Es war einmal in einer sehr alten Bibliothek ein noch viel älteres und verstaubtes Buch. Es war reichlich verziert mit märchenhaften Ornamenten und Symbolen und wenn es geöffnet wurde, fand man sich in einer verzauberten Welt voller Magie und Abenteuer wieder. Zauberer, Hexen, Drachen und allerlei weitere Fabelwesen entsprangen dem Buch und luden ein, ihnen zu folgen. In großen verschnörkelten Buchstaben wurden Geschichten von mutigen Helden, großen Abenteuern und gefährlichen Kämpfen längst vergangener Zeit erzählt. Die Kinder die herbei kamen, um mit glänzenden Augen die Märchen zu hören und zu lesen, waren fasziniert von diesen anderen, diesen fremden Orten und deren geheimnisvollen Bewohnern. Still und gebannt saßen, standen und lagen sie, lauschten den Geschichten, erfreuten sich an ihnen, verinnerlichten die Geschehnisse und lernten daraus. Dieses alte, lange vergessene Märchenbuch brachte den Kindern Fantasie und Vorstellungskraft und obendrein schenkte es ihnen Mut und Zuversicht für ihre Zukunft
In den Märchen der unterschiedlichsten Völker sind kostbare Schätze an Lebenserfahrungen zahlloser Generationen versteckt. Sie alle erzählen nicht nur davon, wie das Leben auch unter schwierigen Bedingungen glücken kann, sondern zeigen ebenfalls die richtige innere Haltung auf, mit der die notwendigen Wege in ein erfülltes Leben gefunden und gegangen werden können. Schon die Gebrüder Grimm sahen in Märchen mehr als bloße Erzählungen. Sie erkannten neben der unterhaltenden Funktion ebenfalls die belehrende und verstanden ihre Märchensammlung durchaus auch als eine Art Erziehungsbuch mit pädagogischen Fähigkeiten.
Die vorliegende Arbeit soll zunächst die Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte von Märchen beschreiben, von ihren Anfängen bis zu den Märchensammlungen der Gebrüder Grimm. Um die Bedeutung und Funktion des Märchens für Kinder herauszuarbeiten, wird der Bogen von der theoretischen bis zur praktischen Anwendung dieser Gattung gespannt. Diesbezüglich werden, ausgehend von den Absichten des Projektes LeseLei, verschiedene Kinderbücher einem bestimmten Kindesalter zugeordnet und schlussendlich eine mögliche Märchenstunde für das Projekt simuliert.
Inhaltsverzeichnis
1. Das Märchen – Eine Entwicklungsgeschichte
1.1 Von alten maeren zu neuen Märchen
1.2 Das ursprüngliche Märchen und sein Bedeutungs- beziehungsweise Funktionswandel
1.3 Arten von Märchen
1.3.1 Das Volksmärchen
1.3.2 Das Kunstmärchen
1.4 Wesenszüge und Kennzeichen des Märchens
2. Die Verwendung von Märchen in der Theorie
2.1 Die Bedeutung von Märchen für Kinder
2.2 Märchen für die Kinder zwischen vier und sechs Jahren
3. Der praktische Einsatz von Märchen innerhalb des Projektes »LeseLei«
3.1 Einstiegsmöglichkeiten
3.2 Praktische Durchführung einer Vorleseeinheit in der »LeseLei«
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die historische Entwicklung des Märchens und analysiert dessen psychologische sowie pädagogische Bedeutung für die kindliche Entwicklung. Ziel ist es, den Bogen von der Theorie zur praktischen Anwendung zu spannen und aufzuzeigen, wie Märchen im Rahmen des Projekts "LeseLei" gezielt eingesetzt werden können, um Kinder in ihrer emotionalen Reifung und Sprachbildung zu unterstützen.
- Historische Herleitung der Märchengattung
- Psychologische Funktion von Märchen für Kinder
- Pädagogische Relevanz und Förderung von Lesekompetenz
- Kriterien für altersgerechte Buchauswahl (4- bis 6-Jährige)
- Methodik der praktischen Gestaltung von Märchenstunden
Auszug aus dem Buch
1.4 Wesenszüge und Kennzeichen des Märchens
Wenn auch die Eigenarten jedes Volkes und jeder Epoche und noch mehr Temperament, Interessen und Begabung des Erzählers das Wesen der Erzählung mitbestimmten, so ergibt ein Vergleich der im Laufe der letzten Jahrhunderte zutage getretenen Märchen innerhalb der Märchenforschung, dass über die nationalen, zeitlichen und individuellen Verschiedenheiten hinaus von einem so genannten Grundtyp des europäischen Volksmärchens gesprochen werden kann. Diesem nähern sich die einzelnen Erzählungen.
