Soziale Beziehungen und Kommunikation im Internet

Eine empirische qualitative Studie


Hausarbeit, 2003
47 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

GLIEDERUNG

1. Einleitung: Vorstellung des Thema

2. Zur Entwicklungsgeschichte des Internet

3. Methodenwahl

4. Theoretische Vorüberlegungen
4.1 Kommunikationsformen im Internet
4.1.1 Email-Kommunikation
4.1.2 Kommunikation in Mailinglisten
4.1.3 Newsgroups
4.1.4 Chat-Kommunikation
4.1.5 Multi User Dungeons (MUDs)
4.2 Ein Vergleich: Computervermittelte und Face-to-Face-Kommunikation
4.3 Besonderheiten der computervermittelten Kommunikation

5. Beschreibungen und Durchführung der Interviews
5.1 Eine kurze Erläuterung zur verwendeten Methodik
5.2 Tim S. (33), Kaufmann
5.3 Evi P. (27), Studentin
5.4 Colette S. (29), arbeitslos
5.5 Christian M.(18), Schüler

6. Auswertung der Interviews
6.1 Eine kurze Erläuterung zur verwendeten Methodik
6.2 Kategorienbildung nach Art der Nutzung des Internet
6.2.1 Online-Kommunikation im Vergleich
6.2.2 Kategorie: Vertrautheit, Zeitintensität, Beteiligungsintensität
6.3 Ein Modell computervermittelter Kommunikation
6.4 Soziale Beziehungen im Internet
6.4.1 Formen sozialer Beziehung
6.4.2 Veränderungen bestehender sozialer Beziehungen
6.4.3 Entwicklung neuer sozialer Beziehungen
6.4.4 Verlust von sozialen Beziehungen

7. Schlussbemerkung

1. Einleitung: Vorstellung des Themas

Das Thema dieser empirischen qualitativen Studie lautet: „Soziale Beziehungen im Internet – Wie verlaufen Kommunikationsprozesse im Internet und welche neuen sozialen Beziehungen bilden sich aus?“ Es wurden vier Personen dazu problemzentriert interviewt. Die Arbeit umschließt drei große Blöcke. Nach einer kurzen Einführung zur Entwicklungsgeschichte des Internet, werden theoretische Vorüberlegungen angestellt, die die unterschiedlichen Kommunikationsformen näher beschreiben sollen. Dieser theoretische Block schließt mit einem Vergleich der computervermittelten Kommunikation mit der traditionellen Face-to-Face-Kommunikation, sowie eine kurzen Schilderung der Besonderheiten dieser Kommunikationsform. Den Mittelteil der Arbeit bilden die Beschreibungen der Interviews. Der Hauptteil beschäftigt sich mit der Auswertung der Interviews, wobei theoretische Erkenntnisse mit einflossen. Es wurden individuelle Kategorien gebildet, Kommunikationsprozesse untersucht und soziale Beziehungen analysiert. Der Schluss endet mit einem Fazit.

2. Zur Entwicklungsgeschichte des Internet

Die Geschichte des Internet[1][2] beginnt Ende der 60er Jahre mit der Forschungs- und Entwicklungsarbeit der Advanced Research Projects Agency (ARPA). Diese Forschungseinrichtung des amerikanischen Verteidigungsministeriums erfand das weltweit erste Computernetzwerk der Welt: das ARPANET. Dieses Netz sollte nach dem „Sputnik-Schock“ von 1957 im Verlauf des Wettrüstens mit der Sowjetunion, die technologische Vormachtstellung der USA wieder herstellen, eine gemeinsame Verwertung von Computerdaten aus Wissenschaft, Militär und Technik ermöglichen und besonders widerstandfähig im möglichen atomaren Kriegsfall oder gegen sonstige Sabotage sein. Den reibungslosen und sicheren Datentransfer zwischen zwei unterschiedlichen Rechnereinheiten herzustellen, war daher eine der Aufgaben der ARPA. Zudem bestand eine weitere fiktive und illusorische Vorstellung: „Der Computer sollte mit Informationen verschiedener Geheimdienstinformanten gefüttert werden... Daraus sollte er so gut wie möglich berechnen, was die Sowjets im Schilde führten. (...)“[3] Es bestand jedoch ein Problem, die diversen Betriebssysteme, Programmiersprachen, Protokolle der einzelnen Computer usf. miteinander kommunizieren zu lassen. Daher entwickelte Paul Baran aus den bisher bekannten zentralen bzw. dezentralen Netzen, die Idee eines verteilten Netzes, welches Daten nicht mehr in kontinuierlichen Signalströmen verschickte, sondern die Nachrichten in Blöcke aufgeteilt versenden konnte. Die zentralen und dezentralen Netze hatten den Makel, immer auf einen oder mehrere Hauptknotenpunkte – meistens Großrechner – angewiesen zu sein, um zu funktionieren, was sie beim Ausfall eines oder mehrerer Knoten in sich zusammenfallen ließ und damit unsicher und unzuverlässig machte. Das verteilte Netz behob dieses Problem, indem es sicherstellte, dass beim Zusammenbrechen eines Knotens, ein anderer Datenweg gesucht werden konnte. Dieses Netz konnte daher immer noch funktionieren, wenn ganze Teile zerstört waren.[4]

