Rechtliche Grundlagen des Risikomanagements bei unternehmenspolitischen Entscheidungen
Das Gesetz zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich
Permanente Veränderungen wirtschaftlicher, gesetzlicher und gesellschaftlicher Rahmenbedingungen erhöhen das Risikopotential eines Unternehmens. Durch die Globalisierung, zunehmenden Wettbewerb und veränderte Technologien, sowie erweiterte Informations- und Kundenbedürfnisse ist eine vorausschauende Anpassung an die Entwicklungen im Unternehmensumfeld zu einem entscheidenden Erfolgsfaktor geworden. Ausgelöst durch Unternehmenskrisen und spektakuläre Unternehmenszusammenbrüche in der Vergangenheit wurde das Gesetz zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich (KonTraG) vom Bundestag verabschiedet und trat am 1. Mai 1998 in Kraft .
Das KonTraG stellt ein Artikelgesetz dar, das zahlreiche Regelungsbereiche beinhaltet und bestehende Gesetze integriert. Grundsätzlich ist es zwar für Aktiengesellschaften verfügt worden, auf Grund seiner Ausstrahlungswirkung kann es jedoch auch auf andere Unternehmensformen entsprechend deren Größe und Komplexität transferiert werden. Ziel ist es, die Corporate Governance, das heißt eine verantwortungsvolle Unternehmensführung, durch verstärkte Kontrollen und Transparenzen im Rahmen eines professionellen Risikomanagements (RM) zu verbessern.
Inhaltsverzeichnis
1. Rechtliche Grundlagen des Risikomanagements bei unternehmenspolitischen Entscheidungen
1.1 Das Gesetz zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich
1.2 Der deutsche Corporate Governance Kodex als Basis einheitlicher Überwachung und Leitung deutscher börsennotierter Gesellschaften
2. Die Veränderung des Risikomanagements für die Finanzmärkte
2.1 Notwendigkeit einer aufsichtsrechtlichen Regulierung der Finanzdienstleistungsbranche
3. Aufsichtsrechtliche Lösung des Bankwesens
3.1 Die Entwicklung von Basel II
3.2 Das 3-Säulen-Konzept von Basel II
4. Aufsichtsrechtliche Lösung der Assekuranz
4.1 Die Entwicklung von Solvency II
4.2 Das 3-Säulen-Konzept von Solvency II
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit analysiert die rechtlichen Rahmenbedingungen und die aufsichtsrechtliche Regulierung des Risikomanagements (RM) in deutschen Unternehmen, mit einem besonderen Fokus auf den Finanzsektor. Es wird untersucht, wie gesetzliche Regelungen und Kodizes zu einer verantwortungsvollen Unternehmensführung und einer verbesserten Risikotransparenz beitragen sollen.
- Regulierung des Risikomanagements durch das Gesetz zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich (KonTraG).
- Die Rolle des deutschen Corporate Governance Kodex (DCGK) für börsennotierte Gesellschaften.
- Die Weiterentwicklung der Eigenkapitalvorschriften für Banken durch das Basel II-Abkommen.
- Die Reform der Versicherungsaufsicht durch das Solvency II-Projekt und dessen Drei-Säulen-Modell.
- Methoden der Risikoidentifikation, -steuerung und -kontrolle im Kontext nationaler und internationaler Aufsichtssysteme.
Auszug aus dem Buch
Das 3-Säulen-Konzept von Basel II
Wie die obere Darstellung zeigt, beruht Basel II auf drei Säulen, die im Folgenden nun kurz erläutert werden.
Säule 1 beschreibt die Mindestkapitalanforderungen, deren Umsetzung in deutsches Recht durch den Erlass der Solvabilitätsverordnung (SolvV) und die Änderungen des KWG erfolgte. Basel II fordert neben einer Eigenmittelunterlegung von Kredit- und Marktpreisrisiken nun auch jene für operationelle Risiken.
