Die Art der Erziehung hängt in erster Linie immer davon ab, welche Vorstellungen und Ideale der Erzieher vom Menschen selbst und seiner Entwicklung hat. Wenn von einer möglichst menschengemäßen Erziehung ausgegangen werden soll, kommt es also in der Hauptsache darauf an, daß der Erzieher bestrebt sein muß, sich immer klarer darüber zu werden, was denn nun menschengemäß, also der Mensch seinem Wesen nach überhaupt ist. Die gesamte Erziehungsarbeit einschließlich ihrer Ergebnisse gründen einzig und allein darauf, welches Bild, welches Ideal ich als Erzieher vom Menschen habe. Hier ist der eigentliche Ausgangspunkt, von dem aus maßgeblich Erziehungsziel und demzufolge auch Erziehungsmittel und Methoden bestimmt werden.
Diese Arbeit zielt also besonders auf den Anfang oder den Ausgangspunkt der Erziehung ab, nämlich die Selbsterziehung des Erziehers, die darin besteht, daß er sich ein möglichst umfassendes Bild vom Menschen erarbeiten muß. Denn nur aus dem heraus, was der Erzieher selbst als menschengemäß erkannt und erlebt hat wird er auch wirklich menschengemäß erziehen können.
Inhaltsverzeichnis
1. Begründung der Auswahl des Themas
1.1. Ziele der Arbeit und Schwerpunkte
1.2. Schwierigkeiten, die dieser Arbeit gegenüber auftreten könnten
2. In der Gesellschaft auftretende entwicklungsfördernde und ent wicklungshemmende Kräfte
2.1. Die menschenfeindlich-entwicklungshemmenden Kräfte in der Gesellschaft
2.2. Zusammenfassung
2.3. Ein Ideal als Grundlage für eine menschenwürdige Erziehung kann nur in den menschenwürdig-entwicklungsfördernden Kräften der Gesellschaft gefunden werden
2.4. „Jeder Mensch ist ein Künstler“ - ein reales Ideal
2.5. Die Gesellschaft als ein Spiegel für die im Menschen wirksamen Kräfte
3. Kann das Ideal „Jeder Mensch ist ein Künstler“ vor der Pädagogik als Wissenschaft bestehen ?
3.1. Erkenntnistheoretische Voraussetzung der Naturwissenschaft
3.2. Notwendige Erweiterung der naturwissenschaftlichen Methode
4. Sichtweise der materialistisch-naturwissenschaftlichen Anthropologie
5. Kurze Darstellung des Menschen aus geisteswissenschaftlicher Forschung
5.1. Der physische Leib
5.2. Der Ätherleib
5.3. Der Astralleib
5.4. Die Empfindungsseele
5.5. Die Verstandesseele
5.6. Die Bewußtseinsseele
5.7. Das Ich
5.8. Wiederverkörperungslehre
6. Ein kurzes Beispiel aus der praktischen Erziehung, die den Menschen selbst berücksichtigt
7. Schlußbetrachtung
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, ein fundiertes Menschenideal als Orientierungspunkt für eine menschenwürdige Erziehung zu entwickeln. Angesichts der als krisenhaft und werteverfallend empfundenen gesellschaftlichen Situation sucht der Autor nach einer pädagogischen Grundlage, die über rein leistungsorientierte oder materialistische Ansätze hinausgeht und die Selbsterziehung des Erziehers in den Mittelpunkt stellt.
- Analyse gesellschaftlicher Kräfte und deren Auswirkungen auf die Entwicklung des Kindes.
- Untersuchung der anthroposophischen Menschenkunde nach Rudolf Steiner als erweiterte wissenschaftliche Grundlage.
- Erarbeitung des Konzepts „Jeder Mensch ist ein Künstler“ im Sinne von Joseph Beuys als pädagogisches Leitideal.
- Verknüpfung der Selbsterziehung des Erziehers mit der Notwendigkeit einer bewussten Gestaltung pädagogischer Prozesse.
Auszug aus dem Buch
Die Bewußtseinsseele
Der Mensch kann aber über all das hinausgehen durch das dritte Glied des Seelischen, durch die Bewußtseinsseele. Dieser Teil der Seele steht nicht mehr im Dienste der Empfindungsseele oder ihrer Verlängerung, der Verstandesseele, die nur den Empfindungen, die von der sinnlich-körperlicher Seite herrühren folgen. Die Bewußtseinsseele ist dadurch völlig unabhängig von ihnen. Denn das in der Bewußtseinsseele wirkende Ich fragt nicht, wie muß ich denken, damit ich die Dinge am besten nach meinen Wünschen einrichten kann, sondern sie fragt nach den Dingen selbst, sie fragt um der Dinge selbst willen. So erforscht sie ihre Gesetzmäßigkeiten oder anders ausgedrückt, sucht nach der in den Dingen liegenden Wahrheit.
