Die Jigsaw-Klasse als Instrument eines interkulturellen Unterrichtes?

Möglichkeiten und Grenzen des Konzeptes


Hausarbeit (Hauptseminar), 2010
19 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Vorbemerkungen

2 Soziale Vorurteile in Schulen

3 Die Jigsaw-Klasse als Instrument eines interkulturell gerichteten Unterrichtes?
3.1 Die empirischen Grundlagen
3.2 Die Kontakthypothese
3.3 Das Konzept der Jigsaw-Klasse
3.4 Möglichkeiten und Grenzen des Konzeptes

4. Schlussbetrachtungen

5. Literaturverzeichnis

1 Vorbemerkungen

Im Zeitalter der Globalisierung wird seitens der Bildungsministerien immer wieder betont, wie wichtig es sei, dass interkulturelles Lernen in den einzelnen Fächern wichtig ist bzw. dass ein interkulturell gerichteter Unterricht notwendig ist, vor allem in einem Land, in dem auch viele Schüler und Schülerinnen mit einem Migrationshintergrund vorhanden sind. Im Jahre 1996 wurde das Thema des interkulturellen Lernen und der Bildung auf der Kultusministerkonferenz auf der politischen Ebene behandelt.

Ziel eines interkulturellen Unterrichtes ist dabei Jugendlichen die Kompetenz bzw. "die dauerhafte Fähigkeit, mit Angehörigen anderer Kulturen erfolgreich und kultursensibel interagieren zu können..." (Grasch / Leenen 1998: S. 29.)

Laut Auernheimer bilden die Basis des Modells des interkulturellen Lernens bzw. der Bildung der Gleichheitsgrundsatz und der Grundsatz der Anerkennung anderer Kulturen und Identitäten. Ziele eines Unterrichtes, der interkulturell gerichtet ist, ist zunächst der Einblick in sozialer Ungleichheit, die rassistisch motiviert ist, um so vorhandene Vorurteile zu reduzieren oder gar zu beseitigen. Die Reflexion der eigenen kulturellen Selbstverständlichkeit mit Hilfe einer Ambivalenzerfahrung. Andere Zielsetzungen des interkulturellen Lernens überschneiden sich mit anderen Grundgedanken der Unterrichtsforschung. So wird zum einem auch im Konzept des interkulturellen Lernens versucht, die Fähigkeit zur Empathie bzw. der Perspektivenübernahme zu vermitteln. (Auernheimer 2008: S. 402.)

Um aber dies zu erreichen, genügt es nicht, thematisch diese Aspekte aufzugreifen. Aus der Sicht von Auernheimer würde dies nicht zu den Zielen der interkulturellen Bildung führen bzw. zum politischen Engagement. (Auernheimer 2008: S. 402.) Es ist nicht nur wichtig diese Themen in den Unterricht zu vermitteln, es muss schließlich auch diskutiert werden, welche didaktischen Konzepte die soeben genannten Ziele umsetzen können. Häufig wird in diesem Zusammenhang das Konzept der Jigsaw-Klasse genannt.

Gegenstand dieser Ausarbeitung soll daher die Fragestellung sein, inwiefern das Konzept der Jigsaw-Klasse als Instrument eines interkulturell ausgerichteten Unterrichtes eingesetzt werden kann. Dabei wird es vor allem darum gehen, wie dieses Konzept in den Unterricht integriert werden kann und wie es aus einer sozialpsychologischen Perspektive betrachtet wird.

Um dies zu können, muss zunächst geklärt werden, warum ein interkulturell gerichteter Unterricht notwendig ist. Hierfür werden in diesem Kapitel einige Studien genannt, die aufzeigen, dass ethnische Vorurteile in der Schule bestehen und es daher eine Notwendigkeit zur Intervention besteht.