Als allgemeines Muster, das dem Märchen meist zugrunde liegt, gilt eine schwierige oder ungerechte Ausgangssituation, mit dem Ziel diese zu bewältigen. Dabei sind Kampf und Sieg sowie Aufgabe und Lösung Kernvorgänge des Geschehens. Darüber hinaus beinhaltet dieses Muster ein weiteres Charakteristikum: einen guten Ausgang der Geschichte. Auf diesem Weg zu einem guten Ende eröffnen sich dem Rezipienten zahlreiche menschliche Verhaltensweisen, die das Geschehen beeinflussen: Intrigen, Hilfe, Schädigung, Heilung, Erlösung, Rettung, bis hin zur Berührung mit magischen und mythischen Mächten. Mit dem Verlauf der Geschichte entsteht eine Art Dichotomie (eine Zweiteilung): die Handlung, sowie die Figuren scheiden sich ganz offensichtlich in Gut und Böse. Hauptträger der Handlung ist demnach der Held beziehungsweise die Heldin und dem gegenüber steht etwas Böses, meist eine die Hauptfigur bedrohende Gestalt, die letzten Endes verliert und bestraft wird. Häufig stehen die Figuren der Handlung im Schutz guter Geister oder werden mit übersinnlichen Kräften konfrontiert, mit deren Hilfe sie schwierige Situationen meistern können. Akteure wie Hexen, Zauberer, Zwerge, Riesen oder Drachen sind natürliche Bestandteile der Geschichte. Sprechende Tiere, die unter Umständen auch menschliche Gestalt annehmen können, sind nichts Ungewöhnliches.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Das Märchen – Eine Entwicklungsgeschichte: Dieses Kapitel zeichnet die historische Genese der Märchen von ihren frühen mündlichen Anfängen bis zu den bedeutenden Sammlungen der Gebrüder Grimm nach und differenziert zwischen Volks- und Kunstmärchen.
2. Die Verwendung von Märchen in der Theorie: Hier wird die psychologische und pädagogische Relevanz von Märchen beleuchtet, wobei insbesondere die Bedeutung für die emotionale Entwicklung von Kindern im Vorschulalter hervorgehoben wird.
3. Der praktische Einsatz von Märchen innerhalb des Projektes »LeseLei«: Dieser Abschnitt beschreibt konkrete methodische Ansätze zur Gestaltung einer Märchenstunde, inklusive ritualisierter Einstiegsmöglichkeiten und der passenden Umgebung für eine gelungene Vorleseeinheit.
4. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Märchen trotz moderner Medien ein unverzichtbarer Sozialisationsfaktor bleiben und ihre gezielte Förderung entscheidende Bildungschancen für Kinder bereithält.
Schlüsselwörter
Märchen, Volksmärchen, Kunstmärchen, LeseLei, Kindesentwicklung, Pädagogik, Vorlesen, Sozialisation, Phantasie, Sprachförderung, Lesekompetenz, Identifikation, Symbolik, Märchenforschung, Werteerziehung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die historische Entwicklung, die wesentlichen Merkmale und die pädagogische Bedeutung von Märchen in der heutigen Zeit.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Abgrenzung von Märchenarten, der psychologischen Wirkung auf Kinder und der praktischen Anwendung von Vorleseformaten.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Ziel ist es, die Bedeutung des Vorlesens für die kindliche Entwicklung aufzuzeigen und Strategien für effektive Märchenstunden im Projekt "LeseLei" zu entwickeln.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Es handelt sich primär um eine theoretische Auseinandersetzung mit Fachliteratur zur Märchenforschung und Entwicklungspsychologie, ergänzt durch pädagogische Empfehlungen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden neben den theoretischen Grundlagen spezifische Kriterien für die Buchauswahl bei Vier- bis Sechsjährigen sowie praktische methodische Umsetzungsschritte für Vorlesepaten diskutiert.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Publikation?
Zentrale Begriffe sind neben dem Märchenbegriff vor allem Lesemotivation, Sozialisation, emotionale Reifung und die gezielte methodische Einbindung in den Kindergartenalltag.
Warum sind Märchen für Vier- bis Sechsjährige besonders wertvoll?
Märchen bieten in diesem Alter symbolische Lösungswege für innere Konflikte und unterstützen die kindliche Fähigkeit, sich mit der Umwelt und eigenen Emotionen auseinanderzusetzen.
Welche Rolle spielt das Projekt "LeseLei"?
Das Projekt dient als praktisches Anwendungsbeispiel, das durch ritualisierte Rahmenbedingungen und fachgerechte Märchenauswahl Defizite in der frühkindlichen Lesesozialisation ausgleichen soll.
Wie sollte eine ideale Märchenstunde gestaltet sein?
Sie sollte eine Atmosphäre der Geborgenheit schaffen, ca. 30 bis 40 Minuten dauern und durch feste Rituale sowie anschließende Gesprächs- oder Bastelphasen die Verarbeitung des Gehörten fördern.
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- Cathleen König (Author), 2010, "Und wenn es nicht gestorben ist...", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/160898