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"La utopía arcaica". Eine kulturwissenschaftliche Diskussion über Moderne in Peru

Title: "La utopía arcaica". Eine kulturwissenschaftliche Diskussion über Moderne in Peru

Diploma Thesis , 2004 , 168 Pages , Grade: 1

Autor:in: Christine Ulrich (Author)

Romance Studies - Latin American Studies
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Summary Excerpt Details

Wie kann eine Moderne für Peru aussehen? Um diese Frage dreht sich die kulturwissenschaftliche Diskussion, mit der sich diese Arbeit beschäftigt. Dabei bedingt es die Historie, daß in Peru die Frage nach der Moderne viel stärker als in Europa einhergeht mit der Frage nach einer nationalen Identität, also auch der Frage nach den Traditionen und dem Indio.

Die aktuelle Diskussion hat sich insbesondere an der Position von Mario Vargas Llosa entzündet. Dessen Haltung auf literarischer wie politischer Ebene schlägt sich speziell in "La utopía arcaica. José María Arguedas y las ficciones del indigenismo" (1996) nieder, einer Sammlung von Essays. Darin analysiert er das Werk des Schriftstellers Arguedas und gelangt zu dem Schluß, dessen Erzählkunst sei "eine schöne Lüge" – "die als archaische Utopie gelten kann, weil sie sich aus der Asche jener archaischen, ländlichen, traditionellen, magischen (im besten Wortsinn folkloristischen) Gesellschaft erhebt". Er meint, der Indio der arguedianischen Welt sei frei erfunden: weil Arguedas danach strebe, ihn von den Lastern der Moderne rein zu halten.

Zugleich macht Vargas Llosa seinen eigenen Standpunkt klar, was die Frage nach Indio und Moderne betrifft. Damit fordert er die Kritiker heraus, die nicht meinen, daß Arguedas' archaische Utopie eine Schimäre sei, und die andere Vorstellungen von einer möglichen Moderne für Peru haben.

Diese Arbeit stellt die Entwicklung der Diskussion vom Indigenismo über Arguedas bis hin zu Vargas Llosa und der Kritik an ihm dar. Dabei enthält der Begriff der "utopía arcaica" die gesamte Debatte, insofern er Bezug nimmt auf Moderne und Tradition. Man kann ihn als Oxymoron lesen: Das "Utopische" wird mit Künftigem und Wünschenswertem assoziiert, das "Archaische" mit Vergangenem und Überholtem.

Entsprechend ist diese Arbeit an diesem oxymoralen Begriff entlang aufgebaut. Zunächst werden die Begriffe "Utopie" und "archaisch" untersucht. Dann wird beschrieben, welche Formen die "archaische Utopie" in der peruanischen Literatur angenommen hat: Als Beispiel indigenistischer Romankunst wird "El mundo es ancho y ajeno" von Ciro Alegría analysiert, exemplarisch für den Neo-Indigenismo Arguedas' "Los ríos profundos". Danach wird Vargas Llosas umstrittene Position erörtert. Schließlich kommen zwei Kulturwissenschaftler zu Wort, die alternative Vorstellungen von einer Moderne vertreten: Antonio Cornejo Polar (Konzept der Heterogenität) und Néstor García Canclini (Begriff der Hybridität).