Die spätere Entwicklung des Telnet -Protokolls (Telecommunication Network) ermöglichte einen Fernzugriff auf andere Computer, wohingegen das FTP (File-Transfer-Protocoll) einen Datentransfer erlaubte. Doch nicht diese Anwendungen wurden hauptsächlich benutzt, sondern Email-Dienste (Electronic Mail) fanden erstaunlich positiven Anklang bei den Usern. Neben der privaten Kommunikation entstanden auch Diskussionsgruppen in Form von Mailinglisten.[5] Hier „...zeigt sich, dass ein Computernetz keine technische Struktur ist, die sich dem sozialen Leben einfach überstülpt..., sondern dass die Entwicklung der Technik mit sozialen Aneignungsprozessen Hand in Hand geht...“[6]

Das ARPANET als eigenes Netzwerk konnte mittlerweile mit anderen autonomen Netzen auf nationaler Ebene über sog. vermittelnde Stellen, die Gateways, kommunizieren. Diese konnten die unterschiedlichen technischen Voraussetzungen der einzelnen Netze überbrücken und sie so kompatibel machen. Die Gesamtheit bildete das „Concatenated Network“, das Verbundnetzwerk, welches kurz CATENET genannt wurde.[7] Vint Cerf, der als „Father of the Internet“[8] gilt, entwickelte 1974 zusammen mit Robert Kahn die dafür notwendigen Protokolle, die einen paketvermittelnden Datentransfer ermöglichten. Dieses revolutionäre Protokoll war und ist das heute bekannte TCP/IP (Transmission Control Protocol/Internet Protocol). Diese Art der gespaltene Datenübertragung am Startcomputer, ermöglichte den kompletten Datentransfer aller einzelnen Pakete, so dass diese am Zielort wieder in der richtigen Weise zusammengesetzt werden konnten. Zudem ist die „(p)aketvermittelte Übertragung... nicht nur weniger störanfällig, sondern auch ökonomischer, weil die vorhandenen Übertragungskapazitäten (Bandbreiten) besser ausgenutzt werden...“[9] Das TCP/IP ersetzte bald herkömmliche ARPANET-Protokolle und immer mehr Netzteilnehmer schlossen sich dieser Gemeinschaft an, bis Mitte der 80er Jahre das „Internet“ seinen Namen erhielt. Dieses „Netz der Netze“ verband nicht mehr einzelne Computer zu einem Intra net, sondern mehrere Netzwerke weltweit zu einem Inter net.[10] Die Erarbeitung des Worl-Wide-Web (WWW) gilt hierbei wohl als eine der bedeutenden Fortschritte in der Internetentwicklung. Nachdem Marc Andreessen den Mosaic Browser (später Netscape) entworfen hatte, und die Navigation sowie Steuerung durch das WWW übersichtlicher und einfacher wurde, stieg die Zahl der Internetmitglieder explosiv an.[11] Nach einer von FOCUS durchgeführten Studie waren im Jahr 2001 in Deutschland ca. 24,63 Mio. Menschen online und verbrachten im Schnitt jeweils 8 Stunden pro Monat im Internet (vgl. Tabelle 1). Der Zugang zum Internet erfolgt über ein mit dem Internet verbundenes Intranet, über das Telefonnetz, über ISDN (Integrated Services Digital Network), über DSL (Digital Subscriber Line) und mittlerweile sogar über das Stromnetz. Man benötigt einen Computer, ein Modem oder eine Netzwerkkarte, einen Telefonanschluß und ein Stromanschluss. Zusätzlich benötigt man einen Internet-Service-Provider über den man sich in das Internet einwählen kann.[12]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Stand: Mai 2001, Tabelle 1[13]
Quelle: Nielsen/NetRatings (http://www.acnielsen.com/)

