Aufgrund von Globalisierungsprozessen und damit einhergehenden Migrationsprozessen, sowie den sich zuspitzenden politischen Situationen in anderen Ländern, gilt Deutschland heute als ein multikulturelles Land in dem interkulturelle Begegnungen keine Seltenheit mehr sind und somit auch eine zentrale Stellung in der Sozialen Arbeit einnehmen. In diesem Zusammenhang liest man des Öfteren von Interkultureller Kompetenz. Eine Kompetenz, die unter anderem für pädagogische Fachkräfte angedacht ist und dessen Aneignung in zahlreichen Tagungen, Workshops, Trainingsprogrammen und Kursen angeboten wird.
Schulsozialarbeiter/innen stehen in ihrer Arbeit mit Kindern und Jugendlichen und deren Familien in Kontakt, um angemessen arbeite zu können. Dadurch kommt es zu Berührungspunkten mit der Thematik der Migration. Somit nimmt auch in der Schulsozialarbeit die Notwendigkeit interkulturell angemessenen Handelns immer weiter zu. Es stellt sich demnach die Frage, ob die Mitarbeitenden der Schulsozialarbeit Kenntnisse über das Konzept der Interkulturellen Kompetenz besitzen und inwiefern dieses einen Einzug in den Arbeitsalltag der Schulsozialarbeit findet. Interessant ist zudem, wie die Mitarbeitenden das große Angebot an Fortbildungen wahrnehmen und ob dieses Angebot auch genutzt wird.
Im Rahmen dieser Studie soll eben diese Frage versucht werden zu beantworten. Um diesem Vorgehen gerecht zu werden wird die theoretische Auseinandersetzung zum Gegenstand im folgenden Kapitel. Hier soll nicht nur das Arbeitsfeld der Schulsozialarbeit und die darin mit eingefassten Aufgaben beleuchtet werden, sondern auch eine begriffliche Auseinandersetzung mit Interkulturalität und Interkulturelle Kompetenz erfolgen. In Kapitel 3 folgt dann eine kurze Vorstellung des verwendeten Forschungsdesign, der Grounded Theory. Der Kern dieser Studie, die Inhaltsanalysen, erfolgen in Kapitel 4. Dort werden die erhobenen Daten, in Form von zwei Interviews, ausführlich analysiert. Abschließend sollen die Ergebnisse der Studie zusammengefasst und gemeinsam mit einem Ausblick dargestellt werden.
Inhaltsverzeichnis
- 1. Einleitung........................................................................................................................3
- 2. Theoretischer Rahmen.......................................................................................................3-4
- 2.1 Das Arbeitsfeld Schulsozialarbeit..........................................................................4-5
- 2.2 Interkulturalität......................................................................................................5-7
- 2.3 Interkulturelle Kompetenz.......................................................................................7-9
- 3. Vorstellung der Forschungsmethode..................................................................................9-11
- 4. Analyse..............................................................................................................................11
- 4.1 Inhaltsanalyse des Typus 1 – „Der Wertschätzende“...........................................11-19
- 4.2 Inhaltsanalyse des Typus 2 – „Der Relativierende“............................................19-26
- 5. Fazit und Ausblick...........................................................................................................26-27
- 6. Literaturverzeichnis.........................................................................................................28-29
- 7. Abbildungsverzeichnis......................................................................................................30
- 8. Anhang..............................................................................................................................31
Zielsetzung & Thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Studie untersucht, ob Schulsozialarbeiter Kenntnisse über interkulturelle Kompetenz besitzen, inwiefern diese im Arbeitsalltag Anwendung findet und wie Fortbildungsangebote dazu wahrgenommen und genutzt werden. Sie zielt darauf ab, diese Fragen durch eine theoretische Auseinandersetzung und die Analyse empirischer Daten zu beantworten.
- Deutschland als multikulturelles Land und die zentrale Stellung interkultureller Begegnungen in der Sozialen Arbeit.
- Das Konzept der Interkulturellen Kompetenz, seine Relevanz für pädagogische Fachkräfte und die Verfügbarkeit von Fortbildungsangeboten.
- Die Berührungspunkte von Schulsozialarbeiter/innen mit der Thematik der Migration und die Notwendigkeit interkulturell angemessenen Handelns.
- Die theoretische Beleuchtung des Arbeitsfelds Schulsozialarbeit, Interkulturalität und Interkultureller Kompetenz.
- Die Anwendung der Grounded Theory als Forschungsdesign und die Inhaltsanalyse von Experteninterviews.
