Fremdsprachenunterricht und Projektarbeit sind immer wieder als "zwei sich schwer versöhnlich gegenüberstehende" (Reisener, 1999, S. 20) Lernkulturen dargestellt worden. Als direkte Folge dieser Haltung ist die Tatsache zu sehen, daß "der Projektgedanke heute in vielen Schulen immer noch auf die Projektwochen beschränkt ist" (Heursen, 1997, S. 199). Somit verläuft der überwiegende Teil des Schulunterrichts lehrerdominiert. Die Gründe dafür, Projekte vom Fachunterricht und speziell vom Fremdsprachenunterricht (vgl. hierzu: Minuth, 1996) auszugrenzen, scheinen vielfältig zu sein, wenn man den Gegnern des Einsatzes von Projekten in diesen Bereichen schulischer Arbeit Glauben schenkt.
Ein Vertreter dieser These ist beispielsweise auch Gudjons, der sich in seinem Buch "Handlungsorientiert lehren und lernen" (1986) mit zentralen Fragestellungen des Projektunterrichts beschäftigt. Im Rahmen seiner Überlegungen kommt er zur These, daß Projekte sich im Rahmen des Fremdsprachenunterrichts nicht eignen und dort somit keine oder nur begrenzte Anwendung erfahren können. Ob diese These zutrifft, ist im Folgenden zu diskutieren. Dabei wird es zunächst um die Bedeutung und Entstehung des Projektbegriffes gehen. In einem zweiten Teil wird dann auf den spezifischen Zusammenhang zwischen Projekttheorie und Fremdsprachenunterricht einzugehen sein, wobei wiederholt auf Beispiele erfolgreicher Verknüpfung verwiesen wird.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 DER PROJEKTBEGRIFF
2.1 BEGRIFFSDEFINITION
2.1.1 Dewey: Erfahrung, Demokratie, soziale Orientierung
2.1.2 Rezeption in Deutschland
3 DER PROJEKTGEDANKE IM FREMDSPRACHENUNTERRICHT
3.1 PROBLEME UND LÖSUNGSWEGE
3.1.1 Erfahrungen im Fremdsprachenunterricht
3.1.2 Lehrgänge und Sprachwissen
3.1.3 Soziale Orientierung von Sprache?
3.1.4 Projektinitiative
3.1.5 Leistungsbeurteilung
4 FAZIT
5 LITERATURVERZEICHNIS
5.1 INTERNETQUELLEN
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht kritisch, ob und inwiefern der Projektgedanke im Fremdsprachenunterricht sinnvoll integriert werden kann, obwohl er häufig als unvereinbar mit traditionellen Lehrstrukturen gilt. Ziel ist es, die theoretischen Ursprünge des Projektbegriffs zu analysieren, spezifische Probleme der praktischen Umsetzung im Fremdsprachenunterricht zu identifizieren und Lösungsansätze aufzuzeigen, die einen produktiven Methodenmix ermöglichen.
- Grundlagen des Projektbegriffs nach Dewey und dessen Rezeption in Deutschland.
- Analyse des Spannungsfelds zwischen Projekttheorie und realer Fremdsprachenunterrichtspraxis.
- Diskussion konkreter Herausforderungen wie Sprachauthentizität, Wissensvermittlung und Leistungsbeurteilung.
- Aufzeigen von Strategien zur Verknüpfung von lehrerzentrierten Lehrgängen und schülerorientierter Projektarbeit.
- Bedeutung des Projektunterrichts als Beitrag zur Kompetenzvermittlung und Demokratieerziehung.
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Erfahrungen im Fremdsprachenunterricht
Gudjons (1986) argumentiert, daß Sprache über Erfahrung gelernt wird und authentische Erfahrungen im Fremdsprachenunterricht nicht zu ermöglichen sind. Dieses Argument ist zunächst einmal stichhaltig. Die pädagogische Forschung der letzten Jahrzehnte hat tatsächlich gezeigt, daß Sprache dann am besten gelernt und behalten wird, wenn sie in realen Lebenssituation angewendet wird und sich mit der Anwendung Erfahrungen wie Erfolg/ Mißerfolg verknüpfen. Ein Ansatz, der im Zusammenhang mit dieser Erkenntnis entstand, war der des communicative language teaching. Grundsätzlich, auch hier ist Gudjons zuzustimmen, ist es schwierig, im Fremdsprachenunterricht Situationen zu erzeugen, die so lebensnah sind, daß sie Erfahrungslernen ermöglichen. Wann werden Schüler im Fremdsprachenunterricht schon einmal mit der Situation konfrontiert, daß ihr Gegenüber nur Englisch versteht und sie ihm eine bedeutsame Mitteilung machen müssen? Es muß in diesem Zusammenhang problematisch erscheinen, die Lerner zum konsequenten Gebrauch der Fremdsprache zu bewegen.