3. Methodologie

Die Studie ist als Einzelfallanalyse zu verstehen. Der Mensch stand im Blickpunkt der Betrachtung und sollte zu seinen Erlebnissen und in der „Internetwelt“, wie zu seinen jeweils spezifischen Verhaltens-, Einstellungs- und Kommunikationsmustern befragt werden. Dabei ging es mir auch um die Entdeckung der individuellen sozialen Beziehungen, die sich im Zuge der Internetnutzung verändert, entwickelt und neu konstruiert haben. Ich ließ die Personen jeweils frei zu Wort kommen und habe versuch sie so weit es möglich war vollständig zu erfassen und zu interpretieren. Wichtig war problemzentriert das Interview zu führen, ohne den Befragten bewusst wie unbewusst zu einer Antwort zu drängen. Bevor die Auswertung dieser Studie erfolgt, werden die Interviewten sowie der wesentliche Inhalt der Befragung ausführlich dargestellt und beschrieben. Ich wollte den Menschen zudem möglichst vorurteilsfrei begegnen und habe daher meine Vorverständnisse, die ich von den Interviewten hatte, offengelegt. Die subjektive Meinung war mir bei der Befragung besonders wichtig. Daher habe ich versucht, die Antworten nicht zu werten und möglichst objektiv und distanziert zu bleiben, ohne jedoch die Nähe einer vertrauten und verständnisvollen Befragungsatmosphäre zu vernachlässigen. An einigen Stellen habe ich generalisiert, aber prinzipiell ging es mir um den individuellen Einzelfall. Die qualitative Studie wurde durch quantitative Elemente unterstützt. Ich habe versucht, statistische Erkenntnisse in die Arbeit zu integrieren.[14]

4. Theoretische Vorüberlegungen

Der Begriff des „Internet“ ist durch eine Vielzahl an Bezeichnungen des alltäglichen Sprachgebrauchs gekennzeichnet. So spricht man z.B. vom „surfen“ auf dem „Datenmeer“, vom „Informationshighway“ und der „Datenautobahn“ aber auch vom „Cyberspace“ und der „virtuellen Realität“ (VR). Der Gegenstand Computer kann dabei als Maschine wie als Medium begriffen werden. Diese Unterscheidung basiert auf der Bedeutung, die der Benutzer dem Computer verleiht und dem Zweck, den der Rechner erfüllen soll. Er ist dann als Maschine zu verstehen, wenn er wie ein Werkzeug eingesetzt wird, um Dinge, in diesem Fall Daten, zu erstellen, zu bearbeiten und zu verändern. Ist der Computer vernetzt, d.h. steht der Computer mit anderen Computern bzw. mit dem Internet, in Verbindung, und wird auf dem Rechner hauptsächlich kommuniziert sowie Informationen beschafft, spricht man vom Computer als Medium. Die Grenzen sind allerdings fließend, denn der Computer wird sowohl als Werkzeug, als auch als Kommunikationsmittel benutzt. Dennoch verbindet der Computer, als ein von Menschen geschaffenes Produkt und als Sinnbild der materiellen Kultur, Personen auf der ganzen Welt miteinander und ist so in der Lage soziale, kulturelle und virtuelle Räume zu schaffen, in denen Menschen kommunizieren und interagieren können. Die Bedeutung des Computers als Maschine verliert daher in zunehmenden Grad mit dem explosiven Wachstum des Internet an Bedeutung.[15]

Eine weitere Frage, die man stellen kann, bezieht sich darauf, was alles dem Internet zugerechnet werden kann. Ist ein Rechner oder eine Person Bestandteil des Internet, wenn er oder sie einen Zugang zum Internet hat? Ich möchte mich der von Quaterman (1994) geschilderten Definition anschließen, der das Internet in „Kern-Internet“, „Konsumenten-Internet“ und „Matrix“[16] einteilt. Demzufolge sind alle von mir interviewten Personen, samt ihrer Rechner Teil der globalen Netzwerkeinrichtung des Internet. Das Internet ist zudem in der Lage das Individuum jeweils durch psychologische, soziale, kulturelle, kommunikative und kommerzielle Elemente zu beeinflussen und schafft es zudem, Kommunikationsmuster und soziale Beziehungen umzugestalten, sowie neue Formen auszubilden. Auf Kommunikationsprozesse, sowie auf soziale Beziehungen soll nun näher eingegangen werden.

