Bildungsungleichheit

Eine Untersuchung der Bildungschancen in Deutschland unter besonderer Berücksichtigung der Thesen Bourdieus bezüglich des Kapitalbegriffs und der Sozialen Reproduktion


Seminararbeit, 2010

32 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Pierre Bourdieu

3. Begriffsdefinitionen
3.1 Habitus
3.2 Kapital
3.3 Soziale Reproduktion

4. Kapital
4.1 Ökonomisches Kapital
4.2 Kulturelles Kapital
4.2.1 Der inkorporierte Zustand
4.2.2 Der objektivierte Zustand
4.2.3 Der institutionalisierte Zustand
4.3 Soziales Kapital
4.3.1 Eigenschaften des Sozialkapitals
4.3.2 Kosten des Sozialkapitals
4.4 Transformierbarkeit
4.5 Kritische Betrachtung

5. Soziale Reproduktion

6. Bildungsungleichheiten
6.1. Allgemeine Ursachen
6.1.1 Bildungsniveau der Familie
6.1.2 Einkommen
6.1.3 Segregation
6.1.4 Migrationshintergrund
6.1.5 Veränderte Familienformen
6.2 Folgen

7. Soziale Herkunft und Bildungsungleichheit
7.1 Der Ansatz von Boudon
7.1.1 Primäre Effekte
7.1.2 Sekundäre Effekte

8. Fazit

9. Anhang

1. Einleitung

In Anbetracht der gegenwärtigen, wie auch zukünftigen Entwicklung sozialer Begebenheiten, ist es mehr denn je von Nöten, soziale Gesellschaftsstrukturen genau zu verfolgen, zu analysieren und Lösungsansätze zu entwerfen, mit denen den die Gesellschaft ins Verderben treibenden Tendenzen entgegen gewirkt werden kann. Heutzutage werden immer häufiger von vielen Teilen der Gesellschaft Äußerungen laut, nach denen die „Schere zwischen Arm und Reich“ mehr und mehr auseinander klafft. Die Ausprägung, mit der sich bestimmte sozio-kulturelle Ansichten in den Köpfen der Menschen verwurzelt und somit gefestigt haben, scheinen eine irreversible Ausrichtung aufzuweisen.

Ein immer wieder und häufig angeführtes Problem scheint auf politischer wie kultureller Ebene die Bildungsungleichheit in den unterschiedlichsten Gesellschaftsschichten zu sein. So zum Beispiel klagen sowohl Eltern und als auch deren Kinder aus sozial schwächeren Klassen über die im Bildungssystem herrschende Ungleichbehandlung von „reichen und armen“ Kindern. Nicht selten sind Sozialisationserfahrungen, aktuelle Lebensumstände in Familie, Schule und Freizeit sowie Bildungserfolge oder –misserfolge Grundlagen, auf denen Zukunftsperspektiven von Jugendlichen basieren (vgl. Zusammenfassung 15. Shell Jugendstudie – Jugend 2006, S. 1).

Es soll jedoch erwähnt werden, dass diese Umstände keineswegs ein Problem der Gegenwart sind. In den letzten Jahrhunderten wurde diese Realität durch viele Wissenschaftler erforscht. An Max Weber, Alfred Schütz und Émile Durkheim u.v.a. orientiert, war Pierre-Félix Bourdieu in der Soziologie einer der wohl bedeutendsten Wissenschaftler des 20. Jahrhunderts. Er trug mit seiner Forschung und mit Hilfe seines Werkes „Entwurf einer Theorie der Praxis auf der ethnologischen Grundlage der kabylischen Gesellschaft“ im Jahr 1973 gravierend zu einer Fundierung eines neuen soziologischen Erkenntnisgegenstandes im Bereich der Praxeologie bei. Bourdieu übernahm den wichtigen Fachbegriff „Habitus“, welcher schon in den Analysen des Kunsthistorikers Erwin Panofsky zu finden war (vgl. Rehbein, B./ Fröhlich, G. 2009) und prägte unter anderen Begriffe wie „Kapital“ und „Reproduktion“.

