Der Krieg in der Ukraine hat Europa erschüttert und zwingt Deutschland zu einer grundlegenden Neubewertung seiner Sicherheits- und Außenpolitik. Jahrzehntelang galt die Annahme, dass wirtschaftliche Verflechtung und diplomatischer Dialog langfristig Stabilität sichern würden. Doch wie konnte es dazu kommen, dass Russland trotz internationaler Abkommen und wirtschaftlicher Kooperation militärische Gewalt als Mittel der Politik einsetzt?
Welche historischen und geopolitischen Entwicklungen haben zu diesem Konflikt geführt? Welche langfristigen außenpolitischen Strategien verfolgt Russland? Und welche Konsequenzen hat der Krieg für Deutschland und Europa?
Dieses Fachbuch beleuchtet die Ursachen des Konflikts und analysiert, wie sich das Verständnis von Macht, Souveränität und Sicherheit in Russland und Europa entwickelt hat. Es zeigt auf, welche Herausforderungen und Handlungsspielräume sich daraus für die deutsche und europäische Politik ergeben. Ein unverzichtbarer Beitrag für alle, die verstehen wollen, wie sich die europäische Sicherheitsarchitektur verändert – und was das für die Zukunft bedeutet.
Inhaltsverzeichnis
Teil 1: Zeitenwende und Kriegstüchtigkeit – Ukraine-Krieg und danach
1. Die Lehren aus dem Ukraine-Krieg
Die deutsche Friedenspolitik ist gescheitert
Lehren aus der Geschichte
Moralisierung als Feigenblatt
Unsere besondere Verpflichtung der Ukraine gegenüber
Die deutsche Russlandpolitik ist gescheitert
Unser Bild von der Ukraine
Ergebnis
2. Was ist zu tun?
Eine nüchterne Beurteilung der Lage
Die Logik des Kalten Krieges
Trägt die NATO Mitschuld am Ukraine-Krieg?
Das Trauma der Auflösung der Sowjetunion
Die Wiedergeburt des russischen Imperialismus
Gewalt als Konstante der russischen Geschichte
Die Beziehungen zu den ehemaligen Sowjetrepubliken
Die Wiedergeburt des Faschismus
Der Kampfbegriff „Faschismus“
Die Person Putin
3. Der Ukraine-Krieg
Die Rolle und Bedeutung der Ukraine für Russland
Russlands Kriegsziele
Der bisherige Verlauf des Krieges
Die Beendigung - Das Trump-Szenario
Die offene Frage: Sicherheitsgarantien für die Ukraine
4. Die Ukraine nach dem Krieg
Die Gesellschaft
Die Korruption
Die Demokratie
5. Die Situation Russlands nach dem Krieg
Die Zweiteilung Russlands
Der demografische Niedergang
Die wirtschaftliche Lage Russlands
Der Zustand der Gesellschaft
Ein Regimewechsel?
Der Vergleich mit der Sowjetunion
Das Verhältnis zu China
Ergebnis
6. Was bedeutet das für Deutschland?
Die Zeitenwende umsetzen
7. Was heißt „kriegstüchtig“?
Den Willen zur Verteidigung wiederherstellen
Die Wiederherstellung der Verteidigungsfähigkeit
Die Ertüchtigung der Bundeswehr
Die personelle Ausstattung
Ergebnis
Die strukturellen Reformen
Ergebnis
8. Das neue Schlachtfeld Hybride Kriegführung
Der Cyberkrieg
Die ukrainischen Erfahrungen
Die Gefährdung der Infrastruktur
Die Migration als Waffe
Russlands Rolle
Die hybride Verteidigung
Teil 2: Die europäische Sicherungs- und Verteidigungspolitik: braucht auch Europa eine Zeitenwende?
1. Kann Europa den Frieden sichern und seine strategische Souveränität erreichen?
Die Sicherung des Friedens
Die Entwicklung der europäischen Verteidigungspolitik
Die bereits bestehenden Verteidigungsbündnisse
Die Sicherung der Europäischen Souveränität
2. Die Sicherung der konventionellen Verteidigungsfähigkeit Europas
Gemeinsames Verständnis vom Auftrag
Die Verantwortung Deutschlands als europäische Führungsmacht
Das Verhältnis zu Frankreich
3. Ein Europa der verschiedenen Geschwindigkeiten
Die Entwicklung und Beschaffung von Waffen und Ausrüstung
Wer übernimmt die Führung?
