Heutzutage liest man in den verschiedensten Zeitungen immer wieder den Begriff der Unternehmensberatung ohne eine genaue Vorstellung von seinem Bedeutungsgehalt im allgemeinen sowie im soziologischen Sinne zu haben. Fest steht bloß, dass die Dienstleistungsangebote von Beratungsfirmen sich einer stetig steigenden Beliebtheit erfreuen und somit zu einem allgemeinen Wachstum der Beratungsbranche führen. Um dies festzustellen, genügt schon ein Blick in die Statistiken über die Entwicklung der Anzahl der in Deutschland vorhandenen Beratungsfirmen und deren Mitarbeiter der vergangenen 20 Jahre. Angaben des Bundesverbandes Deutscher Unternehmensberater (BDU) zufolge, hat sich die Anzahl der im Beratungssektor tätigen Unternehmen seit 1989 von ca. 6.000 auf ca. 14.700 im Jahr 2000 mehr als verdoppelt. Ähnlich stellt sich die Situation bei den Mitarbeitern von Beratungsfirmen dar, die sich im Vergleich zu 1989 von ca. 30.000 auf ca. 68.000 im Jahr 2000 ebenfalls mehr als verdoppelt haben (Pohlmann, 2003, S. 688). Das Phänomen so eines boomenden Wirtschaftszweiges, ist deshalb auch aus der Sicht der verschiedensten Fachrichtungen interessant und untersuchenswert.
Innerhalb dieser Arbeit soll deswegen das doch sehr diffuse und bizarre Phänomen der Unternehmensberatung aus soziologischer Perspektive genauer betrachtet werden. Hierzu ist es zunächst einmal notwendig zu untersuchen, was man aus soziologischer Perspektive überhaupt unter Beratung versteht. Anschließend sollen die soziologisch relevanten Formen von Beratung in ihren Besonderheiten beschrieben werden. Nachdem der erste Teil der Arbeit somit einen Überblick der grundlegenden Begrifflichkeiten vermittelt, wird dann die Funktion und Rolle des Beratungssektors behandelt. Anhand der gewonnenen Erkenntnisse sollen abschließend Konsequenzen für das Wachstum dieser Branche analysiert werden bzw. Schlussfolgerungen über die Notwendigkeit der Inanspruchnahme von Beratungsleistungen gezogen werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Was bedeutet Beratung aus der Perspektive eines Soziologen?
3 Die Formen von Beratung nach Walger, unter Betrachtung der sozialwissenschaftlichen Kriterien für Beratung von Pohlmann
4 Die Funktionen soziologischer Beratung
5 Die Rolle der Berater gegenüber ihren Klienten
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen der Unternehmensberatung aus soziologischer Perspektive, um die Funktionen und die Rolle des Beratungssektors zu analysieren und die Frage nach dessen Notwendigkeit zu erörtern.
- Soziologische Definition und Abgrenzung des Beratungsbegriffs
- Klassifizierung der Beratungsformen nach Walger und Pohlmann
- Analyse der Funktionen von Beratung in modernen Unternehmen
- Die Rolle der Berater und die Folgen des Beratungsbooms
- Kritische Betrachtung von Komplexität und Schnelllebigkeit als Markttreiber
Auszug aus dem Buch
Die Funktionen soziologischer Beratung
Auf den Kapiteln zwei und drei aufbauend, soll im Folgenden die Funktion und Rolle von Beratung näher erörtert werden. Hierbei liegt der Schwerpunkt auf den soziologisch relevanten Formen von Beratung. Grundsätzlich kann man davon ausgehen, dass ein Unternehmen, welches die Entscheidung trifft Beratung, ganz gleich welcher Art, in Anspruch zu nehmen, sich einem Problem gegenübergestellt sieht, welches augenscheinlich ohne externe Hilfe bzw. externes Wissen nicht behoben werden kann. Damit wäre gleich zu Beginn dieses Kapitels die grundlegendste Funktion von Beratung aufgezeigt, nämlich die Unterstützung von Unternehmen bei der Lösung von Problemen. Im Weiteren soll jetzt genauer spezifiziert werden, welche Probleme bei Unternehmen zentral sind und wie die Beratung ihrer Funktion der Problemlösung nachkommt.
