"Der Fall Michel" - Was beinhaltet eine gute Förderung für den Schüler Michel, bei dem LRS und ADS diagnostiziert wurde?


Seminararbeit, 2009
42 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Beschreibung der Institution

3. Die Klassensituation und unsere Tätigkeiten

4. Theorie
4.1. Methodik
4.2. LRS
4.3. AD(H)S

5. Falldarstellung
5.1. Jetzige Lebenssituation
5.2. Derzeitiger Entwicklungsstand

6. Praxis
6.1. Grundgedanke der Einzelförderung
6.2 Entwicklung und Erleben eines Förderansatzes

7. Reflexion und Ausblick

8. Literaturverzeichnis

9. Anhang

1. Einleitung

In unserer Fallstudie setzen wir uns mit der Frage auseinander, wie eine bestmögliche und individuelle Förderung für den Schüler Michel[1] aussieht, der im Grunde schon zu dem Zeitpunkt, als wir ihn kennen lernen, von zu viel Förderung und Fürsorge überfordert zu sein scheint. Unser Zugang zu dieser Thematik ist im Rahmen unserer Praxisphase erwachsen, welche wir in dem Zeitraum vom 22.09.2008-12.12.2008 absolvierten.

Die Problematik der Lese-Rechtschreib-Schwierigkeit und des Aufmerksamkeit- defizitsyndroms sind für Pädagogen ein allgegenwärtiges sowie jederzeit aktuelles und zugleich schwieriges Thema. Ebenso sind es zentrale Themen der Erziehungwissenschaften. Die Schwierigkeiten, die sich dadurch ergeben, sind nicht einfach so zu beheben. Vielmehr erfordern sie „[...] umfassende Fördermaßnahmen in dem Sinn, dass nicht nur die kognitiven, sondern auch die motivationalen und affektiven Fähigkeiten sowie das gesamte Lernumfeld und alle Beteiligten mit einbezogen werden müssen“ (Naegele M., LRS-Legasthenie in den Klassen 1-10, S.10). Denn aus einem Versagen im schulischen Bereich resultieren oftmals Misserfolgserlebnisse, die widerum zu Störungen im Bereich der Persönlichkeit und des Verhaltens wie bspw. zu einem negativen Selbstkonzept führen können (vgl. ebd., S.10). Da wir in unseren bisherigen Praxisphasen jedesmal wieder erneut auf diese Themen stießen, erwuchs in uns die Idee und vor allem der Anreiz, uns näher damit zu beschäftigen. Die Fallstudie erschien uns als gute Möglichkeit dafür. Während unserer Praxisphase standen uns genügend Raum und Zeit zur Verfügung, uns intensiv mit diesen Problematiken auseinanderzusetzen und mögliche Methoden zur Behandlung sowie Diagnosekriterien selbst zu entwickeln. Eine Frage, die uns in diesem Zusammenhang immer wieder beschäftigte, lautete folgendermaßen: „Was beinhaltet eine gute Förderung für ein Kind, bei dem LRS und ADS diagnostiziert wurde?“ Wir sind uns dessen bewusst, dass wir die Probleme und Lösungswege, die sich im Umgang mit diesem Thema ergeben, nicht vollständig bearbeiten können, denn das macht schon die begrenzte Zeit, die wir zur Verfügung hatten, unmöglich. Dennoch möchten wir in unserer Arbeit ein Beispiel für eine ganz individuelle Förderung, die den Fokus auf den Schüler Michel legt, vorstellen und mögliche Interventionsmöglichkeiten im weiteren Umgang mit ihm aufzeigen.

Unsere Themenstellung scheint zunächst sehr begrenzt zu sein, doch impliziert sie ein äußerst umfangreiches Forschungsfeld, welches die verschiedensten Fragestellungen aufwirft. Aufgrund des komplexen und spannungsgeladenen Gebiets stellt sich die Frage der Beschränkung und Vorgehensweise. Folgenden Aufbau haben wir für unsere Fallstudie gewählt:

Als Einstieg werden wir die Institution näher beschreiben, in der unser „Fall“ erwachsen ist. Danach schließt sich unser Aufgabengebiet, das wir innerhalb der Praxisphase wahrgenommen haben, an. Im Anschluß daran folgt der theoretische Teil. Hier werden wir zum einen die Forschungsmethode erläutern, die wir zur Datenerhebung während der Praxisphase verwendet haben. Zum anderen geben wir einige Informationen zu den Themen LRS und ADS und weisen auf typische Verhaltensmuster hin, die jedoch nicht alle auf unseren Fall zutreffen müssen. Diesem Theorieteil schließt sich die Falldarstellung an. Dieser Teil beleuchtet den derzeitigen, von uns beobachteten, Entwicklungsstand des Schülers. Das letzte Kapitel beinhaltet schließlich den Praxisteil, in dem wir unseren Grundgedanken der Einzelförderung und die Entwicklung eines Förderansatzes beschreiben. Diesem Teil schließen sich unsere Reflexion und Gedanken hinsichtlich der Frage, wie man die Entwicklung des Schülers durch weitere Maßnahmen positiv beeinflussen könnte, an.

