In der Beratung von Eltern stotternder Kinder liegt der Fokus in der Regel in der Vermittlung von Sprechfluss förderndem Kommunikationsverhalten wie beispielsweise Reduzieren des Sprechtempos. Der Hamburger Workshop für Eltern stotternder Kinder (HAWESK) setzt an der Einstellung der Eltern zum Stottern ihres Kindes an. Das Charakteristische an diesem Workshop zeigt sich in der aktiven Auseinandersetzung der Eltern mit dem Stottern. Dies geschieht überwiegend in der Selbsterfahrung und im Austausch der Eltern untereinander. Die ersten orientierenden Ergebnisse weisen darauf hin, dass die Teilnahme am HAWESK zu einer Einstellungsänderung der Eltern zum Stottern ihrer Kinder führt und das wiederum die logopädische Therapie des stotternden Kindes nachhaltig unterstützt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
Teil I: Theoretische Hintergründe
1. Stottern
1.1. Erscheinungsbild und Epidemiologie
1.2. Abgrenzung zu normalen Unflüssigkeiten
1.3. Ausgewählte Theorien zur Ursache, der Entwicklung und Aufrechterhaltung des Stotterns
1.3.1 Ideographische, multifaktorielle Sichtweise
1.3.2 Anforderungs-Kapazitätenmodell
1.3.3 Psychosoziale Situation von Eltern stotternder Kinder
2. Einstellung und Einstellungsänderung
2.1 Das Dreikomponentenmodell der Einstellung
2.2 Die 12 Schritte zur Einstellungsänderung
3. Zusammenfassung
Teil II: Empirischer Teil
1. Hamburger Workshop für Eltern stotternder Kinder (HAWESK)
1.1 Hintergründe und Einflüsse
1.1.1 Stärke der Gruppe
1.1.2 Kurs, Seminar, Training und Workshop
1.1.3 Gruppenkonzepte für Eltern stotternder Kinder
1.2 Bedarfsklärung
1.3 Rahmenbedingungen
1.4 Das Konzept
1.5 Zusammenfassung
2. Evaluation des Workshops
2.1 Zum Begriff Evaluation
2.2 Ausgewählte Methoden empirischer Sozialforschung
2.3 Methodisches Vorgehen
2.4 Konstruktion der Fragebögen
2.4.1 Befragung der Eltern direkt nach dem Workshop
2.4.2 Befragung der Eltern drei Monate später
2.4.3 Befragung der Kontrollgruppe
2.4.4 Befragung der Logopädinnen
3. Ergebnisse
3.1 Aufbereitung der Daten
3.2 Darstellung der Ergebnisse
3.2.1 Hypothese 1
3.2.2 Hypothese 2
3.2.3 Hypothese 3
3.3 Zusammenfassung
4. Diskussion
5. Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Gruppenkonzept "Hamburger Workshop für Eltern stotternder Kinder" (HAWESK) und evaluiert dessen Einfluss auf die elterliche Einstellung zum Stottern ihrer Kinder sowie auf die Mitarbeit in der logopädischen Therapie. Ziel ist es, durch eine Einstellungsänderung einen gelasseneren Umgang der Eltern mit dem Stottern des Kindes zu fördern und so die Interaktion zu entlasten.
- Einfluss von Elterngruppen auf die Einstellung zum Stottern.
- Untersuchung der psychologischen Mechanismen der Einstellungsänderung (Dreikomponentenmodell).
- Vergleich des HAWESK mit bestehenden Elternberatungskonzepten.
- Evaluation der Effektivität des Workshops durch Befragungen von Eltern und Logopädinnen.
- Förderung der therapeutischen Mitarbeit durch ein spezielles Gruppenkonzept.
Auszug aus dem Buch
1.3.3 Psychosoziale Situation von Eltern stotternder Kinder
„Unter Stottern kann sich fast jeder etwas vorstellen“ (Weikert, 1996, S. 73), jedenfalls was das hörbare und sichtbare Erscheinungsbild anbelangt. Kaum eine Sprechstörung ist so klischee- und vorurteilsbehaftet wie das Stottern. Sei es in der Literatur, in Filmen oder Witzen, überall wird der Stotternde als „verkrampft, nervös, unmännlich, weniger intelligent und psychisch auffällig“ dargestellt (Benecken, 1993, S. 12). Benecken (1993) hat sich im Rahmen seiner Dissertation u.a. umfassend mit der „Beschreibung und Analyse von stotternden Menschen aus Filmen, Romanen, Zeitungsartikeln, Witzen, Märchen und Mythen“ (S. 25) befasst. Zusammenfassend kommt er zu folgendem Ergebnis:
„Die Auswertung aller Quellen hat übereinstimmend gezeigt, dass es nach wie vor ein festumrissenes Einstellungsstereotyp gegenüber stotternden Menschen gibt, welches den ‚Stotterer’ zu allererst in der Rolle ‚Neurotiker’ oder gar ‚Psychopath’ fixiert“ (S. 323).
Das Stottern von Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens wie Winston Churchill, Marilyn Monroe oder Bruce Willis, um nur einige zu nennen, findet in den Medien hingegen kaum Erwähnung (Bundesvereinigung Stotterer-Selbsthilfe e.V., 1995).