- Die Herausarbeitung und Analyse von zwei Typen im Umgang mit Interkulturalität in der Schulsozialarbeit: „Der Wertschätzende“ und „Der Relativierende“.
Auszug aus dem Buch
2.2 Interkulturalität
Seit den 1980er Jahren findet man in wissenschaftlichen Veröffentlichungen die Thematik der Interkulturalität vor. Auffallend ist jedoch, dass eine begriffliche Auseinandersetzung selten erfolgt und, „dass es in wissenschaftlichen Diskursen immer wieder Kontroversen um die angemessenen Bezeichnungen gibt“ (Schröer, 2011, S. 45). Aufgrund dessen soll dieses Kapitel als eine Annäherung an den Begriff der Interkulturalität verstanden werden.
Interkulturalität liegt ein weit gefasster Kulturbegriff zugrunde, welcher sich auf das Verhältnis zwischen unterschiedlichen Lebensformen bezieht und „Unterschiede wie die des Geschlechts, der Generationszugehörigkeit, der Religion, der sexuellen Orientierung, durch sozioökonomische Faktoren, aber auch Unterschiede zwischen verschiedenen Betriebs- und Verwaltungskulturen“ (ebd.) umfasst. Im Rahmen dieser Studie sollen allerdings Menschen mit Migrationshintergrund im Vordergrund stehen.
Der Begriff Interkulturalität beschreibt hierbei „das Verhältnis oder auch die Beziehung zwischen einzelnen oder mehreren Kulturen“ (Hörter, 2011, S. 15), wobei zu betonen ist, dass Kulturen an sich keine Beziehungen eingehen können, weshalb sich „der Begriff der Interkulturalität auf die Beziehung zwischen Menschen, die sich in verschiedenen kulturellen Kontexten verorten“ (ebd.) bezieht. Da Interkulturalität „uns mit tiefgreifenden Unterschieden in kategorialen Differenzierungen, in der Strukturierung der Erfahrung, in Werthaltungen und Lebensformen" (Angehrn, 2014, S. 26) konfrontiert spiegelt der Begriff „die Herausforderung, in der Begegnung und Auseinandersetzung zwischen (,inter‘) Menschen unterschiedlicher kultureller Prägung zu einem friedlichen Miteinander zu kommen“ (Freise, 2013, S. 48). Es werden nicht nur Machtstrukturen, Dominanzkulturen und Diskriminierungen thematisiert, sondern auch „auf notwendige Lernprozesse in einer globalisierten Gesellschaft“ verwiesen (Schröer, 2011, S. 49).
Da die eigene Kultur als einmalig verstanden werden kann und interindividuelle Beziehungen somit auch als interkulturelle anzusehen sind, lässt sich sagen, dass Interkulturalität gesteigert wird, „wenn sich Individuen begegnen, die in zwei verschiedenen Kulturen sozialisiert worden sind“ (Schröer, 2011, S. 46).
An dieser Stelle sei zudem auf den aktuellen Forschungsstand hingewiesen, der zwei alternative Konzepte hervorbringt: die Multikulturalität und die Transkulturalität (Schröer, 2011). Multikulturalität beschreibt den „Zustand eines vielkulturellen Zusammenlebens unterschiedlicher Individuen, Gruppen, Lebensweisen“ (ebd., S. 47) und wurde als gesellschaftspolitisches Modell in erfolgreichen Entwicklungsländern wie Australien, Kanada, Großbritannien und Schweden bereits realisiert. Kritiker betonen jedoch, dass der Ansatz der Multikulturalität Differenzen herausstellt und „provoziert damit unter der Hand, was er bekämpfen wollte: Diskriminierung und Nationalismus“ (Taylor, 1997, zit. n. Schröer, 2011, S. 48). Das Konzept der Transkulturalität hingegen „analysiert veränderte, in sich differenzierte Kulturen und stellt eine Verflechtung, eine stetige Vermischung dieser Kulturen fest“ (Schröer, 2011, S. 48) und bedeutet demnach „die Aufhebung von bestehenden Differenzen in etwas Neuem, jenseits des Gegensatzes von Eigenkultur und Fremdkultur“ (ebd.). Somit werden, im Gegensatz zur Multikulturalität, die Gemeinsamkeiten betont (ebd.).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die zunehmende Relevanz interkultureller Begegnungen im multikulturellen Deutschland ein und formuliert die zentrale Forschungsfrage nach den Kenntnissen und der Umsetzung interkultureller Kompetenz in der Schulsozialarbeit.
