Seit den 1920er Jahren des letzten Jahrhunderts hat eine umfangreiche Beschäftigung mit dem Thema des Projektunterrichtes stattgefunden (Vgl. Hänsel 1999, S.16f.) – Projektorientierte Unterrichtsformen sind heute nicht mehr nur theoretisches Gebilde, sondern haben es zu institutioneller Praxis gebracht. Der Erziehungswissenschaftler Herbert Gudjons spricht bspw. von einem „Siegeszug“ (Gudjons 2008, S.110) des Projektwochen-Unterrichts. Projektunterricht sei vielerorts „unverzichtbarer Bestandteil der Schulentwicklung“ geworden und habe die „herkömmlichen institutionellen Bedingungen einer Schule langfristig verändert.“ (Gudjons 2008, S.111) Der Projektgedanke habe sich sogar mittlerweile auch auf andere Lebensbereiche ausgedehnt (Vgl. ebd.).
Ob man möchte oder nicht: Heutige Lehrerinnen und Lehrer werden nicht mehr um eine Beschäftigung mit dem breiten (und sehr spannenden) Feld des Projektlernens herumkommen.
Eine ähnliche Entwicklung, wenn auch eine von grundsätzlich anderer Natur, hat die motivationspsychologische Forschung durchlebt (Vgl. Schneider & Schmalt 2000, S.57f.). Der wissenschaftliche Literaturmarkt ist mit einer Menge aktueller Forschungs- und Überblicksliteratur übersät (Vgl. zB. zusammenfassend Rheinberg 2005). Nach der Überwindung oder Weiterentwicklung früherer trieb- und bedürfnisorientierter Ansätze, hat die Forschung vor Allem auch das Feld der Lern- und Leistungsmotivation entdeckt: Moderne Ansätze wie die Selbst-bestimmungstheorie Deci & Ryans (1985 und 1993) haben der Idee der Schülerinnen- und Schülermotivierung neue Felder eröffnet. Niemand wird heute mehr ernstlich die Notwendigkeit von Motivation für effektive Lernergebnisse und gute Schulleistungen bezweifeln.
Mich wird für diese Arbeit eine Zusammenführung dieser beiden Felder interessieren: Lassen sich allgemeine Kriterien für gute Schülermotivation festmachen? Wenn ja, kann man mit deren Hilfe die Wirksamkeit von Projektunterricht untersuchen?
Inhaltsverzeichnis
0. Einleitung
1. Projektunterricht
1.1 Einführender Überblick und Definition (Forschungsstand)
1.1.1 Zur Begrifflichkeit
1.1.2 Historischer Ursprung
1.1.3. Quantitative und qualitative Bestandteile
1.2 Merkmale des Projektunterrichts (nach Gudjons und Frey)
1.3 Organisationsformen
2. Motivation und Interesse
2.1 Was ist Motivation? (Definition und Forschungsstand)
2.1.1 Intrinsische Motivation
2.1.2 Leistungsmotivation, Flow-Erleben und Lernmotivation
2.1.3 Exkurs: Interesse
2.2 Pragmatische Überlegungen zur Lernmotivation
3. Projektunterricht im Kontext der Motivationspsychologie
3.1 Theoretische Erörterung
3.1.1 Selbstbestimmung und Kompetenz
3.1.2 Kooperation, Kommunikation und soziales Lernen
3.1.3 Interesse wecken
3.1.4 Positive Erlebnisorientierung
3.1.5 Zieltransparenz und Zielaktivierung
3.1.6 Bezugsnormen und Benotung
3.2. Studien zur Wirksamkeit des Projektunterrichtes auf die Lernmotivation
4. Schlussfolgerungen und Fazit
5. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die wissenschaftlich begründete Annahme, dass Projektunterricht aufgrund seiner strukturellen Beschaffenheit die Lernmotivation von Schülern in der Sekundarstufe positiv beeinflussen kann. Das primäre Ziel ist die theoretische Zusammenführung motivationspsychologischer Kriterien mit den spezifischen Merkmalen projektorientierten Lernens.
- Grundlagen und historische Entwicklung des Projektunterrichts
- Motivationspsychologische Definitionen und Theorien (intrinsische Motivation, Flow-Erleben)
- Strukturelle Analyse der Motivationsqualität von Projektunterricht
- Bedeutung von Selbstbestimmung, Kooperation und Interesse im Unterricht
- Empirische Einordnung der Wirksamkeit durch bestehende Studien
Auszug aus dem Buch
1.1.3 Quantitative und qualitative Bestandteile
Die chronologisch-quantitativen Bestandteile des Projektunterrichtes lassen sich zumeist in einer Viergliederung zusammenfassen (Idee, Planung, Durchführung, Ergebnispräsentation), die natürlich in umfangreicher Weise ausdifferenzierbar ist (Vgl. Gudjons 2008, S.93ff.; Frey 2007, S. 62ff.).
