Inwiefern spiegeln sich die typischen Lautwandelerscheinungen der Vokale zum Frühneuhochdeutschen in der Transkription der Handschrift d des Nibelungenliedes wider?
Die deutsche Sprache, so wie wir sie heute kennen, ist das Ergebnis eines langen und komplexen Entwicklungsprozesses, der sich über mehrere Jahrhunderte erstreckte. Trotz ihres heutigen Status als eine der meistgesprochenen Sprachen der Welt existierte die deutsche Sprache nicht schon immer in ihrer aktuellen Form. Sprache allgemein ist ein Medium der Kommunikation, das niemals stagniert, sondern immer und jederzeit einem kontinuierlichen Wandel unterliegt, der sich vor allem in außersprachlichen Einflussfaktoren begründet. Während die Veränderungen und Transformationen sich heute aufgrund von zahlreichen Textzeugnissen, Sprachaufnahmen und vielfältigen Forschungsmethoden weitaus leicht nachvollziehen lassen, war dies im Mittelalter nicht so einfach möglich, denn vor Einführung der Schriftlichkeit wurden Erzählungen jeglicher Art vor allem mündlich weitererzählt und überliefert. Erst ab dem 8. Jahrhundert, als sich das Althochdeutsche als eigene Sprache entwickelte und der Buchdruck entstand, verfügen wir über schriftliche Überlieferungen, die die Erfassung von spezifischen Modifizierungen der (deutschen) (Schrift-)Sprache ermöglichen. Aus sprachgeschichtlicher Perspektive betrafen diese Modifikationen jegliche Bereiche der Sprachwissenschaft. Vor allem die Phonemik/Graphemik steht neben der Morphologie, Syntax und Semantik in der mediävistischen Linguistik häufig im Mittelpunkt.
Inhaltsverzeichnis
- 1. Einleitung
- 2. Theoretische Grundlagen
- 2.1 Geografische und temporale Einordnung des Mittelhochdeutschen und Frühneuhochdeutschen
- 2.2 Forschungsgeschichte und Forschungsstand zum Nibelungenlied
- 2.3 Der Lautwandel
- 2.3.1 Diphthongierung und Monophthongierung
- 2.3.2 Dehnung und Kürzung
- 2.3.3 Rundung und Entrundung
- 3. Vermutungen und Analyse
- 3.1 Einleitende Worte und Vermutungen zur Auftretenswahrscheinlichkeit
- 3.2 Vergleich beider Beispieltexte
- 4. Fazit
- 5. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Veränderungen der deutschen Sprache im Bereich der Phonemik und Graphemik vom Mittelhochdeutschen zum Frühneuhochdeutschen. Die zentrale Forschungsfrage lautet, inwiefern sich die typischen Lautwandelerscheinungen der Vokale zum Frühneuhochdeutschen in der Transkription der Handschrift d des Nibelungenliedes widerspiegeln.
- Phonemische und graphemische Veränderungen deutscher Vokale.
- Analyse des Lautwandels am Beispiel des Nibelungenliedes (Handschriften B und d).
- Diphthongierung, Monophthongierung, Dehnung, Kürzung, Rundung und Entrundung von Vokalen.
- Sprachgeschichtliche Perspektive der deutschen Sprachentwicklung.
- Zeitliche und geografische Einordnung des Mittelhochdeutschen und Frühneuhochdeutschen.
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
Die deutsche Sprache, so wie wir sie heute kennen, ist das Ergebnis eines langen und komplexen Entwicklungsprozesses, der sich über mehrere Jahrhunderte erstreckte. Trotz ihres heutigen Status als eine der meistgesprochenen Sprachen der Welt existierte die deutsche Sprache nicht schon immer in ihrer aktuellen Form. Sprache allgemein ist ein Medium der Kommunikation, das niemals stagniert, sondern immer und jederzeit einem kontinuierlichen Wandel unterliegt, der sich vor allem in außersprachlichen Einflussfaktoren begründet. Während die Veränderungen und Transformationen sich heute aufgrund von zahlreichen Textzeugnissen, Sprachaufnahmen und vielfältigen Forschungsmethoden weitaus leicht nachvollziehen lassen, war dies im Mittelalter nicht so einfach möglich, denn vor Einführung der Schriftlichkeit wurden Erzählungen jeglicher Art vor allem mündlich weitererzählt und überliefert. Erst ab dem 8. Jahrhundert, als sich das Althochdeutsche als eigene Sprache entwickelte und der Buchdruck entstand (Bergmann 2019: 19), verfügen wir über schriftliche Überlieferungen, die die Erfassung von spezifischen Modifizierungen der (deutschen) (Schrift-)Sprache ermöglichen. Aus sprachgeschichtlicher Perspektive betrafen diese Modifikationen jegliche Bereiche der Sprachwissenschaft. Vor allem die Phonemik/Graphemik steht neben der Morphologie, Syntax und Semantik in der mediävistischen Linguistik häufig im Mittelpunkt.
