Das Burnout-Syndrom im Lehrberuf


Seminararbeit, 2010
17 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Annäherung an die Begriffsbestimmung und Begriffsabgrenzung

3. Symptome von Burnout

4. Phasen des Burnoutverlaufs
4.1 Klassische Entwicklung nach Malsach & Jackson
4.2 Burnoutverlauf nach Freudenberger
4.3 Burnoutverlauf nach Burisch
4.4 Zusammenfassung

5. Stress und Burnout – Das transaktionale Stressmodell von Lazarus

6. Besondere Belastungen im Lehrerberuf

7. Prävention von Stress und Burnout im Lehrerberuf

8. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der Lehrerberuf wird in unserer Gesellschaft mit viel Freizeit und wenig Arbeit verbunden. Die Lehrer und Lehrerinnen selbst vertreten jedoch eine andere Meinung und viele klagen über zuviel Arbeit, Stress und über das Burnout-Syndrom. Wird ein Blick auf Statistiken geworfen, so wird ersichtlich, dass unter allen Berufen im Lehrerberuf am häufigsten auf psychologische Behandlungen zurückgegriffen wird.[1] Bei genauerer Begutachtung des Burnout-Syndroms wird allerdings schnell erkennbar, dass es keine einheitliche Definition für das Syndrom gibt. Ebenso ist es problematisch, bestimmte Symptome ausschließlich dem Burnout-Syndrom zuzuordnen, da sie immer von Person zu Person variieren. Ein weiteres Problem ist, dass die Symptome auch oft bei anderweitigen Krankheiten auftreten und somit auch bei Menschen, die nicht vom Burnout betroffen sind. Die jeweiligen Phasen, die ein Betroffener während des Burnout-Syndroms durchläuft, sind zudem in der Forschung umstritten bzw. nicht kongruent.

Durch diese Unstimmigkeiten stellt sich erstens die Frage, wie sich der Begriff Burnout bestimmen bzw. eingrenzen lässt und zweitens, welche Symptome in der Regel auf das Burnout-Syndrom hinweisen. Außerdem wird der Frage nachgegangen, welche Unterschiede es zwischen den Phasen des Burnoutverlaufs innerhalb der Forschung gibt und welche Verbindung zwischen dem Burnout-Syndrom und Stress besteht. Die Beziehung zwischen Burnout und Stress wird thematisiert, weil viele Lehrkräfte – wie bereits erwähnt – erheblich unter diesen Problemen leiden und Burnout oft als Folge von Stress gesehen wird. Abschließend wird die Frage nach der Prävention von Stress und Burnout im Lehrerberuf geklärt. Andere Berufszweige werden bewusst außer Acht gelassen, um die Arbeit einzugrenzen und um nachvollziehen zu können, warum gerade Lehrer und Lehrerinnen oft vom Burnout bedroht bzw. betroffen sind.

Für die Beantwortung der Fragestellungen erfolgt einleitend eine Annäherung an die Begriffsbestimmung und Begriffsabgrenzung des Terminus Burnou t. Darauf folgend werden die Symptome von Burnout und drei Phasen des Burnoutverlauf aufgegriffen, wobei es sich bei den Phasen um die klassische Entwicklung nach Malsach & Jackson, sowie dem Burnoutverlauf nach Freudenberger und den Verlauf nach Burisch handelt. Im Anschluss wird das Burnout-Syndrom mit Stress in Verbindung gesetzt und das transaktionale Stressmodell von Lazarus vorgestellt. Zuletzt werden die besonderen Belastungen, welche im Lehrerberuf vorzufinden sind, bündig illustriert und einige Präventionsmaßnahmen für Lehrkräfte beleuchtet[2], um daraufhin im Fazit die Fragestellungen zu beantworten.