Obwohl so z.B. Emer und Lenzen dieser Grundform 7 “Projektstufen“ zuordnen, stellen sie fest: “Der idealtypische Verlauf von Projekten orientiert sich an der vierphasigen Verlaufsform des Klassikers von Kilpatrick” (Emer & Lenzen 2008, S. 16) Ebenso lässt sich auch über die Dauer von Projekten reflektieren (Frey 2007, S.20f.)
Kommen wir nun zu den qualitativen Bestandteilen. Während Dewey seine Projektidee noch in ein grundlegendes, liberales Verständnis von Demokratie einband, ohne welches diese zu einer “bloßen Methode herabschrumpfen” müsse (Vgl. Gudjons 2008, S.74f.), sind moderne Theoretiker hier pragmatischer. Frey bspw. will Projektunterricht explizit als Methode verstanden wissen und erklärt, dass sich der von ihm favorisierte Begriff “Projektmethode” im Wortsinn (altgriechisch: μέϑoδoς, der Weg “das anzugehen, was man sich vornimmt”) auf die Konzeption bezieht (Vgl. Frey 2007, S.14)
Zusammenfassung der Kapitel
0. Einleitung: Die Einleitung verortet den Projektunterricht im Kontext aktueller Schulentwicklung und führt in die zentrale Fragestellung der Arbeit ein.
1. Projektunterricht: Dieses Kapitel liefert eine Begriffsbestimmung, beleuchtet den historischen Ursprung und erarbeitet Merkmalskataloge zur Definition des Projektunterrichts.
2. Motivation und Interesse: Es werden grundlegende motivationspsychologische Modelle wie die Selbstbestimmungstheorie, das Selbstbewertungsmodell und das Flow-Erleben vorgestellt.
3. Projektunterricht im Kontext der Motivationspsychologie: Dieser Teil führt die theoretischen Motivationskriterien mit den Merkmalen des Projektunterrichts zusammen und diskutiert empirische Studien zu deren Wirksamkeit.
4. Schlussfolgerungen und Fazit: Das Fazit beantwortet die Forschungsfrage und reflektiert kritisch über die Möglichkeiten und Grenzen der durchgeführten Analyse.
Schlüsselwörter
Projektunterricht, Lernmotivation, Sekundarstufe, Selbstbestimmung, intrinsische Motivation, Flow-Erleben, Handlungsorientierung, Projektmethode, Schülerinteresse, Leistungsmotivation, Kooperatives Lernen, Unterrichtsqualität, Kompetenzerleben, Schulpädagogik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, ob und wie Projektunterricht als offene Unterrichtsform die Lernmotivation von Schülerinnen und Schülern der Sekundarstufe fördern kann.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Arbeit verknüpft die didaktische Konzeption des Projektunterrichts mit zentralen Theorien der Motivationspsychologie, um deren Synergien aufzuzeigen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die theoretische Herleitung und Bestätigung, dass die strukturelle Beschaffenheit des Projektunterrichts (z.B. Autonomie und soziales Lernen) motivationsförderlich wirkt.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf Literaturanalyse, der Erstellung eines Merkmalskatalogs sowie der Auswertung bestehender empirischer Studien basiert.
Welche Inhalte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil umfasst die Definition des Projektunterrichts, die Erläuterung moderner Motivationstheorien sowie deren theoretische und empirische Gegenüberstellung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Projektunterricht, Lernmotivation, Selbstbestimmung und Handlungsorientierung.
Warum ist laut der Arbeit die Benotung im Projektunterricht problematisch?
Traditionelle Noten basieren oft auf sozialen Bezugsnormen, die leistungsschwächere Schüler demotivieren können, während im Projektkontext individuelle Rückmeldungen als förderlicher angesehen werden.
Wie unterscheidet sich der Projektunterricht laut der Studie von klassischem Frontalunterricht?
Der Projektunterricht zeichnet sich durch höhere Handlungsfreiheit, selbstbestimmtes Arbeiten und eine kommunikative Lehrer-Schüler-Beziehung aus, anstatt durch einen strikt vorgegebenen Lehrplan.
- Citar trabajo
- Alexandra Block (Autor), 2010, Fördert Projektunterricht die Lernmotivation von Schülerinnen und Schülern der Sekundarstufe?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/159903