In der wissenschaftlichen Literatur gibt es seit Einführung der zweiphasigen Lehrerbildung eine ganze Reihe kritischer Stimmen. Die Kritik vieler Gegner mündete in dem Modellversuch „einphasige Lehrerausbildung“, in dem einige Kritiker die Zukunft der deutschen Lehrerbildung sahen. Dieses Modell konnte sich aber nicht durchsetzten, und wurde Stück für Stück dem zweiphasigen Modell angeglichen. In der Folge hagelte es weiter verschiedenste Verbesserungsvorschläge für das bis heute bestehende System. Ein bestimmter Teil der deutschen Lehrerbildung sticht aber in der ganzen Kritik hervor: die mangelnde Ausbildung in den Erziehungswissenschaften. Angeregt von dem WDR-Online-Artikel „Schlechte Noten für deutsche Pädagogen“ habe ich mich näher mit der Thematik „Erziehungswissenschaftliche Studien“ beschäftigt. Wieso sind deutsche Lehrer schlechte Pädagogen? Nach sieben Jahren Ausbildung! Die längste Ausbildung im weltweiten Vergleich und trotzdem erhalten die deutschen Lehrer deutlich schlechtere Noten als ihre Kollegen in anderen Ländern. Gründe dafür müssen im Studium liegen. Wo diese Ursachen zu finde sind, soll diese Hausarbeit klären.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Geschichte der Lehrerbildung in Deutschland
3. Allgemeiner Kritik an der Lehrerbildung
3.1 „Ewige Mängelliste“ der Lehrerbildung
3.2 Externe Mängel der Lehramtsausbildung
4. Studienerwartungen – Studienmotive
5. Studieninteresse und Interessenstruktur von Lehramtsstudierenden
5.1 Die Theorie der Erforschung von Studieninteresse
5.2 Studieninteresse der verschiedenen Lehrämter
5.2.1 Voraussetzungen
5.2.2 Fragestellungen
5.2.3 Ergebnisse
5.2.4 Ergebnissicherung
6. Mangelnde Berufs- und Praxisbezüge der Lehramtsausbildung
7. Die Resistenz der Strukturen der staatlichen Lehrerausbildung
8. Die Zukunft der Lehrerbildung: der Bachelor/Master-Studiengang
9. Schluss
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Reformbedürftigkeit der deutschen Lehrerbildung unter besonderer Berücksichtigung der erziehungswissenschaftlichen Studien. Ziel ist es, die Gründe für die häufige Kritik an der Qualität der pädagogischen Ausbildung zu analysieren und zu hinterfragen, warum sich trotz zahlreicher Reformbemühungen strukturelle Mängel hartnäckig halten.
- Historische Entwicklung der deutschen Lehrerausbildung
- Kritische Analyse der erziehungswissenschaftlichen Studieninhalte
- Studienerwartungen und Interessenstruktur angehender Lehrkräfte
- Mangelnde Praxisorientierung und Berufsbezüge im Studium
- Strukturelle Resistenz des Bildungssystems gegenüber Reformen
Auszug aus dem Buch
3. Allgemeiner Kritik an der Lehrerbildung
Bei genauerer Betrachtung der universitären Lehrerbildung ist festzustellen, dass die einzelnen Disziplinen ihrer Aufgabe der Lehrerbildung in den meisten Fällen strukturbedingt zu wenig Aufmerksamkeit schenken. Die Fachstudien, Fachdidaktik und Erziehungswissenschaften stehen unverbunden nebeneinander. Es ist keine Seltenheit, dass das Lehrangebot hinsichtlich der notwendigen fachübergreifenden Koordination Mängel aufweist. In einigen Fällen kommt es sogar zu Abstimmungsmängeln innerhalb eines Faches. Weil die Fachstudien erstens den größten Teil des Studium ausmachen und diese zweitens – durch die staatlichen Prüfungsordnungen sanktioniert – höhere Studienanforderungen als die anderen Elemente stellen, müssen die Studenten für die Fachstudien die meiste Energie aufbringen. „Dies hat zur Folge, dass die erziehungswissenschaftlichen Studien nicht die Aufmerksamkeit erhalten, die sie benötigen“.