Mit dieser negativen Einstellung Stotternden gegenüber, die über die Medien transportiert wird, sehen sich auch Eltern stotternder Kinder konfrontiert. Stottert ein Mensch in einem Film, dann meist in einer für ihn emotional belastenden Situation. Das Stottern wird als dramaturgisches Mittel eingesetzt, um einerseits eine bestimmte Persönlichkeit eines Menschen zu zeichnen, andererseits um die psychische Verfassung, in der sich diese Person befindet, zu verdeutlichen und herauszustellen. Vor diesem Hintergrund ist es nicht verwunderlich, dass sich das Vorurteil, Stottern habe psychische Ursachen, hartnäckig hält. Da das Stottern meist zeitgleich mit einem Ereignis, das sich in der Familie zuträgt, in Erscheinung tritt, sehen sich Eltern stotternder Kinder häufig als Verursacher und werden auch meist von ihrem sozialen Umfeld als solche erachtet.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung des HAWESK-Projekts und dessen Intention, eine Lücke in der Versorgung von Eltern stotternder Kinder zu schließen.
1. Stottern: Darstellung des Erscheinungsbildes, der Epidemiologie und theoretischer Hintergründe zur Ätiologie sowie der psychosozialen Situation betroffener Eltern.
2. Einstellung und Einstellungsänderung: Theoretische Fundierung des Dreikomponentenmodells der Einstellung und Erläuterung der 12 Schritte zur Einstellungsänderung nach McGuire.
3. Zusammenfassung: Zusammenführende Darstellung der theoretischen Aspekte als Grundlage für das empirische Gruppenkonzept.
1. Hamburger Workshop für Eltern stotternder Kinder (HAWESK): Detaillierte Beschreibung der Hintergründe, Rahmenbedingungen und des inhaltlichen Konzepts des Workshops.
2. Evaluation des Workshops: Erläuterung der wissenschaftlichen Methoden sowie der Konstruktion der verwendeten Fragebögen zur empirischen Untersuchung.
3. Ergebnisse: Darstellung und Auswertung der erhobenen Daten im Hinblick auf die drei aufgestellten Hypothesen.
4. Diskussion: Kritische Reflexion der Untersuchungsergebnisse und der wissenschaftlichen Gütekriterien unter Berücksichtigung der Ressourcen.
5. Ausblick: Überlegungen zur zukünftigen Verortung und Finanzierung des Workshops in der Gesundheitslandschaft.
Schlüsselwörter
Stottern, Elternbeteiligung, Einstellungsänderung, Gruppenkonzept, HAWESK, logopädische Therapie, Evaluation, psychosoziale Situation, Dreikomponentenmodell, Anforderungs-Kapazitätenmodell, Elternberatung, Elterntraining, Sprechfluss, Bewältigungsstrategien, kindliche Entwicklung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Bachelorarbeit?
Die Arbeit befasst sich mit dem „Hamburger Workshop für Eltern stotternder Kinder“ (HAWESK) als einem speziellen Gruppenkonzept, das darauf abzielt, die Einstellung von Eltern gegenüber dem Stottern ihrer Kinder zu verändern.
Welche zentralen Themenfelder behandelt die Autorin?
Die Arbeit verknüpft theoretische Grundlagen zum Stottern und zur sozialpsychologischen Einstellungsforschung mit einem praktischen, empirisch evaluierten Gruppenkonzept für Eltern.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Hauptziel ist es, zu evaluieren, ob die Teilnahme am HAWESK die Einstellung der Eltern positiv beeinflusst, ihre therapeutische Mitarbeit verbessert und sich indirekt positiv auf die Symptomatik des Kindes auswirkt.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wurde ein quantitativer Evaluationsansatz gewählt, der durch standardisierte Fragebögen (mit geschlossenen und offenen Fragen) umgesetzt wurde, ergänzt durch quantitative Inhaltsanalysen bei der Auswertung.
Was steht im inhaltlichen Hauptteil der Arbeit im Fokus?
Neben den theoretischen Modellen zur Entstehung und Aufrechterhaltung des Stotterns wird detailliert der Aufbau des Workshops beschrieben, inklusive der praktischen Übungen wie der „Schubsen“-Übung oder der Arbeit mit der „Kennenlernblume“.
Welche Kriterien charakterisieren das vorgestellte Workshop-Konzept?
Das Konzept zeichnet sich durch die Arbeit in Kleingruppen, den aktiven Austausch unter Betroffenen und die Zielsetzung der Einstellungsänderung statt rein verhaltensorientierter Schulung aus.
Warum wurde bei der Befragung der Eltern eine Sechserskala gewählt?
Die Sechserskala wurde gezielt eingesetzt, um eine klare Positionierung zu evozieren und eine unentschiedene Mittelkategorie, die bei Likert-Skalen oft gewählt wird, auszuschließen.
Wie unterscheidet sich der HAWESK von anderen Ansätzen wie dem Lidcombe-Programm?
Im Gegensatz zu stärker verhaltensorientierten Programmen, bei denen Eltern als Co-Therapeuten agieren, liegt beim HAWESK der Fokus primär auf der psychologischen Entlastung und der Änderung der elterlichen Einstellung zum Stottern.
- Citation du texte
- Corinna Lutz (Auteur), 2008, Hamburger Workshop für Eltern stotternder Kinder (HAWESK): Ein Gruppenkonzept zur Änderung der elterlichen Einstellung zum Stottern ihrer Kinder, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/153632