Die Hausarbeit fasst zusammen, wie schulische Partizipationsformen – exemplarisch repräsentiert durch Schülerunternehmen – zur Förderung der Persönlichkeitsentwicklung und Sozialisation von Kindern und Jugendlichen beitragen können. Im Zentrum der Arbeit steht die Analyse partizipativer Prozesse in der Schule, wobei theoretische Ansätze aus der Sozialisationstheorie, insbesondere die Modelle von George Herbert Mead, Jean Piaget und Klaus Hurrelmann, herangezogen werden. Anhand dieser Modelle werden die potenziellen Beiträge von Schülerinnen-Firmen zur Ausbildung demokratischer Handlungskompetenzen, zur Identitätsentwicklung und zur Moralentwicklung analysiert. Abschließend wird dargelegt, dass ein hoher Grad an Partizipation in Schülerunternehmen nicht nur betriebswirtschaftliche oder organisatorische Kompetenzen fördert, sondern wesentlich zur sozialen und emotionalen Entwicklung der Beteiligten beitragen kann.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Partizipation
3. Schüler*innen-Firmen
4. Eintwicklungsförderliche Potentiale von Schüler*innen-Firmen
4.1. Geförderte Handlungskompetenzen
4.2. Einordnung in sozialisationstheorethische Ansätze
4.2.1. Die Ausbildung der eigenen Identität nach Mead
4.2.2. Piagets Entwicklung der Moralstufen
4.2.3. Altersgerechte Entwicklungsaufgaben innerhalb der Sozialisation nach Hurrelmann
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht entwicklungsförderliche Potentiale von Schüler*innen-Firmen als schulische Partizipationsform im Hinblick auf die Sozialisation von Kindern und Jugendlichen sowie die Förderung (demokratischer) Handlungskompetenzen. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie solche Projekte theoretisch fundiert zur Identitätsbildung und Persönlichkeitsentwicklung beitragen können.
- Grundlagen der schulischen Partizipation
- Konzeptuelle Gestaltung von Schüler*innen-Firmen
- Förderung demokratischer Handlungskompetenzen
- Identitätsbildung nach Mead
- Moralentwicklung nach Piaget
- Sozialisationstheoretische Entwicklungsaufgaben nach Hurrelmann
Auszug aus dem Buch
4.2.1. Die Ausbildung der eigenen Identität nach Mead
George Herbert Mead beschäftigte sich mit der Fragen nach der Herkunft menschlicher Identität, sowie dem Einfluss der Gesellschaft und der Vorstellung von der Gesellschaft gespiegelten Seite der eigenen Persönlichkeit - von Mead als „me“ bezeichnet - auf diese Identität (vgl. Huebner, 2012; Vester, 2009). Zusammen mit der individuellen, affektiven Komponente der eigenen Persönlichkeit, dem sog. „I“, bedingt das „me“ in einem wechselseitigen Zusammenspiel die persönliche Identität einer Person, das sog. „self“ (Nachtigall, 2013). Die Persönlichkeitsentwicklung wird nach Mead folglich als Individuationsprozess verstanden und von den drei Komponenten Sprache, Spiel und Wettkampf in unterschiedlicher Gewichtung vorangetrieben (vgl. Huebner, 2012).
In Bezug auf Schüler*innen-Firmen kann angenommen werden, dass alle diese Komponenten angesprochen werden. Wie bereits in Kapitel 4.1 beschrieben, werden im Falle der Komponente Sprache Kommunikationskompetenzen durch diverse Aushandlungsprozesse und die gemeinschaftliche Arbeit gefördert. Schüler*innen-Firmen bieten darüber hinaus einen spielerischen Ansatz in der Auseinandersetzung mit ökonomischen bzw. gesellschaftlichen Rollenbildern in einer ökonomisch entschärften Wettbewerbssituation. Diese Einführung in Rollen, die als Erwachsener beherrscht werden sollten, kann bereits als Sozialisationsprozess bezeichnet werden (Krappmann, 2000). Auf Grundlage der gemachten Selbstwirksamkeitserfahrungen infolge des eigenen Handelns innerhalb der Firma, kann nicht nur das eigene Selbstvertrauen gestärkt werden, sondern auch die als „me“ bezeichnete, von der Gesellschaft gespiegelte Seite der eigenen Persönlichkeit - und damit indirekt eine Persönlichklichkeitsentwicklung des „self“ - stattfinden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung motiviert das Thema aus einer sozialisationstheoretischen Perspektive und fokussiert auf die Potentiale von Schüler*innen-Firmen.
2. Partizipation: Dieses Kapitel definiert und kontextualisiert Partizipation im schulischen Bereich und stellt verschiedene Beteiligungsformen vor.
3. Schüler*innen-Firmen: Hier werden Schüler*innen-Firmen als spezielle, praxisorientierte Projektform der Partizipation in der Schule detailliert dargestellt.
4. Eintwicklungsförderliche Potentiale von Schüler*innen-Firmen: Das Hauptkapitel analysiert, wie diese Firmen Kompetenzen fördern und ordnet sie in theoretische Ansätze zur Identität und Moral ein.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt die entwicklungsfördernden Effekte bei einem hohen Beteiligungsgrad der Schüler*innen.
Schlüsselwörter
Partizipation, Schüler*innen-Firmen, Sozialisation, Identitätsbildung, Handlungskompetenzen, Schule, Selbstwirksamkeit, Moralentwicklung, George Herbert Mead, Jean Piaget, Klaus Hurrelmann, Demokratielernen, Entwicklungsaufgaben, Persönlichkeitsentwicklung, Projektunterricht
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, welche entwicklungsförderlichen Potentiale in Schüler*innen-Firmen stecken und wie diese zur Sozialisation von Kindern und Jugendlichen beitragen können.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Thematisiert werden schulische Partizipation, der Erwerb demokratischer Handlungskompetenzen, sowie Identitätsbildung und Moralentwicklung im Jugendalter.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die theoretische Fundierung und Analyse der positiven Beiträge von Schüler*innen-Firmen zur Persönlichkeitsentwicklung der beteiligten Schüler*innen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse und Einordnung schulartiger Partizipationsformen in bestehende sozialisationstheoretische Modelle.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der Definition der Handlungs- und Selbstkompetenzen sowie der detaillierten Anwendung von Theorien von Mead, Piaget und Hurrelmann auf das Konzept der Schüler*innen-Firmen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind unter anderem Partizipation, Schüler*innen-Firmen, Identitätsbildung, Handlungskompetenz und Sozialisation.
Wie trägt die Arbeit zum Verständnis der Moralentwicklung nach Piaget bei?
Die Arbeit erläutert, wie durch die Aushandlungsprozesse und die Etablierung gemeinsamer Regeln innerhalb der Firma der Übergang von der heteronormen zur autonomen Moral bei Jugendlichen gefördert werden kann.
Welche Rolle spielt die Selbstwirksamkeit in diesem Kontext?
Die Selbstwirksamkeit dient als Katalysator, da durch das eigenständige unternehmerische Handeln in der Firma das Selbstvertrauen gestärkt wird, was direkt in die Identitätsbildung einfließt.
- Arbeit zitieren
- Stefan Hardt (Autor:in), 2020, Entwicklungsförderliche Potentiale von Schüler*innen-Firmen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1574737