Ein weiterer Grund warum die Erziehungswissenschaften innerhalb des Lehramtes von den Studierenden oft als „lästiges Beiwerk“ gesehen werden ist ein selbstverschuldeter: Die aus vielen Fächern wie z.B. Erziehungswissenschaft, Psychologie und Soziologie zusammengesetzten erziehungswissenschaftlichen Studien sind meistens kaum aufeinander abgestimmt, sodass es häufig zu Wiederholungen kommt (z.B. Didaktik I und Didaktik II). Außerdem sind sie nur selten berufsbezogen, weshalb sich viele Studenten auch nur selten für die verschiedenen Themen begeistern können. Geschätzt werden im Gegensatz zu den erziehungswissenschaftlichen Studien die verschiedenen Praktika. Dort sagen ihnen Lehrer, worauf es wirklich ankommt und geben ihnen praktisches anwendbares Handwerkszeug mit auf den Weg. Die Universität ist in dieser Hinsicht zu Realitätsfern.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Darstellung der Ausgangslage und der Motivation, die Gründe für die kritische Bewertung deutscher Lehrerbildung durch die Erziehungswissenschaften zu untersuchen.
2. Geschichte der Lehrerbildung in Deutschland: Nachzeichnung der historischen Trennung von Lehrerausbildung für höhere und niedere Schulen sowie deren schrittweise Annäherung.
3. Allgemeiner Kritik an der Lehrerbildung: Diskussion struktureller Mängel, mangelnder Koordination der Disziplinen und externer Faktoren wie staatlicher Vorgaben.
4. Studienerwartungen – Studienmotive: Analyse der Erwartungen von Studierenden hinsichtlich Praxisbezug und Vorbereitung auf den Lehrerberuf.
5. Studieninteresse und Interessenstruktur von Lehramtsstudierenden: Untersuchung des Studieninteresses mittels wissenschaftlicher Modelle und Vergleich verschiedener Lehrämter.
6. Mangelnde Berufs- und Praxisbezüge der Lehramtsausbildung: Darstellung der Diskrepanz zwischen universitärer Theorievermittlung und den praktischen Anforderungen des Schulalltags.
7. Die Resistenz der Strukturen der staatlichen Lehrerausbildung: Analyse der institutionellen Trägheit und fehlender Anreize zur Reform innerhalb des staatlich gelenkten Ausbildungssystems.
8. Die Zukunft der Lehrerbildung: der Bachelor/Master-Studiengang: Bewertung der Einführung konsekutiver Studiengänge im Kontext des Bologna-Prozesses und deren Auswirkungen auf die Qualität der Ausbildung.
9. Schluss: Zusammenfassende Bewertung der Reformergebnisse und das Fazit, dass die strukturellen Defizite auch in neuen Systemen bestehen bleiben.
Schlüsselwörter
Lehrerbildung, Erziehungswissenschaft, Studieninteresse, Schulpraxis, Reform, Bachelor, Master, Bologna-Prozess, Professionalisierung, Lehramtsstudium, Fachdidaktik, Interessenstruktur, universitäre Ausbildung, Schulsystem, Bildungsreform.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Kritik an der aktuellen deutschen Lehrerbildung, insbesondere an den erziehungswissenschaftlichen Studieninhalten und deren mangelndem Praxisbezug.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die historische Genese der Lehrerausbildung, die Interessenstruktur von Lehramtsstudierenden, die institutionelle Resistenz des Bildungssystems gegenüber Reformen sowie die Umstellung auf Bachelor-/Masterstudiengänge.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet, warum deutsche Lehrerbildung trotz langer Ausbildungszeiten häufig als reformbedürftig kritisiert wird und wo die Ursachen für die Diskrepanz zwischen Studium und beruflicher Praxis liegen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Analyse der wissenschaftlichen Literatur sowie die Auswertung empirischer Studien zum Studieninteresse und zur Berufsbezogenheit der Lehramtsausbildung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der historischen Entwicklung, den Studienmotiven der Studierenden, der empirischen Untersuchung des Studieninteresses und der strukturellen Kritik an den Ausbildungsstrukturen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Typische Begriffe sind Lehrerbildung, Erziehungswissenschaft, Studieninteresse, Praxisorientierung, Bologna-Prozess und Reformresistenz.
Was besagt die Kritik an den erziehungswissenschaftlichen Studien?
Sie wird oft als wenig strukturiert, realitätsfern und zu wenig berufsbezogen wahrgenommen, wodurch Studierende sie als "lästiges Beiwerk" ansehen.
Führte die Einführung von Bachelor und Master zu einer echten Verbesserung?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass die Reformen eher einem „Alten System in neuem Gewand“ gleichen und wesentliche strukturelle Probleme nicht gelöst wurden.
- Citation du texte
- M. Ed. Torsten Gruber (Auteur), 2007, Wie reformbedürftig ist die Lehrerbildung?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/154210