Im Kontext von Walther von der Vogelweides Liebeslieder habe ich mich bei meiner Hausarbeit für die Betrachtung des Preisliedes (L. 56,14) unter intertextuellen und rezeptionsgeschichtlichen Gesichtspunkten entschieden, da sowohl Walther von der Vogelweide in seinem Preislied auf verschiedene Minnelieder anderer mittelhochdeutscher Lyriker Bezug nahm als auch das Preislied selbst oft rezipiert und in andere Werke eingebaut wurde.
Auch heute noch gibt es zahlreiche ungeklärte Fragen und diskussionswürdige Stellen im Preislied. So werden beispielsweise die wechselnde Verwendung von frouwe und wîp oder die Gattungsmischung von Minnesang und Sangspruchdichtung im Preislied immer wieder diskutiert. Im Hinblick auf die intertextuellen Bezüge gibt es ebenfalls noch zahlreiche strittige Punkte, die ich in meiner Hausarbeit auch anführen und zu klären versuchen werde. So stellt sich vielfach die Frage, inwieweit es intertextuelle Bezüge zu anderen Autoren gibt. Daran schließt sich folglich die Frage, was der jeweilige Dichter durch derartige Anspielungen ausdrücken wollte, also welche Intention er hatte. In meiner Arbeit möchte ich die Bezüge zu den mittelhochdeutschen Dichtern Reinmar der Alte, Heinrich von Morungen und Ulrich von Liechtenstein und ihren Werken in den Mittelpunkt stellen. Außerdem werde ich das so genannte „Deutschlandlied“ von August Heinrich Hoffmann von Fallersleben und dessen Parallelen zu Walthers Preislied näher betrachten, denn in der deutschen Geschichte wurde das Preislied sowohl zu Beginn des Ersten Weltkrieges als auch im Nationalsozialismus mehrfach für propagandistische Zwecke missbraucht. Am Rande meiner Hausarbeit möchte ich auch auf die Diskussion der Mediävisten bezüglich des Vortragsortes und des Anlasses sowie auf die Walther-Reinmar-Fehde eingehen, wenngleich diese Punkte nicht den Kern meiner Arbeit ausmachen werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Vorbemerkungen zur Darstellung des Preisliedes unter intertextuellen und rezeptionsgeschichtlichen Gesichtspunkten
1.2 Die allgemeine Waltherrezeption als Längsschnitt durch die Geschichte
1.3 Textanalyse des Preisliedes (L. 56,14)
2. Hauptteil
2.1 Bezüge im Preislied zu MF 122,1 und MF 127,1 von Heinrich von Morungen
2.2 Parallelen zwischen Reinmar dem Alten und Walthers Preislied
2.3 Übereinstimmungen zum Frauendienst von Ulrich von Liechtenstein
2.4 Die Aufnahme des Preisliedes in das so genannte „Deutschlandlied“
3. Schluss
3.1 Bezüge zu weiteren Autoren
3.2 Zusammenfassung und Beurteilung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit verfolgt das Ziel, das „Preislied“ (L. 56,14) von Walther von der Vogelweide umfassend unter intertextuellen und rezeptionsgeschichtlichen Gesichtspunkten zu untersuchen. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie Walther durch die Bezugnahme auf Zeitgenossen wie Reinmar den Alten und Heinrich von Morungen literarische Diskurse prägte und wie sein Werk wiederum in späteren Epochen, etwa im „Deutschlandlied“ oder in den Texten von Ulrich von Liechtenstein und Johann Wilhelm Ludwig Gleim, rezipiert und teils ideologisch umgedeutet wurde.
- Intertextuelle Analyse der Bezüge zu zeitgenössischen Minnesängern
- Untersuchung der Rezeptionsgeschichte von den Anfängen bis ins 19. Jahrhundert
- Analyse der Parallelen und Unterschiede zum „Deutschlandlied“
- Kritische Beleuchtung der instrumentalisierten Verwendung des Preisliedes
- Literarischer Vergleich mit den Werken von Peire Vidal, Neidhart und Gleim
Auszug aus dem Buch
1.1 Vorbemerkungen zur Darstellung des Preisliedes unter intertextuellen und rezeptionsgeschichtlichen Gesichtspunkten
Im Kontext von Walther von der Vogelweides Liebeslieder habe ich mich bei meiner Hausarbeit für die Betrachtung des Preisliedes (L. 56,14) unter intertextuellen und rezeptionsgeschichtlichen Gesichtspunkten entschieden, da sowohl Walther von der Vogelweide in seinem Preislied auf verschiedene Minnelieder anderer mittelhochdeutscher Lyriker Bezug nahm als auch das Preislied selbst oft rezipiert und in andere Werke eingebaut wurde.
