Die soziale Integration von Menschen, insbesondere Kindern, mit Migrationshintergrund ist eine soziale Aufgabe, die die Schule allein kaum bewältigen kann. Vielmehr kann sie nur gemeinsam mit den Zuwanderern und der deutschen Bevölkerung in einem komplexen gesellschaftlichen Prozess erfolgreich gemeistert werden. Hierzu zählt eine umfassende Kommunikation zwischen den verschiedenen sozialen Netzwerken sowie Mut, Toleranz und Zugeständnisse auf beiden Seiten.
Das Ziel ist eine Gesellschaft, die es versteht, mit Heterogenität umzugehen und gelernt hat, das Andersartigkeit nichts Negatives, sondern etwas Positives darstellt, nämlich eine Chance, seinen eigenen, mitunter eingeschränkten Horizont zu erweitern.
Um dieses Ziel zu bewältigen, eignet sich die Grundschule als ersten Ansatzpunkt, aufgrund ihres heterogenen Charakters und ihrer Funktion, grundlegende Bildung zu vermitteln, eigentlich hervorragend.
Die vorliegende Arbeit versucht zunächst, die schulische Situation ausländischer Kinder vorzustellen und diskutiert anhand von Statisken eine mögliche Benachteiligung. In einem zweiten Schritt wird überlegt, inwiefern die Grundschule als Ort gemeinsamen Lebens und Lernens zu einer integrationsfähigen Institution wird und welche Aufgaben auf die Lehrkräfte und weitere Pädagogen zukommen. Als Abschluss wird das Konzept der Interkulturellen Erziehung und Kommunikation als Lösungsansatz vorgestellt und anhand von Beispielen diskutiert. Zum Schluss wird ein Fazit gezogen.
Inhaltsverzeichnis
1. Schulische Situation ausländischer Kinder
1.1 Migrationshintergrund der Bevölkerung
1.2 Der bildungspolitische Anspruch und die bildungspolitische Realität
1.3 Sind Migrantenkinder wirklich sonderschulbedürftig?- Benachteilung und Ausgrenzung im Bildungsbereich
2. Überwindung von Nachteilen, Vorurteilen und Diskriminierung- Ziele, Aufgaben und Grenzen der Grundschule
2.1 Grundlagen und Ziele
2.1.1 Theoretische Überlegungen
2.1.2 Anforderungen an die Lehrkräfte
2.1.3 Lehrervorstellungen von einer integrationsfähigen Grundschule
2.1.4 Die Rolle des Spracherwerbs
2.1.5 Innere Differenzierung als Möglichkeit der Förderung
2.2 Interkulturelle Erziehung und Kommunikation
2.2.1 Einleitung und Definition
2.2.2 Unterrichtsbeispiele und Kommentare zur interkulturellen Erziehung
3. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die aktuelle schulische Situation von Kindern mit Migrationshintergrund in Deutschland, beleuchtet bestehende Benachteiligungen im Bildungssystem und erarbeitet pädagogische Lösungsansätze sowie Strategien für eine erfolgreiche interkulturelle Erziehung im Grundschulalltag.
- Analyse der demografischen Situation und bildungspolitischer Rahmenbedingungen.
- Untersuchung der Ursachen für die überproportionale Zuweisung von Migrantenkindern zu Sonderschulen.
- Anforderungen an Lehrkräfte in einer multikulturellen Gesellschaft und Wege zum Abbau von Vorurteilen.
- Die Bedeutung der Sprachkompetenz als Schlüsselqualifikation.
- Methoden der inneren Differenzierung und interkulturellen Kommunikation als Förderinstrumente.
Auszug aus dem Buch
2.1.5 Innere Differenzierung als Möglichkeit der Förderung
Ferner ist nun wichtig, wie dieser großen Heterogenität optimal gerecht werden kann. Hierfür gibt es, leider, kein Patentrezept. Würde dieses existieren, wären die Probleme wohl nicht mehr so signifikant. Die Möglichkeiten der Förderung und Integration, also der Orientierungsrahmen des Lehrers, werden von allen Kindern in der Klasse in ihrer Unterschiedlichkeit- auch jenseits von sprachlichen Gegebenheiten- mitbestimmt. Ebenso bestimmend sind die äußeren schulischen Bedingungen (welche Möglichkeiten bietet die Schule als Gemeinschaft an?) sowie die Bedingungen jenseits des Schulvormittags. Hierzu zählen die möglichen außerschulischen Unterstützungspartner sowie der ungesteuerte Spracherwerb durch die Peergroup und Medien.
