Die wissenschaftliche Analyse der Kinder- und Jugendliteratur birgt, wie auch bei vielen anderen Bereichen der Literaturwissenschaft, eine weitreichende Komplexität in sich. Eine einzelne Definition zu erläutern ist daher jedoch weder ausreichend noch zufriedenstellend. Das vorliegende Portfolio entstand im Rahmen der Vorlesung „Geschichte der Kinder- und Jugendliteratur“ und dem begleitenden Tutorium im Sommersemester 2008. Mit Hilfe der innerhalb dieses Portfolios bearbeiteten Aufgaben, fand eine vertiefende wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Kinder- und Jugendliteratur verschiedener Epochen statt.
Gerade mit Blick auf meinen zukünftigen Beruf als Lehrerin für das Unterrichtsfach Deutsch in der Institution Schule ist eine Sensibilisierung für das Interesse der Kinder und Jugendlichen der heutigen Zeit von elementarer Bedeutung. Die Fragen danach, was man unter Kinder- und Jugendliteratur versteht, wo ihr Ursprung liegt, was charakteristisch für sie ist oder auch, was Kinder und Jugendliche heute lesen und zum Gegenstand und Inhalt ihrer jungen Leben machen, standen im Vordergrund bei der Bearbeitung der ausgesuchten Aufgaben dieses Portfolios.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Bearbeitung der Aufgaben zur Geschichte der Kinder- und Jugendliteratur
2.1 Portfolio-Aufgabe 1: Schaubild zum Aufsatz von H.-H. Ewers
2.2 Portfolio-Aufgabe 2: Vergleich der Erzählweisen von „Robinson Crusoe“ und „Robinson der Jüngere“
2.2.1 Anzahl der Erzähler
2.2.2 Zuordnung der Erzählformen zu den Erzählern
2.2.3 Einführung und Qualifizierung der Erzähler
2.2.4 Zeitlicher Standort des Erzählers
2.2.5 Beschreibung des Erzählverhaltens der Erzähler
2.2.6 Die Haltung der Erzähler zur erzählten Welt
2.3 Portfolio-Aufgabe 3: Vergleich der Handlungen und Figuren aus „Dornröschen“ und „Sonne, Mond und Talia“
2.3.1 Handlungsanalyse zum Märchen „Dornröschen“
2.3.2 Handlungsanalyse zum Märchen „Sonne, Mond und Talia“
2.3.3 Vergleichende Zusammenfassung
2.3.4 Figurenanalyse Dornröschen und Talia
2.3.5 Figurenkonstellation
2.3.6 Figurenkonzeption
2.3.7 Figurengestaltung
2.4 Portfolio-Aufgabe 6: Recherche von Aufsätzen zur Abenteuerliteratur
2.5 Portfolio-Aufgabe 7: Recherche von Aufsätzen zur Backfischliteratur
2.6 Portfolio-Aufgabe 9: Recherche zur Hitlerjugend
2.6.1 Die Hitlerjugend
2.6.2 Der Bund Deutscher Mädel
2.7 Portfolio-Aufgabe 12: Zusammenstellung von Schlüsselbegriffen zu Ewers Aufsatz „Kinderliterarische Erzählformen im Modernisierungsprozess“
2.8 Portfolio-Aufgabe 13: Schaubild zu den neuen Gattungen der KJL seit den 70er Jahren
3. Fazit
Zielsetzung & Themen
Ziel dieser Arbeit ist die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Geschichte der Kinder- und Jugendliteratur durch verschiedene analytische Zugänge, um für den künftigen Lehrberuf ein Verständnis für literarische Entwicklungen, Gattungen und die Interessen von Kindern und Jugendlichen zu entwickeln.
- Analyse und Vergleich von Erzählstrukturen in klassischen und adaptierten Werken (Robinson-Stoffe).
- Strukturelle Analyse von Handlungen und Figuren in Märchen am Beispiel von "Dornröschen" und "Sonne, Mond und Talia".
