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Die Verwendungen des Begriffs "Wende"

Sprachwissenschaftliche Aspekte im historischen Kontext 1989/90

Titel: Die Verwendungen des Begriffs "Wende"

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2010 , 19 Seiten , Note: 1,7

Autor:in: Thilo Moritz (Autor:in)

Geschichte Europas - Neueste Geschichte, Europäische Einigung
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Zu diesem Zeitpunkt ist die sogenannte Wendezeit in der DDR ein bereits länger zurückliegendes Ereignis. Und obwohl immer noch Angleichungsprozesse auf verschiedenen Ebenen zwischen dem Ost- und dem Westteil Deutschlands zu verzeichnen sind, gehört das Ereignis „Wende“ mit seinem Resultat der staatlichen Einheit Deutschlands nicht mehr zum Zeitgeschehen, sondern ist Teil einer zurückliegenden historischen Epoche und Gegenstand historischer Betrachtung. Die Periode des Herbstes 1989 bis zum Ende des Jahres 1990 war von teils täglich neuen Entwicklungen geprägt, welchen die Zeitgenossen in Erstaunen oder Bestürzung, in Freunde und auch in Furcht versetzten. Aus rückblickender Perspektive wurden die Prozesse dieser Zeit mit großem Interesse erforscht, welche letztlich zur Auflösung der DDR und ihrem Aufgehen im politischen System der BRD führten.
Die Erkenntnisse über Geschichte und die wissenschaftliche Beschäftigung damit werden stets über das Medium Sprache transportiert. Es liegt demnach nicht fern, den Bereich der wissenschaftlichen Sprachanalyse dem Blick des Historikers hinzuzufügen. In der vorliegenden Hausarbeit wird dies getan, indem Methoden und Forschungsprojekte vorgestellt werden, die dem Erkenntnisinteresse der historischen Bewertung im Kontext der Ereignisse von 1989 und 1990 in der DDR dienlich sein können.
Die darzustellenden Methoden der sprachwissenschaftlichen Forschungsansätze zur Wendezeit in der DDR können auch aus historischer Perspektive interdisziplinäre Erkenntnisgewinne erzielen. Im Besonderen können argumentationsstilistische Analysen (Fix, Barth) dem Bereich der Oral Historie förderlich sein, sowie quantitativ-semantische Untersuchungen des öffentlichen Sprachgebrauchs (Herberg et al.) Prozesse eines Zeitgeschehens verdeutlichen.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

„Wende“-Verwendungen - sprachwissenschaftliche Aspekte im historischen Kontext 1989/90

1 Einleitung

2 Sprechen Sie ostdeutsch? Sprachliche Bedingungen im Vorherbst 1989

2.1 Der offizielle Sprachgebrauch

2.2 Der persönliche Sprachgebrauch

2.3 Befreiung der Sprache – Befreiung vom System

3 Bedeutungswandel des Begriffes „Wende“

3.1 Das Wörter-Buch zum öffentlichen Sprachgebrauch 1989/90

3.2 Etymologischer Exkurs

3.3 Aspekte des Lexems „Wende“ im historischen Kontext 1989/90

4 Fazit

5 Literatur

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die sprachwissenschaftlichen Aspekte und den Bedeutungswandel des Begriffs „Wende“ im historischen Kontext der Jahre 1989/90 in der DDR, um durch sprachanalytische Methoden historische Erkenntnisgewinne über den Zeitgeist und die gesellschaftliche Umbruchsphase zu erzielen.

  • Sprachliche Bedingungen und Kommunikationskultur in der DDR vor dem Herbst 1989
  • Analyse des offiziellen versus des persönlichen Sprachgebrauchs
  • Untersuchung des Bedeutungswandels und der Etablierung des Begriffs „Wende“
  • Methodik der diskursiven Analyse narrativer Interviews (Oral History)
  • Quantitativ-interpretierende Analyse von Schlüsselwörtern mittels Korpora

Auszug aus dem Buch

3.2 Etymologischer Exkurs

Mit dem Begriff „Wende“ bzw. „friedliche Revolution“ wird das politische Ereignis des Jahres 1989 in der ehemaligen DDR bezeichnet. Dass der Zeitraum nicht genau bestimmt werden kann, zeigt sich schon am Eintrag im Duden: „Wende: 1a) einschneidende Veränderung, Wandel in der Richtung eines Geschehens oder einer Entwicklung: […], b) (hist.) der große politische und gesellschaftliche Umbruch des Jahres 1989 in der DDR: [...]“. (Duden 2003: 1801,3f)

Grundsätzlich haben sich für die Begriffe die Ereignisse des Herbstes 1989 in der DDR in der Forschung durchgesetzt, genauer gesagt, der Zeitraum zwischen September 1989 und 03. Oktober 1990. Weiterhin verbreitete sich auch der Begriff „Wende“ gegenüber „friedliche Revolution“ sehr schnell und löste den Letzteren ab (Zeitgeschichtliches Wörterbuch 2003: 173-176). Obwohl beide Begriffe politisch und definitorisch umstritten sind, wurde der Begriff „Wende“ von den DDR-Bürger aufgenommen und auf Transparenten bei Demonstrationen genutzt, auf denen sie forderten: „Wende statt Wände“. Der Grund, dass „friedliche Revolution“ nicht bestehen blieb, könnte an der herkömmlichen Bedeutung liegen, da mit „Revolution“ ein radikaler Umsturz bezeichnet wird.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung erläutert das Thema der sprachwissenschaftlichen Analyse historischer Ereignisse in der DDR und legt die methodische Vorgehensweise sowie die forschungsleitenden Thesen dar.

