vermieden werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1.Einleitung: Die Arbeit beleuchtet die Auswirkungen der Finanzkrise auf das Anlegerverhalten und begründet die Notwendigkeit eines diversifizierten, langfristigen Beratungsansatzes.
2.Ziele des Investors: Dieses Kapitel definiert die grundlegenden Kriterien Rendite, Risiko und Liquidität und führt Kennzahlen wie die Volatilität und das Shortfall-Risiko nach Roy ein.
3.Kundensegmentierung: Hier wird die Segmentierung von Kunden nach gesetzlichen Vorgaben (WAG) sowie nach ihrem Anlagevolumen analysiert.
4.Auswahl und Zusammensetzung der Assets: Es werden die verschiedenen Ebenen der Asset Allocation dargestellt, wobei insbesondere die Unterscheidung zwischen strategischer Ausrichtung und taktischer Anpassung im Fokus steht.
5.Anlagestile: Eine umfassende Übersicht über verschiedene Investmentansätze, von passivem Indexing und Core-Satellite-Modellen bis hin zu aktivem Stock-Picking und der Value- vs. Growth-Strategie.
6.Portfoliotheorie: Dieses Kapitel diskutiert die Markttechnik, die Fundamentalanalyse und die mathematischen Grundlagen der modernen Portfoliotheorie nach Markowitz.
7.Fazit: Das Fazit fasst die Relevanz einer auf das individuelle Risikoprofil abgestimmten Asset Allocation zusammen und bewertet die verschiedenen Analyseansätze für die Praxis.
Schlüsselwörter
Asset Allocation, Portfoliomanagement, Risikomanagement, Rendite, Diversifikation, Value-Investing, Growth-Strategie, Markteffizienz, Behavioral Finance, Aktien, Anleihen, Liquidität, Strategische Asset Allocation, Taktische Asset Allocation, Finanzkrise
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie ein optimales Wertpapierdepot für Privatanleger unter schwierigen Marktbedingungen wie der Finanzkrise zusammengestellt werden kann.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten gehören das Risikomanagement, die Diversifikation, die Wahl der Anlagestrategie und die Bedeutung psychologischer Faktoren bei Anlageentscheidungen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, einen in der Praxis eingesetzten Beratungsansatz, der auf breiter Diversifikation und langfristigen Aktieninvestments beruht, wissenschaftlich zu prüfen und zu untermauern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einem tiefgehenden Literaturstudium, das aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse zu Portfoliotheorien und Marktanalysen zusammenführt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert ausführlich die Asset Allocation, verschiedene Anlagestile wie Stock-Picking oder Long-Short-Strategien sowie die Anwendung der modernen Portfoliotheorie.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Asset Allocation, Risikomanagement, Diversifikation, Portfoliomanagement sowie Value- und Growth-Investments.
Was unterscheidet die strategische von der taktischen Asset Allocation?
Die strategische Asset Allocation ist die langfristige Grundstruktur des Portfolios basierend auf dem Anlegerprofil, während die taktische Asset Allocation kurzfristige Marktanpassungen zur Renditeoptimierung vornimmt.
Warum spielt die Behavioral Finance eine Rolle?
Die Arbeit zeigt, dass viele Anleger irrational auf Marktveränderungen reagieren, was die Disziplin der Behavioral Finance wichtig macht, um Anlagefehler wie panische Verkäufe zu vermeiden.
- Arbeit zitieren
- Peter Schwarzenegger (Autor:in), 2010, Asset- und Portfoliomanagement, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/153409