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Zur Semantik

2.1 Utopie

2.1.1 Allgemeines zur Begriffsgeschichte

2.1.2 „Utopie“ als aktueller Diskurs

2.1.3 Utopien und Utopisches in Peru

2.1.3.1 Mythische Utopien

2.1.3.2 Historische Utopien

2.1.3.3 Politisch-ökonomische Utopien

2.1.3.4 Kulturell-literarische Utopien

2.2 Archaisch

2.2.1 Allgemeines zur Begriffsgeschichte

2.2.2 „Archaisch“ als „traditionell“

2.2.3 Archaisch-Traditionelles in Peru

2.2.3.1 Mythisches

2.2.3.2 Historisches

2.2.3.3 Politisch-Ökonomisches

2.2.3.4 Kulturelles

2.3 Oxymoron: Archaische Utopie

2.3.1 Mythos / Logos

2.3.2 Zyklisches / Lineares Zeitverständnis

2.3.3 Gemeinschaft / Gesellschaft

2.3.4 Vormoderne / Moderne

2.4 Bestimmung des Begriffs als Oxymoron

2.4.1 Kulturkonflikt und „archaische Utopie“

2.4.2 Auflösung des Oxymorons: Funktionalisierung der Begriffe

3. Literarische Formen der archaischen Utopie: Indigenismo und Neo-Indigenismo

3.1 Vorgeschichte und Vorläufer des Indigenismo

3.1.1 Zwei Schlüsselepochen: Conquista und 19. Jahrhundert

3.1.2 Der Proto-Indigenismo: Manuel González Prada

3.1.3 Hispanismo, Modernismo, Indianismo

3.2 Der Indigenismo

3.2.1 Der politische Indigenismo

3.2.2 Die Existenzbedingungen des Indigenismo

3.2.3 Der literarische Indigenismo

3.2.3.1 Definition und Entwicklung des literarischen Indigenismo

3.2.3.2 Luis E. Valcárcel: „Tempestad en los Andes“

3.3 Indigenistische Romankunst: „El mundo es ancho y ajeno“

3.3.1 Inhaltsangabe

3.3.2 Die Erzählsituation: Auktorialer Erzähler

3.3.3 Wichtige Figuren und innerer Aufbau des Romans

3.3.4 Zeit: Mythos und Geschichte

3.3.5 Raum: Comunidad und Nation

3.4 Der Neo-Indigenismo

3.4.1 Neo-Indigenismo als Begriff

3.4.2 Die Unterschiede zum orthodoxen Indigenismo

3.4.3 José María Arguedas: Die Biographie

3.4.4 José María Arguedas: Das Werk

3.5 Neo-indigenistische Romankunst: „Los ríos profundos“

3.5.1 Inhaltsangabe

3.5.2 Die Erzählsituation: Ich-Erzähler

3.5.3 Wichtige Figuren um den Protagonisten

3.5.4 Zeit: Erinnerung und Gegenwart

3.5.5 Raum: Geschlossenheit und Befreiung

3.5.6 Die Synthese: Ernestos magische Weltsicht

3.6 Vergleich der Romane nach Escajadillos Kriterien

4. Mario Vargas Llosa: „La utopía arcaica“

4.1 Mario Vargas Llosa: Geistiger Werdegang

4.1.1 Vorbilder und Weltbilder

4.1.2 Politische Romane und Literaturtheorie

4.2 „La utopía arcaica“

4.2.1 Rationalismus und Wissenschaftsgläubigkeit

4.2.1.1 Mythisches Denken als archaisch und irrational

4.2.1.2 Mythisches Denken als literarisches Mittel

4.2.1.3 Der „postmoderne“ Mythos

4.2.2 Fortschritt statt Rückblick

4.2.2.1 Zyklisches Denken als archaisch

4.2.2.2 Historische Wahrheit versus subjektive Geschichte

4.2.2.3 Linearität und Teleologie der Historie

4.2.3 Kapitalismus statt Kollektivismus

4.2.3.1 Kollektivistisches Denken als archaisch

4.2.3.2 Der Sozialismus – ein überholtes System

4.2.3.3 Der Neoliberalismus und die „informelle Wirtschaft“

4.2.4 Eine Moderne nach europäischem Vorbild

4.2.4.1 Die Ablehnung des Archaischen und des Utopischen

4.2.4.2 Modernisierung als unvereinbar mit der archaischen Utopie

4.2.4.3 Die homogenisierende Moderne

5. Kritik an Vargas Llosas Position

5.1 Cornejo Polar: Das Konzept der Heterogenität

5.1.1 „Escribir en el aire“

5.1.2.1 Der Beginn der Heterogenität

5.1.2.2 Versuche zur Homogenisierung