Das Ziel dieser Arbeit ist es, die Veränderung der deutschen Sprache im Bereich der Phonemik bzw. Graphemik vom Mittelhochdeutschen zum Frühneuhochdeutschen genauer zu untersuchen. Im Zentrum der Betrachtung steht dabei der Lautwandel der Vokale, der sich durch verschiedene aufgetretene Phänomene, wie bspw. die Diphthongierung kennzeichnet. Anhand zweier Textgrundlagen des Nibelungenlieds aus zwei verschiedenen Sprachperioden soll das Auftreten dieser Phänomene näher analysiert und herausgearbeitet werden, inwiefern sich die für das Frühneuhochdeutsche typischen Lautwandelerscheinungen dort wiederfinden lassen. Bei den Textgrundlagen handelt es sich zum einen um einen Druck nach der St. Gallener Handschrift aus mittelhochdeutscher Zeit (Handschrift B), der in Reicherts Monografie veröffentlicht wurde sowie zum anderen um eine Transkription/ gedruckte Abschrift der Handschrift d aus frühneuhochdeutscher Zeit. Genauere Informationen zu den beiden Handschriften werden im Laufe der Arbeit gegeben.
Die Fragestellung der Arbeit könnte demnach wie folgt formuliert werden:
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Thematik der deutschen Sprachgeschichte ein, beleuchtet den kontinuierlichen Wandel der Sprache und stellt die Forschungsfrage zur Vokalverschiebung vom Mittelhochdeutschen zum Frühneuhochdeutschen am Beispiel des Nibelungenliedes vor.
2. Theoretische Grundlagen: Hier werden die zeitliche und geografische Einordnung des Mittelhochdeutschen und Frühneuhochdeutschen erläutert sowie die wichtigsten Lautwandelerscheinungen wie Diphthongierung, Monophthongierung, Dehnung, Kürzung, Rundung und Entrundung detailliert beschrieben. Zudem wird ein Überblick über die Forschungsgeschichte und den Forschungsstand des Nibelungenliedes gegeben.
3. Vermutungen und Analyse: In diesem Teil werden Hypothesen zur Auftretenswahrscheinlichkeit der verschiedenen Lautwandelphänomene in den Handschriften des Nibelungenliedes aufgestellt und diese anschließend anhand konkreter Textbeispiele verglichen und analysiert.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse der Untersuchung zusammen, bewertet die aufgestellten Vermutungen hinsichtlich ihrer Bestätigung oder Widerlegung und ordnet die Erkenntnisse in den Kontext der Forschung ein.
Schlüsselwörter
Deutsche Sprachgeschichte, Mittelhochdeutsch, Frühneuhochdeutsch, Lautwandel, Vokalverschiebung, Phonemik, Graphemik, Nibelungenlied, Diphthongierung, Monophthongierung, Vokaldehnung, Vokalkürzung, Rundung, Entrundung, Handschriftenanalyse
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Diese Arbeit befasst sich grundsätzlich mit der Analyse der Vokalverschiebung vom Mittelhochdeutschen zum Frühneuhochdeutschen, wobei der Fokus auf phonemischen und graphemischen Veränderungen liegt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themenfelder sind die historische Entwicklung der deutschen Sprache, spezifische Lautwandelerscheinungen wie Diphthongierung und Monophthongierung sowie deren Untersuchung am Beispiel des Nibelungenliedes.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, zu untersuchen, inwiefern sich die typischen Lautwandelerscheinungen der Vokale zum Frühneuhochdeutschen in der Transkription der Handschrift d des Nibelungenliedes widerspiegeln.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine vergleichende phonemische/graphemische Analyse zweier Textgrundlagen des Nibelungenliedes (Handschrift B und Handschrift d) durchgeführt, um die Lautwandelerscheinungen zu identifizieren und zu vergleichen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die theoretischen Grundlagen des Lautwandels und stellt Hypothesen zur Auftretenswahrscheinlichkeit der Phänomene in den Nibelungenlied-Handschriften auf, gefolgt von einer detaillierten Analyse und einem Vergleich konkreter Textbeispiele.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird charakterisiert durch Schlüsselwörter wie Deutsche Sprachgeschichte, Mittelhochdeutsch, Frühneuhochdeutsch, Lautwandel, Vokalverschiebung, Nibelungenlied, Diphthongierung, Monophthongierung, Vokaldehnung, Vokalkürzung, Rundung und Entrundung.
Warum spielt das Nibelungenlied eine besondere Rolle in dieser Untersuchung?
Das Nibelungenlied dient als zentrales Untersuchungsbeispiel, da seine Überlieferung in verschiedenen Handschriften aus mittelhochdeutscher und frühneuhochdeutscher Zeit einen direkten Vergleich der Lautwandelphänomene ermöglicht.
Inwiefern konnte die Vokaldehnung nachgewiesen werden?
Die Vokaldehnung war im frühneuhochdeutschen Text aufgrund ihrer oft fehlenden expliziten schriftlichen Markierung schwer nachweisbar, weshalb die diesbezügliche Vermutung nicht eindeutig bestätigt werden konnte.
Welche Rolle spielen die Handschriften B und d bei der Analyse?
Die Handschrift B (St. Gallener Handschrift aus mittelhochdeutscher Zeit) und die Handschrift d (Transkription aus frühneuhochdeutscher Zeit) bilden die primären Textgrundlagen, deren Vokalismus im Hinblick auf die Lautwandelphänomene verglichen wird.
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- Jessica Kiepert (Autor), 2024, Die Vokalverschiebung vom Mittelhochdeutschen zum Frühneuhochdeutschen, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1590497