Nachdem diesem Teil der Ausarbeitung richtet sich der Focus im Anschluss daran auf das Konzept der Jigsaw-Klasse. Zu Beginn des zweiten Teiles wird auf die Ergebnisse des Sherif-Experiments näher eingegangen. Das Ferienlagerexperiment von Sherif stellt die theoretische und empirische Grundlage für das Konzept der Jigsaw-Klasse, weshalb es im Rahmen dieser Ausarbeitung detailliert erwähnt werden muss. Das Experiment weist zu einem daraufhin, dass Vorurteile in einer Konkurrenzsituation verstärkt werden. Des Weiteren wird durch das Experiment verdeutlicht, welche Bedingungen gegeben sein müssen, damit der Kontakt zwischen Fremd- und Eigen-Gruppe zum Abbau von Vorurteilen führt. Auf Sherifs Experiment basierend wurde die Kontakthypothese erstellt, die in allen gesellschaftlichen Bereichen, sei es in der Schule oder im beruflichen Alltag, angewandt werden kann. Im Laufe der Jahre entstand aus der Kontakthypothese das Konzept der Jigsaw-Klasse, welches versucht Vorurteile durch interdependente Beziehungen in Gruppenarbeiten zu lösen. Deshalb stellt die Jigsaw-Klasse eine spezielle Interventionsmöglichkeit zur Reduzierung von Vorurteilen im schulischen Umfeld dar, was die detaillierte Schilderung in meiner Ausarbeitung berechtigt. Dazu gehört auch, welche Möglichkeiten und Grenzen dieses Konzept aufweist. In diesem Zusammenhang kann zur Jigsaw-Klasse zusammengefasst werden, dass es sich dabei um ein geeignetes Konzept handelt, um Vorurteile abzubauen und um die anderen Ziele eines interkulturellen Unterrichtes zu erreichen. Die Umsetzung des Projekts in den USA, bestätigt die Annahme von Sozialpsychologen, dass kooperatives Lernen das geeignete Instrument zur Reduzierung von Vorurteilen ist. Allerdings wird es, vor allem in Deutschland, nur langsam im schulischen Unterricht umgesetzt.

2 Soziale Vorurteile in Schulen

Bevor das Konzept der Jigsaw-Klasse im Detail erläutert wird, ist zunächst zu klären, warum ein interkulturell gerichteter Unterricht notwendig ist. Hierfür werden im folgenden Kapitel einige Studien genannt, die aufzeigen, dass ethnische Vorurteile in der Schule bestehen.

Allport formuliert das soziale Vorurteil als "eine ablehnende oder feindselige Haltung gegen eine Person, die zu einer Gruppe gehört, einfach deswegen, weil sie zu dieser Gruppe gehört und deshalb dieselben zu beanstandenden Eigenschaften haben soll, die man dieser Gruppe zuschreibt." (Allport 2007: S. 42.)

Es gibt viele Studien, die sich mit dieser Thematik beschäftigen. Eine dieser Studien werden im Laufe des Kapitels vorstellen. Es handelt sich hierbei um das Forschungsprojekt "Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit" des Bielefelder Institutes für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung an der Bielefelder Universität. Heitmeyer prägte diesen Begriff, um die negativen Einstellungen einer Person beschreiben soll im Bereich Rassismus, Rechtsextremismus, Sexismus etc. zu erfassen. (Heitmeyer 2008: S. 9 f.)

Eine These des Konzeptes lautet, dass trotz besserer Chancen in der Wirtschaft feinselige Mentalitäten bestehen bleiben. Das liegt daran, dass ökonomische Einstellungen, die sich in der Person festsetzen, einen Einfluss, laut den Forschern, auf die Abwertung anderer Gruppen haben. Diese Abwertung richtet sich vor allem an Langzeitarbeitslose, Obdachlose, Behinderte und Migranten. Diese Gruppen wurden deshalb am stärksten abgewertet, da diese für die Befragten, so die Schlussfolgerung von Heitmeyer, nutzlos erschienen. Obdachlose, Behinderte und Migranten werden von den Befragten als nutzlos interpretiert, etwa wenn sie wegen ihrer niedrigen beruflichen Qualifikation als Belastung für das soziale System angesehen werden. (Heitmeyer / Endrikat 2008: S. 55 ff.)

