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Das Verhältnis zwischen dem Ersten und Zweiten Testament

Eine allgemeine Einführung in die theologische Ethik des Ersten Testaments

Title: Das Verhältnis zwischen dem Ersten und Zweiten Testament

Seminar Paper , 2005 , 21 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Dipl. theol. Peter Hubertus Erdmann (Author)

Theology - Biblical Theology
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Hinter der Formulierung „Theologische Ethik im Ersten Testament“ verbirgt sich die Frage nach einer möglichen Unterscheidung zwischen dem alttestamentlichen und dem neutestamentlichen Gott anhand einer Betrachtung von dessen ethischen Handeln in beiden Testamenten. Beim Überfliegen der beiden Testamente mag mancher Leser den Eindruck eines Gegensatzpaares entwickeln: auf der einen Seite glaubt er beim Ersten Testament (ET) einem gesetzesbewussten, strengen, komplizierten Gott zu begegnen, der den Sünder blutigst niederschlägt. Auf der anderen Seite des Zweiten Testaments (ZT) dagegen sieht der Leser einen Protagonisten für das Herzliche und einen Überwinder von rechtlichen Spitzfindigkeiten, der als liebender Vater dem Sünder mit offenen Armen entgegenläuft. Dadurch kann sich sicherlich die Frage aufdrängen, ob beim Wechsel vom Ersten Testament zum Zweiten Testament nicht verschiedenartige moralische und ethische Auffassungen Gottes aufgezeigt werden. Dies hieße damit nichts anderes, als dass Jesus eine neue Gottesethik gepredigt habe.

Völlig außer acht gelassen wird jedoch bei vielen Menschen, dass manche neutestamentliche Passage ebenfalls einen recht blutrünstigen Charakter innehat. Außerdem wird der Umstand übergangen, dass das ET ebenfalls einen gnädigen, barmherzigen Gott präsentiert.
Der Versuch der vorliegenden Hausarbeit soll deshalb darin bestehen, anhand der Exegese einiger ausgewählter alttestamentlicher Passagen (die Zehn Gebote, das Talionsgesetz, die Rachepsalmen) die positiven Charakterzüge Jahwes zu beleuchten. Wenn wir das so nicht wahrnehmen, dann liegt dies m. E. in unserem selektiven oder fehlenden Wissen um Bibel und jüdische Kultur.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis der Arbeit

1. Problemstellung

2.0. Beispiele für missverstandene Perikopen

2.1. Die Zehn Gebote

2.2. Das Talionsgesetz

2.3. Die Fluch- und Rachepsalmen

3. Die Pluralität der Bibel

4. Die Ethik Gottes im Neuen Testament

5. Zusammenfassung

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht das Verhältnis zwischen dem Ersten und dem Zweiten Testament, insbesondere im Hinblick auf die christliche Wahrnehmung einer moralischen Diskrepanz zwischen dem alttestamentlichen und dem neutestamentlichen Gottesbild. Ziel ist es, durch die Exegese ausgewählter Passagen aufzuzeigen, dass die Annahme eines ethischen Gegensatzpaares auf einer selektiven Bibellektüre beruht und eine Differenzierung in der Wahrnehmung der biblischen Gottesethik notwendig ist.

  • Kritische Reflexion der "Gegensatz-Hypothese" zwischen Altem und Neuem Testament
  • Kontextuelle Analyse der Zehn Gebote und ihrer Befreiungsperspektive
  • Untersuchung der Funktion des Talionsgesetzes als Instrument der Schadensminimierung
  • Theologische Einordnung von Fluch- und Rachepsalmen innerhalb der Rechtsordnung
  • Nachweis einer internen Pluralität beider Testamente

Auszug aus dem Buch

2.2. Das Talionsgesetz

Eine der am meisten missverstandenen Perikopen dürfte der Ausspruch „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ aus dem Buch Exodus sein. Dabei handelt es sich um das sogenannte „Talionsgesetz“, ein Entsprechungsgesetz, welches bei einem Verbrechen die Höhe der Bestrafung festlegen sollte.

Im Gesamtkontext liest man hierbei: „Wenn Männer miteinander raufen und dabei eine schwangere Frau stoßen, dass eine Fehlgeburt eintritt, sie aber nicht stirbt, dann soll der Schuldige eine Geldbusse in der Höhe leisten, die ihm der Eheherr der Frau nach dem Ausspruch von Schiedsrichtern ansetzt. Stirbt sie aber daran, dann gilt: Leben um Leben, Auge um Auge, Zahn um Zahn, Hand um Hand, Fuß um Fuß, Brandmal um Brandmal, Wunde um Wunde, Strieme um Strieme.“

Die Nationalsozialisten missbrauchten dieses Zitat aufs heftigste, um in ihren antisemitischen Propagandafilmen einen pseudotheologischen Beleg für die Rachsucht und Grausamkeit des jüdischen Volks und ihres Gottes vorweisen zu können. Schließlich berechtige der Ausspruch oder fordere ja sogar noch dazu auf, ein Unrecht durch dasselbe Unrecht zu vergelten. Ein oberflächlicher Blick in das Neue Testament könnte diesem Verständnis von einem Gegensatzpaar zwischen alttestamentlicher, jahwistischer Vergeltung und neutestamentlicher, jesuanischer Verzeihung zunächst fast recht geben.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Problemstellung: Diese Einleitung thematisiert den verbreiteten Eindruck eines moralischen Gegensatzes zwischen dem strengen Gott des Ersten Testaments und dem liebenden Gott des Zweiten Testaments.