4.1 Kommunikationsformen im Internet

Bevor ich mich der Beschreibung und Durchführung der Interviews zuwende, möchte ich zunächst kurz die möglichen Kommunikationsformen im Internet schildern, auf die ich mich im Auswertungsteil dieser Arbeit beziehen werde. Ich werde mich hierbei auf Email-Kommunikation, Newsgroups, Chat-Kommunikation und Multi User Dungeons (MUDs) konzentrieren.

4.1.1 Email-Kommunikation

Die elektronische Mail oder Email ist die schnelle und digitale Variante zur herkömmlichen, langsam übermittelten, auf Paper verfassten Briefalternative, die auch als „Schneckenpost“ bezeichnet wird. Die Email ist der beliebteste kommunikative Internet-Dienst, der zeitversetzt und somit asynchron zwischen zwei Personen verläuft.[17][18] Die Email beinhaltet zudem einige Vorteile gegenüber der altbekannten Briefpost. Sie ist einfach zu handhaben, kostengünstiger und kann binnen wenigen Minuten an eine (oder mehrere) Person(en) versandt werden, die man zu erreichen wünscht. Die empfangenen Informationen liegen in digitaler Form vor und sind somit einfach, schnell sowie platzsparend zu bearbeiten, weiterzuleiten oder zu archivieren. Die verschickten Informationen müssen zudem nicht ausschließlich in Textform vorliegen, sondern audio-visuelle Informationen in Form von Bildern, Videosequenzen und/oder Musik können als sog. „Attachement“ (Anhang) der Botschaft beigefügt werden. Der Inhalt der Nachricht kann außerdem Verweise („Links“) auf andere Internetseiten des World-Wide-Web beinhalten, so dass die Email im Vergleich zur herkömmlichen Briefform den Vorteil eines digitalen und multimedialen Charakters annehmen kann. Der Empfänger einer Nachricht kann sich ein Konto („Account“) einrichten, so dass er in der Lage ist, die Botschaft weltweit über einen Computerterminal mit Zugang zum Internet abrufen zu können. Mittlerweile genügen auch Handys, um Email Nachrichten empfangen zu können. Nachteile sind z.B., dass keine Gegenstände beigefügt werden können und ein einfaches Vertippen der zu erreichenden Email-Adresse ausreicht, um die Nachricht nicht ankommen zu lassen. Zudem ist es schwer unbekannte Email-Adressen ausfindig zu machen, da es kein Email-Verzeichnis, also kein Äquivalent zum Telefonbuch gibt, da Emails nicht registriert werden müssen.[19] Um Emails empfangen oder verschicken zu können, benötigt man eine gültige Email-Adresse, die man vom „Provider“ (Anbieter; vgl. Tabelle2) gestellt bekommt und deren Name frei wählbar ist. Sie hat die Form „USER@HOST.Top-Level-Domain“, wobei „Host“ meistens den Namen des „Providers“, z.B. „Freenet“, trägt. Die „Top-Level-Domains“ sind z.B.: „.de” für Deutschland, „.com“ für kommerzielle Firmen, „.it“ für Italien usw. Dementsprechend gibt es noch eine Reihe an untergeordneten Kategorien, die der „Top-Level-Domain“ jeweils durch einen Punkt getrennt vorne anstehen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Zum lesen, bearbeiten, weiterleiten, antworten, archivieren oder schreiben von Emails benötigt man eine Anwendungssoftware, die „gleichzeitig ein Schreibgerät, ein Korrespondenzarchiv, einen Briefkasten und ein Postamt“[21] zur Verfügung stellt. Der Aufbau der Email ist generell durch einen „Header“ (Briefkopf), einem „Body“ (Textkörper) und einer „Signature“ (Nachspann) gekennzeichnet. Im „Header“ steht der Absender, der Empfänger, das Datum, der Betreff und die Registrierungsnummer. Der Inhalt der Email kann formellen oder informellen Charakter haben. Dies variiert sehr stark und wird daher im letzten Punkt des theoretischen Blocks gesondert angesprochen. Die „Signature“ wird zumeist individuell gestaltet und kann als Visitenkarte gesehen werden. Zudem wird sie oft mit Logos, Grafiken oder ASCII-Kunst verziert und geschmückt.