Die von ihm gemachten Erfahrungen und durchgeführte Forschung in Algerien auf seine Studien über das Bildungssystem in Frankreich übertragen, bilden in vielerlei Hinsicht den Grundstock seiner Soziologie. Er unternahm den Versuch einer Erklärung, wonach das Bildungswesen Frankreichs an den Habitus der Oberschichten angepasst sei und verband damit automatisch den Begriff des Kapitals mit der Reproduktion sozialer Ungleichheit. Im Zuge dieser Arbeit soll versucht werden, dem Leser die Soziologie Pierre Bourdieus, an Hand verschiedener Ausführungen sowohl bezüglich der Entstehung dieser als auch der Nachhaltigkeit, nahezubringen.

2. Pierre Bourdieu

Pierre Bourdieu wurde am 1. August 1930 in Denguin geboren. Er wuchs in bescheidenen Verhältnissen auf. Sein Vater Albert Bourdieu war Landwirt, und später Postbeamter. Seine Mutter Noémie Bourdieu, geborene Duhau, war Zeit ihres Lebens Hausfrau. Bourdieu besuchte zunächst mit großem Erfolg das Lycée de Pau in seiner Heimatstadt. 1948 wechselte Pierre Bourdieu an das Lycée Louis-le-Grand in Paris, was er im Jahre 1951 mit dem Baccalauréat, also dem Abitur erfolgreich abschloss(www.agso.uni-graz.at, 04.05.10).

Daraufhin studierte er von 1951 bis 1954 an der Faculté des Lettres der Sorbonne in Paris und an der Elitehochschule École Normale Supérieure. Dort war sein Hauptfach Philosophie. 1954 schloss er sein Studium mit der Agrégation de Philosophie ab. Die Agrégation ist ein jährlich für ganz Frankreich stattfindender Wettbewerb zur Rekrutierung von Beamten, wobei nur so viele Personen als Agrégé(e)s akzeptiert werden, wie es freie Stellen im öffentlichen Dienst gibt. Bei der Agrégation handelt es sich um keinen akademischen Titel (www.agso.uni-graz.at 04.05.10). Während seines Studiums an der École Normale Supérieure wurde Bourdieu von den Philosophen Gaston Bachelard und Georges Canguilhem in Logik und Wissenschaftsgeschichte unterrichtet. Außerdem befasste er sich mit Hegel und schrieb eine Abhandlung über Leibniz.

Nach seinem Abschluss an der École Normale Supérieure übernahm er eine Stelle als Gymnasiallehrer an dem Lycée von Moulins in der Auvergne. Bourdieus Aufenthalt an diesem Lycée dauert nur ein Jahr, da er 1955 zum Militärdienst eingezogen wurde. Für kurze Zeit war er in Versailles stationiert. Aus disziplinarischen Gründen wurde er jedoch schnell im Algerienkrieg eingesetzt. Der Algerienkrieg bezeichnet den Kampf, um die Unabhängigkeit Algeriens von Frankreich in den Jahren von 1954 bis 1962. Bis 1958 war Bourdieu dem Militär unterstellt (www.agso.uni-graz.at, 04.05.10). Noch im gleichen Jahr nach seinem Militärdienst wurde Pierre Bourdieu Assistant an der Faculté des Lettres in Algier und begann im nördlichen Algerien mit seinen Feldforschungen zur Kultur der Berber. Bereits 1958 erschien seine erste Veröffentlichung über Algerien. Sein Aufenthalt in Algerien dauerte zwei Jahre.

Ab 1960 bis 1961 Assistent von Raymond Aron an der Faculté de Lettres an der Sorbonne in Paris (www.agso.uni-graz.at,04.05.10). Raymond Aron war ein französischer Philosoph, Soziologe, Historiker, Politologe und Journalist. Hauptsächlich befasste sich Aron mit internationalen Beziehungen, vor allem mit der Dialektik von Frieden und Krieg und der Analyse der modernen Industriegesellschaften. Anschließend unterrichtete Bourdieu bis 1964 Soziologie als Dozent an der Universität in Lille. Er beschäftigte sich dort vor allem mit Émile Durkheim, Max Weber und Alfred Schütz, sowie der britischen Anthropologie und dem Linguisten Ferdinand de Saussure. Gleichzeitig studierte er die Sprache der Berber und Araber. Bis 1964 verbrachte Pierre Bourdieu seine unterrichtsfrei Zeit immer wieder in Algerien, um seine ethologischen Feldstudien fortzusetzen.

