Ein Vergleich: „Utilitaristisches Bildungsziel“ und „Employability“

Die Rückkehr des philanthropischen Bildungsideals mit dem Bologna-Prozess?


Hausarbeit, 2010

16 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Padagogische Grundgedanken des Philanthropismus
2.1. Historischer Hintergrund
2.2. Menschen- und Gesellschaftsbild
2.3. Bildungskonzeption und Erziehungsziel

3. Utilitaristisches Handeln
3.1 Der klassische Utilitarismus nach Bentham und Mill
3.2. Bezug zum philanthropischen Erziehungsziel

4. Bologna-Prozess
4.1. Grundlagen und Gesamtkonzept
4.2. „Employability“ als Bildungsziel des Bologna-Prozesses

5. Ein Vergleich: Das utilitaristische Bildungsziel der Philanthropen und „Employability“ als Ziel des Bologna-Prozess

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Seit Anfang 2009 werden in vielen deutschen Bundeslandern Universitaten bestreikt - eine Tatsache, die stark an die Studentenrevolte der spaten 60er Jahre des 20. Jahrhunderts erinnert. Die Hochschuler der '68er-Generation demonstrierten fur neuen Schwung und gegen veraltete Lehrplane unter dem Leitspruch „Unter den Talaren, der Mief von 1000 Jahren“. Die bis dahin weitgehend friedliche Bewegung erlebte einen blitzartigen Umbruch durch den Tod des West-Berliner Studenten Benno Ohnesorg. Ohne ersichtlichen Grand schoss ein Berliner Polizist Ohnesorg in den Kopf. Ab diesem Zeitpunkt verliefen viele Demonstrationen und Aktionen der Studenten gewaltsam und nahmen an Umfang und Intensitat zu. Im Kontrast dazu, wurden im vergangenen Jahr unter dem Motto "die deutschen Hochschulen brennen" Universitatsgebaude besetzt und zur Bestreikung der Vorlesungen aufgerufen. Im Fokus liegen die Defizite bei den Bachelor- und Masterstudiengangen sowie die hohen Studiengebuhren, die in den meisten Bundeslandern erhoben worden sind. Unzufrieden mit den Ergebnissen des Bologna-Prozess, wird auch dieses Jahr wieder zu zahlreichen Demonstrationen und Bestreikungen aufgerufen.

Da das Ziel der Bologna-Reform, die eine Verbesserung der Beschaftigungsfahigkeit durch die Einfuhrung eines internationalen Ausbildungsstandards verlangt, nicht neu und auf das Ausbildungsziel einer Erziehungsbewegung des 18. Jahrhunderts, die des Philanthropismus zuruck zu fallen scheint, sollen die Bildungsziele der beiden Ansatze im Folgenden untersucht und miteinander verglichen werden.

2.Padagogische Grundgedanken des Philanthropismus

Wie jede Erziehungsphilosophie ist auch die des Philanthropismus von einem grundlegenden Konzept durchzogen, das hauptsachlich eine Reaktion auf die Verbesserungswurdigkeit der gesellschaftlichen, sowie epochalen Umstande ist. Im Folgenden soll das philanthropische Erziehungskonzept nicht nur aus dem historischen Kontext, sondern auch aus dem Leitbild der Spataufklarung heraus, dargestellt werden.

2.1. Historischer Hintergrund

Um eine padagogische Erziehungsphilosophie angemessen interpretieren zu konnen, ist es notwendig, zunachst den zeitlichen und geschichtlichen Kontext einer solchen Bewegung zu betrachten: Noch immer mit den Auswirkungen des DreiBigjahrigen Krieges beschaftigt, war Deutschland im 18. Jahrhundert ein in einzelne Furstentumer zerteiltes Land ohne Hauptstadt, ein Land ohne „nationale Identitat“ (Schmitt 2003, S. 119). Die in diesem Zuge zwischen den einzelnen Herrschaftszentren auftretende politische und religiose Konkurrenz, fuhrte zu einer kulturellen Zerrissenheit. Dem Burger fehlte im Grande eine staatliche Identitat. Trotz dieser starken Zerrissenheit, bildete sich bald ein Kommunikationsnetzwerk heraus, durch das sich die Gelehrten austauschen konnten. Plattform fur diesen Austausch bildeten zunachst die verbreiteten Universitaten, doch schon bald herrschte reger Briefverkehr, auch Studienfahrten wurden unternommen. Man trat damit bald durch das Herausbringen diverser Zeitschriften und literarischer Werke an die Offentlichkeit und tat seine Uberzeugungen und Meinungen in der Bevolkerung kund. Dieser kommunikative Austausch ermoglichte die Herausbildung der Leitvorstellung der damaligen Zeit, die der Aufklarung.

