In dieser Hausarbeit werden zunächst einige wichtige Charakteristika und Funktionen sowohl der Standardsprache als auch der Jugendsprache aufgezeigt. Der Fokus liegt jedoch auf dem Verhältnis von Jugendsprache zur Standardsprache. Es wird darauf einzugehen sein, wie dieses Verhältnis in der Sprachgeschichte thematisiert wurde, um danach zu veranschaulichen, wie dies in der Gegenwart der Fall ist. Dabei soll die These belegt werden, dass Jugendsprache als Faktor des Sprachwandels angesehen werden kann. Die Untersuchungen Eva Neulands bilden hierfür die Grundlage.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Charakteristika und Funktion
2.1 Standardsprache
2.2 Jugendsprache
2.2.1 Zum Problem der Heterogenität
2.2.2 Soziokulturelle Stile
2.2.3 Eigenes Ding durchziehen: Warum gibt es überhaupt eine Jugendsprache?
3. Zum Verhältnis von Jugendsprache und Standardsprache
3.1 In der Sprachgeschichte
3.1.1 Jugendsprache als Bereicherung der Standardsprache
3.1.2 Jugendsprache als Bedrohung der Standardsprache
3.2 In der Gegenwart
3.2.1 Jugendsprache als Faktor des Sprachwandels
3.2.2 Beleg: Jugendsprache in Wörterbüchern
4. Abschließende Überlegungen
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das vielschichtige Verhältnis zwischen Jugendsprache und Standardsprache, mit dem Ziel, die These zu belegen, dass Jugendsprache nicht als Bedrohung, sondern als aktiver Faktor des Sprachwandels zu verstehen ist.
- Historische Entwicklung der Jugendsprachforschung
- Charakteristika und Funktionen der Jugendsprache
- Das Konzept der "subkulturellen Stile" nach Eva Neuland
- Mechanismen der Destandardisierung und Restandardisierung
- Empirische Belege durch die Aufnahme von Ausdrücken in Wörterbücher
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Jugendsprache als Faktor des Sprachwandels
Im Folgenden geht es darum, ob und wie ein heutiger jugendsprachlicher Wortgebrauch in den Wortbestand der Standardsprache aufgenommen wird und infolgedessen zum Sprachwandel beiträgt.
Es wurde bereits ausgeführt, wie schwierig es ist, Jugendsprache systematisch zu erfassen und zu beschreiben, da sie sich diesem Vorhaben aufgrund ihrer Tendenz zum schnellen Wandel leicht entzieht. Besonderheiten und Andersartigkeiten lassen sich trotzdem charakterisieren- durch den Vergleich: durch das anders als oder im Unterschied zu. Um sinnvolle Vergleiche herzustellen, ist Vergleichbares notwendig, was hergestellt werden kann durch Standardisierung des Bedingungsrahmens. So kann also Jugendsprache mit ihren Abweichungen im Vergleich zur allgemeingültigen, kodifizierten Standardsprache untersucht werden.
Das Verhältnis von Jugendsprache zur Standardsprache lässt sich durch zwei kontrastive Teilprozesse kennzeichnen: Erstens die Stilbildung und zweitens die Stilverbreitung. Im Prozess der Stilbildung grenzen sich Jugendliche von der Standardsprache ab, indem sie „Elemente aus der Matrix standardsprachlicher Bedeutungen, Strukturformen und Verwendungskontexte in einer für sie typischen Weise in einem schöpferischen Prozess der Stilbastelei [abwandeln].“ Bereits in der Studentensprache kann beobachtet werden, dass diese sich an der Sprache der Gebildeten und Gelehrten (also gewissermaßen vergleichbar mit der Standardsprache) reichlich bedient, so beispielsweise an antiken Elementen, am Französischen und aus dem biblisch-theologischem Bereich. Dies spiegelt einerseits die Wertschätzung für die gelehrte Welt, andererseits werden aber durch die Art und Weise des Umgangs mit diesen Elementen (Sprachmischung von Deutsch und Latein, Stilmittel der Metaphern und der Anspielungen) Signale gesetzt: Distanzierung und Ironisierung der gesellschaftlichen Konventionen.
