Multikulturelle Schulen – Fluch oder Segen?


Hausarbeit, 2009

16 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

Einleitung

1. Definitionen des Begriffs
1.1 SOR-SMC-Schulen
1.2 Großer Migrationshintergrund als Chance
1.3 Multi-Kulti als Problem

2. Ziele multikultureller Schulen
2.1 Sprachförderung
2.2 Integration
2.3 Schulerfolg
2.4 Interkulturelle Pädagogik

3. Vergleich „normale“ vs. „multikulturelle Schule“
3.1 Gemeinsamkeiten
3.2 Unterschiede

4. Gelungene Integration: Die Ganztagsschule St. Pauli in Hamburg

5. Multikulturelle Schulen - Fluch oder Segen

6. Resümee

7. Literaturverzeichnis

Einleitung:

Die Gesellschaft in der Bundesrepublik wird schon seit einiger Zeit immer vielfältiger. Über sechs Millionen Ausländer leben unter rund 82 Millionen Deutschen - ca. 7,5 Prozent der gesamten Bevölkerung der Bundesrepublik.[1] Andere Kulturen haben andere Sitten und Normen, was das Leben in einem fremden Land nicht immer einfach macht. So gibt es einige ausländische Mitbürger, die sich angleichen, was eine Integration erleichtert, während andere bewusst ihre kulturelle, religiöse und ethnische Identität aufrechterhalten, wodurch sie eher abgelehnt werden. Es herrschen auf Seiten der Deutschen und der ausländischen Mitbürger nach wie vor große Vorurteile, welche das Zusammenleben erschweren. Dieses Phänomen lässt sich auch in Schulen beobachten. Denn auch in diesen gehört es mittlerweile zum normalen Erscheinungsbild einer Schulklasse, dass in ihr Kinder aus verschiedenen Nationen und Kulturen anzutreffen sind. Dass es auch hier schon des Öfteren zu Konflikten gekommen ist, zeigen mehrere Beispiele. Ein ganz aktuelles findet man in einem ZDF Bericht, wo geschrieben steht: „Ein Berliner Gymnasium muss muslimischen Schülern einen Gebetsraum bereitstellen. Sie seien berechtigt, einmal am Tag außerhalb des Unterrichts in der Schule zu beten, urteilte das Verwaltungsgericht Berlin.“[2] Aber das wohl bekannteste Beispiel ist die Rütli-Schule im Berliner Stadtteil Neukölln. Hier baten die Lehrer um Auflösung der Schule, da sie der Gewalt der Schüler nichtmehr standhalten konnten. Zurückgeführt wurde diese Gewalt auf die hohe Anzahl der Ausländer in diesem Stadtteil und somit auch in der Schule. Was 2006 eine große Diskussion über das Schulsystem in Deutschland, der Gewalt an Schulen und der Integration von Kindern mit Migrationshintergrund ausgelöst hat, ist auch heute noch aktuell. In der vorliegenden Arbeit möchte ich mich mit dem Thema „Multikulturelle Schule - Fluch oder Segen?“ auseinander setzen. Was hier relativ provokant formuliert ist, soll im Verlauf der Arbeit verschiedene Sichtweisen auf solche Schulen aufzeigen. Es soll geklärt werden was multikulturelle Schulen sind, wie sie konzipiert sind und welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede sich zu herkömmlichen Schulen aufzeigen lassen. Schließlich möchte ich versuchen eine Antwort auf meine zentrale Frage zu finden. In einem Resümee sollen schließlich alle Ergebnisse zusammenfassend erläutert werden.

1. Definitionen des Begriffs

Bevor man erklären kann, was multikulturelle Schulen sind, und wie sie funktionieren, muss geklärt werden, wie man sie definiert. Wie sich zeigen wird, ist nämlich eine Erklärung des Begriffs erst durch eine genaue Definition möglich. Es gibt verschiedene Ansätze, die multikulturelle Schulen unter verschiedenen Gesichtspunkten betrachten. In diesem Kapitel soll es also darum gehen diese Ansätze kennenzulernen und zu untersuchen, welche Aspekte sie auszeichnen und voneinander unterscheiden.