4.1.2 Kommunikation in Mailinglisten

Email-Kommunikation auf einer anderer Ebene kann auch in „Mailinglisten“ zum Einsatz kommen. Hierbei handelt es sich um ein Programme im Sinne eines elektronischen Postverteilers, welches allen Mitgliedern der Mailingliste, Nachrichten („Postings“) zu einem bestimmten Thema an deren Email-Adresse zuschickt. Die einzelnen Beiträge im „Forum“ setzen sich aus den einzelnen Emails der Mitglieder zusammen, die Nachrichten empfangen, und an alle bzw. an einzelne versenden können. Man kann also Botschaften an alle Mitglieder der Mailingliste („polydirektionale listenöffentliche Kommunikation“[22][23] ), wie auch an einzelne („bidirektionaler Austausch“[24] ) verschicken. Oft kommt es hier zu Missverständnissen in der Anwendung der Mailingliste, da eine Nachricht, die einen einzelnen der Liste erreichen sollte, „aus Versehen“ an alle geschickt wurde. Ärger und verbale Kraftausdrücke („Flames“) können die Folge sein, indem das Mitglied gerügt und sanktioniert wird. Die Kommunikation in Mailinglisten ist demzufolge asynchron, also zeitversetzt zu verstehen. Um Mitglied einer Mailingliste, wie z.B. der Universität Augsburg (wiwi-oekonopsy@listserv.uni-augsburg.de), zu werden, muss man sich anmelden, indem man sich durch abschicken einer Email, einschreibt. Danach erhält man eine Begrüßungsmail und kann sich an den aktuellen Diskussionen aktiv beteiligen oder sie einfach passiv beobachten. Man unterschiedet zwischen kleinen („Kleingruppen-Struktur“[25], ab 10 Personen) und größeren Mailinglisten („Netzwerkstruktur“[26], ab 100 Personen). Man benötigt wiederum eine gültige Emailadresse und ein Anwendungsprogramm, um mit Mailinglisten zu arbeiten. Die Bearbeitung und Archivierung der einzelnen Mails, kann sich als problematisch erweisen, je nachdem wie viele dieser Nachrichten den einzelnen Empfänger erreichen. Man ist gezwungen sich ein System zu überlegen, indem man einzelne „Postings“ explizit kennzeichnet, bearbeitet und archiviert, um Verwechslungen, Irritationen und Überlastungen zu vermeiden. Es existieren eine Vielzahl von Themen in den unterschiedlichsten „Foren“.[27] Des weiteren unterscheidet man moderierte von ummoderierten und offene von geschlossenen Mailinglisten. Die Moderation bezieht sich auf die Bearbeitung bzw. Prüfung, oft genug auch Zensur, der einzelnen Beiträge durch einen Administrator der Mailingliste. Die Offenheit bzw. Geschlossenheit eines Forum, beschreibt Zugangsvoraussetzungen, die erfüllt sein müssen, um an der Mailingliste zu partizipieren. Die Mailinglisten unterliegen außerdem gewissen sozialen Spielregeln, die oft in Form einer „Netiqutte“(Netz-Etikette) festgehalten sind, deren Nichteinhaltung sanktioniert wird und den Ausschluss aus dem Forum bewirken kann. Oft beantworten auch sog. „FAQs“ („Frequently Asked Questions“), die in einer Liste Fragen und Antworten aufführen, Unsicherheiten zu Verhaltensrichtlinien in der Mailingliste. Weitere Auffälligkeiten in diesem Bereich werden in Punkt 4.3 behandelt.