Doch es bieten sich fast immer Möglichkeiten, bei dem Umgang mit Migrantenkindern und der Würdigung ihrer Heterogenität auf „erworbenes Handwerkszeug“ zurückzugreifen. Hierzu zählen differenzierte Ziel- und Aufgabenstellungen, Arbeit in Kleingruppen sowie Partnerarbeit, Arbeit nach Tages- oder Wochenplan sowie die Anleitung zum selbstständigen Lernen durch z. B. Erarbeiten von Projekten oder bestimmten Themen. Diese vielfältigen Ideen kann der Lehrer einsetzen, um Zeit für alle Kinder mit ihren speziellen Bedürfnissen an Zuwendung zu finden und damit auch Zeit für die besonderen Bedürfnisse der ausländischen Kinder. Die Lehrkraft findet Zeit, um z. B. die Alphabetisierung weiterzubringen oder den Wortschatz auszubauen. Um die Kinder nicht völlig von der Klasse zu isolieren, wäre es ratsam, diese Arbeit in enger Verbindung zu den von der Klasse zu bearbeitenden Themen zu machen. Dabei ist während des gesamten Unterrichts immer wieder in den Blick zu nehmen, ob etwas (und wenn ja, was) den ausländischen Kindern den Weg zum Thema oder zur Lösung einer Aufgabe sperrt. Die Probleme belaufen sich i. d. R nicht nur auf den Bereich Wortschatz oder Grammatik, sondern können auch kulturbedingt hervorgerufen werden. Es sind häufig die fremden Verhaltensrepertoires, die andere Rollenerziehung und die abweichende Arbeitsteilung, die den Kindern fremd sind. Sie brauchen daher Erklärungen, was für den Lehrer bedeutet, Distanz zu eigenen Selbstverständlichkeiten zu entwickeln und sich in die Kinder hineinzufühlen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Schulische Situation ausländischer Kinder: Dieses Kapitel liefert eine statistische Bestandsaufnahme zur Bevölkerung mit Migrationshintergrund und thematisiert kritisch die Diskrepanz zwischen bildungspolitischem Anspruch und der realen Benachteiligung sowie Ausgrenzung von Migrantenkindern im Schulsystem.
2. Überwindung von Nachteilen, Vorurteilen und Diskriminierung- Ziele, Aufgaben und Grenzen der Grundschule: Der Hauptteil erläutert theoretische Grundlagen der Integration, stellt Anforderungen an das Lehrpersonal, untersucht die Rolle des Spracherwerbs und zeigt durch innere Differenzierung sowie Konzepte der interkulturellen Erziehung Wege für einen inklusiven Unterricht auf.
3. Fazit: Die Arbeit schließt mit dem Appell, dass soziale Integration eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist, bei der die Schule durch den Abbau von Vorurteilen und die Anerkennung von Diversität eine zentrale Rolle als Bildungsinstanz einnimmt.
Schlüsselwörter
Migrationshintergrund, Interkulturelle Erziehung, Grundschule, Sprachkompetenz, Soziale Integration, Bildungsbenachteiligung, Innere Differenzierung, Lehrerausbildung, Schulerfolg, Chancengleichheit, Heterogenität, Sonderpädagogik, Vorurteile, Diskriminierung, Schulentwicklung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit befasst sich mit der Situation von Kindern mit Migrationshintergrund an deutschen Grundschulen, den damit verbundenen Lernchancen und Hindernissen sowie den Möglichkeiten einer gelingenden interkulturellen Pädagogik.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Schwerpunkte liegen auf der statistischen Einordnung von Migration, der bildungspolitischen Realität, der kritischen Reflexion von Selektionsprozessen im Schulwesen sowie pädagogischen Handlungsstrategien zur Förderung der Integration.
Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie die Grundschule durch den Abbau von institutioneller Diskriminierung und die Anwendung differenzierter Lehrmethoden einen positiven Beitrag zur Bildungsgerechtigkeit und Integration von Kindern aus verschiedenen kulturellen Kontexten leisten kann.
Welche wissenschaftlichen Methoden kommen zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse, der Auswertung bildungspolitischer Berichte (wie der KMK) sowie der Einbeziehung von Ergebnissen empirischer Studien zur Lehrererwartung und zum Schulerfolg.
Was wird im Hauptteil der Arbeit schwerpunktmäßig behandelt?
Im Hauptteil stehen die Rolle der Lehrkräfte als Vermittler zwischen Kulturen, die Bedeutung der Sprachförderung, Konzepte der inneren Differenzierung und konkrete Ansätze der interkulturellen Erziehung im Mittelpunkt.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Migrationshintergrund, Interkulturelle Erziehung, Heterogenität, Bildungsbenachteiligung und Schulentwicklung geprägt.
Welche Rolle spielen Intelligenztests laut der Autorin bei der Überweisung von Migrantenkindern auf Sonderschulen?
Die Autorin argumentiert, dass gängige psychometrische Verfahren oft nicht kultur- oder sprachfrei sind, was dazu führt, dass die Intelligenz von Kindern mit Deutsch als Zweitsprache falsch eingeschätzt und diese ungerechtfertigt in Sonderschulen überwiesen werden.
Wie definiert die Autorin interkulturelle Erziehung?
Sie beschreibt interkulturelle Erziehung als fächerübergreifendes, ganzheitliches Prinzip, das nicht nur Duldung, sondern die aktive Anerkennung von kultureller Diversität sowie den Abbau von Barrieren durch Empathie und Kommunikation fordert.
- Citation du texte
- Sarah Weihrauch (Auteur), 2009, Der Unterricht mit Kindern mit Migrationshintergrund, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/156283