1.1 SOR-SMC-Schulen

Bei dem ersten Ansatz handelt es sich um Netzwerke von Schulen, die sich aktiv für die Förderung der Zivilcourage einsetzen und gegen den Rassismus kämpfen. Zudem sollen Schüler verschiedener Kulturen nicht nur miteinander sondern auch voneinander lernen. So gibt es Projektwochen, Schüleraustausche und bilingualen Unterricht, was den Schülern helfen soll einander kennen und respektieren zu lernen. Als Beispiel sind hier SOR-SMC- Schulen zu nennen. Hierbei handelt es sich um eine europäische Jugendbewegung. In Deutschland zählt diese Bewegung zu einem der größten Schulnetzwerke. SOR-SMC bedeutet „Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage“ und „ist ein Projekt von und für SchülerInnen, die gegen alle Formen von Diskriminierung, insbesondere Rassismus, aktiv vorgehen und einen Beitrag zu einer gewaltfreien, demokratischen Gesellschaft leisten wollen.“[3] Das bedeutet also, dass sich alle Schulen, die sich diesem Netzwerk anschließen, dazu verpflichten aktiv gegen Rassismus vorzugehen. Zudem wird Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit geboten ihren Beitrag zum Aufbau einer Zivilgesellschaft zu leisten. Zusammengefasst handelt es sich also um Schulen, welche den Schülern Zivilcourage nahelegen möchten und Unterschiede von verschiedenen Kulturen als Chancen zur Weiterentwicklung jedes einzelnen sehen. Dies ist der beste Weg die Schüler auf die globalisierte Welt vorzubereiten und ihnen eine gute Grundeinstellung für die Zukunft zu vermitteln.

1.2 Großer Migrationshintergrund als Chance

Bei dem zweiten Ansatz verhält es sich etwas anders. Nach ihm werden multikulturelle Schulen nicht gegründet, sondern sie entstehen durch eine hohe Anzahl an Schülern mit Migrationshintergrund ohne aktives Eingreifen. An vielen herkömmlichen Schulen wird mit ausländischen Mitschülern meist nicht sehr respektvoll umgegangen und man versucht nach wie vor möglichst viele deutsche Schüler zu unterrichten und die Zahl der ausländischen Schüler gering zu halten. Für Schulen mit einem Anteil von mehr als 40 Prozent fremdsprachiger Schüler, hat der Regierungsrat eine zusätzliche Unterstützung beschlossen, um gerade diesen eine Chance zu geben.[4] So soll der Schulerfolg von mehrsprachigen Klassen und die Integration ausländischer Schüler gleichermaßen gefördert werden.

Wenn man nun multikulturelle Schulen unter diesem zweiten Ansatz betrachtet, so handelt es sich hier um Schulen, welche die wachsende Anzahl an Schülern mit Migrationshintergrund nicht als Problem ansehen, sondern als Chance. So soll dies allen Schülern die Möglichkeit geben die Vorurteile abzulegen und sich näher kennenzulernen. Auch versucht man die ausländischen Schüler so gut man kann zu integrieren, ihnen somit eine Chance zu geben in dem ihnen fremden Land Fuß zu fassen. Man versucht also eine Schule, welche nicht mit dem Anspruch multikulturell zu sein gegründet wurde, als Lösung des Problems „wachsende Migration an Schulen“, in eine solche umzuwandeln.

1.3 Multi-Kulti als Problem

Eine dritte Sichtweise ist die eine eher Negative. Hier wird der Multikulturalismus als Problem gesehen. Gewalt und Rassismus an Schulen wird auf dieses Problem der vielen unterschiedlichen Kulturen die an einem Ort vereint sind geschoben und als unlösbare Tatsache behandelt. Eine solche Situation findet man an vielen herkömmlichen Schulen, wobei herkömmlich bedeutet, dass sich diese Schule nicht mit dem Problem Migration und Integration auseinandersetzt sondern es hinnimmt, völlig ignoriert oder Rassismus und Vorurteile sogar noch fördert, sei es durch Ablehnung ausländischer Schüler oder Nichtbestrafung von Gewalt und Rassismus.