- Historische und soziologische Einordnung von Jugendorganisationen wie der Hitlerjugend (HJ) und dem Bund Deutscher Mädel (BDM).
- Untersuchung literaturwissenschaftlicher Konzepte der Kinder- und Jugendliteratur, inklusive Modernisierungsprozessen.
- Recherchearbeit zu spezifischen literarischen Gattungen wie Abenteuer- und Backfischliteratur.
Auszug aus dem Buch
2.3.1 Handlungsanalyse zum Märchen „Dornröschen“
Als Träger der ersten Komplikationshandlung ist Dornröschen anzusehen. Sie ist hierbei die handelnde Person, deren persönliches ideelles Gut, ihr Leben, durch den Fluch der 13. Fee, die Antagonistin, bedroht ist. Nach Stückrath steht die Komplikation, also die plötzlich auftretende Erschwerung, am Anfang der Komplikationshandlung. Da zur Feier anlässlich von Dornröschens Geburt zwar 13 weise Frauen geladen werden sollen, jedoch nur zwölf goldene Teller vorhanden sind, verzichtet der König auf die Einladung der 13. Fee. Diese ist darüber so erbost, dass sie Dornröschen verflucht, was nach Stückrath als Faktor der Schädigung zu bezeichnen ist. Dornröschen fällt durch den Stich mit der Spindel in einen 100-jährigen Schlaf und am Ende des Märchens kommt es zur positiven Auflösung, da Dornröschen nicht weiterschläft, sondern aus dem Schlaf erwacht. Als Hauptfaktor für die positive Auflösung ist der mildernde Fluch der 12. Fee anzusehen. Weitere Faktoren sind, dass die hundert Jahre um sind und der Prinz erscheint.
Ob es sich hierbei tatsächlich um eine Komplikation handelt, kann in Frage gestellt werden, da Dornröschen noch ein Neugeborenes war als die 13. Fee sie verfluchte. Somit war sie sich zum Zeitpunkt der Schädigung ihres Lebens nicht bewusst und es wird auch nicht erkennbar, dass Dornröschen über die Störung unglücklich ist oder selbst danach strebt, diese Störung aufzuheben.
Im Falle der zweiten Komplikationshandlung ist die 13. Fee als handelnde Person der Träger der Komplikation. Ihr Gut ist die Einladung zur Feier des Königspaares anlässlich von Dornröschens Geburt. Nach Stückrath ist diese Einladung als materielles Gut zu bezeichnen. Zur Störung kommt es, da die Fee eben keine Einladung zur Feier erhält und dadurch ein Mangel entsteht, denn die Fee war nie im Besitz einer Einladung. Als Faktoren des Mangels ist im Verlauf des Märchens zu erkennen, dass zum einen der Teller für die 13. Person fehlt und sich zum anderen der König ungeschickt verhält, denn er hätte die Möglichkeit gehabt, einen 13. Teller zu besorgen. Die Störung wird insofern negativ aufgelöst, als dass die 13. Fee auch zu keinem späteren Zeitpunkt eine Einladung erhält.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung definiert den Begriff der Kinder- und Jugendliteratur und erläutert die Zielsetzung der Portfolio-Arbeit im Kontext des Studiums.
2. Bearbeitung der Aufgaben zur Geschichte der Kinder- und Jugendliteratur: Dieses Kapitel umfasst die detaillierte Analyse der einzelnen Aufgaben, inklusive Vergleichsstudien, Handlungsanalysen und geschichtlicher Recherchearbeiten.
2.1 Portfolio-Aufgabe 1: Schaubild zum Aufsatz von H.-H. Ewers: Darstellung der intentionalen und nicht-intentionalen Kinder- und Jugendlektüre in grafischer Form.
2.2 Portfolio-Aufgabe 2: Vergleich der Erzählweisen von „Robinson Crusoe“ und „Robinson der Jüngere“: Analyse und Gegenüberstellung der Erzähleranzahl, Erzählperspektiven und Erzählhaltungen in beiden Werken.