Verschiedene Risikomessverfahren ermöglichen eine risikoadäquate Erfassung des Bonitätsrisikos des Kreditnehmers und somit auch eine angemessene Zuordnung der Kapitalanforderungen. Kreditinstitute können zur Messung des Kreditrisikos auf den Kreditrisiko-Standardansatz (KSA) oder auf einen, auf internen Ratings basierenden Ansatz (Internal Rating Based Approach – IRBA) zurückgreifen. Zur Messung des operationellen Risikos stehen ihnen ebenfalls mehrere Ansätze zur Verfügung. Der Basisindikatoransatz (BIA) und der Standardansatz (STA) sind geeignet für Banken, die nur ein geringes operationelles Risiko aufweisen. Sie beziehen sich bei ihrer Messung auf Ertragsindikatoren. Der Alternative Standardansatz (ASA) hingegen, der eine Modifizierung des Standardansatzes darstellt, greift auf Volumenindikatoren zurück. Die Verwendung dieses Verfahrens ist nur unter Erlaubnis der nationalen Bankenaufsicht möglich. Als vierte Möglichkeit können Kreditinstitute ambitionierte Messansätze (AMA) verwenden. Das heißt, dass sie bankenspezifisch eigene Messverfahren entwickeln, deren Genehmigung durch die Bankenaufsicht jedoch erforderlich ist.
Zu der Ermittlung von Marktpreisrisiken besteht ebenfalls die Option einen Standardansatz oder ein internes Modell, welches wiederum von der Aufsicht zu genehmigen ist, zu nutzen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Rechtliche Grundlagen des Risikomanagements bei unternehmenspolitischen Entscheidungen: Dieses Kapitel erläutert das KonTraG als Reaktion auf Unternehmenszusammenbrüche und diskutiert den deutschen Corporate Governance Kodex als Maßstab für verantwortungsvolle Unternehmensführung.
2. Die Veränderung des Risikomanagements für die Finanzmärkte: Hier wird die Notwendigkeit einer staatlichen Regulierung der Finanzdienstleistungsbranche begründet, um Insolvenzen zu vermeiden und das Vertrauen in das Finanzsystem zu sichern.
3. Aufsichtsrechtliche Lösung des Bankwesens: Das Kapitel behandelt die historische Entwicklung von Basel II von den ersten Ansätzen bis hin zum heutigen Drei-Säulen-Konzept zur qualitativen und risikoadäquaten Eigenmittelunterlegung.
4. Aufsichtsrechtliche Lösung der Assekuranz: Es wird die Transformation des Solvabilitätssystems von Solvency I zu Solvency II beschrieben, wobei der Fokus auf den Berichtspflichten und der RM-Qualität liegt.
Schlüsselwörter
Risikomanagement, KonTraG, Corporate Governance, Basel II, Solvency II, Eigenmittelunterlegung, Aufsichtsrecht, Finanzdienstleister, Frühwarnsystem, Risikocontrolling, Bankenaufsicht, MaRisk, Abschlussprüfung, Risikosteuerung, Transparenz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie durch gesetzliche Rahmenbedingungen und aufsichtsrechtliche Standards das Risikomanagement in Unternehmen und insbesondere im Finanzsektor professionalisiert und transparenter gestaltet werden soll.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf dem KonTraG, dem deutschen Corporate Governance Kodex sowie den internationalen Aufsichtsstandards Basel II (für Banken) und Solvency II (für Versicherungen).
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist die Darstellung der regulatorischen Anforderungen, die zur Sicherung der Unternehmensstabilität, zur Haftungsvermeidung und zur Stärkung des Vertrauens in die Finanzmärkte eingeführt wurden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine strukturierte Analyse und Auswertung gesetzlicher Texte, offizieller Prüfstandards (IDW PS 340) sowie aktueller fachwissenschaftlicher Literatur und Berichte der Bankenaufsicht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung rechtlicher Grundlagen des allgemeinen Risikomanagements sowie die detaillierte Beschreibung der Drei-Säulen-Konzepte in den Sektoren Bankwesen und Assekuranz.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Begriffe wie Risikomanagement, KonTraG, Aufsichtsrecht, Basel II, Solvency II und Corporate Governance stehen im Zentrum der terminologischen Ausrichtung.
Wie unterscheidet sich die Aggregation der Risikoklassen zwischen Basel II und Solvency II?
Während bei Basel II die Risikoklassen häufig durch einfache Addition zusammengefasst werden, berücksichtigt Solvency II explizit Diversifikationseffekte zwischen den verschiedenen Risikoklassen.
Was ist das "comply or explain"-Prinzip im Kontext des DCGK?
Es ist ein Grundsatz für börsennotierte Unternehmen, der sie verpflichtet, eine Entsprechenserklärung abzugeben, in der sie entweder bestätigen, die Regelungen des Kodex einzuhalten, oder begründen, warum und an welcher Stelle sie davon abweichen.
- Citation du texte
- Sina Krenzer (Auteur), 2009, Rechtliche Grundlagen des Risikomanagements bei unternehmenspolitischen Entscheidungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/156083