Man sieht also, dass die Bedeutung des Begriffs „Multikulturelle Schule“ je nach Sichtweise variiert. So handelt es sich beim ersten Ansatz um eine Schule, die mit dem Gedanken multikulturell zu sein gegründet wurde und dieser Multikulturalismus gewollt ist und gefördert wird. Der zweite Ansatz hingegen scheint eine Lösung des Problems „Gewalt von und gegen Ausländer in der Schule“ zu sein. Hier wird lediglich auf die wachsende Zahl der ausländischen Schüler reagiert und versucht Probleme zu verhindern oder zu lösen, indem deutsche und ausländische Schüler einander näher gebracht werden und das Miteinander gefördert wird. Der Dritte Ansatz steht im Gegensatz zu den ersten Beiden, da hier auf das Problem gar nicht eingegangen oder es im schlimmsten Fall noch gefördert wird. Im weiteren Verlauf der Arbeit möchte ich mich hauptsächlich mit den ersten beiden Sichtweisen von multikulturellen Schulen beschäftigen, insbesondere, wie solche Schulen aufgebaut sind, wie sie funktionieren und schließlich wie sie sich mit herkömmlichen Schulen vergleichen lassen und welche Vor- und Nachteile es gibt.

2. Ziele multikultureller Schulen

Die grundsätzlichen Ziele einer Schule sind überall gleich. Die Schulen in Deutschland verfolgen vielfältige Bildungsziele. Sie sollen:

„Wissen, Fertigkeiten und Fähigkeiten vermitteln, zu selbstständigem kritischem Urteil, eigenverantwortlichem Handeln und schöpferischer Tätigkeit befähigen, zu Freiheit und Demokratie erziehen, zu Toleranz, Achtung vor der Würde des anderen Menschen und Respekt vor anderen Überzeugungen erziehen, friedliche Gesinnung im Geist der Völkerverständigung wecken, ethische Normen sowie kulturelle und religiöse Werte verständlich machen, die Bereitschaft zu sozialem Handeln und politischer Verantwortlichkeit wecken, zur Wahrnehmung von Rechten und Pflichten in der Gesellschaft befähigen, über die Bedingungen der Arbeitswelt orientieren.”[5]

In multikulturellen Schulen mit einer höheren Anzahl an zwei- oder mehrsprachigen Schülern treten jedoch noch weitere Ziele in den Vordergrund, welche in diesem Kapitel thematisiert werden sollen. Auch soll der Begriff „interkulturelle Pädagogik“ eingebracht und die Zusammenhänge mit multikulturellen Schulen erklärt werden.

2.1 Sprachförderung

Viele ausländische Kinder, die in deutsche Schulen eingeschult werden, beherrschen die deutsche Sprache meist nur mangelhaft bis gar nicht. An herkömmlichen Schulen wird dieses Problem nicht gelöst, sondern lediglich auf die Familie zurückgeschoben, welche sich selbst darum bemühen muss, dem Kind die deutsche Sprache zu vermitteln. Dies erweist sich als sehr schwer, da auch viele Eltern nur sehr gebrochen deutsch sprechen. Multikulturelle Schulen hingegen versuchen dieses Problem innerschulisch zu lösen. So werden in den Klassen gezielt Maßnahmen zur integrativen Sprachförderung eingesetzt. Hierbei wird erst geschaut, ob und wenn ja welcher Bedarf einer Sprachförderung besteht und daraufhin werden die Unterrichtsmodelle die bereits bestehen so ausgebaut, dass der Bedarf gedeckt werden kann. Das bedeutet, dass fördernde Modelle wie „Deutsch als Zweitsprache“ (DaZ) oder „Unterricht in heimatlicher Sprache und Kultur“ (HSK) eingesetzt werden, um den ausländlichen Schülern eine Basis für erfolgreiches Lernen in der Schule zu geben. Zudem wird die Mehrsprachigkeit hier nicht als Problem angesehen, sondern als Chance. So können auch deutsche Schüler von ihren ausländischen Mitschülern etwas über deren Sprache und Kultur lernen.

2.2 Integration

Um ausländische Schüler auf das Leben in einer ihnen fremden Kultur vorzubereiten reicht es nicht aus, ihnen nur die unbekannte Sprache beizubringen. Dies ist zwar eine Grundvoraussetzung, allerdings muss auch dafür gesorgt werden, dass sich die Schüler in die neue Kultur integrieren können und dies sollte bereits in der Schule beginnen. So wird in multikulturellen Schulen sehr darauf geachtet, wie Schüler verschiedener Kulturen miteinander umgehen. Sie sollen sich gegenseitig beim Lernen unterstützen und ihre kulturellen Unterschiede nutzen um auch voneinander zu lernen. Zudem soll jeder Mensch, egal zu welcher Kultur er gehört, akzeptiert und respektiert werden. Denn ein solcher positiver Umgang fördert nicht nur das Lernklima sondern erleichtert besonders Schülern mit Migrationshintergrund das Lernen. Durch die geförderte Lemsituation aber auch durch die Akzeptanz der Anderen, welche das Einleben in die fremde Kultur stark erleichtert, wird es den ausländischen Schülern ermöglicht, sich nach der Schule frei entfalten zu können und einen Beruf auszuüben. Zum Aspekt der Integration zählt allerdings nicht nur das gezielte Arbeiten mit den ausländischen Schülern, sondern auch mit deren Eltern. So können auch diese die deutsche Sprache oftmals nur mangelhaft oder gar nicht sprechen. Ziel ist es also auch den Eltern Hilfe anzubieten, damit diese ihre Kinder unterstützen können und sich selbst leichter einleben.