2. Beschreibung der Institution

Die Josef-Wiedermann-Schule[2] ist eine Förderschule mit dem Förderschwerpunkt Lernen. Sie existiert bereits seit ca. 40 Jahren. Gegründet wurde sie im Jahre 1967 und seit dem 1/75 ist der Landkreis Lastrum Schulträger. Es ist die kleinste öffentliche Schule des Landkreises. Die Schule beschäftigt zehn Lehrerinnen und Lehrer, die ca. 70 Schülerinnen und Schüler aus derzeit sieben verschiedenen Nationen unterrichten (Albanien, Griechenland, Sri-Lanka, Polen, Russland, Serbien-Montenegro, Türkei einschl. der Kurden). Die Josef-Wiedermann-Schule umfasst die Klassen 1-9 und weist somit Gesamtschulcharakter auf.

Für die SuS besteht die Möglichkeit in Lastrum am „Förderzentrum Liebermannschule“ in den Vorlaufklassen 8V/9V und dem sich anschließendem Besuch eines 10. Schuljahres den Hauptschulabschluss zu erlangen.

Damit in dieser Schule ein angenehmes Arbeitsklima vorherrscht, wird auf eine enge Zusammenarbeit zwischen Lehrpersonen, Lernenden und Eltern besonders viel Wert gelegt.

Die Angebote der Schule sind sehr vielfältig. So gibt es z. B. eine Schülerfirma, einen Mofakurs, eine Bläserklasse, eine Schulband uvm. Des Weiteren findet eine Zusammenarbeit u.a. mit Berufsschulen, Arbeitsagentur, Jugendhilfeeinrichtung, Familienhilfe, Musikschule und dem Präventionsrat statt (vgl. www.josef-wiedermann-schule.de 16.12.2008).

Das Leitbild der Schule ist geprägt von Achtung und Toleranz. Die SuS sollen Lernfreude vermittelt bekommen und auf ein respektvolles, soziales Miteinander achten. Sie werden zu gelebter Akzeptanz und gegenseitigem Respekt erzogen. Zudem lernen die SuS, zur Stärkung ihrer Persönlichkeit, ihre eigenen Fähigkeiten und Fertigkeiten in Theorie und Praxis zu erkennen und zu nutzen. Ebenso werden sie auf das alltägliche und berufliche Leben vorbereitet und erlernen einen bewussten Umgang mit der Umwelt[3]. Aus diesem Grund versteht sich die Josef-Wiedermann-Schule als „Förderzentrum, aber auch [als] Schule.“ (Förderschule/ Josef-Wiedermann-Schule heute, siehe Anhang).

3. Die Klassensituation und unsere Tätigkeiten

Im Rahmen unseres dreimonatigen Praktikums an der Schule hospitierten wir zunächst in zwei unterschiedlichen Klassen. Zum einen in einer ersten Klasse und zum anderen in einer fünften Klasse. In beiden Schulklassen orientierten wir uns zunächst und befanden dann nach einer Woche die fünfte Klasse für unsere Zwecke interessanter.

Bei der fünften Klasse handelt es sich um sieben SuS (zwei Mädchen, fünf Jungen, davon haben sechs Schüler einen Migrationshintergrund).

In der Klasse herrscht ein freundliches Klima. Es gibt keine Streitigkeiten unter den SuS. Niemand innerhalb des Gefüges wäre als Außenseiter zu bezeichnen, obwohl man auch nicht sagen kann, dass tiefe Freundschaften zwischen den einzelnen SuS bestünden. Sie haben im Rahmen des Unterrichts und der Pausen miteinander zu tun, jedoch nach eigenen Aussagen nichts oder nur wenig außerhalb der Schule. Dennoch ist der Zusammenhalt untereinander, was die schulischen Situationen betrifft, stark. Für den Fall, dass ein/e Schüler/in Hilfe benötigt, ist stets ein anderer zur Stelle, um gern behilflich zu sein. Überhaupt sind die Schüler/innen sehr sozial eingestellt.

