Das Neoklassische Wachstumsmodell und seine Erweiterung durch die endogene Wachstumstheorie


Hausarbeit, 2010

26 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

Abbildungsverzeichnis

Einleitung

1 Die neoklassische Wachstumstheorie
1.1 Das Grundmodell (Ein-Regionen-Modell)
1.2 Das Zwei-Regionen-Modell
1.2.1 Wachstumsausgleich durch Faktorwanderung
1.2.2 Wachstumsausgleich durch interregionalen Handel
1.3 Kritik und Fazit

2 Die endogene Wachstumstheorie
2.1 Ansätze der endogenen Wachstumstheorie
2.1.1 Das Externalitätenmodell
2.1.2 Das Innovationsmodell
2.2 Kritik und Fazit

3 Zusammenfassung

Literatur

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Cobb-Douglas Produktionsfunktion

Abbildung 2: Das Grundmodell nach Solow

Abbildung 3: Ersatzinvestitionen und Sparquote

Abbildung 4: Ausgleichsprozess durch interregionale Faktorwanderung

Abbildung 5: Auswirkungen technischen Fortschritts auf die Produktion

Abbildung 6: Ausgabenentwicklung der Sektoren im F&E-Bereich 1983-2008

Abbildung 7: Übersicht der Hauptrichtungen der endogenen Wachstumstheorie

Einleitung

Nicht erst seit dem Beginn der Globalisierung und dem damit verbundenen Bedeutungsverlust auf nationalstaatlicher Ebene haben Theorien, welche sich der Analyse des regionalen Wirtschaftswachstums widmen, an Relevanz gewonnen. Theoretische Ansätze, die sich mit dem ökonomischen Wachstum auseinandersetzen, bestehen bereits seit Ende des 17. Jahrhunderts. Allerdings etablierten sich erst nach Ende des Zweiten Weltkrieges die modernen wachstumstheoretischen Konzepte (Frenkel/Hemmer 1999, S. 9).

Ein Beispiel für eine solch moderne Herangehensweise stellt die neoklassische Wachstumstheorie dar. In der vorliegenden soll zunächst auf das bedeutendste Modell der Neoklassik, das neoklassische Grundmodell nach Solow, eingegangen werden. Im Anschluss wird erörtert, wie dessen grundlegende Struktur auf Fragestellungen der Regionalökonomik übertragen werden können. Anschließend werden zusätzlich deutlich jüngere Ansätze dargelegt, welche unter dem Begriff „endogene Wachstumstheorien“ zusammengefasst werden. Beide Theorieansätze werden jeweils mit einer kritische Reflexion und einem abschließenden Fazit betrachtet.

1 Die neoklassische Wachstumstheorie

Die neoklassische Wachstumstheorie stellt die zentrale Theorie zur Analyse ökonomischer Entwicklungen dar, deren Ursprung in der klassischen Nationalökonomie des 18. Jahrhunderts liegt. Allgemein handelt es sich bei der neoklassischen Wachstumstheorie um ein Konzept dieser Theoriefamilie. Der wohl wichtigste Beitrag stammt von Robert M. Solow aus dem Jahr 1956, der in seinem Aufsatz „A Contribution to the Theory of Economic Growth“ ein Modell zur Analyse langfristiger Entwicklung veröffentlichte. Der Beschreibung der Grundannahmen vorweggenommen, geht Solow hier von einer geschlossenen Volkswirtschaft aus. Somit ist das Grundmodell für wirtschaftsgeographische Fragestellungen zunächst unbrauchbar, da es keine regionalen Aussagen zulässt (Kotschatzky 2001, S. 63). Erst über eine Interpretation der theoretischen Konzeptionen auf die regionale Ebene, infolgedessen von der neoklassischen regionalen Wachstumstheorie gesprochen wird, ist das Modell aus geographischer Sicht anwendbar (Bathelt/Glückler 2003, S. 67; Maier et al. 2006, S. 56; Kulke 2009, S. 277).

Die neoklassische Theorie stellt eine so genannte Konvergenztheorie dar, da von einem allgemeinen Gleichgewichtsstand der Märkte ausgegangen wird. Im Falle einer Abweichung vom Gleichgewicht kommt es automatisch zum Wirken eines Marktmechanismus. Impliziert auf die regionale Ebene folgt daraus, dass Entwicklungsunterschiede zwischen Regionen langfristig ausgeglichen werden. Diese Entwicklungsunterschiede beruhen hierbei auf der unterschiedlichen Ausstattung der Regionen mit Produktionsfaktoren, infolgedessen sich deren Preise verändern und damit den Wirtschaftsakteuren ein Signal für nutzenmaximierende Handlungen (Investitionen, Verlagerung von Produktionsfaktoren, Handel) gibt. Dieser Mechanismus beschreibt den Grundgedanken des neoklassischen Theoriegebäudes (Bathelt/Glückler 2003, S. 67; Haas/Neumair 2008, S. 60; Kulke 2009, S. 277).