2.3 Schulerfolg

Ein dritter Aspekt der aus den ersten beiden resultieren soll ist der Schulerfolg. Damit gerade die ausländischen Schüler eine möglichst große Chance auf Schulerfolg haben, wird an multikulturellen Schulen dafür gesorgt, dass dies so gut wie nur möglich von Seiten der Schule gewährleistet werden kann. Was jedoch nicht heißen soll, dass sich die Schüler nicht auch selbst bemühen müssen. Der Erfolg der Schüler soll unter anderem durch eine möglichst geringe Anzahl an Schülern in einer Klasse gesteigert werden, da hier auf jeden einzelnen Schüler besonders eingegangen werden kann und sich Gespräche und Diskussionen in kleineren Gruppen besser führen lassen. Auch werden die Lernziele speziell an die Schüler angepasst, was in herkömmlichen Klassen von bis zu 30 Schülern unmöglich ist. Ein weiterer wichtiger Punkt bei der Steigerung des Schulerfolgs ist die Weiterbildung der Lehrpersonen. So wird speziell ihr Wissen und Können über die integrative und differenzielle Lernförderung geschult, damit auch sie gezielter mit den Schülern arbeiten können. Zudem soll die Entwicklung der Schüler festgehalten werden um zu sehen, wie diese verläuft. Auch auf Interessen der Lernenden soll eingegangen werden um sie auf ihre spätere Laufbahn vorzubereiten und diese zu fördern.

2.4 Interkulturelle Pädagogik

All diese Ziele basieren auf der Form der interkulturellen Pädagogik. In dieser Form der Pädagogik wird die kulturelle Vielfalt zum Ausgangspunkt für interkulturelle Lernprozesse gemacht. Das heißt, man versucht kulturelle Vielfalt weder ausschließlich als Problem wahrzunehmen noch zu verdrängen, sondern die gegebene Situation positiv zu nutzen.

[...]


[1] Vgl. Statistisches Bundesamt Deutschland, Online verfügbar unter:

http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Navigation/Statistiken/Bevoelkerung/Bevo elkerungsstand/Bevoelkerungsstand.psml, letzter Zugriff: 09.09.2009.

[2] Heute.de Magazin: Berliner Schule muss Muslimen Gebetsraum bereitstellen (2009), Online verfügbar unter: http://www.heute.de/ZDFheute/inhalt/24/0,3672,7900472,00.html, letzter Zugriff: 29.09.2009.

[3] Schule ohne Rassismus Schule mit Courage, Online verfügbar unter: http://www.schule-ohne- rassismus.org/das-projekt.html, letzter Zugriff: 09.09.2009.

[4] Konzept: Lehren und Lernen in Multikulturellen Schulen, 2008, Online verfügbar unter: http://www.schulenmitzukunft.ch/pages/unterlagen/dokumente/L+L_MS_Aus schreibung.pdf, letzter Zugriff:

[5] Statistische Veröffentlichungen der Kultusministerkonferenz. Nr. 161 - Juli 2002. KMK-Beschluss Nr. 824,

Online verfügbar unter: http://www.kmk.org/fileadmin/pdf/Statistik/Dok_161_Schule_ in_Deutschland.pdf, letzter Zugriff: 21.09.2009.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Multikulturelle Schulen – Fluch oder Segen?
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Erziehungswissenschaften)
Veranstaltung
Globales Lernen
Note
1,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
16
Katalognummer
V153527
ISBN (eBook)
9783640656721
ISBN (Buch)
9783640656813
Dateigröße
477 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Multikulturelle Schule, Globales Lernen, Integration, SOR-MSC, Schule
Arbeit zitieren
Annika Schalast (Autor), 2009, Multikulturelle Schulen – Fluch oder Segen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/153527

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