5.1.2.3 Die heterogene Modernisierung

5.1.2.4 Der indigenistische Roman

5.2 Néstor García Canclini: Das Konzept der Hybridität

5.2.1 Vormoderne, Moderne, Postmoderne

5.2.2 Der Begriff der Hybridität

6. Schlußbetrachtung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die kulturwissenschaftliche Diskussion um den Begriff der „archaischen Utopie“ im peruanischen Kontext. Sie erforscht, wie das Spannungsfeld zwischen Tradition und Moderne, Vergangenheit und Zukunft, sowie die Rolle der indigenen Bevölkerung in nationalen Identitätsentwürfen literarisch und politisch verhandelt wird, wobei der Schwerpunkt auf den Positionen des Indigenismo, von José María Arguedas und Mario Vargas Llosa liegt.

  • Semantische Analyse der Begriffe „Utopie“ und „archaisch“ und deren Verbindung zum „Oxymoron“ der archaischen Utopie.
  • Darstellung der indigenistischen und neo-indigenistischen Literaturströmungen anhand zentraler Werke von Ciro Alegría und José María Arguedas.
  • Kritische Erörterung der Position von Mario Vargas Llosa zur peruanischen Identität und Moderne im Hinblick auf seine Indigenismo-Kritik.
  • Diskussion alternativer kulturwissenschaftlicher Ansätze zur Heterogenität (Cornejo Polar) und Hybridität (García Canclini).

Auszug aus dem Buch

2.1.3.1 Mythische Utopien

Das erste, was einem in den Blick gerät, wenn man nach Utopischem in Peru sucht, sind die sogenannten posthispanischen Ursprungsmythen. Sie handeln vom Ursprung der Menschheit und ihrer zukünftigen Entwicklung; und die meisten enthalten Elemente aus der prähispanischen als auch aus der katholischen Religion.

Entscheidend für die Entstehung der mythischen Utopie in den Anden ist das Erlebnis der Conquista, die aus Sicht der Besiegten ein Kataklysmus, eine erdgeschichtliche Katastrophe, war. In der prähispanischen Tradition gab es die Vorstellung des pachacuti, übersetzt etwa: „die Erde formt sich um“. Gemeint ist damit etwas – eine Persönlichkeit, eine tellurische Kraft –, das das ganze Land und das ganze Leben, das Raum und Zeit auf den Kopf stellt. Der Begriff bezieht sich einerseits auf den Übergang von einem Zeitalter ins nächste, andererseits auch auf das Resultat, also die Umkehrung der Dinge. Für viele der Andenbewohner war die Conquista ein solcher pachacuti, die Umkehrung der Ordnung. Der Kosmos teilte sich damals in zwei: die untere Welt (hananpacha) und die obere Welt (hurinpacha), das Licht und die Dunkelheit. Die posthispanischen Mythen dienen den Andenbewohnern nun dazu, diesen pachacuti der Conquista zu verarbeiten.

Von zentraler Bedeutung ist vor allem der „Inkarrí-Mythos“ in seinen verschiedenen Versionen. Der Name der Zentralfigur, Inkarrí, ist eine Zusammenziehung aus dem Quechua-Wort Inka und dem spanischen rey („König“): „Inka-König“. Eine der bekanntesten Erzählungen stammt aus dem Ort Puquio im Departamento Ayacucho. Der „Mythos von Puquio“ erklärt den Ursprung und das Schicksal der aktuellen peruanischen Gesellschaft, die ethnisch geteilt ist.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einführung: Die Einleitung steckt den Rahmen für die Diskussion um eine peruanische Moderne ab, die untrennbar mit Fragen der Identität, Tradition und der Rolle des Indio verbunden ist.

2. Zur Semantik: Dieser Abschnitt analysiert die Begriffsgeschichte von „Utopie“ und „archaisch“, um sie als „archaische Utopie“ in ein theoretisches Verhältnis zu setzen.