Indem Jugendliche in Kontrast und in Abwandlung zur Standardsprache neue Bedeutungen, Wörter und Redewendungen erfinden, tragen sie zum Wandel der Standardsprache bei, denn zum Prozess der Stilbildung gehört die weitere Stufe der Stilverbreitung. Mit der Stilverbreitung werden jugendsprachliche Elemente auch von anderen Sprechern übernommen, vornehmlich durch die Medien, die sich auf diese Weise einen Zugang zur „Jugend“ erschließen wollen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit verortet Jugendsprache als historisches Phänomen und zeichnet die Entwicklung der Jugendsprachforschung von der Sondersprachforschung bis zur heutigen soziolinguistischen Betrachtung nach.
2. Charakteristika und Funktion: Es werden die Grundlagen der Standardsprache sowie die Schwierigkeiten einer eindeutigen Definition von Jugendsprache dargelegt, wobei der Fokus auf dem Konzept der subkulturellen Stile liegt.
3. Zum Verhältnis von Jugendsprache und Standardsprache: Das Kapitel analysiert den historischen Wandel der Bewertung von Jugendsprache zwischen Bereicherung und Bedrohung sowie den Prozess des Sprachwandels durch Destandardisierung und empirische Wörterbuchanalysen.
4. Abschließende Überlegungen: Das Fazit bestätigt, dass Jugendsprache eine dynamische Quelle der sprachlichen Erneuerung ist und die Funktion der sozialen Identitätsstiftung sowie Abgrenzung erfüllt.
Schlüsselwörter
Jugendsprache, Standardsprache, Sprachwandel, Soziolekt, Subkulturelle Stile, Destandardisierung, Restandardisierung, Eva Neuland, Sprachgeschichte, Sprachforschung, Identitätsstiftung, Wortschatz, Lexikografie, Kommunikation, Sprachvarietät
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit im Kern?
Die Arbeit untersucht das Verhältnis zwischen der deutschen Jugendsprache und der Standardsprache und diskutiert, inwieweit die Jugendsprache als Bereicherung oder Bedrohung für die Standardsprache wahrgenommen wird.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die historischen Aspekte der Jugendsprache, die linguistischen Herausforderungen bei ihrer Definition sowie die Prozesse der Stilbildung und Verbreitung jugendsprachlicher Elemente.
Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?
Das primäre Ziel ist es, die These zu belegen, dass Jugendsprache ein aktiver Faktor des Sprachwandels ist und nicht lediglich als Sprachverfall oder Bedrohung angesehen werden sollte.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse, unter anderem unter Einbeziehung der Untersuchungen von Eva Neuland, sowie einer vergleichenden Analyse von Wörterbuchaufnahmen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Charakteristika der Jugendsprache (z.B. subkulturelle Stile) und die Analyse des Verhältnisses zur Standardsprache in historischer sowie gegenwärtiger Sicht.
Durch welche Schlüsselbegriffe lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Sprachwandel, Destandardisierung, Soziolekt und die soziolinguistische Perspektive auf Jugendliche als Sprachbenutzer geprägt.
Was genau versteht die Autorin unter "subkulturellen Stilen"?
Subkulturelle Stile bezeichnen den sprachlichen Ausdruck von Jugendgruppen, der nicht nur aus grammatischen Elementen besteht, sondern auch nonverbale und paralinguistische Merkmale zur Identitätsbildung und Abgrenzung nutzt.
Was bedeuten die Begriffe "Destandardisierung" und "Restandardisierung"?
Destandardisierung beschreibt das Aufbrechen standardsprachlicher Strukturen durch Jugendliche, während Restandardisierung den Prozess bezeichnet, in dem diese neuen Ausdrücke in den allgemeinen Sprachgebrauch und in Wörterbücher eingehen.
Welche Rolle spielen Wörterbücher in dieser Analyse?
Wörterbücher dienen als empirischer Beleg für den Sprachwandel, da eine Zunahme von jugendsprachlichen Neuaufnahmen und stilistischen Markierungen in den untersuchten Auflagen eine kontinuierliche Dynamik im Wortschatz beweist.
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- Aljona Merk (Autor), 2007, Jugendsprache als Bereicherung oder Bedrohung der Standardsprache?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/154465