Um das Zusammenspiel von Unternehmern und Beratern zu verstehen, ist es zunächst einmal sinnvoll zu untersuchen, woher die Unternehmensführung ihre Autorität bezieht. Hierdurch ist es im Verlauf des Textes leichter zu verstehen, was die Funktionen von Beratung sind, worauf sie sich beziehen und wie sie umgesetzt werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Dieses Kapitel führt in das boomende Phänomen der Unternehmensberatung ein und skizziert das Ziel der Arbeit, dieses diffuse Feld aus einer soziologischen Perspektive zu beleuchten.
2 Was bedeutet Beratung aus der Perspektive eines Soziologen?: Hier wird der Beratungsbegriff definiert und durch ein Schema von anderen Interaktionsformen wie Kauf, Hierarchie oder Belehrung abgegrenzt.
3 Die Formen von Beratung nach Walger, unter Betrachtung der sozialwissenschaftlichen Kriterien für Beratung von Pohlmann: Dieses Kapitel klassifiziert Beratung in vier Idealtypen und bewertet diese anhand der zuvor erarbeiteten soziologischen Kriterien.
4 Die Funktionen soziologischer Beratung: Die Analyse konzentriert sich hier auf die zentralen Leistungen von Beratung, wie die Erweiterung der Problemperspektive, Legitimation und Wissenstransfer.
5 Die Rolle der Berater gegenüber ihren Klienten: Dieser Abschnitt untersucht den Einfluss von Beratern auf die Wahrnehmung gesellschaftlicher Umweltbedingungen wie Komplexität und Schnelllebigkeit.
6 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und stellt fest, dass eine rationale Notwendigkeit für Beratung aufgrund der schwierigen Erfolgsmessung nicht eindeutig belegbar ist.
Schlüsselwörter
Unternehmensberatung, Soziologie, Interaktionsform, Beratung, Problemlösung, Systemtheorie, Organisationsentwicklung, Managementmoden, Komplexität, Schnelllebigkeit, Entscheidungslegitimation, Wissenstransfer, Symbolmanagement, funktionale Autorität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Phänomen der boomenden Unternehmensberatung aus einer soziologischen Perspektive, um deren tatsächliche Funktion und Rolle innerhalb moderner Organisationen zu verstehen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind die theoretische Abgrenzung von Beratung von anderen Interaktionsformen, die Systematisierung verschiedener Beratungsansätze sowie die Auswirkungen des Beratungssektors auf unternehmerisches Handeln.
Welches primäre Ziel verfolgt der Autor mit dieser Analyse?
Das Hauptziel besteht darin, die Notwendigkeit von Beratung kritisch zu hinterfragen und zu ergründen, warum Unternehmen verstärkt auf externe Berater zurückgreifen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt in der Arbeit zum Einsatz?
Der Autor stützt sich auf eine theoretische Analyse, bei der existierende soziologische Kriterien (insbesondere von Pohlmann und Walger) auf die Praxis der Unternehmensberatung angewendet werden.
Welche Inhalte werden im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die Definition von Beratung als Interaktion, eine Typologie der Beratungsformen, die Funktionen von Beratung sowie die Dynamiken zwischen Beratern und Klienten detailliert erörtert.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich der Kern der Arbeit zusammenfassen?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Organisationsberatung, soziale Systeme, Entscheidungslegitimation und Wissensmanagement charakterisiert.
Inwiefern beeinflussen Berater die Wahrnehmung von Komplexität?
Laut der Arbeit tragen Berater durch ihre eigene Präsenz und die Neudefinition von Problembereichen paradoxerweise zur Komplexitätssteigerung bei, während sie gleichzeitig Unterstützung bei der Bewältigung von Unsicherheit versprechen.
Was ist das Fazit hinsichtlich der Notwendigkeit von Beratung?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass die Notwendigkeit von Beratung rational schwer zu begründen ist, da eine Erfolgsevaluation meist schwierig bleibt und der Nutzen oft eher symbolischer Natur oder dem Legitimitätsdruck geschuldet ist.
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- Stefan Lippmann (Author), 2009, Ist Organisationsberatung notwendig?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/155449