3. Literarische Formen der archaischen Utopie: Indigenismo und Neo-Indigenismo: Hier werden die literarischen Ausprägungen des Indigenismo untersucht, insbesondere die Romane von Ciro Alegría und José María Arguedas.

4. Mario Vargas Llosa: „La utopía arcaica“: Dieses Kapitel erörtert die Haltung Vargas Llosas, der das Indigenismo-Konzept als „archaische Utopie“ und literarische Fiktion kritisiert.

5. Kritik an Vargas Llosas Position: Hier werden Gegenentwürfe diskutiert, namentlich das Konzept der Heterogenität von Cornejo Polar und der Hybridität von Néstor García Canclini.

6. Schlußbetrachtung: Das Fazit zieht eine Bilanz der Identitätsdiskussion und reflektiert die Frage, wie eine Moderne in Peru unter Einbeziehung kultureller Vielfalt gestaltet werden kann.

Schlüsselwörter

Archaische Utopie, Peru, Indigenismo, Moderne, Identität, Inka-Reich, José María Arguedas, Mario Vargas Llosa, Heterogenität, Hybridität, Mythos, Ideologie, Kulturkonflikt, Postmoderne, Kulturwissenschaft.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die komplexe intellektuelle Diskussion in Peru darüber, wie das Land eine moderne Identität finden kann, ohne dabei die indigenen Wurzeln und Traditionen zu negieren.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Die Arbeit behandelt die Begriffe der Utopie und des Archaischen, die indigenistische Literaturströmung, das Werk von José María Arguedas und die kritische Auseinandersetzung durch den Schriftsteller Mario Vargas Llosa.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, die Entwicklung der Identitätsdebatte vom Indigenismo bis zur Moderne nachzuvollziehen und den oxymoralen Begriff der „archaischen Utopie“ als Ausdruck dieser Debatte theoretisch aufzulösen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt kulturwissenschaftliche, literatursoziologische und diskursanalytische Ansätze, um literarische Texte und gesellschaftspolitische Analysen in einen theoretischen Kontext zu stellen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine semantische Fundierung, eine Analyse der indigenistischen Romankunst, eine Erörterung der Position von Mario Vargas Llosa sowie eine kritische Auseinandersetzung durch Konzepte der Heterogenität und Hybridität.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Schlüsselwörter sind unter anderem Archaische Utopie, Peru, Indigenismo, Identität, Mario Vargas Llosa, José María Arguedas und Heterogenität.

Warum liest Mario Vargas Llosa den „Inkarrí-Mythos“ als „archaische Utopie“?

Vargas Llosa sieht darin eine irrationale, rückwärtsgewandte Fiktion, die den Fortschritt behindert und den Indio einer prähispanischen Welt verhaftet lässt, statt ihn in die moderne demokratische Gesellschaft zu integrieren.

Wie lösen Theoretiker wie Cornejo Polar den Konflikt der Heterogenität?

Cornejo Polar schlägt vor, die Heterogenität als nicht aufhebbare, aber produktiv nutzbare Realität zu akzeptieren, statt eine erzwungene Homogenisierung nach westlichem Vorbild anzustreben.

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Details

Title
"La utopía arcaica". Eine kulturwissenschaftliche Diskussion über Moderne in Peru
College
University of Bamberg  (Fakultät Sprach- und Literaturwissenschaften)
Grade
1
Author
Christine Ulrich (Author)
Publication Year
2004
Pages
168
Catalog Number
V159417
ISBN (eBook)
9783668795778
ISBN (Book)
9783668795785
Language
German
Tags
Mario Vargas Llosa Peru Utopie Mythos Indio Indigenismo José María Arguedas archaisch politisch literarisch Neo-Indigenismo
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Christine Ulrich (Author), 2004, "La utopía arcaica". Eine kulturwissenschaftliche Diskussion über Moderne in Peru, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/159417
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