„SgDuH, VüA mMn kP. PEBKAC! MfG“ – Mit diesem oder einem ähnlichen Abkürzungswirrwarr wurden wir sicher alle schon einmal konfrontiert, denn im aktuellen elektronischen Briefverkehr finden sich immer häufiger Abkürzungen, die sich nicht jedem Rezipienten auf Anhieb erschließen und somit schnell als unhöflich empfunden werden können. Obwohl sich der Sender in unserem Beispiel doch anscheinend große Mühe gab, um seiner Nachricht einen höflichen Rahmen zu verleihen, denn mit dem richtigen Code schlüsseln sich „SgDuH“ in „Sehr geehrte Damen und Herren“ und „MfG“ in „Mit freundlichen Grüßen“ auf. Doch wie viel kann man als Empfänger derartiger Grußformelabkürzungen auf die Ehrung durch den Absender oder dessen Freundlichkeit geben, wenn er sich nicht einmal die Mühe machte, seine Grüße auszuschreiben? [...]
Mit der vorliegenden Arbeit soll der Versuch unternommen werden zu klären, ob elektronische Briefe, sprich E-Mails, in denen es von Akronymen und Abkürzungen nur so wimmelt, die weder Anreden noch Grüße enthalten oder sich durch eine permanente Kleinschreibung „auszeichnen“, ausnahmslos auf seinen Empfänger unhöflich wirken und inwieweit im E-Mail-Verkehr allgemein von einem Verlust der Höflichkeit gesprochen werden kann.
Grundlegende Fragen, die an den Untersuchungsgegenstand gestellt werden: Woher kommt der Begriff Höflichkeit? Was ist sprachliche Höflichkeit denn eigentlich und wie lässt sie sich beschreiben? Welche Höflichkeitstheorien sind für die Untersuchung ausschlaggebend und wie stellt sich sprachliche Höflichkeit im elektronischen Briefverkehr dar?
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theoretische Grundlagen
2.1 Vorbemerkung
2.2 Grundlagen der Höflichkeitsforschung
2.2.1 Die Sprechakttheorie
2.2.2 Das Kooperationsprinzip von Grice
2.2.3 Das face–Konzept von Goffman
2.3 Klassische Höflichkeitstheorien
3 Sprachliche Höflichkeit im E-Mail-Verkehr
3.1 Vorbemerkung
3.2 Der E-Mail-Kopf
3.2.1 Die E-Mail-Adresse
3.2.2 Der Verteiler
3.2.3 Die Betreffzeile
3.3 Anrede und Namensnennung
3.4 Der Textkörper
3.5 Der E-Mail-Abschluss
4 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwiefern die zunehmende Verwendung von Abkürzungen, informellen Sprachstilen und die Vernachlässigung von Grußformeln in elektronischen Briefen als Verlust an sprachlicher Höflichkeit gewertet werden kann und welche Rolle die Kommunikationssituation dabei spielt.
- Grundlagen der Höflichkeitsforschung (Sprechakttheorie, Grice, Goffman)
- Klassische Höflichkeitstheorien und ihre Anwendbarkeit auf digitale Kommunikation
- Formale Aspekte der E-Mail (Kopfzeile, Adresse, Betreff)
- Strukturelle Analyse von Anrede, Textkörper und Abschluss in E-Mails
- Einfluss von Normen und Kontext auf die Wahrnehmung von (Un-)Höflichkeit
Auszug aus dem Buch
3.2.3 Die Betreffzeile
Die Nennung eines geeigneten Betreffs ist natürlich keine Neuerung des E-Mail-Verkehrs, sondern war im Bereich der klassischen Briefkultur, zumindest in der Geschäftskorrespondenz, bereits gang und gäbe.
Mit einer dem eigentlichen Text vorangestellten Betreffzeile sollte dem Empfänger eine schnellere Zuordnung des Schreibens zum entsprechenden Korrespondenzverlaufes ermöglicht werden. Für den E-Mail-Verkehr dient die Betreffzeile des E-Mail-Kopfes grundlegend demselben Zweck. Im Bereich elektronischer Nachrichtenübermittlung ist ihr jedoch ein höherer Stellenwert beizumessen, da hier nicht die Zuordnung zu einem bestimmten Kommunikationsverlauf an erster Stelle steht, sondern die Selektion der sich im Eingang eines E-Mail-Kontos befindlichen Nachrichten. Denn zum Leidwesen vieler Internetnutzer offenbart sich ein „elektronischer Briefkasten“ oft als „Endlager“ unzähliger Spam-Mails.