4.1.3 Newsgroups

Newsgroups sind schriftliche, textbasierte Foren zu speziellen Themenbereichen und daher mit den Mailinglisten in gewisser Weise vergleichbar. In Newsgroups ist es möglich, Nachrichten zu empfangen und zu versenden. Allerdings verfährt man hier nicht wie in Mailinglisten nach dem passiven „Push-Prinzip“[28][29], d.h. Nachrichten erreichen nicht automatisch als Email den virtuellen Briefkasten des Mitglieds einer Mailingliste, sondern müssen aktiv vom Interessenten selbst vom Newsserver, der alle Nachrichten speichert, abgerufen werden („Pull-Prinzip“)[30]. Newsgroups können als elektronische Zeitschrift oder auch als „Schwarzes Brett“ betrachtet werden, deren Inhalt sich aus den Beiträgen („Postings“) der Mitglieder zusammensetzt. Jeder kann in den sehr öffentlichen Newsgroups Beiträge lesen und selbst „Postings“ abgeben. Wird ausschließlich passiv gelesen und nicht „gepostet“ werden die Personen als „Lurker“[31] (engl. to lurk: lauern, verborgen liegen) bezeichnet. Allerdings dienen Newsgroups nicht ausschließlich dem Informationsaustausch. Viele personale soziale Kontakte werden hier geknüpft, die sich zu Freundschaften, Liebesbeziehungen oder sonstigen sozialen Beziehungen weiterentwickeln können. Newsgroups sind daher als „virtuelle Gemeinschaften“[32] zu betrachten, die durch Kommunikation und soziale Beziehungen zustande kommen, denn „(i)m Usenet, (wie Newsgroups auch genannt werden,) fließt das Herzblut des Cyberspace: Kommunikation.“[33] Newsgroups sind für die Öffentlichkeit zumeist ohne weiteres zugänglich und können moderiert oder unmoderiert strukturiert sein. Zum Arbeiten mit Newsgroups benötigt man eine spezielle Software, einen sog. „Newsreader“, der entweder im Email-Programm integriert ist oder separat funktioniert, wie z.B. „Free Agent“. Hat man die Anwendungssoftware auf seinem Computer installiert, steht man vor dem Problem, welche Newsgroup „abonniert“ werden soll. Die diversen Server bieten etliche Newsgroups zu den unterschiedlichsten Themenbereichen an, so dass eine Auswahl oft schwer fällt.[34] Die Themen sind kategorisiert und hierarchisch organisiert. Man spricht hier von der „Top-Level-Hierarchie“ des Usenet, der „Big Eight“, die sich jeweils weiter ausdifferenzieren können.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Eine Newsgroup hat z.B. die Form „alt.terrorism.worl-trade-center“ und beschäftigt sich mit den Terroranschlägen vom 11. September auf die Twin Towers des World Trade Centers in New York. Dabei steht „alt“ für eine „alternative“ Newsgroup, die nicht zu den „Big Eight“ gehört, aber trotzdem die meistgenutzte Newsgroup im Usenet darstellt. Sie hat sich als rebellischer Akt aus den Beschränkungen und Zensuren der Moderationen der herkömmlichen Newsgroups entwickelt und seine Inhalte sind sehr offen und frei. Newsgroups ähneln von iherer Form den normalen Emails und sind daher auch mit „Header, „Body“ und „Signature“ ausgestattet. Im Gegensatz zu Mailinglisten sind Newsgroups übersichtlicher und leichter von normalen Emails zu trennen. Zudem ist das Finden von Postings mit gleichen Inhalten einfach nachzuvollziehen, da sie geordnet untereinander stehen. Man spricht hier von „Threads“[36] Man hat die Möglichkeit auf einen Beitrag oder auf eine darauf folgende Antwort direkt zu reagieren. Dies geschieht über den „Follow-Up“-Befehl[37], der die einzelnen Beiträge miteinander in Verbindung bringt. Außerdem kann man Newsgroups selbst ins Leben rufen. Bei „alternativen“ Newsgroups ist dies i.d.R. einfacher zu bewerkstelligen als bei den „Bigh Eight“. Probleme entstehen vielfach beim Schreiben von Beiträgen, da man sich z.B. entscheiden muss, in welche Newsgroup(s) man seinen Text stellen will. Hierbei hat man wiederum einige soziale Spielregeln zu beachten, die in „Nettiquetten“ und in „FAQs“ festgehalten sind. So wird es z.B. als unhöflich empfunden, wenn man einen themenfremden Beitrag in einem Forum platziert, ohne explizit darauf hinzuweisen, oder am Schluss der Nachricht wenigstens einen Bezug zum diskutierten Thema herzustellen.

[...]


