Im Rahmen meines Fachpraktikums in Geschichte war ich vom 22. Februar bis zum 19. März an einer Realschule tätig. In den Klassen in denen ich hospitierte und unterrichtete waren alle Jahrgänge vorhanden und es schien mir so, als käme ich auch mit allen Altersstufen sehr gut zurecht. Die absolvierten Unterrichtsstunden waren von motivierten und neugierigen Schülern geprägt. Da uns ein Mentor zur Seite stand, war es aber so, dass ich schwerpunktmäßig in einer neunten Klasse unterrichtete, deren Klassenlehrer besagter Mentor war. Von Tag zu Tag lernte ich die meisten Schüler(innen) etwas besser kennen und war von der Art wie sie im Unterricht agierten doch angetan. Kurz gesagt, alles schien darauf hinauszulaufen, dass es ein perfektes, weil problemloses Praktikum werden würde…
Inhaltsverzeichnis
1. DAVOR
2. DIE STUNDE
3. DANACH
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit reflektiert die persönlichen Erfahrungen eines Lehramtsstudenten während eines Fachpraktikums, wobei insbesondere die Bewältigung einer herausfordernden Unterrichtssituation im Fokus steht, um das eigene Berufsbild und die Lehrer-Schüler-Interaktion kritisch zu hinterfragen.
- Reflexion über die Rolle der Lehrerpersönlichkeit bei der Klassenführung
- Umgang mit Disziplinschwierigkeiten und unerwarteten Unterrichtsstörungen
- Bedeutung von Kommunikation und Konfliktlösung im pädagogischen Kontext
- Die emotionale Auseinandersetzung mit dem Berufswunsch während des Studiums
- Lerneffekte durch Krisenintervention und anschließende Aufarbeitung mit Schülern
Auszug aus dem Buch
Die Stunde
Aus der großen Pause kommend, begab ich mich an einem Freitag, zur fünften Stunde in den Klassenraum der 9b, der gleich an der Aula, also dem Aufführungsort des Theaterstücks lag. Die Lehrerin war noch nicht da, sodass noch etwas Zeit blieb, mit den Schülern über Dinge außerhalb der Schule zu sprechen. Als aber weitere fünf Minuten vergingen, fragte ich mich, ob ich, ohne Absprache mit der Lehrerin, schon mal mit dem Englischunterricht beginnen solle; wollte aber der Lehrerin auch nicht in ihren Plan „grätschen“. Mit jeder Minute stieg auch die Lautstärke der Schüler, was umso mehr störend war, da sich auf beiden Seiten nebenan weitere Klassenräume befanden, die zu diesem Zeitpunkt auch genutzt wurden.
Bevor ich einschritt, schritt die Lehrerin atemlos durch die Tür (die Klasse war natürlich mucksmäuschenstill), legte mir energisch den „Romeo and Juliet“-Comic und ein Schlüsselbund in die Hand und wandte sich mit den Worten ab: „Anne aus der 8a ist umgefallen, ich muss zu ihr zurück, les mit ihnen ab Seite 38 bis 52 und geh dann mit ihnen auf die Bühne, mit Kostümen. Sorry, ich hoffe ich bin bald wieder da!“
Quasi mit dem Schließen der Tür stieg auch der Lautstärkepegel wieder in die Höhe. Also stellte ich mich vor den Lehrertisch und mahnte die Schüler ruhig aber bestimmt an, doch jetzt mal etwas leiser zu werden. Dies stieß auf wenig Beachtung, im Gegenteil, mir schien, als ob die Lautstärke noch zunahm; und als wäre dies nicht schon genug, sah ich dabei zu, wie sich die Schüler wie auf Kommando die Brote und Getränke aus den Taschen nahmen und anfingen, ihren privaten Plausch mit etwas Nahrung noch angenehmer zu gestalten. Nach mehrfachen lautstarken, aber erfolglosen Bitten, die Geräuschkulisse etwas abzuschwächen, entschloss ich mich, nun gar nichts mehr zu sagen und einfach nur in die Runde zu schauen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. DAVOR: Der Autor beschreibt den organisatorischen Rahmen seines Praktikums und seine positiven ersten Eindrücke von den Schülern sowie die Bedeutung der Lehrerpersönlichkeit.
2. DIE STUNDE: Dieses Kapitel schildert den Kontrollverlust in einer Unterrichtsstunde, als der Autor aufgrund des unvorhersehbaren Fehlens der Mentorin allein vor eine undisziplinierte Klasse gestellt wird.
3. DANACH: Nach dem schwierigen Erlebnis erfolgt eine Aussprache zwischen dem Autor und der Klasse, die zu einer unerwarteten Entschuldigung der Schüler und einem gestärkten Selbstvertrauen führt.
Schlüsselwörter
Lehramtspraktikum, Klassenführung, Unterrichtsstörung, Lehrerrolle, pädagogische Reflexion, Konfliktlösung, Schule, Schülermotivation, Berufsfindung, Lehrerpersönlichkeit, Selbstwirksamkeit, Fachpraktikum, Unterrichtspraxis, Kommunikation, Feedback
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit ist ein Erfahrungsbericht eines Lehramtsstudenten, der seine Herausforderungen und Lernprozesse während eines Fachpraktikums an einer Realschule reflektiert.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die eigene Lehrerpersönlichkeit, der Umgang mit Disziplin in der Klasse, die Dynamik zwischen Schülern und Lehrkräften sowie die emotionale Verarbeitung von Krisensituationen im Unterricht.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die kritische Auseinandersetzung mit einer konkreten, schwierigen Unterrichtssituation, um das eigene Potenzial für den Lehrerberuf realistisch einzuschätzen und an den Erfahrungen zu wachsen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt die Methode der subjektiven Erfahrungsberichterstattung und der Selbstreflexion als zentrales Instrument der pädagogischen Qualifizierung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorbereitungsphase, die Schilderung eines konkreten Scheiterns bzw. einer schwierigen Situation während einer Vertretungsstunde und die anschließende Aufarbeitung mit den Schülern.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Typische Schlüsselbegriffe sind Lehramtspraktikum, Klassenführung, pädagogische Reflexion, Konfliktlösung, Lehrerrolle und Berufsfindung.
Wie reagiert der Autor auf die schwierige Situation in der Vertretungsstunde?
Zunächst fühlt er sich machtlos, versucht jedoch schließlich durch eine bewusste Entscheidung, Verantwortung an die Schüler zu delegieren, die Situation zu retten und das Projekt fortzuführen.
Welches Ergebnis führt die Aussprache mit der Klasse herbei?
Die Aussprache führt zu einer gegenseitigen Klärung der Erwartungen, einer Entschuldigung der Schüler und einer gesteigerten Motivation des Autors für sein weiteres Studium.
- Citation du texte
- Patrick Hillegeist (Auteur), 2010, Meine Feuerprobe im Schulpraktikum, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/158498