Die Arbeit beginnt mit der Analyse des Begriffes Selbstständigkeit und einer Beschreibung des offenen Unterrichts. Weiter werden zwei Modelle, die den Anspruch haben, offener Unterricht zu sein beziehungsweise selbstständiges Lernen zu fördern, betrachtet und hinsichtlich ihrer Möglichkeiten zur Offenheit und zum selbstständigen Lernen untersucht. Dabei kommt es zur Beschreibung des Stationenbetriebs und der Freien Lernphase. Nach einer qualitativ forschenden Beobachtung des Stationenbetriebs und der Freien Lernphase ist zu sagen, dass die beiden genannten Modelle bestimmte Möglichkeiten zum selbstständigen Arbeiten bieten können und somit einen Rahmen darstellen, selbstständiges beziehungsweise selbstgesteuertes Lernen zu ermöglichen.
Inhaltsverzeichnis
1. Problemaufriss und Zielstellungen
2. Von der Selbsttätigkeit und der Selbstständigkeit. Begriffserläuterungen und Analysen
2.1 Selbsttätigkeit in der Pädagogik - Ein kurzer geschichtlicher Rückblick
2.2 Von der Selbstständigkeit und Selbsttätigkeit
2.3 Vom selbstgesteuerten Lernen
2.3.1 Fassungen des Selbststeuerungsbegriffs
2.3.2 Motivation als Prozessmerkmal der Selbststeuerung und der Selbstständigkeit
2.4 Die Bedeutung von offenen Lernsituationen für die Entwicklung von Selbstständigkeit
2.4.1 Die Beschreibung von Offenheit im Unterricht
2.4.2 Die Öffnung des Unterrichts
3. Modelle offener Lernsituationen
3.1 Das Freie Arbeiten oder die Freie Lernphase
3.1.1 Pädagogische Grundideen der Freien Lernphase
3.1.2 Die didaktische Organisation der Freien Lernphase
3.1.2.1 Die Zeit und ihre Bedeutung in der Freien Lernphase
3.1.2.2 Der Raum als Lernumgebung in der Freien Lernphase
3.1.2.3 Lernmaterialien und Selbstbildungsmittel in der Freien Lernphase
3.1.2.4 Der Ablauf einer Freien Lernphase und die Aufgaben der Lehrperson
3.1.3 Die Freie Lernphase vor dem Hintergrund der Ansprüche des offenen Unterrichts
3.2 Das Lernen an Stationen
3.2.1 Pädagogische Grundideen vom Lernen an Stationen
3.2.2 Die didaktische Organisation vom Lernen an Stationen
3.2.2.1 Zu den Vorüberlegungen der Lernstationen
3.2.2.2 Die Gestaltung der Lernstationen
3.2.2.3 Ablauf eines Stationenbetriebs und die Aufgaben der Lehrperson
3.2.3 Der Stationenbetrieb vor dem Hintergrund der Ansprüche des offenen Unterrichts
4. Darstellung und Analyse von offenen Lernsituationen in ausgewählten Klassen
4.1 Beschreibung und Begründung der Forschungsmethode
4.2 Beobachtung und Untersuchung einer Freien Lern/Arbeitsphase hinsichtlich selbstständigen Handelns
4.2.1 Beobachtungen aus dem Protokoll über den Unterrichtsverlauf
4.2.2 Bearbeitung der Forschungsfragen zum Unterrichtsverlauf der Freien Lernphase
4.3 Beobachtung und Untersuchungen eines Stationenbetriebs
4.3.1 Beobachtungen aus dem Protokoll über den Unterrichtsverlauf
4.3.2 Bearbeitung der Forschungsfragen zum Unterrichtsverlauf des Stationenbetriebs
4.4 Der Stationenbetrieb und die Freie Lern/Arbeitsphase als Unterrichtskonzepte des offenen Unterrichts unter dem Anspruch von selbstständigem Lernen
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, inwiefern offener Unterricht Konzepte zur Förderung selbstständigen Lernens bietet. Dabei wird analysiert, wie zwei gängige Modelle – der Stationenbetrieb und die Freie Lernphase – dazu beitragen können, Schüler zu Mündigkeit und Selbstbestimmung im Unterricht zu führen, wobei die Forschungsfrage nach dem Ausmaß der Öffnung und der Ausprägung selbstständigen Handelns bei den Schülern im Zentrum steht.
- Analyse der Konzepte von Selbstständigkeit, Selbsttätigkeit und Offenheit im Unterricht.
- Untersuchung der Struktur und didaktischen Organisation von Freier Lernphase und Stationenbetrieb.
- Qualitative Beobachtung und Analyse von Unterrichtsprotokollen zur Ermittlung des Grades der Offenheit.
- Bewertung der Möglichkeiten beider Unterrichtskonzepte zur Unterstützung individueller Lernprozesse.
Auszug aus dem Buch
3.1.2.3 Lernmaterialien und Selbstbildungsmittel in der Freien Lernphase
Zu einer vorbereiteten Umgebung, in der Kinder aktiv sein können, gehören auch Lernmaterialien, die Selbsttätigkeit ermöglichen, meint Hammerer. Diese Lernmaterialien werden auch Lernspiele oder Selbstbildungsmittel genannt. Jedes Lernmaterial hat neben dem didaktischen Ziel die Absicht, das Kind durch Selbsttätigkeit selbstständiger und selbstsicherer zu machen. Wesentlich ist, dass es sich bei den Lernmaterialien um eine überschaubare und geordnete Vielfalt handelt. Aufforderungscharakter ohne Reizüberflutung, Sachgerechtheit und einfache Struktur sollen das Lernmaterial kennzeichnen. Das Kind soll durch die Lernmaterialien einzelne Lernschritte selbst entdecken und nachvollziehen können, wobei bloßer Aktionismus zu verneinen ist. Das Begreifen des Kindes durch handelndes Erschließen steht im Vordergrund, was vor allem bei jüngeren Grundschulkindern ein Schlüssel zur Erkundung der Umwelt sein kann. Wichtig bei den Lernmaterialien scheint auch die Möglichkeit zur Selbstkontrolle. Diese könnte einen selbstverantworteten ganzen Arbeitsprozess befriedigend abschließen und außerdem die Möglichkeit eines positiven Fähigkeitsselbstbildes schaffen.
