Für mich stand fest, dass diese Arbeit etwas mit „Zeit“ zu tun haben wird,
aus der Assoziation heraus, dass mir die Zeit fehlt: Zwei kleine Töchter,
Studium und Arbeit lässt zu Stoßzeiten wenig Spielraum übrig.
Ich nahm mir vor, meinen Schwerpunkt auf das Zeiterleben von psychisch
kranken Menschen zu legen, jedoch wechselte mein Interesse dann doch
eher zur Zeitwahrnehmung von Kindern.
Als ich mich in das Thema eingelesen hatte, dämmerte mir, dass ich mich
auf entwicklungspsychologisches Terrain begab. Ich entschied mich durch
die Beschränkung auf einen Lebensabschnitt – das Säuglingsalter - die
entwicklungspsychologischen Aspekte weitgehend herauszunehmen. Da in
dieser relativ kurzen Zeitspanne aber unglaublich viele Vorgänge u.a. bei
der Zeitwahrnehmung ablaufen, spielt die Entwicklung bei der
Wahrnehmung eine Rolle.
In meiner Arbeit beschäftige ich mich mit Untersuchungen von
Wahrnehmungs- und Entwicklungspsychologen, die mit interessanten
Methoden dem Säugling Antworten zu seiner Wahrnehmungsfähigkeit
entlocken wollen. Wie nimmt ein Säugling seine zeitliche Umwelt wahr?
Welche Möglichkeiten hat er, die zeitlichen Strukturen zu erkennen? Sind
diese Fähigkeiten angeboren oder erlernt? Durch die mühsame Recherche
für diese eingegrenzte Thematik beziehe ich mich im Hauptteil auf einen
Text von LEWKOWICZ im englischsprachigen Original, verzichte auf
Zitate und übersetze sinngemäß nach meinen Kenntnissen und
Möglichkeiten.
Den Anteil der endogenen und exogenen Rhythmen an der
Zeitwahrnehmung ließ ich aus Platzgründen unberücksichtigt, aber er ist
prinzipiell nicht zu vernachlässigen.
Ich danke meiner Familie für die Geduld und Unterstützung.
Inhaltsverzeichnis
1. Vorwort und Einleitung
2. Methoden in der Säuglingsforschung
2.1. Präferenzparadigma
2.2. Habituierungsparadigma
2.3. Überraschungsparadigma
2.4. Familiarisierungs- Neuheits- Methode
3. Sinnesorgane / Wahrnehmung
4. Zeitwahrnehmung
4.1. Das operative Zeitschema nach Piaget
4.2. Das sensu- motorische Stadium nach Piaget
5. Kreuzmodale Wahrnehmung
5.1. Wahrnehmung von Synchronie
5.2. Wahrnehmung von Dauer
5.3. Wahrnehmung von Frequenz
5.4. Wahrnehmung von Rhythmus
6. Ergebnisse der Arbeit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Wahrnehmungsfähigkeit von Säuglingen, insbesondere im Hinblick auf die Zeitwahrnehmung und die kreuzmodale Informationsverarbeitung, um zu verstehen, wie Kleinkinder ihre zeitliche Umwelt strukturieren und organisieren.
- Methoden der Säuglingsforschung (Paradigmata)
- Entwicklungspsychologische Theorien nach Piaget
- Kreuzmodale Wahrnehmungsfähigkeiten
- Zeitwahrnehmung (Synchronie, Dauer, Frequenz, Rhythmus)
Auszug aus dem Buch
5. Kreuzmodale Wahrnehmung
Bei kreuzmodaler Wahrnehmung spricht man von einer angeborenen, generellen Fähigkeit, die über eine Sinnesmodalität aufgenommene Information in eine andere Sinnesmodalität übertragen zu können (STERN, 1992, S.79) . So ist es möglich, einheitliche Objekte wahrzunehmen, die aus zwei oder mehreren verschiedenen Sinneseindrücken zusammengefügt werden.