Das ist dadurch möglich, weil das Ich in der Bewußtseinsseele in der Art in Erscheinung tritt, daß es Kunde erhalten kann von der physischen und der geistigen Seite her. Die physische offenbart sich ihm durch die Sinneswahrnehmungen und Empfindungen, und die geistige durch das Denken mittels der Intuition. „In dem gleichen Sinne, wie die Offenbarung des Körperlichen Empfindung heißt, sei die Offenbarung des Geistigen Intuition genannt.“ (Rudolf Steiner: Theosophie, S. 41). So wird es dem Ich möglich etwas zu seinem Besitz zu machen von dem Wahren, was aber auch nichts anderes heißt, daß es teil haben kann an dem Nicht-Vergänglichen, an dem Ewigen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Begründung der Auswahl des Themas: Der Autor erläutert die Suche nach einem tragfähigen Ideal für eine menschenwürdige Erziehung jenseits bestehender machtorientierter Programme.
2. In der Gesellschaft auftretende entwicklungsfördernde und ent wicklungshemmende Kräfte: Eine kritische Bestandsaufnahme der heutigen Gesellschaft, die als krisenhaft und entfremdend dargestellt wird, gegenüber der Suche nach einem schöpferischen Menschenideal.
3. Kann das Ideal „Jeder Mensch ist ein Künstler“ vor der Pädagogik als Wissenschaft bestehen ?: Diese Sektion hinterfragt die erkenntnistheoretischen Grenzen der Naturwissenschaft und fordert eine Erweiterung auf geisteswissenschaftliche Methoden.
4. Sichtweise der materialistisch-naturwissenschaftlichen Anthropologie: Eine Betrachtung des Menschen als körperlich unspezialisiertes Mängelwesen, das durch sein Gehirn und das Denken eine Sonderstellung einnimmt.
5. Kurze Darstellung des Menschen aus geisteswissenschaftlicher Forschung: Eine detaillierte Aufschlüsselung der menschlichen Wesensglieder, vom physischen Leib über die seelischen Qualitäten bis zum Ich und der Lehre von der Wiederverkörperung.
6. Ein kurzes Beispiel aus der praktischen Erziehung, die den Menschen selbst berücksichtigt: Der Autor illustriert anhand einer schulischen Konfliktsituation die Notwendigkeit, vorurteilsfrei und aus der Sicht des Kindes zu handeln.
7. Schlußbetrachtung: Das Fazit fasst die zentrale These zusammen: Der Mensch als schöpferisches Wesen erfordert eine Pädagogik, die sein leiblich-seelisch-geistiges Ganzes achtet.
Schlüsselwörter
Anthroposophie, Menschenbild, Erziehung, Selbsterziehung, Jeder Mensch ist ein Künstler, Bewußtseinsseele, Geisteswissenschaft, Wiederverkörperung, Karma, soziale Plastik, Pädagogik, Schöpferkraft, Menschlichkeit, Rudolf Steiner, Joseph Beuys
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Facharbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, wie ein Erzieher ein Menschenideal finden kann, das ihm Kraft und Orientierung für eine menschenwürdige Erziehung bietet, gerade in einer Zeit, die als werteverfallend empfunden wird.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die Kritik an modernen gesellschaftlichen Lebensformen, die Bedeutung der inneren Haltung des Erziehers sowie die geisteswissenschaftliche Betrachtung des Menschen nach Rudolf Steiner.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die theoretische Herleitung und praktische Begründung eines Menschenbildes, das den Erzieher befähigt, die Individualität des Kindes zu fördern und den Erziehungsprozess bewusst zu gestalten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor argumentiert für eine methodische Erweiterung: Während die Naturwissenschaft das materielle Feld abdeckt, wird für das Verständnis des Menschen als seelisch-geistiges Wesen die Geisteswissenschaft (Anthroposophie) hinzugezogen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert erstarrte gesellschaftliche Strukturen, erarbeitet das Ideal des „künstlerischen Menschen“ und stellt das anthroposophische Konzept der Wesensglieder (Leiber und Seele) ausführlich dar.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Menschenbild, Selbsterziehung, Geisteswissenschaft, Bewußtseinsseele, Wiederverkörperung und der künstlerische Impuls.
Warum ist die „Selbsterziehung des Erziehers“ so wichtig für den Autor?
Der Autor betont, dass alle pädagogischen Methoden wirkungslos bleiben, wenn der Erzieher kein klares und umfassendes Bild vom Menschen besitzt, welches er durch eigene Arbeit an seiner inneren Einstellung gewinnen muss.
Wie bezieht sich das Beispiel des Jungen in der Schule auf das Ideal?
Das Beispiel zeigt den Kontrast zwischen institutioneller Unterdrückung durch starre Normen und der Möglichkeit, ein Kind als schöpferisches Wesen wahrzunehmen, das aus eigenen Impulsen heraus agiert.
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- René Bestvater (Author), 1996, Der Mensch selbst als Grundlage für die Erziehung - das anthroposophische Menschenbild, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1541