[1] Vgl. Schwalm, Carola (1998): Globale Kommunikation. S. 22-25; Döring, Nicola (1999): Sozialpsychologie des Internet. S. 15-21; Runkehl, Jens u.a. (1998): Sprache und Kommunikation im Internet. S. 9-23

[2] weitere Informationen diesbezüglich: http://www.psychologie.uni-bonn.de/sozial/staff/musch/history.htm, http://www.isoc.org/internet/history

[3] Hafner/Lyon (1997): Arpa Kadabra. Die Geschichte des Internet. S. 43

[4] Runkehl, Jens (1998): Sprache und Kommunikation im Internet. S. 10-11

[5] Vgl. Döring, Nicola (1999): Sozialpsychologie des Internet. S. 15-16

[6] Schachtner (1997): Die Technik und das Soziale.

[7] Vgl. Runkehl, Jens u.a. (1998): Sprache und Kommunikation im Internet. S. 12-13

[8] Runkehl, Jens u.a. (1998): Sprache und Kommunikation im Internet. S. 13

[9] Vgl. Döring, Nicola (1999): Sozialpsychologie des Internet. S. 17

[10] Vgl. Döring, Nicola (1999): Sozialpsychologie des Internet. S. 18

[11] Vgl. Runkehl, Jens u.a. (1998): Sprache und Kommunikation im Internet. S. 14-15

[12] Vgl. Döring, Nicola (1999): Sozialpsychologie des Internet. S. 22

[13] Vgl. http://focus.msn.de/D/DD/DD36/dd36.htm

[14] Vgl. Mayring, Philipp (2002): Einführung in die qualitative Sozialforschung. S.19-38

[15] Vgl. Schwalm, Carola (1998): Globale Kommunikation. S. 25-27

[16] Quaterman, J.S. (1994). What is the internet, anyway? ftp://ftp.denic.de/pub/rfc/rfc1935.txt

[17] Vgl. Döring, Nicola (1999): Sozialpsychologie des Internet. S. 36-38

[18] Vgl. Döring, Nicola (1999): Sozialpsychologie des Internet. S. 33, 36

[19] Vgl. Runkehl, Jens u.a. (1998): Sprache und Kommunikation im Internet. S. 28

[20] Vgl. http://focus.msn.de/D/DD/DD36/dd36.htm

[21] Döring, Nicola (1999): Sozialpsychologie des Internet. S. 38

[22] Vgl. Döring, Nicola (1999): Sozialpsychologie des Internet. S. 51-54

[23] Döring, Nicola (1999): Sozialpsychologie des Internet. S. 51

[24] Döring, Nicola (1999): Sozialpsychologie des Internet. S. 51

[25] Vgl. Döring, Nicola (1999): Sozialpsychologie des Internet. S. 51

[26] Vgl. Döring, Nicola (1999): Sozialpsychologie des Internet. S. 51

[27] Unter http://www.listzt.com/ bzw. http://www.listzt.bluemarble.net/news/ können Listen unterschiedlicher Foren eingesehen werden.

[28] Vgl. Döring, Nicola (1999): Sozialpsychologie des Internet. S. 58-65

[29] Döring, Nicola (1999): Sozialpsychologie des Internet. S. 58

[30] Döring, Nicola (1999): Sozialpsychologie des Internet. S. 58

[31] Vgl. http://www.winternet.com/~mikelr/flame1.html; die Mehrzahl aller Newsgroupmitglieder gehören dieser Gruppe an.

[32] Döring, Nicola (1999): Sozialpsychologie des Internet. S. 59

[33] Glaser, Peter (1998): Sex, Schrauben und Geflügelzucht. S. 105

[34] Eine Auswahl kann man z.B. unter http://www.netannounce.org/news.announce.newusers/ oder http://www.dejanews.com/ treffen.

[35] Döring, Nicola (1999): Sozialpsychologie des Internet. S. 62

[36] Vgl. Döring, Nicola (1999): Sozialpsychologie des Internet. S. 61

[37] Vgl. Döring, Nicola (1999): Sozialpsychologie des Internet. S. 61

Ende der Leseprobe aus 47 Seiten

Details

Titel
Soziale Beziehungen und Kommunikation im Internet
Untertitel
Eine empirische qualitative Studie
Hochschule
Universität Augsburg  (Soziologie und empirische Sozialforschung)
Note
1,7
Autor
Jahr
2003
Seiten
47
Katalognummer
V16029
ISBN (eBook)
9783638209878
Dateigröße
1078 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Soziale, Beziehungen, Kommunikation, Internet, Kommunikationsprozesse, Eine, Studie, Erklärungsversuch
Arbeit zitieren
Thomas Förster (Autor), 2003, Soziale Beziehungen und Kommunikation im Internet, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/16029

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