Europäische Atomwaffen
Die europäische Cyberabwehr
4. Die irreguläre und unkontrollierte Migration
Das Di- bzw. Trilemma der Migration
Der Bedarf an Einwanderung und die ethische Verantwortung
Die Überforderung und Destabilisierung der Gesellschaften
Die Situation in den europäischen Ländern
Die bestehenden Regeln
Anspruch und Wirklichkeit
Abschotten und Durchwinken
Die Spaltung Europas
Die Situation in Deutschland
Ergebnis
Neustart der europäischen Flüchtlingspolitik
Der Schutz der Außengrenzen
Eine europäische Einwanderungspolitik
5. Die europäische Sicherheitsordnung
NATO oder Verteidigungsunion?
Deutschlands Rolle
Das Verhältnis zu Russland
Die Rolle der Ukraine und Belarus
Zusammenfassung
Teil 3: Die Zeitenwende in der Globalisierung
1. Der Prozess der Globalisierung
Der Zerfall der internationalen Rechtsordnung
Der Zerfall der internationalen Werteordnung
Die Zerstörung der Demokratie
Die Gefährdung in Europa und der EU
Die Wirtschaft als Schlachtfeld
Was heißt das für Europa und die EU?
Europas Positionierung gegenüber den anderen
Die zentrale Bedeutung von Afrika für Europa
Europas Einfluss in Afrika
Eine europäische Strategie für Afrika
Der Nahe Osten und die Golfregion
Empfehlung: von China lernen
Ergebnis
Teil 4: Die Zeitenwende in der Europäischen Union
1. Die Situation
Der Aufstieg der Rechtspopulisten
Die Rückkehr des Nationalen
Konföderation souveräner Nationen statt Superstaat
Das Trilemma der Europäischen Union
2. Was heißt das für die Europäische Union?
Abrüsten bei den Zielen und Visionen
Fiskalpolitik und gemeinsame Schulden
Einigung auf gemeinsam von allen getragene Ziele
3. Quo vadis Europa?
Russland nach dem Ukraine-Krieg
Eine Machtübernahme der Rechtspopulisten
Kerneuropa mit der Achse Frankreich-Deutschland
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit setzt sich kritisch mit der deutschen und europäischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik nach der Ausrufung der sogenannten „Zeitenwende“ auseinander. Sie hinterfragt die Annahmen einer friedensorientierten „Weltinnenpolitik“, analysiert die aggressive Außenpolitik Russlands unter Putin sowie die strukturellen Defizite innerhalb der Europäischen Union und formuliert Notwendigkeiten für eine zukunftsfähige Verteidigungsstrategie.
- Die historische Fehleinschätzung deutscher Russlandpolitik seit 1990
- Die Notwendigkeit der „Kriegstüchtigkeit“ und Aufrüstung der Bundeswehr
- Strukturelle Defizite und Reformbedarf der Europäischen Union und Verteidigungspolitik
- Geopolitische Herausforderungen in einer fragmentierten Weltordnung unter dem Einfluss von China und Russland
Auszug aus dem Buch
Die Kriegstüchtigkeit
Was „Kriegstüchtigkeit“ bedeutet, ist das zweite Thema des Buches und wird in der Logik der militärischen Lagebeurteilung beschrieben. Der erste Schritt ist die Beurteilung der Feindlage, d.h. die Nennung des Feindes, seiner Ziele und die Beurteilung seiner Lage. Der Feind der Ukraine ist Russland unter Putin. Sein Ziel ist nicht nur die Wiederherstellung der Grenzen der Sowjetunion, sondern explizit die Beseitigung der Selbständigkeit der Ukraine als Staat und Nation. Denn Putin betreibt die Wiedergeburt des russischen Nationalismus, Imperialismus und Panslawismus. D.h., dass es nur eine slawische Nation gibt, die aus den Großrussen, Weißrussen und Kleinrussen (Ukrainern) besteht, mit den Großrussen als dem führenden Volk. Putin beschwört dieses Erbe mit dem „Mantra, dass die Ukraine kein Staat sei, sondern ein bloßes Territorium, ein Landstrich“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Die Lehren aus dem Ukraine-Krieg: Eine grundlegende Analyse des Scheiterns der bisherigen deutschen Russland- und Friedenspolitik, die lange Zeit militärische Abschreckung zugunsten wirtschaftlicher Kooperation vernachlässigte.