1.1 Das Grundmodell (Ein-Regionen-Modell)

Solow versucht mit seinem Grundmodell eine zentrale Frage, welche von den älteren Wachstumstheorien bis dato unbeantwortet blieb, zu klären: Welche Faktoren sind entscheidend für ökonomisches Wachstum? (Frenkel/Hemmer 1999, S. 27). In der Realität gibt es eine Vielzahl von Determinanten, die in diesem Prozess eine Rolle spielen[1]. Allerdings lassen sich diese in ihrer Komplexität nicht in ein einziges Modell integrieren. Daher baut das Grundmodell auf mehreren Annahmen[2] auf, wodurch zum einen nur die für Solow wichtigsten Faktoren im Modell zum Tragen kommen und zum anderen den beschriebenen Ausgleichsmechanismus erst ermöglichen.

Eine der zentralen Annahmen besteht im gewinnmaximierenden Verhalten der Wirtschaftsakteure. Damit wird gewährleistet, dass die Wirtschaftssubjekte tatsächlich jede Möglichkeit zur Nutzenmaximierung wahrnehmen. Unterstützt wird dies durch die Implikation des perfekten Informationsstandes der wirtschaftenden Einheiten, vor allem bezüglich der Preisentwicklung, wodurch sichergestellt wird, dass jede Möglichkeit zum gewinnsteigernden Handeln ausnahmslos erkannt wird (Bathelt/Glückler 2003, S. 67f; Maier et al. 2006, S. 55). Eine weitere Vereinfachung bezieht sich auf den Produktionsfaktor Arbeit. Mit der Annahme von Vollbeschäftigung wird sichergestellt, dass jederzeit ausreichend Arbeitskräfte vorhanden sind (Solow 1956, S. 67). Zudem herrscht in dem solowischen Modell vollkommene Konkurrenz auf allen Märkten. Damit wird ausgeschlossen, dass Akteure partikular die Preishöhe beeinflussen. Nur die Ausstattung an Produktionsfaktoren wirkt auf die Preise aus (Haas/Neumair 2008, S. 60). Zusätzlich werden alle Preise als flexibel angesehen, d.h. dass jede Knappheit bezüglich Arbeit oder Kapital unmittelbar eine Preisänderung zur Folge hat (Maier et al. 2006, S. 55). Darüber hinaus legt Solow fest, dass die Produktionsfaktoren nach ihrem Grenzprodukt entlohnt werden, d.h. dass die Entlohnung (Arbeitslohn bzw. Kapitalzins) jeder zusätzlichen Produktionseinheit genau dem Wert der Produktionsmenge, welche die vorherige Produktionseinheit erwirtschaftet hat, entspricht (Bathelt/Glückler 2003, S. 67f; Solow 1956, S. 67f). Zusätzlich beschränkt sich das Grundmodell auf die Beschreibung einer geschlossenen Region, wodurch keinerlei Austausch von Gütern oder Produktionsfaktoren stattfindet (Maier et al. 2006, S. 75).

Als Ausgangspunkt verwendet Solow eine aggregierte Produktionsfunktion die angibt, welche maximale Output-Menge (Y) mit den zur Verfügung stehenden Produktionsfaktoren Arbeit (L) und Kapital (K) produziert werden kann. Solow greift hierbei auf die so genannte Cobb-Douglas-Produktionsfunktion zurück (Christiaans 2004, S. 11f) (vgl. Abb. 1).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 : Cobb-Douglas Produktionsfunktion (Quelle: Maier et al. 2006, S. 57 Abb. 4.1)

In Abbildung 1 werden zwei Eigenschaften dieser Funktion deutlich: konstante Skalenerträge und ein positiver, aber abnehmender Grenzertrag. Die erste Eigenschaft ergibt sich bei einer gleichmäßigen Erhöhung beider Produktionsfaktoren, die zu einem linearen Anstieg des Outputs führt (blaue Linie). Bei einer Erhöhung nur eines der beiden Faktoren kommt die zweite Eigenschaft zum Tragen: eine positive, aber abnehmende Output-Erhöhung bzw. Grenzertrag (rote Linie) (Dybe 2003, S. 26). Auf Grund der zu Beginn aufgestellten Annahme der Faktorentlohnung nach ihrem Grenzprodukt bedeutet dies, dass mit steigender Menge an eingesetzten Produktionsfaktoren deren Wert immer geringer wird. Daraus folgt, dass auch die Faktorpreise (Arbeitslohn bzw. Kapitalzins) mit steigendem Einsatz geringer werden (Bathelt/Glückler 2003, S. 68; Maier et al. 2006, S. 56).