So hat ein Empfänger von E-Mails vier Optionen, um entsprechend zu reagieren. Er kann sie lesen, bearbeiten, ignorieren oder gar löschen. Betrachte man in diesem Zusammenhang z.B. das E-Mail-Konto eines Universitätsprofessors, der mehrere Seminare mit etwa 30 bis 50 Teilnehmern parallel hält und sich mit jedem einzelnen über den Verlauf eines Semesters im regen E-Mail-Austausch befindet, leuchtet die Wahl eines geeigneten Betreffs ein. Denn kein Student kann am Löschen seiner E-Mail durch den Professor interessiert sein, bevor dieser sie gelesen hat.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in die Problematik der Abkürzungskultur in E-Mails und Formulierung der Forschungsfrage zur sprachlichen Höflichkeit.
2 Theoretische Grundlagen: Überblick über linguistische und soziologische Theorien zur Höflichkeit, darunter Austin, Grice und Goffman.
3 Sprachliche Höflichkeit im E-Mail-Verkehr: Detaillierte Untersuchung spezifischer E-Mail-Bestandteile hinsichtlich ihrer höflichen bzw. unhöflichen Ausgestaltung.
4 Fazit: Zusammenfassende Erkenntnis, dass die Kommunikationssituation für die Bewertung von Höflichkeit im E-Mail-Verkehr ausschlaggebend ist.
Schlüsselwörter
Sprachliche Höflichkeit, E-Mail-Kommunikation, Sprechakttheorie, Kooperationsprinzip, Konversationelle Implikatur, Face-Konzept, Digitale Kommunikation, Etikette, DIN 5008, E-Mail-Kopf, Anredeformeln, Kleinschreibung, Kommunikationssituation, Netiquette, Sprachwandel.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die sprachliche Höflichkeit in der elektronischen Korrespondenz (E-Mail) und analysiert, ob digitale Kommunikationsformen zwangsläufig zu einem Verlust an Höflichkeit führen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen linguistische Höflichkeitstheorien sowie deren praktische Anwendung auf E-Mail-spezifische Aspekte wie Betreffzeilen, Anreden und die Verwendung von Abkürzungen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist zu klären, ob E-Mails, die informell oder mit Abkürzungen verfasst sind, grundsätzlich unhöflich wirken oder ob die jeweilige Kommunikationssituation die ausschlaggebende Rolle für die Bewertung spielt.
Welche wissenschaftlichen Theorien werden verwendet?
Die Autorin stützt sich primär auf die Sprechakttheorie von Austin und Searle, das Kooperationsprinzip von Grice sowie das "Face"-Konzept von Goffman.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung der Höflichkeitsforschung und eine detaillierte Analyse der äußerlichen Form einer E-Mail (Kopf, Verteiler, Betreff, Anrede, Textkörper und Abschluss).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Schlagworte umfassen sprachliche Höflichkeit, E-Mail-Kommunikation, Kommunikationssituation, Face-Konzept und linguistische Normen.
Wie bewertet der Autor die Verwendung von permanenter Kleinschreibung?
Die Arbeit differenziert: Während sie im offiziellen oder universitären Kontext als unhöflich oder nachlässig empfunden werden kann, kann sie in privaten Rahmen eine gewollte Nähe zur Mündlichkeit vermitteln.
Warum ist die Wahl des Betreffs laut der Autorin so wichtig?
Der Betreff dient nicht nur der inhaltlichen Einordnung, sondern ist im digitalen Zeitalter ein kritisches Auswahlkriterium für den Empfänger, um die Relevanz der Nachricht in einem überfüllten Posteingang zu bestimmen.
- Citation du texte
- Enrico Gottschalk (Auteur), 2010, Sprachliche Höflichkeit im E-Mail-Verkehr, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/159294