Auch heute noch gibt es zahlreiche ungeklärte Fragen und diskussionswürdige Stellen im Preislied. So werden beispielsweise die wechselnde Verwendung von frouwe und wîp oder die Gattungsmischung von Minnesang und Sangspruchdichtung im Preislied immer wieder diskutiert. Im Hinblick auf die intertextuellen Bezüge gibt es ebenfalls noch zahlreiche strittige Punkte, die ich in meiner Hausarbeit auch anführen und zu klären versuchen werde. So stellt sich vielfach die Frage, inwieweit es intertextuelle Bezüge zu anderen Autoren gibt. Daran schließt sich folglich die Frage, was der jeweilige Dichter durch derartige Anspielungen ausdrücken wollte, also welche Intention er hatte. In meiner Arbeit möchte ich die Bezüge zu den mittelhochdeutschen Dichtern Reinmar der Alte, Heinrich von Morungen und Ulrich von Liechtenstein und ihren Werken in den Mittelpunkt stellen. Außerdem werde ich das so genannte „Deutschlandlied“ von August Heinrich Hoffmann von Fallersleben und dessen Parallelen zu Walthers Preislied näher betrachten, denn in der deutschen Geschichte wurde das Preislied sowohl zu Beginn des Ersten Weltkrieges als auch im Nationalsozialismus mehrfach für propagandistische Zwecke missbraucht.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung begründet die Wahl des Themas durch die vielfältigen intertextuellen Bezüge und die wechselvolle Rezeptionsgeschichte des Preisliedes, die von der wissenschaftlichen Auseinandersetzung bis hin zur propagandistischen Instrumentalisierung reicht.
2. Hauptteil: Der Hauptteil analysiert detailliert die intertextuellen Verbindungen zu Heinrich von Morungen, Reinmar dem Alten und Ulrich von Liechtenstein sowie die Aufnahme des Werkes in das Deutschlandlied.
3. Schluss: Der Schluss bietet eine Übersicht über Bezüge zu weiteren Autoren wie Peire Vidal, Neidhart und Gleim und fasst die Ergebnisse sowie die Beurteilung der Rezeptionsgeschichte zusammen.
Schlüsselwörter
Walther von der Vogelweide, Preislied, Intertextualität, Rezeptionsgeschichte, Minnesang, Reinmar der Alte, Heinrich von Morungen, Ulrich von Liechtenstein, Deutschlandlied, Hoffmann von Fallersleben, Johann Wilhelm Ludwig Gleim, Minne, Literaturgeschichte, Propaganda, Literaturvergleich
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Preislied (L. 56,14) von Walther von der Vogelweide im Hinblick auf seine literarischen Anspielungen auf andere Dichter und seine Wirkung in der Rezeptionsgeschichte.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Intertextualität innerhalb des Minnesangs, der politische Missbrauch literarischer Texte und die historische Entwicklung des Frauenlobs.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die intertextuellen Bezüge Walthers zu Zeitgenossen sowie die spätere Rezeption und teils problematische Umdeutung seines Preisliedes über die Jahrhunderte hinweg aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die Methode des literarischen Vergleichs (Textvergleich) und der intertextuellen Analyse, um Bezüge und Parallelen zwischen verschiedenen Autoren und Epochen herauszuarbeiten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Bezüge zu Morungen, Reinmar dem Alten, Liechtenstein und untersucht die textliche Verwandtschaft zum „Deutschlandlied“.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Walther von der Vogelweide, Preislied, Intertextualität, Rezeptionsgeschichte, Minnesang und politischer Missbrauch.
Wie bewertet der Autor die Parallelen zwischen Walther und Gleim?
Der Autor sieht in der Orientierung Gleims an Walther eine starke textliche Anlehnung, stellt jedoch eine bewusste nationale Umdeutung fest, die den ursprünglichen Kontext verengt.
Was ist die Kernbotschaft zur Rolle des Preisliedes im Nationalsozialismus?
Die Arbeit betont, dass das Preislied zwar für nationalistische Propaganda missbraucht wurde, man Walther selbst jedoch kein nationalistisches Gedankengut vorwerfen kann.
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- Anonym (Author), 2008, Das Preislied (L. 56,14), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/153597