Die Produktionsfunktion verdeutlicht zusätzlich, dass Wachstum (gleichgestellt mit Output-Zuwachs) nur durch eine Erhöhung beider bzw. zumindest einem Produktionsfaktor generiert werden kann. Gleichermaßen würden neue Produktionstechnologien die Output-Menge erhöhen, d.h. dass bei gleichem Einsatz von Arbeit und Kapital durch bspw. eine verbesserte Maschine mehr Güter produziert werden können (Frenkel/Hemmer 1999, S. 110). In der neoklassischen Wachstumstheorie wird dieser Wachstumsfaktor als „technischer Fortschritt“ bezeichnet. Somit wäre Wachstum in dem Grundmodell ausschließlich über die drei Faktoren Arbeit, Kapital und technischer Fortschritt möglich (Dybe 2003, S. 26; Maier et al. 2006, S. 58).

In dem Grundmodell wird allerdings sowohl der technische Fortschritt[3] als auch der Produktionsfaktor Arbeit als exogen und von außerhalb des Wirtschaftssystems bestimmt angesehen. Somit kann Wachstum in diesem Modell ausschließlich über die endogene Veränderung des Kapitalstocks erfolgen. Daher steht im Grundmodell der Prozess der Kapitalakkumulation im Vordergrund (Maier et al. 2006, S. 61).

Für eine Erhöhung des Kapitalstocks muss die Wirtschaft eigene Investitionen tätigen. Diese müssen allerdings zunächst selbst produziert n und dürfen im Anschluss nicht konsumiert, sondern müssen gespart werden (Solow 1956, S. 56). In einer weiteren Annahme wird von einer konstanten Sparquote (s) ausgegangen (Christiaans 2004, S. 109), d.h. ein fixer Prozentsatz der Produktionsmenge wird gespart. Jedoch kann nicht der gesamte Sparbetrag für die Erhöhung des Kapitalstocks aufgewendet werden, da der bestehende Kapitalstock teilweise erneuert bzw. unterhalten werden muss. Dafür müssen so genannte Ersatzinvestitionen getätigt werden. Wiederum wird für diese eine konstante Rate (δ) angenommen, welche pro Periode ersetzt werden muss. Somit ergibt sich für die Nettoinvestitionen folgende Gleichung (Bröcker 1994, S. 32):

Die Nettoinvestition (I) zur Erhöhung des Kapitalstocks ergibt sich aus dem gesparten Teil der Produktionsmenge ( ) abzüglich der Menge, welche für die Ersatzinvestitionen ( ) verwendet wird. Wird der Kapitalstock erhöht, steigt der Bedarf an Erstinvestitionen kontinuierlich an, im Gegensatz zur Sparmenge, die auf Grund der Eigenschaft der Produktionsfunktion (positiver, aber abnehmender Anstieg) mit steigendem Kapitalstock immer weniger stark steigt (Maier et al. 2006, S. 59) (vgl. Abb. 2).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2 : Das Grundmodell nach Solow (Quelle: Maier et al. 2006, S. 59 Abb. 4.2)

[...]


[1] U.a. hat Schätzl hierfür eine ausführliche Übersicht erstellt (Schätzl 2003, S. 103 Abb. 2.23), welche die Komplexität der Zusammenhänge regionalen Wachstums verdeutlicht.

[2] Maier et al. weisen darauf hin, dass es sich bei diesen Annahmen um die „Lehrbuchversion der neoklassischen Theorie“ handelt. Innerhalb der diesbezüglichen wissenschaftlichen Literatur wurde versucht, einzelne dieser Annahmen abzuschwächen bzw. völlig aus dem Theoriegebäude zu entfernen (Maier et al. 2006, S. 55).

[3] Maier et al. erklärt, dass der technische Fortschritt „wie Manna vom Himmel fällt“ (Maier et al. 2006, S. 57).

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Das Neoklassische Wachstumsmodell und seine Erweiterung durch die endogene Wachstumstheorie
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg  (Institut für Geowissenschaften)
Veranstaltung
Stadt- und Regionalökonomik
Note
1,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
26
Katalognummer
V160714
ISBN (eBook)
9783640740185
ISBN (Buch)
9783640740598
Dateigröße
728 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Neoklassische, Wachstumsmodell, Erweiterung, Wachstumstheorie, Solow, Regionalökonomik, 1956, A Contribution to the Theory of Economic Growth, Ein-Regionen-Modell, Cobb-Douglas, Produktionsfunktion, Dilemma der Neoklassik, technischer Fortschritt, Kapitalakkumulation, Neoklassik, Ausgleichsmechanismus, Zwei-Regionen-Modell, Faktorwanderung, interregionaler Handel, endogene Wachstumstheorie, Externalitätenmodell, Romer, 1986, Humankapital, Innovationsmodell, technisches Wissen
Arbeit zitieren
B.Sc. Marcel Demuth (Autor), 2010, Das Neoklassische Wachstumsmodell und seine Erweiterung durch die endogene Wachstumstheorie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/160714

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