2. Theoretischer Rahmen: Hier werden das Arbeitsfeld der Schulsozialarbeit sowie die Begriffe Interkulturalität und Interkulturelle Kompetenz umfassend beleuchtet und von verwandten Konzepten wie Multikulturalität und Transkulturalität abgegrenzt.
3. Vorstellung der Forschungsmethode: Das Kapitel beschreibt das gewählte qualitative Forschungsdesign der Grounded Theory und erläutert die Datenerhebung mittels leitfadengestützter Experteninterviews.
4. Analyse: In diesem Hauptteil werden die erhobenen Interviewdaten detailliert analysiert, wobei zwei distincte Typen im Umgang mit Interkulturalität in der Schulsozialarbeit herausgearbeitet werden: „Der Wertschätzende“ und „Der Relativierende“.
5. Fazit und Ausblick: Dieses abschließende Kapitel fasst die zentralen Studienergebnisse zusammen, ordnet die identifizierten Typen in das Developmental Model of Intercultural Sensitivity (DMIS) von Milton J. Bennett ein und gibt einen Ausblick auf die weitere Entwicklung und Relevanz interkultureller Kompetenz in der Schulsozialarbeit.
Schlüsselwörter
Interkulturelle Kompetenz, Schulsozialarbeit, Migration, Interkulturalität, Soziale Arbeit, Grounded Theory, qualitative Forschung, Fortbildung, Kulturelle Vielfalt, Sozialpädagogik, Multikulturalität, Transkulturalität, Bennett-Modell, Arbeitsfeld, Ressourcenknappheit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Rolle der interkulturellen Kompetenz im Arbeitsfeld der Schulsozialarbeit in einem zunehmend multikulturellen Deutschland.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themenfelder sind Schulsozialarbeit, Interkulturalität, Interkulturelle Kompetenz, Migration sowie die Wahrnehmung und Umsetzung dieser Kompetenzen durch Fachkräfte.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es herauszufinden, ob Schulsozialarbeiter Kenntnisse über interkulturelle Kompetenz besitzen, inwiefern diese in ihren Arbeitsalltag integriert ist und wie Fortbildungsangebote zu diesem Thema genutzt werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Studie verwendet die qualitative Forschungsmethode der Grounded Theory, ergänzt durch leitfadengestützte Experteninterviews zur Datenerhebung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil der Arbeit, das Kapitel 4, enthält die detaillierte Inhaltsanalyse von Interviews mit Schulsozialarbeitern, aus der zwei Typen im Umgang mit interkultureller Kompetenz hervorgehen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird charakterisiert durch Schlüsselwörter wie Interkulturelle Kompetenz, Schulsozialarbeit, Migration, Interkulturalität, Soziale Arbeit, Grounded Theory und Fortbildung.
Welche zwei Typen von Schulsozialarbeitern wurden in der Studie identifiziert?
Die Studie identifizierte zwei Typen: den „Wertschätzenden“, der die Relevanz interkultureller Kompetenz betont, und den „Relativierenden“, der interkulturelle Themen als weniger zentral ansieht.
Wie wird Interkulturalität im Kontext der Schulsozialarbeit definiert und wahrgenommen?
Interkulturalität wird als das Verhältnis zwischen Menschen mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen verstanden. In der Schulsozialarbeit äußert sich dies als Herausforderung im Umgang mit vielfältigen Lebensformen und Werthaltungen.
Welche Herausforderungen im Umgang mit kultureller Vielfalt werden in der Schulsozialarbeit genannt?
Genannt werden Schwierigkeiten in der Kommunikation aufgrund sprachlicher Barrieren, unterschiedliche Erwartungen der Eltern an die Schule basierend auf deren Kulturkreis, sowie die Notwendigkeit, sich über die Hintergründe einzelner Kulturen zu informieren.
Welche Rolle spielen Fortbildungen und Netzwerk in Bezug auf interkulturelle Kompetenz in der Schulsozialarbeit?
Obwohl es ein breites Angebot an Fortbildungen gibt, werden diese oft nicht in Anspruch genommen. Netzwerkarbeit mit kommunalen Integrationszentren und der Austausch mit Kollegen werden jedoch als wichtig für den Umgang mit kulturellen Differenzen erachtet.
- Arbeit zitieren
- Alicia Koch (Autor:in), 2019, Inwiefern erhält das Konzept der Interkulturellen Kompetenz Einzug in den Arbeitsalltag der Schulsozialarbeit?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1611877