(Wert-)Papier - Ein Unterrichtsmodell


Unterrichtsentwurf, 2010
11 Seiten

Leseprobe

(Wert-)Papier

Frischfaserpapier, Altpapier oder etwas ganz anderes?

Papier stellt in den Industrienationen ein alltägliches Wegwerfprodukt dar. Jeder von uns hat es täglich in den Händen und kaum jemand macht sich Gedanken über die Herkunft dieses früher so kostbare Gut. Der pro-Kopf-Verbrauch in Deutschland betrug im Jahr 2007 256 kg - das ist etwa 5-mal so viel wie der weltweit durchschnittliche Papierverbrauch.

Papier wird vorwiegend zum Beschreiben und Bedrucken benutzt, aber auch als Verpackung (Pappe, Karton), Hygienepapier oder Spezialpapier wie Tapeten findet Papier Verwendung. Der zunehmende Verbrauch geht u. a. auf vermehrte Werbung, Verpackungen, Fotokopien oder auch Computerausdrucke zurück. Die Hoffnung, mit der fortschreitenden Verbreitung des Computers eines Tages ein papierloses Büro zu haben, hat sich nicht erfüllt. Im Gegenteil: Der Papierverbrauch stieg an.

Papier besteht überwiegend aus pflanzlichen Fasern, in der Regel aus Zellstoff oder aus Holzstoff (aus Holzschliff). Im Jahr 2005 verbrauchte die Deutsche Papierindustrie 4,959 Millionen t Zellstoff , davon wurden 4,1 Millionen t importiert (das sind 83 % des Bedarfes). Ein großer Teil dafür stammt aus Urwäldern in Finnland, Schweden, Brasilien, Kanada, Portugal, Spanien, Chile und den USA. Etwa 20 % des weltweit geschlagenen Holzes wird für die Papierherstellung verwendet.

Gut ist: In Deutschland wird eine Menge Altpapier gesammelt und der Einsatz von Altpapier (meist für Verpackungs- und Hygieneprodukte) liegt bei 66 %. Dennoch: Holz wird in vielen Teilen der Erde rücksichtslos gerodet. Natur- und Urwälder werden abgeholzt, um Plantagen mit schnellwüchsigen Bäumen zu errichten. Diese haben einen enormen Wasserbedarf und trocknen die Böden aus; der Grundwasserspiegel sinkt, Flüsse und Brunnen versiegen. Die illegale Rodung von Wäldern zerstört den natürlichen CO2 Speicher, führt zu Artensterben, vernichtet auch menschliche Lebensräume und verdrängt Flächen, die für die Landwirtschaft dringend gebraucht werden. Nachhaltige Forstwirtschaft kann viele dieser Probleme lösen. Eine weitere Alternative ist der verstärkte Einsatz von Papieren mit Altpapieranteil. Deren Qualität hat sich in den zurückliegenden Jahren deutlich verbessert.

Um Papier herzustellen, sind vielfältige Arbeitsschritte erforderlich, die weitere Belastungen für die Umwelt mit sich bringen (z. B. hoher Wassergebrauch, Bleichen des Faserstoffes, Zugabe diverser Hilfsmittel).

Das Thema im Unterricht

Eine Schule ohne Papier – undenkbar. Mit diesem Produkt arbeiten und beschäftigen sich gerade Schülerinnen und Schüler in hohem Maße. So soll es in dem vorgeschlagenen Unterrichtsmodell darum gehen, wechselseitige Zusammenhänge zwischen unseren (Konsum-)
Entscheidungen vor Ort mit globalen Prozessen in das Bewusstsein zu rücken und kritisch zu reflektieren. Dazu gehört ebenso das Angebot von Handlungsalternativen. Das geplante Unterrichtsmodell richtet sich an Schülerinnen und Schüler der Jahrgänge 7 bis 9. Ausgangspunkt ist eine (fiktive) Aufforderung an die Schule, angesichts der zunehmenden Umwelt- und vor allem Klimabeeinträchtigungen in Zukunft verantwortungsvoller als bisher auch mit dem „Wertstoff“ Papier umzugehen. Die Klasse wird gebeten, für die gesamte Schule die notwendigen Fachinformationen zusammenzutragen, gut verständlich zu präsentieren und neue Wege für den Umgang mit Papier vorzuschlagen.