2. Annäherung an die Begriffsbestimmung und Begriffsabgrenzung

Der Terminus Burnout (engl. „to burn out“: ausbrennen) wurde erstmalig 1974 durch den Psychoanalytiker Herbert J. Freudenberger in die Fachliteratur aufgenommen, um einen Zustand körperlicher und geistiger Erschöpfung zu beschreiben, der aus Arbeitsbedingungen resultiert.[3] Systematisch wurde der Begriff 1981 von der Sozialpsychologin Christina Maslach definiert, indem sie das bis heute eingesetzte Maslach Burnout Inventory (MBI) entwickelte, um die Häufigkeit und Intensität des Auftretens von Burnout in helfenden Berufen zu ermitteln. Somit wurde das Burnout-Syndrom zu einem von der Wissenschaft anerkannten Begriff.[4]

Im Jahr 1982 kritisierte Maslach, dass es keine allgemein anerkannte Definition von Burnout gibt. Zu diesem Zeitpunkt waren mehr als 48 Definitionen vom Burnout-Syndrom im Umlauf, die teilweise erheblich konträr waren, sodass keine Einheitlichkeit und Klarheit innerhalb der Forschung vorhanden war, was bis Heute noch der Fall ist. So werden die Burnout-Definitionen u.a. in zwei Kategorien unterteilt. Einerseits gibt es Definitionen, die sich – wie in dieser Arbeit - auf klassisch stresstheoretische Modelle beziehen, andererseits werden sozialpsychologische Perspektiven als Grundlage genommen.[5] Zudem lässt sich das Burnout-Syndrom nur schwer von anderen Begriffen wie z.B. Depressionen oder Belastungen abgrenzen. Auch ist es nicht eindeutig, ab wann eine Person als ausgebrannt eingestuft werden kann. Diese Auffassung steht in Abhängigkeit von der jeweilig durchgeführten Stichprobe und sogar von Ländern und Kulturen. Eine weitere Schwierigkeit basiert auf der unterschiedlichen Auslegung bzw. Auffassung der Symptombilder und der Symptombenennung.[6]

Die Burnout-Forschung wurde neben der von Maslach angetriebenen empirischen Systematisierung in den achtziger Jahren und durch die Übersetzungen von einschlägigen Werken in zahlreichen Ländern angetrieben. Wie bereits erwähnt, ging man anfangs davon aus, dass Burnout nur in helfenden Berufen auftritt. Die Forschung entdeckte die Symptome des Burnouts allerdings auch in anderen Berufsfeldern, wie z.B. im Industrie- und IT-Bereich. Ebenso wurde die Symptomatik auch bei Nonnen, Priestern, Missionaren und in außerberuflichen Bereichen, wie z.B. im Sexualleben, oder in der Politik, festgestellt.[7]

Längsschnittstudien aus dieser Zeit hielten insgesamt folgende Merkmale zum Burnout-Syndrom fest: Das Burnout-Syndrom ist eine chronische Erscheinung, welche zur Veränderung des Verhaltens und zu physischen Symptomen führt. Die Grundlage für dieses Phänomen sind neben Rollenkonflikten das Fehlen von sozialer Unterstützung am Arbeitsplatz.[8]

Werden diese Ergebnisse mit den Definitionen wie z.B. von Pines, Aronson und Kafry (1983), die Burnout als „[k]örperliche, geistige und seelische Erschöpfung durch gefühlsmäßige Überlastung“[9] betrachten und der Definition von Freudenberger und Richelson (1980), die Burnout als „Erschöpfung und Enttäuschung nach Erkennen unrealistischer Erwartungen“[10] deuten, verknüpft, so lässt sich schlussfolgern, dass das Burnout-Syndrom auf einer individuellen Ebene zum Vorschein kommt, die auf negativen – meist vom Arbeitsplatz ausgehenden - Erfahrungen beruht und negative Konsequenzen mit sich bringt.[11]