(vgl. Schmitt 2003, S.119 f.)

2.2. Menschen- und Gesellschaftsbild

Gepragt von dieser Leitvorstellung, die nach Schmitt von dem „Glauben an die Erziehbarkeit und an die Erziehungsbedurftigkeit der Menschen“ (2003, S. 120) ausgeht, sahen die Philanthropen, als deren beruhmteste Vertreter Basedow, Campe, Trapp, Rochow und Salzmann genannt werden, die Welt der Menschen durch Erziehung und Bildung als gestaltbar an. Bildung und Erziehung sollten auf lebenspraktische Situationen vorbereiten und gemeinnutzige Tugenden vermitteln, aber dennoch ein individuelles gluckliches Leben ermoglichen. Gestutzt auf die Rousseau’sche Theorie, der Mensch sei von Natur aus gut, entstand ein Menschenbild, das den „positiven Glauben an eine zweckmaBige und gute gottliche Weltordnung“ (Schmitt 2003, S. 120) zulieB. Aus diesem Grundgedanken heraus ist der Mensch, nach Ansicht der Philanthropen, somit in der Lage, sich frei und dennoch verantwortungsbewusst zu entfalten. Die hierzu erforderliche Erziehung setzte im Wesentlichen Eines voraus: Menschenliebe. Von Rousseaus negativer Erziehungstheorie unterschied sich die der Philanthropen insofern, dass der Mensch „moglichst schnell zum tuchtigen, praktischen, fleiBigen, aufgeklarten Burger“ (Bohme 1990, S. 161) werden sollte: „Durch blosses Befehlen, Lehren, Warnen, Strafen entsteht keine gute Gewohnheit. Uebung, wirklich Uebung ist das eigentliche Mittel. Dazu gehort Erfindung, AnlaB, Rath und Hulfe.“ (Basedow 1770 zitiert nach Schmitt 2003, S.120 f.). Als „Rad in einer groBen Maschine“ (Nieser 1992, S. 180) der standischen Gesellschaft, kennzeichnet sich der Burger durch eine unabdingbare Nutzlichkeit. Diese verdeutlicht die Bestimmung des einzelnen Menschen innerhalb der Gesellschaft und leistet damit einen wesentlichen Beitrag zu seiner individuellen Vervollkommnung. Gleichzeitig jedoch, wird diese Vervollkommnung durch die Vorherrschaft der „gesellschaftlichen Brauchbarkeit“ (Nieser 1992, S. 180) des Einzelnen, unabhangig seiner Anlagen, begrenzt. „Denn das Recht des Einzelnen auf Menschlichkeit, das Recht auf Entfaltung und Ausbildung aller Krafte, gerat in Spannung mit der Erziehung zur Gemeinnutzigkeit, wenn diese auf die Wohlfahrt des Sozialverbandes als letzter Instanz verpflichtet wird“ (Blankertz 1982, S. 80).

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Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Ein Vergleich: „Utilitaristisches Bildungsziel“ und „Employability“
Untertitel
Die Rückkehr des philanthropischen Bildungsideals mit dem Bologna-Prozess?
Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg  (Institut für Erziehungswissenschaften, Lehrstuhl für Allgemeine Pädagogik)
Note
1,7
Autor
Jahr
2010
Seiten
16
Katalognummer
V155571
ISBN (eBook)
9783640680573
ISBN (Buch)
9783640682270
Dateigröße
523 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Vergleich, Bildungsziel“, Rückkehr, Bildungsideals, Bologna-Prozess, Philanthropismus Philanthropen Utilitarismus Employability
Arbeit zitieren
Sebastian Karnoll (Autor), 2010, Ein Vergleich: „Utilitaristisches Bildungsziel“ und „Employability“ , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/155571

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