2.3 Portfolio-Aufgabe 3: Vergleich der Handlungen und Figuren aus „Dornröschen“ und „Sonne, Mond und Talia“: Anwendung narratologischer Analysekriterien zur Untersuchung von Komplikationshandlungen und Figurengestaltung.
2.4 Portfolio-Aufgabe 6: Recherche von Aufsätzen zur Abenteuerliteratur: Zusammenstellung eines Literaturverzeichnisses zur Abenteuer- und Jungenliteratur.
2.5 Portfolio-Aufgabe 7: Recherche von Aufsätzen zur Backfischliteratur: Zusammenstellung eines Literaturverzeichnisses zur Backfisch- und Mädchenliteratur.
2.6 Portfolio-Aufgabe 9: Recherche zur Hitlerjugend: Historische Untersuchung der Organisationsstrukturen und Erziehungsideale von HJ und BDM im Nationalsozialismus.
2.7 Portfolio-Aufgabe 12: Zusammenstellung von Schlüsselbegriffen zu Ewers Aufsatz „Kinderliterarische Erzählformen im Modernisierungsprozess“: Auflistung zentraler Fachbegriffe zur literarischen Modernisierung.
2.8 Portfolio-Aufgabe 13: Schaubild zu den neuen Gattungen der KJL seit den 70er Jahren: Grafische Übersicht der Entwicklungen innerhalb der Kinder- und Jugendliteratur ab 1970.
3. Fazit: Reflektion über die Bedeutung der Kinder- und Jugendliteratur und den Erkenntnisgewinn durch die wissenschaftliche Bearbeitung der Aufgaben für den zukünftigen Lehrberuf.
Schlüsselwörter
Kinder- und Jugendliteratur, Erzählweise, Handlungsanalyse, Figurenanalyse, Robinson Crusoe, Dornröschen, Hitlerjugend, Bund Deutscher Mädel, Modernisierung, Backfischliteratur, Abenteuerliteratur, Erzählhaltung, Literaturwissenschaft, Nationalsozialismus, Sozialisation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Das Dokument stellt ein Portfolio dar, das im Rahmen einer universitären Vorlesung zur Geschichte der Kinder- und Jugendliteratur verfasst wurde und verschiedene wissenschaftliche Aufgaben bearbeitet.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit behandelt Erzählstrukturen in der Literatur, die Analyse von Märchen, die Recherche zu spezifischen literarischen Genres sowie eine historische Aufarbeitung der Jugendorganisationen im Nationalsozialismus.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist eine fundierte wissenschaftliche Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Epochen und Gattungen der Kinder- und Jugendliteratur, um pädagogische Kompetenzen für den zukünftigen Deutschunterricht aufzubauen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es werden methodische Ansätze der Literaturwissenschaft angewandt, insbesondere die Erzähltheorie (nach Petersen) und die Analyse von Handlungsstrukturen (nach Stückrath).
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil enthält konkrete Analysen von Erzählweisen (Robinson-Stoffe), Handlungs- und Figurenanalyse in Märchen, Literaturrecherche sowie eine geschichtliche Einordnung der HJ und des BDM.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Schlagworte umfassen Kinder- und Jugendliteratur, narratologische Analyse, historische Untersuchung sowie sozialisatorische Funktionen von Literatur.
Wie unterscheidet sich die Erzählweise bei "Robinson Crusoe" und "Robinson der Jüngere"?
Die Arbeit stellt fest, dass Defoe und Campe unterschiedliche Erzählstrukturen, verschiedene Anzahlen von Erzählern sowie abweichende Erzählhaltungen nutzen, um ihre Geschichten zu vermitteln.
Welche Rolle spielt die HJ-Recherche im Kontext der Jugendliteratur?
Die Recherche dient dazu, die Einflüsse politischer Erziehungsideale auf die Jugend und deren Organisationen zu verstehen, was zur Einordnung der damaligen gesellschaftlichen Umstände wichtig ist.
- Citation du texte
- Bettina Freude-Schlumbohm (Auteur), 2008, Portfolio zur Geschichte der Kinder- und Jugendliteratur, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/158223