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Von der Rückkehr des Erzählens - Der historische Roman bei Daniel Kehlmann (am Beispiel von: "Die Vermessung der Welt") und die Postmoderne

Titre: Von der Rückkehr des Erzählens - Der historische Roman bei Daniel Kehlmann (am Beispiel von: "Die Vermessung der Welt") und die Postmoderne

Dossier / Travail de Séminaire , 2008 , 31 Pages , Note: 1,3

Autor:in: Sarah Schmidt (Auteur)

Philologie Allemande - Littérature Comparée
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Innerhalb der fiktionalen Literatur nimmt der historische Roman eine Sonderstellung ein, da er Realität in Fiktion verwandelt. Eine wahre Darstellung der Geschichte kann es in der Literatur nicht geben, allerdings arbeitet bzw. spielt der historische Roman mit seiner (Un-)Möglichkeit der Realitätsdarstellung. Der postmoderne Geschichtsroman setzt ein entsprechend vorgebildetes Publikum voraus und muss seine Illusionen nicht mehr offen erklären.
Dem postmodernen Geschichtsroman eröffnen sich dadurch viele Möglichkeiten: Er kann selbst eine neue Illusion erzeugen, die Kluft zwischen Illusion und Fiktion weiter thematisieren oder sich neuen Themen zuwenden. Für den Schriftsteller ergibt sich zudem eine größere Freiheit des Erzählens. Unter dem Mantel des historischen Schreibens öffnet sich ein neuer Raum für Schreibexperimente, aber genauso für eine Rückkehr zu klassischen Erzählverfahren. Mittels der Aktualisierung des Genres des Historischen Romans kommt es also zu einer (Wieder-)Aufwertung des Erzählens. Der postmoderne Diskurs ist nicht an sein Ende gelangt, sondern wird in der Narration fortgeführt. Das Wissen über das Ende des Erzählens wird in eine neue Erzählung verpackt.
„Erzählen, das bedeutet einen Bogen spannen, wo zunächst keiner ist [...]“ . Dieser Bogen, der äußere erzählerische Rahmen, sei notwendig um vom Chaos in der Welt überhaupt schreiben zu können. In einer fragmentierten Welt erlangt hier das Erzählen eine neue identitäts- und sinnstiftende Funktion. Die Vermessung der Welt ist zwar ein Roman über die Unmöglichkeit einer vollständigen wissenschaftlichen Erfassung der Welt, zugleich aber auch über die Möglichkeiten des menschlichen Wissensdurstes und sein unermüdliches Bestreben Geschichten, seien sie nun historisch, wissenschaftlich oder literarisch, aus dem Chaos zu generieren.
Der Autor selbst verwahrt sich gegen die Kategorisierung historischer Roman und spricht stattdessen vom „Gegenwartsroman, der in der Vergangenheit spielt“. Die Kriterien des historischen Romans sind formal erfüllt, tatsächlich ist Die Vermessung der Welt aber auf zwei Ebenen lesbar: Als unterhaltsame Doppelbiographie und als anspruchsvolles, möglicherweise postmodernes Werk über die Bedeutung der Vergangenheit für die Gegenwart, die Unmöglichkeit einer Vermessung der Welt und die Notwendigkeit des Erzählens. Das historische Schreiben wird besonders durch zwei Strategien ergänzt und reflektiert: Ironie und den lateinamerikanischen magischen Realismus.

Extrait


Inhaltsverzeichnis

1.1 Einleitung

1.2 Der postmoderne Geschichtsroman - Einführung

2 Ironie und Spiel – Jene sehr ernsten Scherze

3 Metafiktionalität

4 Intertextualität

5 Die Sonderstellung des magischen Realismus

6 Die Vermessung der Welt als zentrales Thema des Romans

7 Schlussteil

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht Daniel Kehlmanns Roman "Die Vermessung der Welt" auf seine postmoderne Struktur und die spezifische Art des historischen Schreibens. Dabei wird analysiert, inwiefern Kehlmann das Genre des historischen Romans durch Ironie, Metafiktionalität und Elemente des magischen Realismus erweitert und erneuert.

  • Analyse der postmodernen Erzählweise bei Daniel Kehlmann
  • Untersuchung von Ironie als zentrales Stilmittel im Roman
  • Reflektion über Metafiktionalität und das historische Schreiben
  • Analyse der Funktion des lateinamerikanischen magischen Realismus
  • Beurteilung des Romans als "Gegenwartsroman, der in der Vergangenheit spielt"

Auszug aus dem Buch

Ironie und Spiel – Jene sehr ernsten Scherze

Ironie ist das zentrale Stilmittel in Die Vermessung der Welt und vermutlich einer der Gründe für den Erfolg des Romans. Vordergründig ergibt sich dadurch ein leichtfüßiger Roman über zwei kauzige Wissenschaftler – den Mathematiker Carl Friedrich Gauß und den Naturforscher und Entdecker Alexander von Humboldt – die verschiedener nicht sein könnten. Neben dem Unterhaltungsaspekt erfüllt die Ironie allerdings auch eine ernstere Komponente: „[Das Lachen] legt [...] die selbstreflexiven und kritischen Momente offen, die das enorme Deutungspotential des Textes erst begründen und die in ihm ausgestellten poetologischen Reflexionen sichtbar werden lassen.“ Die Ironie dient hierbei sowohl dem Bruch mit der Wirklichkeit bzw. bestimmten Anschauungsformen von ihr als auch dem Genre des historischen Romans: „[...] in meinen Romanen ging es mir immer um das Spiel mit Wirklichkeit, das Brechen von Wirklichkeit.“ Auf der Stilebene lässt sich dieser Bruch als pseudo-historiographischer Ton beschreiben, auf der Inhaltsebene handelt es sich um ein Spiel mit den Fakten.

