Die Wissenschaft wird bis in die heutige Gegenwart von der Gegenüberstellung zweier sehr bekannter Termini verfolgt: Theorie und Praxis. Vor allem ist für diese Verfolgungsjagd kein Ende in Sicht.
Inhaltsverzeichnis
1. Theorie und Praxis: unzertrennliche „Feinde“
1.1 Theorie gleich Wissenschaft?
1.2 Praxis als Notwendigkeit?
2. Theorie und Praxis in der Geisteswissenschaftlichen Pädagogik
3. Dialektik von Theorie und Praxis
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das spannungsreiche Verhältnis zwischen Theorie und Praxis innerhalb der Erziehungswissenschaft. Dabei wird analysiert, inwiefern beide Termini trotz ihrer oft als polarisierend wahrgenommenen Rollen in einer wechselseitigen Vermittlung stehen und welche Bedeutung der Handlungsforschung für die Überbrückung dieser Distanz zukommt.
- Wissenschaftstheoretische Grundlagen von Theorie und Praxis
- Stufenmodell der Theoriebildung nach E. Weniger
- Rolle der Handlungsforschung („action research“)
- Überwindung der Trennung von Forschung und Handeln
- Integration von Subjektivität und wissenschaftlicher Erkenntnis
Auszug aus dem Buch
Dialektik von Theorie und Praxis
Abgesehen davon, dass die Wissenschaft „Maximen für die Praxis“ aufstellt oder die „Erfassung der Praxis“ als Aufgabe hat (vgl. Tschamler , H. 1996 , S.114), sieht die pädagogische Handlungsforschung („action research“) ihre primäre Aufgabe darin, die Erziehungs- und Praxisfelder zu verändern.
Sie ist das Gegenstück zu denjenigen, die Forschung (Theorie) und Handeln (Praxis) trennen. Die Handlungsforschung vertritt die Ansicht, dass die Forschung nicht wertfrei sein kann, da ein Forscher kein objektiver (außenstehender) Beobachter ist, sondern er greift parteilich in den Forschungsprozess ein. Es findet demzufolge ein gegenseitiger Lernprozess statt, der den Forscher und den Untersuchten miteinbezieht.
„Die von der Forschung Betroffenen sind […] nicht Versuchspersonen, Objekte, sondern Partner, Subjekte.“ (Mayring, P. 2002, S.50)
„Forscher und Praktiker sind im stetigen gelichberechtigten und herrschaftsfreien Austausch, im Diskurs begriffen.“ (Mayring, P. 2002, S.50-51)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Theorie und Praxis: unzertrennliche „Feinde“: Einleitung in die etymologischen Ursprünge der Begriffe und die grundlegende Differenzierung zwischen wissenschaftlicher Theoriebildung und praktischem Handeln.
1.1 Theorie gleich Wissenschaft?: Erörterung des Zusammenhangs zwischen theoretischen Modellen und wissenschaftlichen Ansprüchen sowie der Abgrenzung durch Wertneutralität.
1.2 Praxis als Notwendigkeit?: Beleuchtung der Komplexität der Praxis in der Pädagogik, die sich wissenschaftlicher Reduktion oft widersetzt.
2. Theorie und Praxis in der Geisteswissenschaftlichen Pädagogik: Darstellung des Stufenmodells der Theoriebildung nach E. Weniger, das den Weg von praktischen Voreinstellungen hin zur wissenschaftlichen Theorie aufzeigt.
3. Dialektik von Theorie und Praxis: Analyse der Handlungsforschung als Methode, die den Forscher und den Praktiker als gleichberechtigte Partner in einen wechselseitigen Lernprozess einbindet.
4. Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der Notwendigkeit einer gemeinsamen Sprache in der Erziehungswissenschaft, um Theorie und Praxis dauerhaft zu versöhnen.
Schlüsselwörter
Theorie, Praxis, Erziehungswissenschaft, Wissenschaftstheorie, Handlungsforschung, Action Research, Pädagogik, Diskurs, Subjektivität, Reflexion, Wissenschaftscharakter, Forschungsprozess, Theoriebildung, Wertneutralität, Sozialforschung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die wissenschaftstheoretische Gegenüberstellung von Theorie und Praxis und deren Bedeutung für die pädagogische Fachdisziplin.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Felder sind die Begriffsklärung, die erziehungswissenschaftliche Forschungspraxis, das Stufenmodell der Theorie sowie die Ansätze der Handlungsforschung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, das Spannungsfeld zwischen theoretischer Forschung und praktischem Handeln zu beleuchten und Wege zur gegenseitigen Befruchtung aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse und vergleicht verschiedene wissenschaftstheoretische Ansätze, insbesondere im Kontext der qualitativen Sozialforschung.
Was wird im Hauptteil schwerpunktmäßig behandelt?
Der Hauptteil analysiert das Stufenmodell von E. Weniger und die Konzepte der Handlungsforschung, die eine Trennung von Forscher und Praktiker aufheben wollen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wesentlichen Begriffe sind Theorie, Praxis, Erziehungswissenschaft, Handlungsforschung und der Diskurs zwischen Forscher und Betroffenen.
Warum wird die Handlungsforschung als Gegenstück zur klassischen Forschung beschrieben?
Sie lehnt die Forderung nach absoluter Wertfreiheit ab und sieht den Forscher als parteilichen Teilnehmer, der aktiv in das Praxisfeld eingreift.
Was schlägt D. Benner zur Lösung des Theorie-Praxis-Problems vor?
Benner plädiert für eine gemeinsame Sprache der Erziehungswissenschaft, die theoretische Reflexion und praktische Erfahrung in eine produktive Beziehung zueinander setzt.
- Citation du texte
- Zeynep Ören (Auteur), 2010, Theorie und Praxis - Unzertrennliche "Feinde", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/156722