Im Rahmen der Befragung wird deutlich, dass seit Beginn des Forschungsprogramms sich negative Einstellungen sich in allen Bereichen entwickeln. So stimmen 29 % der Befragten der Aussage zu, dass Muslimen die Zuwanderung nach Deutschland untersagt werden sollte. Weiterhin stimmen 29,7 % der Befragten zu, dass bei einer hohen Arbeitslosigkeit die in Deutschland lebenden Ausländer wieder in ihre Heimat zurück geschickt werden sollten. Im Bezug auf Sexismus ergibt sich aus der Studie das Ergebnis, dass 28,5 % der Befragten schon zustimmen, dass Frauen wieder mehr auf die "traditionellen" Rollen der Ehefrau und Mutter konzentrieren sollen. (Heitmeyer / Mansel 2008: S. 26 ff.)

Wir können durchaus sehen, dass es Vorurteile und feindselige Mentalitäten auftreten. Aber es stellt sich nun die Frage, inwiefern Vorurteile in der Schule auftreten. Laut Lüddecke stellt im Rahmen seiner Ausarbeitung verschiedene Studien dazu und fasst sie in ihren Kernaussagen zusammen. Als Beispiel kann hier die Studie von Wegener-Spöhring genannt werden. Im Rahmen der im Jahre 1975 durchgeführten Studie ergibt sich das Ergebnis, dass 41,7 % der Vorschulkinder äußern, dass Gastarbeiter mit Messern stechen würden. Im Rahmen der Studie wurden aber auch bei einigen Kindern Gastarbeiter mit positiven Eigenschaften wie Fleiß etc. assoziiert. (Lüddecke 2007: S. 43 f.)

Eine im Jahr 2003 erhobene Studie von Krüger / Fritzsche / Pfaff / Sandring ergab, dass rechte und fremdenfeindliche Einstellungen bei ostdeutschen Jugendlichen stärker vorhanden sind. In dieser Studie konnte festgestellt werden, dass ein Drittel der Schüler aus Sachsen-Anhalt diese Tendenzen vorweisen, während es in NRW im Zeitpunkt der Befragung nur ein Fünftel war. (Lüddecke 2007: S. 47.)

Mit dieser Ausführung sollte der Versuch unternommen werden, deutlich zu machen, dass es Handlungsbedarf bei der Reduzierung von Vorurteilen gibt, da diese auch zwischen den Schülern auftreten können. Ein interkulturell gerichteter Unterricht versucht dies zu lösen, in dem er den Schülern Kompetenzen beibringt wie den Perspektivenwechsel beim Kulturvergleich. Häufig ist es so, dass nur thematisch ein interkultureller Unterricht stattfindet. Das bedeutet, dass nur Themen angesprochen werden. In seinen Erläuterungen zu einem interkulturellen Unterricht im Fach Pädagogik erläutert Holzbrecher, dass das didaktische Prinzip des Faches darin besteht, dass Kulturvergleiche zu jedem Thema des Lernplans des Faches erstellt werden können. (Holzbrecher 2000: S. 142.) Aber er nimmt lediglich hier auf die thematische Ebene Bezug und nicht auf die didaktische.

Aber das Ziel der Ambivalenzerfahrung, des Perspektivenwechsel und die Vermeidung von vorschnellen Verallgemeinerung und der Reduzierung von Vorurteilen kann nur erreicht werden, wenn auch Überlegungen angestellt werden, wie diese Ziele durch Lehrmethoden erreicht werden können. Dazu wird schließlich im nächsten Hauptkapitel das Konzept der Jigsaw-Klasse vorgestellt.

[...]

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Die Jigsaw-Klasse als Instrument eines interkulturellen Unterrichtes?
Untertitel
Möglichkeiten und Grenzen des Konzeptes
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum  (Institut für Erziehungswissenschaften)
Veranstaltung
Migration und Interkulturelles Lernen
Note
1,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
19
Katalognummer
V153664
ISBN (eBook)
9783640657889
ISBN (Buch)
9783640658589
Dateigröße
452 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Kommentar der Dozentrin: eine sehr schöne Ausarbeitung. Man merkt, dass Sie Spaß an diesem Thema haben.
Schlagworte
Jigsaw-Klasse, Gruppenpuzzle, Experten, Interkulturelle Pädagogik, Interkulturelles Lernen, Vorurteile, Sherif
Arbeit zitieren
Adem Özcan (Autor), 2010, Die Jigsaw-Klasse als Instrument eines interkulturellen Unterrichtes?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/153664

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