Essentiell für die negativen Erfahrungen ist nach Hedderich vor allem Stress. Dieser setzt sich aus zwei wesentlichen Faktoren zusammen. Zum einen gibt es Stressoren, die bei Menschen Stress verursachen, wie z.B. soziale Konflikte, zuviel Arbeitsaufträge und Zeitdruck. Zum anderen setzt sich das Individuum selbst unter Stress

(= Stressverstärker), z.B. durch Ungeduld, Perfektionismus und Selbstüberforderung. Diese beiden Arten stehen in einer Wechselwirkung und es kommt anschließend zu einer Stress­reaktion, die Symptome wie Denkblockaden, Unzufriedenheit oder Nervosität hervorrufen können.[12] Stress ist also ein schadhafter Umweltreiz, eine Reaktion auf Anforderungen des Menschen und eine Transaktion zwischen der Umwelt und dem Individuum. Werden bestimmte Stressoren als Lebensgefahr eingestuft, die nach dem Ermessen des Individuums nicht bekämpft werden können, oder kommt es zu einer Ballung von negativen Stressoren[13], so ist die Person als burnout-gefährdet einzustufen.[14]

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass das Burnout-Syndrom die Endstation eines gescheiterten Prozess ist, der versucht negativen Stress zu bekämpfen.[15]

3. Symptome von Burnout

Die Symptome des Burnout-Syndroms sind sehr facettenreich und immer vom Individuum abhängig. Daher können sie weder konkret einer Person zugeordnet werden, noch müssen, falls es zu einem Burnout kommt, alle Symptome auftreten. Darüber hinaus sind die Merkmale sehr heterogen und somit auch bei anderen Krankheiten vorzufinden, dementsprechend auch bei Menschen, die nicht unter dem Burnout-Syndrom leiden.[16]

Nach Schaufeli lassen sich die Symptome des Burnout-Syndroms in folgende fünf Bereiche einteilen: Psychische Symptome; Physische Symptome; Symptome auf der Verhaltensebene; Soziale Symptome; Problematische Einstellung.

Die psychischen Symptome kommen auf emotionaler Ebene mitunter als Widerstand gegen die tägliche Arbeit, als Schuldgefühl, oder als Frustration vor. Auf der kognitiven kommt es zum Widerstand gegen Veränderungen, zur Projektion und zu Konzentrationsstörungen. Zudem können nervöse Ticks und Verspannungen auftreten. Bei den physischen Symptomen kommt es vor allem zu täglicher Müdigkeit und Erschöpfung, zu Schlafstörungen und zu sexuellen Problemen. Häufig sind auch Erkältungen, Grippe, Kopfschmerzen und Magen-Darm-Beschwerden festzustellen. Auch kann Burnout zu einem erhöhtem Herzschlag, einer erhöhten Pulsfrequenz und einem überdurchschnittlichen Cholesterinspiegel führen. Im Bereich der Verhaltensebene reichen die Symptome von exzessiven Drogen-, Tabak-, Kaffee, und Alkoholkonsum bis zu einer erhöhten Aggressivität. Daneben kommt es zu häufigem Fehlen am Arbeitsplatz, längeren Arbeitspausen und verringerten Effizienz. Die sozialen Symptome äußern sich als Verlust von positiven Gefühlen gegenüber Klienten, Widerstand gegen Kontakt mit Klienten und durch Unfähigkeit, sich auf diese zu konzentrieren und ihnen zuzuhören. Ebenfalls ändert sich auch das Verhalten gegenüber den Kollegen. Von ihnen wird sich zurückgezogen und es erfolgt Isolation und eine Vermeidung von Diskussionen über die Arbeit. Im privaten Bereich treten ähnliche Symptome in Erscheinung. Es kommt zur Vereinsamung und Problemen innerhalb der Familie oder Ehe. Neben all diesen Symptomen ändert sich auch die Grundeinstellung. Klienten werden stereotypisiert, schwarzer Humor und Zynismus verbreiten sich, die Machtlosigkeit wird demonstriert und eine negative Arbeitseinstellung samt Desillusionierung und Verlust von Idealen wird entwickelt.[17]

Burisch differenziert die Burnout-Symptomatik differenzierter als Schauflis und unterteilt sie in sieben Bereiche. Allerdings wiederholen sich in dieser Unterteilung die Symptome und es ist stark an sein Burnoutverlaufsmodell angelehnt.[18]

[...]