Im Laufe der ersten drei Wochen unseres Praktikums sind wir jeden Tag während des kompletten Schultages in allen Unterrichtsstunden (Mathe, Deutsch, Geschichte, Sport, Schwimmen, Werken und Textil, Englisch, Förderunterricht Deutsch sowie Kunst) anwesend und beobachten vornehmlich das Geschehen im Unterricht sowie das Lernverhalten der SuS, insbesondere bei dem Schüler Michel, dessen Lernen, Entwicklung und Verhalten wir in der Fallstudie dokumentieren möchten. Wir bekommen so einen guten Gesamtüberblick über alle Aktivitäten des Schülers in seinem Schulalltag und auch in Bezug auf verschiedene Verhaltensweisen sowie dessen sozialen Kontakte.

Im Anschluss an unsere dreiwöchige Orientierungs –und Überblicksphase bekommen wir von der Schule die Möglichkeit, jeden Freitag mit Michel und zwei anderen Schülern einen eigens entwickelten Förderunterricht durchzuführen. Bei diesem Unterricht soll im Vordergrund stehen, dass das Lernen Spaß macht und sich das Selbstbild über die eigenen Fähigkeiten und Begabungen zum Positiveren wendet. Unsere Ideen und Gedanken zu diesem Konzept werden wir in Kapitel 6.1. näher beleuchten.

4. Theorie

4.1. Methodik

Um den Fall ganzheitlich betrachten zu können, haben wir uns in unserer Fallstudie auf die qualitativen Methoden gestützt. Wir betrachteten hierbei den Schüler Michel und dessen Lebenszusammenhang. Einerseits wurden wir von seiner Klassenlehrerin Frau F. auf ihn aufmerksam gemacht[4], da er eine sehr interessante und bewegte Schullaufbahn aufweist. Zudem wurden bei ihm verschiedene Lernschwierigkeiten festgestellt. In Bezug auf diese gilt es noch herauszufinden, was für Michel überhaupt zutreffend ist oder inwieweit er und auch sein Lernen, die damit verbundenen Schwierigkeiten, durch seine bisherige Geschichte und sein Umfeld beeinflusst werden. Ein weiterer ausschlaggebender Grund uns für den Schüler Michel zu entscheiden war, dass er uns durch seine offene und zugleich forsche Art aufgefallen war.

Ein Ziel unseres Unterrichtspraktikums in der ersten Hälfte bestand zunächst darin „[...] Unterrichtsprozesse sowie Kommunikation und Interaktion der am Unterricht beteiligten Personen wahrzunehmen und daraus Handlungskonsequenzen [...]“ (Langer, Lehrer beobachten und beurteilen Schüler, S.23) für unsere zweite Hälfte des Unterrichtspraktikums, in der wir eigenverantwortlich mit drei Kindern „Förderunterricht“ gestalteten, abzuleiten.

Um Michels Verhalten nun angemessen beobachten und analysieren zu können, entschieden wir uns für die begutachtende Beobachtung. Diese Form der Beobachtung ist [...] zielbestimmt ausschnitthaft [und] auf den Vergleich mit der norm- bzw. funktionsgerechten Erscheinung eines Gegenstandes oder Ausführung eines Verhaltens gerichtet“ (ebd., S.35). Die Beobachtung wurde von uns weitgehend verdeckt durchgeführt. Uns erschien es wichtig, dass Michel nichts von unserer Absicht und Funktion unseres Beobachtens erfährt. Besonderes Interesse legten wir deshalb darauf, dass Michel sich unbeobachtet glaubt und so sein „natürliches“ Verhalten zeigt (vgl. ebd., S.36). Ebenso haben wir vor unseren Beobachtungen bewusst keine Einsicht in Michels Akte genommen, da hierdurch unsere Sicht auf ihn hätte beeinflusst werden können. In den einzelnen Hospitationsphasen konnten wir so sein Verhalten gut und vor allem unvoreingenommen begutachten. Gezielte Beobachtungen waren beispielsweise, wie er bestimmte Anweisungen ausführt. Wieviel Zeit benötigt er hierfür? Was bereitet ihm Schwierigkeiten? Ist ein bestimmtes Schülerverhalten erkennbar, dass auf Wahrnehmungssschwierigkeiten, Seh-, und Hörstörungen schließen lässt? uvm. (vgl. ebd. S.36).

Damit wir dem Problem der selektiven Wahrnehmung entgegen wirken konnten, besprachen und verglichen wir unsere Beobachtungen gemeinsam nach dem gerade durchgeführten Unterricht. Ebenfalls teilten wir diese der Klassenlehrerin mit, um zu prüfen, ob sie Michels Verhalten genauso empfunden oder noch etwas hinzuzufügen hatte. Dadurch war es uns möglich sein Verhalten gut reflektieren und analysieren zu können.