Das Erproben der Verwendung von Sprache in realen Lebenssituation läßt sich somit innerhalb des Fremdsprachenunterrichtes in einer Schule sicherlich nicht erreichen. Selbst dann, wenn innerhalb von Rollenspielen oder didaktischen Konzepten wie des communicative language teaching derartige Situationen nachgestellt werden, bleibt der artifizielle Charakter bestehen. Zudem kommt es tatsächlich immer wieder zu Rückgriffen auf die Muttersprache. Gerade anhand von Projekten, die mit englischen Muttersprachlern durchgeführt werden oder auf englischsprachige Informationsquellen zurückgreifen, bieten sich hier aber Chancen. So besteht im Rahmen der sogenannten Comeniusprojekte, bei denen deutsche Schulen beispielsweise mit englischen Partnerschulen Emailprojekte durchführen oder sich gegenseitig über Sitten, Gebräuche etc. informieren, absolut die Notwendigkeit, auf die Fremdsprache zurückzugreifen. Die Verwendung neuer Medien wie des Internets erscheint in diesem Zusammenhang unbedingt als Vorteil um globale Projekte durchzuführen, in deren Rahmen Englisch mehrdimensional genutzt wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Hinführung zur Thematik und Formulierung der Forschungsfrage hinsichtlich der Vereinbarkeit von Fremdsprachenunterricht und Projektarbeit.
2 DER PROJEKTBEGRIFF: Herleitung der Definition des Projektbegriffs, insbesondere unter Berücksichtigung der Theorie Deweys und deren geschichtlicher Rezeption in Deutschland.
3 DER PROJEKTGEDANKE IM FREMDSPRACHENUNTERRICHT: Analyse der Probleme bei der praktischen Umsetzung theoretischer Vorgaben im Sprachunterricht und Diskussion möglicher Lösungswege.
4 FAZIT: Zusammenfassende Bewertung der Projekttauglichkeit für den Fremdsprachenunterricht und Plädoyer für einen situationsbezogenen Methodenmix.
5 LITERATURVERZEICHNIS: Aufstellung der im Text verwendeten wissenschaftlichen Quellen.
Schlüsselwörter
Projektunterricht, Fremdsprachenunterricht, Dewey, Handlungsorientierung, Demokratieerziehung, Kommunikativer Ansatz, Lehrerzentrierung, Lernerautonomie, Sprachpraxis, Kompetenzvermittlung, PISA, Methodenmix, Schüleraustausch, Leistungsbeurteilung, Projektpädagogik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die theoretischen Grundlagen des Projektbegriffs und diskutiert kritisch dessen Anwendungsmöglichkeiten im Fremdsprachenunterricht unter Berücksichtigung von Hindernissen und Chancen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen die Definition von Projektunterricht, dessen historische Einordnung (besonders Dewey), die Analyse von Konfliktfeldern in der Fremdsprachenpraxis sowie Ansätze zur Leistungsbewertung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, den Nutzen und die Herausforderungen von Projekten im Fremdsprachenunterricht differenziert zu beleuchten und Wege zu finden, wie Projektarbeit sinnvoll in den schulischen Alltag integriert werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse, die verschiedene pädagogische Positionen zusammenführt und auf die spezifische Situation des Fremdsprachenunterrichts bezieht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden konkrete Probleme wie die Schwierigkeit authentischer Spracherfahrung, die Balance zwischen Lehrgängen und freier Projektarbeit sowie Fragen der Leistungsbeurteilung in Gruppenprojekten analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Projektunterricht, Fremdsprachenunterricht, Handlungsorientierung, Lernerautonomie und Methodenmix charakterisiert.
Wie löst der Autor das Problem der Leistungsbewertung in Projekten?
Der Autor verweist auf Ansätze, bei denen Gruppenleistungen als Ganzes bewertet werden, um die Motivation zur gegenseitigen Unterstützung zu fördern, betont jedoch, dass dies eine vorherige Vereinbarung transparenter Bewertungskriterien erfordert.
Welche Rolle spielt das Internet in diesem Kontext?
Das Internet wird als wertvolles Medium hervorgehoben, um globale Projekte (z.B. Comeniusprojekte) zu ermöglichen, die eine echte Notwendigkeit zur Kommunikation in der Fremdsprache schaffen und somit den realen Erfahrungswert steigern.
- Arbeit zitieren
- Hanno Frey (Autor:in), 2003, Projekte im Fremdsprachenunterricht - ein Ding der Unmöglichkeit?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/15581