Ab 1964 zog es Bourdieu wieder zurück nach Paris. Er übernahm eine Stelle an der École des Hautes Études en Sciences Sociales (EHESS). Bourdieu verband eine lange Zusammenarbeit mit dem Soziologen Jean-Claude Passeron. Gemeinsam publizierten sie 1964 das Werk „Die Illusion der Chancengleichheit. Untersuchungen zur Soziologie des Bildungswesens am Beispiel Frankreich“. Dieses Werk erregte große Aufmerksamkeit unter der Fachöffentlichkeit und machte Bourdieu als Soziologen bekannt. Im Jahr 1968 gründete Bourdieu an der EHESS mit Hilfe von Raymond Aron das Centre de sociologie européenne (CSE). Raymond Aron erhielt für dieses Projekt eine Förderung durch die Fordstiftung. Von 1962 bis 1983 war Pierre Bourdieu mit Marie-Claire Brizard verheiratet. Aus dieser Ehe gingen drei Kinder hervor, nämlich Jérôme, Emmanuel und Laurent.

Ab 1981 hatte der Soziologe Bourdieu einen Lehrstuhl für Soziologie am Collège de France inne. Dies war für Bourdieu eine große Ehre, da diese Position eine der höchsten im französischen Universitätssystem darstellt.

1985 wurde er zum Direktor des CSE am Collège de France und der EHESS ernannt. Im selben Jahr wurde Pierre Bourdieu vom Staatspräsident Francois Mitterand damit beauftragt Vorschläge zur Reform des französischen Bildungswesens auszuarbeiten. Weiterhin hatte Bourdieu zahlreiche Titel inne, zum Beispiel war er von 1964 bis 1992 Direktor der Schriftenreihe „Le Sens Commun“ des Pariser Verlags Éditions de Minuit. Seit 1975 war er Consulting Editor der Zeitschrift „American Journal of Sociology“. Er war Berater der Gewerkschaft „Confédération Francaise Démocratique du Travail“ und er war Mitinitiator des heute in Paris ansässigen internationalen Schriftstellerparlaments (International Parliament of Writers)(www.agso.uni-graz.at, 04.05.10).

Bourdieu war auch, vor allem in späteren Jahren politisch aktiv. Bekannt geworden ist seine Solidarisierung mit streikenden Bahnarbeitern auf einer Betriebsversammlung im Gare de Lyon am 13. Dezember 1995. Im Jahre 1998 unterstützte er die Arbeitslosenbewegung in Frankreich. Außerdem war Bourdieu Mitbegründer der globalisierungskritischen Bewegung „attac“.

Trotz seiner akademischen Macht blieb Pierre Bourdieu Zeit seines Lebens den Gepflogenheiten des Collège de France gegenüber innerlich distanziert. Dies zeigt er durch seine Antrittsvorlesung „lecon sur la lecon“ und seiner Studie „ homo academicus“.

Am 23. Januar 2002 starb Pierre Bourdieu in Paris an Krebs (www.agso.uni-graz.at 04.05.10).

Zu seinen Forschungen ist zu sagen, dass sie im Alltagsleben verwurzelt, und empirisch orientiert waren. Man könnte seine Forschungen der Kultursoziologie zuordnen. Die Erfahrungen von Individuen bestimmte die Entwicklung der theoretischen Begriffe von Bourdieu. Unter anderem verwendete er Begriffe wie, Habitus, Kapital, soziales Feld und Klasse. Jene Begriffe, die hauptsächlich aus der Ökonomie und Soziologie stammen, entwickelte er so weiter, dass sie Bestandteil einer neuen empirischen begründeten Theorie wurden, die weitläufig bekannt und anerkannt war als „Theorie der Praxis“. In der Kulturtheorie vergleicht Bourdieu das Alltagsleben mit einem Spiel. In seiner Theorie haben Individuen verschieden viele Potenziale verschiedener Art, die sie nutzen und umwandeln können. Damit sind das kulturelle, das ökonomische und das institutionalisierte Kapital gemeint. Es gilt dabei, dass jeder nur in der Höhe seines Bildungsstandes „mitspielen“ kann. So kann der Erwerb kulturellen Kapitals zur Erhöhung des ökonomischen Kapitals führen. Aber was die einzelnen Kapitalsorten für Eigenschaften und Funktionen haben, wird im folgenden Text noch näher erläutert.