4.2. LRS

Um Michels Schwierigkeiten in der Schule greifbar und nachvollziehbar zu machen, ist es besonders wichtig, Hintergrundwissen über seine Lese-Rechtschreib-Schwäche und des Aufmerksamkeitdefizitsyndroms zu haben. Aus diesem Grund werden wir uns in den nächsten zwei Unterpunkten mit dieser Thematik näher auseinandersetzen, auf Informationen hierzu, Diagnosekriterien und auf typische Verhaltensmuster hinweisen.

Unter dem Begriff Lese-Rechtschreib-Schwierigkeit (LRS) oder Legasthenie wird eine Störung verstanden, „die durch ausgeprägte Schwierigkeiten beim Erlernen des Lesens und/ oder des Rechtschreibens gekennzeichnet ist“ (Schulte-Körne, Lese-Rechtschreib-Störung, in: Thomé, G. (Hrsg.), Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten und Legasthenie, Weinheim und Basel 2004, S.64). Somit erlernt ein Kind das Lesen oder das Schreiben oftmals nicht oder nur sehr unzureichend in der dafür vorgesehenen Zeit.

Hinsichtlich der Verwendung von Begriffen und Definitionen für Schwierigkeiten beim Erwerb von Lese- und Rechtschreibfähigkeiten besteht zurzeit keine Einheitlichkeit. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts haben sich in den verschiedenen Fachdisziplinen unterschiedliche Begriffe etabliert. Der ungarisch-österreichische Neurologe Ranschburg prägte zu Beginn des 20. Jh. den Begriff der Legasthenie. Dieser Begriff umfasst „Schüler und Schülerinnen mit besonderen Schwierigkeiten beim Lesen, Schreiben und Rechtschreiben [...], die trotz intensiver allgemeiner Förderung [...] andauernde Schwierigkeiten beim Erlernen und beim Gebrauch der Schriftsprachekhaben“(www.schulserverhessen.de/kronberg/altkoenig/coremedia/5_eltern/4_lrs_legasthenie/lrs_flyer.pdf, 16.12.2008). Die Bezeichnung Dyslexie setzte sich etwa zeitgleich international zur Kennzeichnung dieser Schwierigkeiten durch. Hingegen etablierte sich daneben der Begriff der Lese-Rechtschreib-Schwäche bzw. Schwierigkeit im deutschsprachigen Raum. Hierunter werden erhebliche und lang andauernde Auffälligkeiten beim Erlernen der Schriftsprache zusammengefasst (vgl. www.lrs-online.de/downloads/infoueberLRS.pdf, 16.12.2008).

In unseren Ausführungen werden wir die Begriffe LRS und Legasthenie synonym verwenden, ohne damit Unterschiede in den jeweiligen Störungsbildern andeuten zu wollen.

Unter LRS wird eine Teilleistungsstörung verstanden, die sich auf den Erwerb der Lese- und Rechtschreibfertigkeiten und nicht auf die allgemeine Leistungsfähigkeit auswirkt. Die betroffenen Kinder sind in der Regel normal bis überdurchschnittlich begabt bzw. intelligent. Im Gegensatz dazu liegt die Leistung in der Lese- Rechtschreibfertigkeit weit unter dem Durchschnitt.

Zur Entstehung einer Legasthenie werden unterschiedliche Ursachen herangezogen. Ursachen können beispielsweise eine genetische Disposition, Probleme bei der auditiven und visuellen Wahrnehmungsverarbeitung und Probleme bei der Verarbeitung der Sprache und der Phonologie sein. Insgesamt wird davon ausgegangen, dass ca. 4% der Schüler in Deutschland von einer Legasthenie betroffen sind. Jungen sind hier tendenziell häufiger betroffen als Mädchen.

Werden die Probleme frühzeitig erkannt, besteht die Möglichkeit einer Kompensation. Setzt eine Therapie jedoch später ein, so sind die positiven Effekte in der Regel geringer (vgl. Sommer-Stumpenhorst, Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten: vorbeugen und überwinden, S.48).