2. Was ist zu tun?: Eine nüchterne Bestandsaufnahme der geopolitischen Lage, die den russischen Imperialismus als Kernbedrohung identifiziert und daraus Handlungsmaximen für den Westen ableitet.
3. Der Ukraine-Krieg: Untersuchung der russischen Kriegsziele, des bisherigen Verlaufes und der potenziellen Szenarien für eine Beendigung des Konflikts, inklusive der Frage nach Sicherheitsgarantien.
4. Die Ukraine nach dem Krieg: Einschätzung der sozioökonomischen und demokratischen Perspektiven der Ukraine im Kontext von Korruptionsproblemen und dem Aufbau einer resilienten Gesellschaft.
5. Die Situation Russlands nach dem Krieg: Analyse der internen russischen gesellschaftlichen, demografischen und wirtschaftlichen Erschütterungen sowie der Folgen des Regimes unter Putin.
6. Was bedeutet das für Deutschland?: Konkretisierung der sicherheitspolitischen Herausforderungen für Deutschland bei der praktischen Umsetzung der „Zeitenwende“.
7. Was heißt „kriegstüchtig“?: Detaillierte Darstellung der notwendigen militärischen Aufrüstung sowie struktureller Reformen der Bundeswehr, um den Kernauftrag der Landesverteidigung erfüllen zu können.
8. Das neue Schlachtfeld Hybride Kriegführung: Diskussion moderner Bedrohungen wie Cyberkrieg, Desinformation und der Instrumentalisierung von Migration als Mittel der hybriden Kriegsführung.
Schlüsselwörter
Zeitenwende, Ukraine-Krieg, Russlandpolitik, Kriegstüchtigkeit, Bundeswehr, Verteidigungspolitik, NATO, EU, Hybride Kriegführung, Sicherheitspolitik, Globalisierung, Europäische Armee, Rechtsstaatlichkeit, Abschreckung, Geopolitik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die sicherheitspolitischen Konsequenzen des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine für Deutschland und Europa und fordert eine Abkehr von naiven Friedenskonzepten hin zu einer militärischen „Kriegstüchtigkeit“.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Thematisiert werden die Fehleinschätzung Russlands, die notwendige militärische Neuausrichtung der Bundeswehr, die Schwächen der EU-Verteidigungspolitik sowie die neuen Gefahren der hybriden Kriegsführung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die zentrale Frage ist, wie Deutschland und Europa ihren Frieden dauerhaft sichern und strategische Souveränität in einer sich fundamental verändernden, globalisierten Weltordnung erreichen können.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer umfangreichen Analyse aktueller politischer Entwicklungen, sicherheitspolitischer Expertisen sowie des Rückgriffs auf historische Analogien, um zukünftige Risiken besser bewerten zu können.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Bestandsaufnahme der Russlandpolitik, die militärischen Erfordernisse einer Zeitenwende, die Analyse hybrider Bedrohungsszenarien und die kritische Beleuchtung der europäischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind Zeitenwende, Kriegstüchtigkeit, Abschreckung, Bundeswehr, europäische Sicherheitsordnung und hybride Kriegführung.
Warum wird die „Friedenspolitik“ seit 1990 als gescheitert angesehen?
Der Autor argumentiert, dass die Kernannahme, Frieden sei ausschließlich durch wirtschaftliche Verflechtung erreichbar, die imperiale Realität russischer Politik ignoriert und Deutschland in eine gefährliche Abhängigkeit geführt sowie militärisch handlungsunfähig gemacht habe.
Wie unterscheidet sich die Situation der heutigen Bundeswehr von der vor 1990?
Die Arbeit zeigt auf, dass die Bundeswehr durch jahrelange Sparpolitik und Umdeutung auf Auslandseinsätze ihre Durchhaltefähigkeit für die Landes- und Bündnisverteidigung verloren hat, was einen massiven und finanziell sowie personell aufwendigen Wiederaufbau erforderlich macht.
- Citar trabajo
- Martin Schütte (Autor), 2025, Zeitenwende(n) und Kriegstüchtigkeit – was heißt das denn?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1554450