Pierre Bourdieu wurde für seine Arbeiten mehrfach ausgezeichnet. Unter anderem erwarb er 1989 die Ehrendoktorwürde der Freien Universität Berlin. 1993 erhielt er die Médaille d´or du Centre National de la Recherche Scientifique (CNRS), die höchste akademische Auszeichnung in Frankreich. Mit dem Erving-Goffman-Preis der Universität Berkeley (Kalifornien) wurde er im Jahre 1996 ausgezeichnet. Noch im selben Jahr erhielt er die Ehrendoktorwürden der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt und der Nationalen und Kapodistrias-Universität in Athen. 1997 wurde er in Deutschland, in Ludwigshafen, mit dem Ernst-Bloch-Preis ausgezeichnet. Zwei Jahre darauf erlangte er noch eine finnische Ehrendoktorwürde, nämlich die der Universität Joensuu. Zu guter letzt wurde er 2000 in London mit der Huxley-Medaille des Royal Anthropological Institute of Great Britain and Ireland ausgezeichnet. All diese Ehrendoktortitel und Preise zeigen, dass Pierre Bourdieu, aus einfachen Verhältnissen stammend, international anerkannt war und heute nach seinem Tod auch noch immer ist.

3. Begriffsdefinitionen

Zum Verständnis der folgenden Ausführungen dieser Arbeit sollen zunächst einmal die wichtigsten Fachtermini erläutert werden. Auf Grund der Problematik, Bourdieus verwendete Fachbegriffe „sauber“ voneinander zu trennen, da diese zum Teil stark korrelieren und sich somit gegenseitig bedingen, sollen diese im Anschluss größtenteils an Hand von Zitationen dargestellt und erläutert werden.

3.1 Habitus

Laut seiner lateinischen Bedeutung für „Gehabe“, „Beschaffenheit“ und „erworbene Eigentümlichkeit“, steht der Habitus in der Soziologie für „die im äußeren Erscheinungsbild eines Menschen zum Ausdruck kommenden Besonderheiten des persönlichen Verhaltensstils, von deren äußeren Erscheinungen auf Einstellungen, soziale Prägungen und Ähnliches geschlossen werden kann“ (Brockhaus Enzyklopädie Online, Stand: 18.04.2010).

„Der Habitus ist determiniert und schöpferisch zugleich“ (Rehbein, B. 2006, S. 87).

3.2 Kapital

Der Begriff selbst stellt bei Bourdieu ein „ … wissenschaftliches, konstruiertes Konzept“ dar. Als Ressource verstanden, beschreibt er das Kapital als ein dem Menschen zur Verfügung stehendes Mittel zur Durchsetzung seiner Ziele, d.h. es werden im „Kampf auf sozialen Feldern Handlungsmöglichkeiten eröffnet, welche zur Bewahrung oder Verbesserung der sozialen Position beitragen“ (vgl. Rehbein, B. 2009, S. 134).

3.3 Soziale Reproduktion

Sie kann als Neuerstellung oder Aufrechterhaltung sozialer Systeme und Strukturen verstanden werden und setzt bestimmte Grundlagen in der Bildung und der Vererbung materiellen Besitzes oder „Rechtstitel“ (in vergangenen Jahrhunderten durch Adelstitel verkörpert) voraus. Bourdieu sieht sie unter anderem als eine Weiterführung bestehender Verhältnisse, bei der es von Nöten ist, den sozialen Strukturwandel außer Acht zu lassen und eigene Nachkommen unabdingbar sind.

Im Zusammenhang mit dem Bildungssystem kommt der Reproduktion laut Bourdieu eine noch bedeutendere Aufgabe zu:

„Es ist eben der Ort, an dem die soziale Struktur sich als symbolisch-kulturelles Klassifikationssystem selbst reproduziert. … Hier werden die Habitus auserwählt und geformt, denen es zukommt, die Aufrechterhaltung der Ordnung, ihrer Art und Weise sich selbst zu denken, abzusichern“ (Rehbein, B. 2009, S. 211).

3.4 Bildungsungleichheit

Der Kern der Bildungssoziologie Bourdieus befasst sich mit der Erforschung von Bildungsprivilegien und –benachteiligungen. In diesem Zusammenhang entwickelte er die These, „ … dass das Bildungssystem in der Gegenwartsgesellschaft bei der Reproduktion der Sozialstruktur eine wichtige, wenn nicht gar die wichtigste Rolle spielt“ (Rehbein, B., S 126), d.h. die Klassengesellschaft reproduziert sich mit Hilfe des Bildungssystems. Somit würde dem Bildungssystem eine die „Herrschaft“ stabilisierende Funktion zugesprochen werden.