2 Sprechen Sie ostdeutsch? Sprachliche Bedingungen im Vorherbst 1989: Dieses Kapitel thematisiert die kommunikativen Grundbedingungen in der DDR, unterteilt in offiziellen und persönlichen Sprachgebrauch sowie die Bedeutung ritueller Sprachmuster für die Systemreproduktion.

2.1 Der offizielle Sprachgebrauch: Hier werden die Merkmale des staatlich gelenkten Sprachgebrauchs und die Reglementierung der Kommunikation durch die SED analysiert.

2.2 Der persönliche Sprachgebrauch: Das Kapitel untersucht mittels narrativer Interviews die subjektive Perspektive von Zeitzeugen und die Strategien der Teilhabe am oder Abgrenzung vom DDR-System.

2.3 Befreiung der Sprache – Befreiung vom System: Es wird die abnehmende Bindungskraft ritueller Ausdrucksweisen thematisiert und wie die Überlastung der sozialen Sensorik des Staatskörpers zum Systemzusammenbruch führte.

3 Bedeutungswandel des Begriffes „Wende“: Dieser Abschnitt beschreibt das Projekt des „Wörter-Buches zum öffentlichen Sprachgebrauch“ und analysiert das Lexem „Wende“ in seiner Wandlung und Verwendung.

3.1 Das Wörter-Buch zum öffentlichen Sprachgebrauch 1989/90: Dieses Kapitel erläutert die Konzeption des Forschungsprojekts, das auf der Auswertung von Wendekorpora Ost und West basiert.

3.2 Etymologischer Exkurs: Es wird die etymologische Herkunft sowie die politische und gesellschaftliche Umdeutung des Begriffs „Wende“ im Vergleich zu „friedlicher Revolution“ beleuchtet.

3.3 Aspekte des Lexems „Wende“ im historischen Kontext 1989/90: Das Kapitel vergleicht verschiedene in der Forschung genutzte Begriffe für das historische Ereignis und untersucht die Etablierung von „Wende“ als stehenden Begriff.

4 Fazit: Die Schlussbetrachtung resümiert den Mehrwert sprachwissenschaftlicher Instrumente für die historische Forschung und die Wirksamkeit der vorgestellten Analysemethoden.

5 Literatur: Ein Verzeichnis der verwendeten wissenschaftlichen Quellen und Werke.

Schlüsselwörter

Wende, DDR, Sprachwissenschaft, Diskursanalyse, Sprachgebrauch, Schlüsselwörter, Systemreproduktion, Oral History, friedliche Revolution, Zeitgeist, Wendekorpora, politische Kommunikation, SED, historischer Kontext, Sprachwandel

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht sprachwissenschaftliche Aspekte des politischen Umbruchs in der DDR 1989/90, insbesondere den Wandel des Begriffs „Wende“ im öffentlichen und persönlichen Sprachgebrauch.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Arbeit befasst sich mit der Sprachkultur der DDR, der Wirkung ritueller Sprechakte, der Analyse von Diskursen mittels Korpora und der Bedeutung von Zeitzeugenerzählungen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Ziel ist es, den Erkenntnisgewinn sprachwissenschaftlicher Methoden für die historische Bewertung der Ereignisse von 1989 und 1990 in der DDR aufzuzeigen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es werden Methoden der diskursiven Analyse narrativer Interviews (Oral History) sowie quantitativ-semantische Untersuchungen des öffentlichen Sprachgebrauchs angewandt.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die sprachlichen Rahmenbedingungen in der DDR, die Rolle ritueller Sprache zur Systemerhaltung sowie den etymologischen und begrifflichen Wandel des Lexems „Wende“ anhand von Wendekorpora.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den wichtigsten Begriffen gehören „Wende“, „DDR“, „Sprachgebrauch“, „Diskursanalyse“, „Systemreproduktion“ und „Schlüsselwörter“.

Warum wurde gerade der Begriff „Wende“ für die Analyse gewählt?

„Wende“ etablierte sich als zentrale Bezeichnung für das historische Ereignis, wobei seine Vagheit sowohl eine breite Akzeptanz ermöglichte als auch unterschiedliche Interpretationen des Systemwechsels zuließ.

Welche Rolle spielten die Wendekorpora bei der Untersuchung?

Die Wendekorpora (Ost/West) dienten als datengestützte Grundlage, um die Verwendung und Wandlung von Schlüsselwörtern im Zeitverlauf 1989/90 statistisch und interpretativ zu erfassen.

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Details

Titel
Die Verwendungen des Begriffs "Wende"
Untertitel
Sprachwissenschaftliche Aspekte im historischen Kontext 1989/90
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Historisches Institut)
Veranstaltung
Implosion des sozialistischen Lagers
Note
1,7
Autor
Thilo Moritz (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2010
Seiten
19
Katalognummer
V158887
ISBN (eBook)
9783640720286
ISBN (Buch)
9783640720712
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wende DDR Deutsche Einigung 1989 Geschichte Sprachwissenschaft
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Thilo Moritz (Autor:in), 2010, Die Verwendungen des Begriffs "Wende", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/158887
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  19  Seiten
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