Als Beispiel gilt das Experiment von Meltzoff/ Borton von 1979, bei dem drei Wochen alten Säuglingen die Augen verbunden wurden, sie einen Schnuller mit Noppen zu saugen bekamen und beim späteren visuellen Vergleich mit einem glatten Schnuller den eben besaugten präferierten. Dem Säugling ist es also möglich, haptische Informationen in den visuellen Bereich zu transferieren (STERN, 1992, S.74f).
STERN nennt weitere Untersuchungen, die alle darauf schließen lassen, dass der sehr junge Säugling oft Fähigkeiten der Modulation besitzt, die sich durch das Wahrnehmungsmodell von PIAGET nicht erklären lassen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Vorwort und Einleitung: Vorstellung der Motivation für das Thema Zeitwahrnehmung bei Kindern und der methodischen Herangehensweise.
2. Methoden in der Säuglingsforschung: Überblick über experimentelle Verfahren wie das Präferenz- und Habituierungsparadigma, die Einblicke in die Wahrnehmung von Säuglingen ermöglichen.
3. Sinnesorgane / Wahrnehmung: Erläuterung der verschiedenen Arten von Sinnesorganen und deren Rolle bei der Konstruktion von Wahrnehmung.
4. Zeitwahrnehmung: Analyse der zeitlichen Wahrnehmung mit Fokus auf Piagets Stufenmodelle und den Aufbau eines praktischen Zeitkonzepts beim Säugling.
5. Kreuzmodale Wahrnehmung: Untersuchung der Fähigkeit von Säuglingen, Informationen zwischen verschiedenen Sinnesmodalitäten zu transferieren.
6. Ergebnisse der Arbeit: Kritische Reflexion der Forschungsergebnisse und Einordnung der entwicklungspsychologischen Erkenntnisse.
Schlüsselwörter
Säuglingsforschung, Zeitwahrnehmung, Kreuzmodale Wahrnehmung, Wahrnehmungspsychologie, Präferenzparadigma, Piaget, Sensumotorik, Entwicklung, Kognition, Experiment, Habituierung, Sinnesmodalität, Frequenz, Rhythmus, Zeitkonzept.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es grundsätzlich in dieser Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der Wahrnehmungspsychologie im Säuglingsalter, mit speziellem Fokus auf die Zeitwahrnehmung und die Fähigkeit zur kreuzmodalen Wahrnehmung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf den experimentellen Methoden der Säuglingsforschung, den kognitiven Entwicklungstheorien (speziell nach Piaget) und den spezifischen zeitlichen Wahrnehmungsaspekten wie Synchronie, Frequenz und Rhythmus.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Entwicklung der zeitlichen Wahrnehmungsfähigkeit bei Säuglingen darzustellen und aufzuzeigen, wie sie ihre Umwelt durch komplexe Verknüpfungen von Sinneseindrücken organisieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse und Zusammenfassung von psychologischen Untersuchungen, darunter Experimente von Forschern wie Lewkowicz, Piaget und Stern.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Forschungsmethodik (Paradigmata), die psychologische Fundierung der Zeitwahrnehmung sowie die detaillierte Analyse kreuzmodaler Wahrnehmungsprozesse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den zentralen Begriffen zählen unter anderem Säuglingsforschung, Zeitwahrnehmung, Kreuzmodale Wahrnehmung, Piaget, Habituierung und Wahrnehmungsmodell.
Was besagt das "Intersensory Temporal Contiguity Window" nach Lewkowicz?
Es bezeichnet einen Schwellenwert (bei Kleinkindern ca. 350 ms), der notwendig ist, damit ein Kind zwischen einem visuellen und einem auditiven Signal unterscheiden kann.
Warum ist laut Piaget Zeit keine objektive Größe für das Kind?
Piaget betrachtet Zeit als eine mentale Konstruktion, die durch das kognitive Verständnis des Zusammenhangs von Strecke und Geschwindigkeit erlernt werden muss.
- Quote paper
- Axel Klöss-Fleischmann (Author), 2003, Zeitwahrnehmung beim Säugling - kreuzmodale Wahrnehmung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/15722