Des Weiteren kann und darf man die Bildungsungleichheit nicht getrennt vom Begriff der Chancengleicht sehen, denn Bourdieus Forschung greifen die Theorie dieser entschieden an. Wurde Chancengleichheit konservativ ideologisch so gesehen, dass allein individuelle Begabung über Erfolge bzw. Misserfolge im Bildungssystem entscheiden sollten, widerlegte Bourdieu dies mit Hilfe seiner Fachtermini wie „Habitus“, „Kapital“ und „Reproduktion“.

Nachdem mit der Explikation der Termini grundlegendes Wissen vermittelt wurde, soll in den folgenden Kapiteln auf die Grundlagen, Wirkungen und Nachhaltigkeiten von Bourdieus Soziologie bis in die heutige Zeit, eingegangen werden.

4. Kapital

Unter dem Begriff Kapital versteht Bourdieu die Verfügungsgewalt über spezifische Ressourcen. Er unterscheidet dabei drei Formen des Kapitals, nämlich das ökonomische, das kulturelle und das institutionalisierte Kapital.

4.1 Ökonomisches Kapital

Das ökonomische Kapital umfasst alle Formen materiellen Reichtums, also das Einkommen, Geld an sich, Produktionsmittel, Kapitalerträge, Besitz an beweglichen Werten oder Grundbesitz. Grundsätzlich kann man aber erst mal sagen, dass das Kapital aus der Ökonomie stammt. Nach Bourdieu reduziert das ökonomische Kapital die Gesamtheit der gesellschaftlichen Austauschverhältnisse auf den bloßen Warenmarkt, der objektiv und subjektiv auf Profitmaximierung ausgerichtet und vom Eigennutz geleitet ist (Vgl. Soziale Ungleichheiten, Reinhard Kreckel S.184). Diesen Aspekt sieht Bourdieu als problematisch an. Wenn ausschließlich der materielle Anreiz verfolgt wird, werden alle Austauschverhältnisse ignoriert, die von nicht-materieller, uneigennütziger Natur sind. Die Ökonomie vereinnahmt den Kapitalbegriff insofern für sich, als das der Warenaustausch als einzige Form des sozialen Austauschs gewertet wird und alle anderen Formen keine Berücksichtigung finden, somit kann man sagen, dass das ökonomische Kapital tendenziell als dominant gegenüber anderen Kapitalsorten anzusehen ist. Bourdieu sieht neben der Wirtschaftswelt eine Welt, deren Güter nicht quantifizierbar und mit einem objektiven Preis auszeichenbar sind (Vgl. Soziale Ungleichheiten, Reinhard Kreckel S. 184). Nichtsdestotrotz spiegeln die Güter einen ebenso hohen Marktfaktor in sozialen Beziehungen wieder. Deshalb sollte man den Kapitalbegriff nicht zur Wirtschaft hin verengen. Man sollte vielmehr sein Augenmerk auf die sozialen Austauschbeziehungen in ihrer Ganzheit legen. Außerdem können die verschiedenen Arten von Kapital gegenseitig ineinander transformiert werden. Von ganz zentraler Bedeutung, vor allem hinsichtlich einer Analyse von sozialer Ungleichheit und schulischer Chancenungleichheit, ist der Begriff des kulturellen Kapitals.

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Ende der Leseprobe aus 32 Seiten

Details

Titel
Bildungsungleichheit
Untertitel
Eine Untersuchung der Bildungschancen in Deutschland unter besonderer Berücksichtigung der Thesen Bourdieus bezüglich des Kapitalbegriffs und der Sozialen Reproduktion
Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg
Note
1,7
Autoren
Jahr
2010
Seiten
32
Katalognummer
V161044
ISBN (eBook)
9783640741519
ISBN (Buch)
9783640741731
Dateigröße
841 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Habitus, Bourdieu, Kapital, Soziales Kapital, Bildungsungleichheit, Soziale Reproduktion, Boudon, Soziale Ungleichheit
Arbeit zitieren
Tobias Engfer (Autor)Christiane Grunewald (Autor)Sabrina Baumann (Autor), 2010, Bildungsungleichheit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/161044

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