Genauso vielfältig wie der Begriff LRS ist, so vielfältig ist auch dessen Symptomatik. Hinweise auf ein Vorliegen einer LRS können z. B. Probleme beim Verschriftlichen von Wörtern und Erlesen von einzelnen Buchstaben und Wörtern liefern. Schwierigkeiten beim Rechnen können aber auch ein Anzeichen für eine LRS sein, denn mit einer LRS geht häufig auch eine Rechenschwäche (Dyskalkulie) einher. In den ersten drei Schuljahren haben die Kinder oftmals beim Rechtschreiben erhebliche Schwierigkeiten, einzelne Buchstaben zu unterscheiden und zu verschriftlichen. Buchstaben werden weggelassen oder zusätzlich hinzugefügt oder aber es werden nur Wortruinen geschrieben. Ebenso ist das Abschreiben von der Tafel oder aus einem Buch von Fehlern durchsetzt. Ihre Handschrift ist zumeist sehr unleserlich. Nicht selten werden auch motorische Störungen festgestellt (vgl. Schulte-Körne, Lese-Rechtschreib-Störung, in Günther Thomé, S.65f.).

Beim Lesen bereitet es den Kindern Schwierigkeiten, die einzelnen Laute zu verbinden. Die Lesegeschwindigkeit ist zudem deutlich herabgesetzt und Wörter werden im Satz oder Buchstaben in den Wörtern vertauscht. Außerdem wird häufig der Sinn des Satzes nicht nachvollzogen bzw. nicht verstanden. Sie können das Gelesene nicht wiedergeben oder auch keine Zusammenhänge sehen. Des Weiteren können sie Buchstaben nicht korrekt benennen oder das Alphabet nicht aufsagen. Solche Probleme tauchen auch bei den Hausaufgaben auf. Aus diesem Grund wird häufig verstärkt geübt und obwohl viel Zeit für das Üben investiert wird, werden nur geringe oder teilweise gar keine Fortschritte beim Kind verzeichnet. Folglich kommt es zu Spannungen zwischen Eltern und dem Kind. Hieraus können widerum psychische Probleme beim Kind in Form von Ängsten, Traurigkeit, Herumkaspern und Agressivität resultieren. Bei diesen Kindern wird meistens ein niedriges Selbstwertgefühl und ein geringes Selbstwirksamkeitskonzept beobachet. Diese Probleme und Erscheinungen sind häufig Auslöser für eine eingehende Untersuchung (vgl. ebd.).

Besteht ein Verdacht auf Legasthenie, ist zunächst eine qualifizierte und gründliche Diagnostik notwendig. Ausgeschlossen werden sollte das Vorliegen einer Schwerhörigkeit oder Fehlsichtigkeit. In diesem Fall sollte ein Facharzt aufgesucht werden. Ebenfalls sollten ungünstige Rahmenbedingungen abgeklärt werden, wie bspw. das Vorliegen seelischer und psychischer Belastungen. Danach sollte der Entwicklungsstand der Lese-Rechtschreibkompetenz und die kognitive Leistungsfähigkeit untersucht werden. Die Befugnis dieses durchzuführen und zu diagnostizieren haben nur qualifizierte Kräfte, wie z. B. Fachärzte für Kinder und Jugendpsychatrie, Dipl.-Pädagogen und Sonderpädagogen o.ä (vgl. Keller, Hilfe bei AD(H)S, S.44f.).

Abschließend sei noch erwähnt, dass LRS bei AD(H)S bis zu 50% als weiterer Symptomkomplex auftritt. Dieses Phänomen des Aufmerksamkeitsdefizitsyndroms wird im Folgenden näher erläutert.

[...]


[1] Namen wurden aus Datenschutzgründen anonymisiert

[2] Schulname sowie Orte wurden aus Datenschutzgründen anonymisiert

[3] aus einem Informationsschreiben über das Leitbild der Schule an die Eltern, siehe Anhang

[4] Hier sei noch darauf hingewiesen, dass wir der Lehrerin vorher mitteilten, dass uns insbesondere die Themen LRS und ADS interessieren und wir uns aus diesem Grund in unserer Fallstudie gerne damit auseinandersetzen würden

Ende der Leseprobe aus 42 Seiten

Details

Titel
"Der Fall Michel" - Was beinhaltet eine gute Förderung für den Schüler Michel, bei dem LRS und ADS diagnostiziert wurde?
Hochschule
Universität Bielefeld
Note
1,7
Autor
Jahr
2009
Seiten
42
Katalognummer
V160148
ISBN (eBook)
9783640732623
ISBN (Buch)
9783640732821
Dateigröße
598 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Fall, Michel, Förderung, Schüler
Arbeit zitieren
Anne Sandermann (Autor), 2009, "Der Fall Michel" - Was beinhaltet eine gute Förderung für den Schüler Michel, bei dem LRS und ADS diagnostiziert wurde?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/160148

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