Die Jugendlichen begeben sich in Arbeitsgruppen und setzen sich weitgehend selbständig mit den folgenden Themenbereichen auseinander:

- Zur Geschichte des Papiers
- Alte Beschreibstoffe
- Rohstoffe für die Papierherstellung
- Zur (industriellen) Herstellung von Papier
- Papiereigenschaften und Produkte aus Papier
- Recyclingpapier
- Papierverbrauch und Kennzeichnung von Papier

Die gesamte Klasse erprobt parallel dazu die eigene Herstellung von „Recyclingpapier“. In der Schule wird Altpapier gesammelt und zur Herstellung von selbst geschöpftem Papier verwendet.

Für die Gruppenarbeiten erhalten die Jugendlichen prägnante Materialien, die Anregungen zu weiteren Auseinandersetzungen und Recherchen (Erkundungen, Befragungen, Literatur und Internet) beinhalten. Nach Abschluss der Bearbeitungen präsentieren die Schülerinnen und Schüler ihre Ergebnisse zunächst vor der gesamten Gruppe. Dazu fertigen sie Plakate an, stellen Produkte her und sammeln Exponate, die in Form einer kleinen Ausstellung in der Schule veröffentlicht werden sollte. Die neuen Kenntnisse können dazu beitragen, den Konsum verschiedener Papierprodukte kritisch zu hinterfragen und Handlungsalternativen für den Alltag zu erproben und zu begründen.

In diesem Unterrichtsvorhaben erwerben die Schülerinnen und Schüler außer Fachkenntnissen vor allem auch Kompetenzen im Bereich der Erkenntnisgewinnung und der Bewertung der ermittelten Fakten. Die Materialien sind jeweils so aufgebaut, dass „Kurz und Kompakt“ in die Problemstellung eingeführt wird. Die sich anschließenden „Forschertipps“ regen zu einer eigenständigen und oftmals handlungsorientierten Auseinandersetzung mit vielschichtigen zugeordneten Aufgaben an. Die Jugendlichen üben durch die eigenständige Bearbeitung der problemorientierten Lernsituationen auch kooperative Arbeitsformen. In der Zusammenschau der einzelnen Themenaspekte wird deutlich, welche Auswirkungen mit einem unreflektierten Konsumstil verbunden sein können und welche Handlungsalternativen bestehen (Schulung von Bewertungskompetenz).

Quellennachweise

Blauer Engel

www.blauer-engel.de

Datenbank für FSC Papier

www.fsc-papier.de

Forest Stewardship Council (FSC)

www.fsc-deutschland.de

Freyer, D.: Kleine Papiergeschichte

http://papiergeschichte.freyerweb.at/

Initiative 2000plus: treffpunkt recyclingpapier

http://www.treffpunkt-recyclingpapier.de/

Nogli-Izadpanah, S.: Wespenpapier, in: Unterricht Biologie, H.190 (17. Jg.), 1993, S. 20 - 22

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Details

Titel
(Wert-)Papier - Ein Unterrichtsmodell
Hochschule
Universität Bremen
Autor
Jahr
2010
Seiten
11
Katalognummer
V161171
ISBN (eBook)
9783640959785
ISBN (Buch)
9783640960002
Dateigröße
599 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Der Papierverbrauch ist in Deutschland etwa 5 mal so hoch wie der weltweite Durchschnitt. Zur Papierherstellung werden ca. 20 % des weltweit geschlagenen Holzes verwendet. Ein großer Teil dafür stammt aus Urwäldern in Skandinavien, Kanada und Sibirien. Um Papier herzustellen, sind vielfältige Arbeitsschritte erforderlich, die nicht unerhebliche Belastungen für die Umwelt mit sich bringen. Das Unterrichtsmodell greift diese Problematik auf. Ebenso werden Handlungsalternativen benannt und die eigene Herstellung von „Recyclingpapier“ erprobt.
Schlagworte
Unterrichtsmodell, Papier, Papierherstellung, Wirtschaft-Arbeit-Technik
Arbeit zitieren
Ute Fehnker (Autor), 2010, (Wert-)Papier - Ein Unterrichtsmodell, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/161171

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