2.0. Beispiele für missverstandene Perikopen: Hier werden drei konkrete alttestamentliche Textgruppen analysiert, um zu zeigen, dass ihr eigentlicher Sinn oft durch mangelndes kulturelles Kontextwissen verkannt wird.

2.1. Die Zehn Gebote: Das Kapitel arbeitet heraus, dass die Gebote nicht als belastende Gesetze, sondern als ein nach der Befreiung aus Ägypten gegebener Weg zu einem freien Leben zu verstehen sind.

2.2. Das Talionsgesetz: Die Untersuchung verdeutlicht, dass das Talionsgesetz historisch als Instrument zur Schadensbegrenzung und zur Verhinderung exzessiver Rache diente.

2.3. Die Fluch- und Rachepsalmen: Die Psalmen werden hier als Appelle an einen gerechten Richtergott interpretiert, der die verletzte Rechtsordnung wiederherstellen soll, statt eigene Rache auszuüben.

3. Die Pluralität der Bibel: Das Kapitel argumentiert, dass beide Testamente in sich widersprüchliche und komplementäre Gottes- und Menschenbilder enthalten, die eine einseitige Abwertung des Ersten Testaments unmöglich machen.

4. Die Ethik Gottes im Neuen Testament: Hier wird aufgezeigt, dass das Neue Testament ebenfalls Gewaltpotenziale und Strafvorstellungen enthält, die das alttestamentliche Maß teilweise sogar übersteigen.

5. Zusammenfassung: Die Arbeit schließt mit dem Fazit, dass Gott in beiden Testamenten als barmherziger Retter erfahren wird und eine Annahme eines bösartigen Gottesbildes im Alten Testament theologisch nicht haltbar ist.

Schlüsselwörter

Erstes Testament, Zweites Testament, Gottesethik, Talionsgesetz, Zehn Gebote, Exegese, Befreiungstheologie, Schadensminimierung, Pluralität der Bibel, Jahwe, Bibelauslegung, Barmherzigkeit, Vergeltung, Sündenverfallenheit, Religionsgeschichte

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, ob die moralischen Auffassungen und das Gottesbild des Ersten Testaments tatsächlich in einem unversöhnlichen Gegensatz zur Lehre des Zweiten Testaments stehen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Untersuchung konzentriert sich auf die Rezeption der Zehn Gebote, das Talionsgesetz, die Fluch- und Rachepsalmen sowie die allgemeine Pluralität in der theologischen Darstellung von Gott und Mensch.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, durch eine wissenschaftlich fundierte Exegese aufzuzeigen, dass die vermeintlichen Grausamkeiten des Alten Testaments oft auf selektivem Wissen beruhen und ein Gott der Barmherzigkeit in beiden Teilen der Bibel präsent ist.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Der Autor nutzt die exegetische Methode unter Berücksichtigung des historischen und kulturellen Kontextes der alttestamentlichen Texte.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert spezifische "Problemtexte" wie die Zehn Gebote oder das Talionsgesetz und vergleicht diese mit neutestamentlichen Passagen, um die interne Pluralität beider Testamente nachzuweisen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Gottesethik, Exegese, Schadensminimierung, Pluralität der Bibel und das Verhältnis von alttestamentlicher Vergeltung zu neutestamentlicher Erlösung.

Wie verändert die Einbettung in den historischen Kontext das Verständnis der Zehn Gebote?

Durch die Betrachtung als Teil der Befreiungsgeschichte aus Ägypten werden die Gebote nicht mehr als bloße Verbote, sondern als bewahrende Lebensordnung für ein befreites Volk wahrgenommen.

Warum wird das Talionsgesetz als "positiv" für die damalige Zeit bewertet?

Es wird als Schutzmechanismus interpretiert, der die Gewalt begrenzt und Sippenhaft verhindert hat, indem die Strafe exakt auf den Verursacher und das Ausmaß des Schadens limitiert wurde.

Welches Fazit zieht der Autor in Bezug auf die "Gewalt" im Neuen Testament?

Der Autor stellt fest, dass das Neue Testament in eschatologischen Kontexten selbst drastische Strafvorstellungen (wie die ewige Höllenstrafe) enthält, die das menschliche Todesmaß des Alten Testaments noch übersteigen.

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Details

Title
Das Verhältnis zwischen dem Ersten und Zweiten Testament
Subtitle
Eine allgemeine Einführung in die theologische Ethik des Ersten Testaments
College
University of Münster  (Katholische Fakultät)
Course
„Geh also! Ich bin mit deinem Mund” – Einführung in die alttestamentliche Prophetie und die Methoden der Exegese
Grade
2,0
Author
Dipl. theol. Peter Hubertus Erdmann (Author)
Publication Year
2005
Pages
21
Catalog Number
V153534
ISBN (eBook)
9783640656912
ISBN (Book)
9783640656967
Language
German
Tags
Erste Testament Zweite Testament Zehn Gebote Dekalog Talionsgesetz Rachepsalmen Offenbarungsevolutionismus
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Dipl. theol. Peter Hubertus Erdmann (Author), 2005, Das Verhältnis zwischen dem Ersten und Zweiten Testament, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/153534
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