[1] Dauber, Heinrich/Vollstädt, Witlof: Psychosoziale Belastungen im Lehramt. Empirische Befunde zur Frühpensionierung hessischer Lehrer, in: Die Deutsche Schule. Zeitschrift für Erziehungswissenschaft, Bildungspolitik und pädagogische Praxis, 96, 2004, S. 359.

[2] Diese Präventionen sind teilweise auch für andere Berufsgruppen etc. anwendbar.

[3] Vgl. Driller, Elke: Burnout in helfenden Berufen. Eine Darstellung am Beispiel pädagogisch tätiger Mitarbeiter der Behindertenhilfe, Berlin 2008, S. 9; Heyl, Andreas v.: Zwischen Burnout und spiritueller Erneuerung. Studien zum Beruf des evangelischen Pfarrers und der evangelischen Pfarrerin, Frankfurt a. M. 2003, S. 17.

[4] Vgl. Vollmer, Helga: Ich fühle mich fix und fertig. Das Burnout-Syndrom, Wien 1996, S. 17.

[5] Dückers-Klichowski, Silke: Burnout bei Lehramtsanwärtern im Primarbereich, Berlin 2005, S. 11.

[6] Vgl. Schröder, Manfred: Burnout unvermeidlich?. Ein Kompendium zur Lehrerbelastungsforschung unter Berücksichtigung des Persönlichkeitsaspektes und eine empirische Untersuchung zur Passungsproblematik im Lehrerberuf, Potsdam 2006, S. 38f.

[7] Vgl. Heyl, Andreas v., Frankfurt a. M. 2003, S. 22.

[8] Vgl. ebd.

[9] Hedderich, Ingeborg: Burnout bei Sonderschullehrerinnen und Sonderschullehrern. Eine vergleichende empirische Untersuchung, durchgeführt in Schulen für Körperbehinderte und in Hauptschulen, auf der Grundlage des Maslach-Burnout-Inventory, Berlin 1997, S. 14.

[10] Ebd.

[11] Vgl. ebd.

[12] Vgl. Kaluza, Gerd: Stressbewältigung, Heidelberg 2005, S. 13-15.

[13] Neben negativen Stressoren, können Stressoren auch positiv gewertet werden. In diesem Fall wird der Stress als eine Herausforderung - beispielsweise im Berufsalltag - angesehen.

[14] Vgl. Kaluza, Gerd, Heidelberg 2005, S. 13-15.; Hedderich, Ingeborg, Berlin 1997, S. 15.

[15] Hedderich, Ingeborg, Berlin 1997, S. 15.

[16] Vgl. Dückers-Klichowski, Silke, Berlin 2005, S. 14.

[17] Vgl. ebd., S. 15.

[18] Burisch, Matthias: Das Burnout-Syndrom. Theorie der inneren Erschöpfung, 3. Aufl., Heidelberg 2006, S. 24-34.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Das Burnout-Syndrom im Lehrberuf
Autor
Jahr
2010
Seiten
17
Katalognummer
V160023
ISBN (eBook)
9783640729425
ISBN (Buch)
9783640729326
Dateigröße
504 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Burnout, Burnout-Syndrom, Stress, Stressverarbeitung, Lehrer, Lehrerberuf, Prävention Burnout und Stress, Begriffsbestimmung, Begriffsabgrenzung, Freudenberger, Burisch, Maslach, Jackson, Transaktionales Stressmodell, Lazarus
Arbeit zitieren
Tobias Neuhaus (Autor), 2010, Das Burnout-Syndrom im Lehrberuf, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/160023

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