Die Mittel des pseudo-historiographischen Stils sind in erster Linie der inflationäre Gebrauch der indirekten Rede und das Erzeugen von Ironie mittels Kontrasten. Die indirekte Rede erzeugt nach Honold eine „doppelte Fremdheit“: Die Fremdheit des Stoffes resultiert erstens aus ihrer Geschichtlichkeit, zweitens aus ihrer Literarizität, da die Vergangenheit sowohl historisch als auch literarisch vermittelt wird. Die geschichtliche Distanz verdoppelt sich in dieser gebrochenen Darstellung und verweist auf das Wirklichkeitsproblem jeder Geschichtlichkeit.

Zusammenfassung der Kapitel

1.1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik des historischen Romans bei Kehlmann ein und skizziert die methodische Vorgehensweise sowie die Zielsetzung der Untersuchung.

1.2 Der postmoderne Geschichtsroman - Einführung: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen des postmodernen Geschichtsromans und dessen Verhältnis zur Fiktionalisierung historischer Ereignisse.

2 Ironie und Spiel – Jene sehr ernsten Scherze: Es wird die Funktion der Ironie als zentrales Stilmittel analysiert, das zur Reflexion der Wirklichkeit und zur Dekonstruktion des historischen Genres beiträgt.

3 Metafiktionalität: Hier wird untersucht, wie Kehlmann durch explizite und implizite Bezüge die eigene Fiktionalität des Romans und das historische Schreiben thematisiert.

4 Intertextualität: Das Kapitel beleuchtet die vielschichtigen intertextuellen Bezüge, insbesondere zu Kafka und Goethe, und deren Bedeutung für die Einordnung des Werkes.

5 Die Sonderstellung des magischen Realismus: Diese Analyse widmet sich den magischen Elementen des Romans, die eine metaphysische Dimension eröffnen und über rein rationale Erklärungsmodelle hinausgehen.

6 Die Vermessung der Welt als zentrales Thema des Romans: Hier wird der Wissensdurst der Protagonisten Humboldt und Gauß als Leitmotiv analysiert, das die Ambivalenz zwischen wissenschaftlicher Erfassung und existenzieller Melancholie aufzeigt.

7 Schlussteil: Der Schlussteil fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt den Roman als bedeutsames Beispiel moderner historischer Metafiktion.

Schlüsselwörter

Daniel Kehlmann, Die Vermessung der Welt, Postmoderne, Historischer Roman, Ironie, Metafiktionalität, Intertextualität, Magischer Realismus, Wissenschaftsgeschichte, Erzähltheorie, Fiktionalität, Alexander von Humboldt, Carl Friedrich Gauß, Wirklichkeitswahrnehmung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert, wie Daniel Kehlmann in seinem Roman "Die Vermessung der Welt" historische Stoffe in einem postmodernen Kontext verarbeitet.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die Möglichkeiten der Welterkenntnis, das Verhältnis von historischer Fakten zu literarischer Fiktion und die Bedeutung des Erzählens.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Kehlmann das Genre des historischen Romans durch Ironie und Metafiktionalität erweitert und zu einer neuen, zeitgemäßen Form führt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin nutzt eine textnahe Analyse unter Einbeziehung von Theorien zum postmodernen Geschichtsroman sowie ästhetischer Theorien Kehlmanns.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil befasst sich mit der Analyse von Ironie, Metafiktionalität, Intertextualität und dem Einfluss des magischen Realismus sowie dem Leitthema der "Vermessung" der Welt.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Begriffe sind Postmoderne, Historischer Roman, Ironie, Metafiktionalität, Magischer Realismus und Wissensdurst.

Wie unterscheidet sich die Darstellung von Humboldt und Gauß?

Während Humboldt als unermüdlicher Empiriker und Reisender dargestellt wird, fungiert Gauß als Mathematiker, der Erkenntnis im Abstrakten sucht, wobei sich beide Figuren im Alter zunehmend annähern.

Warum spielt das Thema der "Vermessung" eine so große Rolle?

Die Vermessung dient als Metapher für den menschlichen Drang, die Welt rational zu erfassen, was im Roman jedoch an der Komplexität und Unfassbarkeit der Wirklichkeit scheitert.

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Résumé des informations

Titre
Von der Rückkehr des Erzählens - Der historische Roman bei Daniel Kehlmann (am Beispiel von: "Die Vermessung der Welt") und die Postmoderne
Université
Johannes Gutenberg University Mainz
Cours
Historische Stoffe in der Gegenwartsliteratur
Note
1,3
Auteur
Sarah Schmidt (Auteur)
Année de publication
2008
Pages
31
N° de catalogue
V154543
ISBN (ebook)
9783640674916
Langue
allemand
mots-clé
Rückkehr Erzählens Roman Daniel Kehlmann Postmoderne
Sécurité des produits
GRIN Publishing GmbH
Citation du texte
Sarah Schmidt (Auteur), 2008, Von der Rückkehr des Erzählens - Der historische Roman bei Daniel Kehlmann (am Beispiel von: "Die Vermessung der Welt") und die Postmoderne, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/154543
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