Didaktische Lernmaterialien können einen Einblick in die Struktur der Sache ermöglichen. Inhaltlich isolierte Einzelmaterialien (zum Beispiel ein Puzzle von einem Elefanten) verleiten zu kurzen Tätigkeiten, einem schnellen Erledigen von Aufgaben und haben dann nichts mit dem Vermitteln eines Einblicks zu tun. Die Erstellung einer didaktischen Materialserie, welche eine umfassende Sachanalyse erfordert, könnte dagegen eine inhaltliche Struktur und Zusammenhänge anbieten. Eine Materialserie besteht aus mehreren thematisch zusammenhängenden Lernmaterialien. Kinder, die nach einem Zoobesuch interessiert sind in die Thematik einzelner Tiere oder bestimmter Bereiche besonders einzudringen, hätten bei einer Materialreihe zu diesem Thema die Möglichkeit dies zu tun. Entschließt sich also ein Kind bei einem bestimmen Thema zu verweilen, so kann, je nach Interesse und Schulstufe des Kindes, eine Materialserie hergestellt werden, die dann noch beliebig nach Interesse erweitert oder reduziert werden könnte.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Problemaufriss und Zielstellungen: Die Arbeit thematisiert die Diskrepanz zwischen dem Ideal des offenen Unterrichts zur Förderung selbstständigen Lernens und der praktischen Realisierung und leitet daraus zentrale Forschungsfragen ab.
2. Von der Selbsttätigkeit und der Selbstständigkeit. Begriffserläuterungen und Analysen: Dieses Kapitel liefert eine theoretische Fundierung der Begriffe Selbstständigkeit, Selbsttätigkeit und Selbststeuerung sowie deren Zusammenhang mit Motivation und Unterrichtsöffnung.
3. Modelle offener Lernsituationen: Es erfolgt eine detaillierte theoretische Beschreibung des Konzepts der Freien Lernphase sowie des Lernens an Stationen inklusive ihrer didaktischen Organisation und Zielsetzungen.
4. Darstellung und Analyse von offenen Lernsituationen in ausgewählten Klassen: Auf Basis von nicht teilnehmenden Beobachtungen in zwei Schulklassen werden die Konzepte praktisch untersucht, um den Grad der Offenheit und die Förderung von Selbstständigkeit zu bewerten.
Schlüsselwörter
Offener Unterricht, Selbstständigkeit, Selbsttätigkeit, selbstgesteuertes Lernen, Freie Lernphase, Stationenbetrieb, Unterrichtsmodell, Lernmaterialien, Motivation, pädagogische Offenheit, handlungsorientiertes Lernen, qualitative Beobachtung, Selbstkontrolle, Reformpädagogik, Schüleraktivität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den offenen Unterricht als ein Konzept, das dazu dienen soll, selbstständige und individuelle Lernprozesse bei Schülern zu fördern und zu unterstützen.
Welche zentralen Themenfelder behandelt die Arbeit?
Die zentralen Themen sind die theoretische Klärung der Begriffe Selbstständigkeit und Selbststeuerung, die pädagogische Bedeutung von Offenheit im Unterricht sowie die praktische Analyse der Modelle Freie Lernphase und Stationenbetrieb.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Untersuchung?
Das Hauptziel ist es zu klären, wie sich selbstgesteuertes Lernen bei Kindern zeigt und in welchem Ausmaß das Unterrichtskonzept in den beobachteten Situationen tatsächlich „geöffnet“ ist.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine umfassende Literaturanalyse durchgeführt. Zur empirischen Untersuchung wendet der Autor die Methode der nicht teilnehmenden, offenen Beobachtung in Schulklassen an.
Was steht im Hauptteil der Arbeit im Fokus?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Aufarbeitung der Begriffe, die Beschreibung der beiden Unterrichtsmodelle und die anschließende Analyse und Auswertung von Unterrichtsprotokollen.
Welche Schlüsselbegriffe prägen die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Selbsttätigkeit, offene Lernsituationen, didaktische Organisation, Eigenverantwortung, Motivation und verschiedene Dimensionen von Offenheit charakterisiert.
Wie unterscheidet der Autor zwischen der Freien Lernphase und dem Stationenbetrieb?
Während die Freie Lernphase den Schwerpunkt auf die freie Wahl von Zeit, Raum und Inhalt legt, bietet der Stationenbetrieb eine stärker didaktisch vorstrukturierte Lernumgebung, die dennoch Wahlmöglichkeiten innerhalb eines Lernzirkels ermöglicht.
Welche Bedeutung misst der Autor dem pädagogischen Umgang mit Fehlern bei?
Der Autor betont, dass Fehler als Lebensrealität akzeptiert werden sollten. Eine positive Fehlerkultur ist für ihn essenziell, da die Fehlerkontrolle durch das Kind selbst einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung von Selbstständigkeit und Eigenverantwortung leistet.
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- Benjamin Gsaxner (Author), 2010, Offener Unterricht - Ein mögliches Konzept zur Unterstützung von selbstständigem Lernen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/153995