Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht den Einfluss der Emissionsmethode auf das Underpricing bei Börsengängen in Deutschland. Im Fokus steht der Vergleich zwischen dem klassischen Bookbuilding-Verfahren und dem weniger verbreiteten Decoupled Bookbuilding-Verfahren. Ziel der Arbeit ist es, zu untersuchen, ob das Decoupled Bookbuilding, welches in der Literatur als marktnäher und flexibler beschrieben wird, auch in der Praxis zu einem geringeren Underpricing und einer stabileren Kursentwicklung führt.
Zur Beantwortung dieser Fragestellung wurde eine quantitative Forschung durchgeführt, bei der Börsengänge an der Börse Frankfurt im Zeitraum von 2005 bis 2024 analysiert wurden. Die Analyse basiert auf zwei zentralen Messgrößen: dem Underpricing am ersten Handelstag, sowie der abnormalen Rendite über einen Zeitraum von sechs Monaten. Die Ergebnisse zeigen, dass sich trotz teilweise unterschiedlicher Tendenzen in den Deskriptivstatistiken, keine empirisch signifikanten Unterschiede zwischen den beiden Emissionsmethoden feststellen lassen.
Inhaltsverzeichnis
- Kurzfassung
- Abstract
- Inhaltsverzeichnis
- Abbildungsverzeichnis
- Tabellenverzeichnis
- Abkürzungsverzeichnis
- 1. Einleitung
- 1.1 Problemstellung
- 1.2 Forschungsfragen
- 1.3 Zweckbestimmung
- 1.4 Methodische Vorgehensweise
- 1.5 Aufbau der Arbeit
- 2. Begriffsdefinitionen
- 2.1 Initial Public Offering
- 2.2 Primärmarkt
- 2.3 Sekundärmarkt
- 2.4 Emissionspreis
- 2.5 Erster Preis
- 2.6 Underpricing
- 3. Gründe für ein Initial Public Offering
- 4. Die wichtigsten Akteure beim Initial Public Offering
- 5. Grundlegender Ablauf des Börsengangs
- 6. Das Timing der Emission am Kapitalmarkt
- 7. Die Emissionspreisfindung
- 7.1 Die Due Diligence Prüfung
- 7.2 Grundlagen der Unternehmensbewertung beim IPO
- 7.3 Preisfindungsverfahren
- 7.3.1 Festpreisverfahren
- 7.3.2 Auktionsverfahren
- 7.3.3 Klassisches Bookbuilding-Verfahren
- 7.3.4 Decoupled Bookbuilding-Verfahren
- 7.4 Auswirkungen der Emissionspreisverfahren auf das Underpricing
- 8. Stabilisierungsmaßnahmen
- 8.1 Greenshoe-Option
- 8.2 Lock-Up Agreement
- 9. Underpricing
- 9.1 Modelle asymmetrischer Informationsverteilung
- 9.1.2 Winner‘s Curse
- 9.1.3 Ex-ante Unsicherheit
- 9.1.4 Signaling-Modelle
- 9.1.5 Moral-Hazard-Modell
- 9.1.6 Information Revelation
- 9.2 Institutionelle Erklärungsansätze
- 9.2.1 Prozessvermeidungshypothese
- 9.2.2 Kurspflegehypothese
- 9.2.3 Steuerhypothese
- 9.3 Behavioral Finance Ansätze
- 9.3.1 Informationskaskadenmodell
- 9.3.2 Investorensentiment
- 9.3.3 Prospect-Theorie und mentale Buchführung
- 9.4 Eigentums- und Kontrollhypothesen
- 9.4.1 Reduced-Monitoring-Hypothese
- 9.4.2 Increased-Monitoring-Hypothese
- 9.1 Modelle asymmetrischer Informationsverteilung
- 10. Kurze Zusammenfassung der theoretischen Grundlage
- 11. Konzeption der empirischen Untersuchung
- 11.1 Forschungsdesign
- 11.2 Hypothesen
- 11.3 Methodische Vorgehensweise
- 11.3.1 Underpricing am ersten Handelstag
- 11.3.2 Abnormale Renditen im Zeitraum von sechs Monaten
- 11.4 Datenerhebung
- 11.4.1 Datensatz Primärstatistiken Börse Frankfurt
- 11.4.2 Kursverläufe von Refinitiv Eikon und Google Finance
- 12. Statistische Auswertung und Interpretation
- 12.1 Zentrale Maße und Verfahren
- 12.2 Underpricing am ersten Handelstag
- 12.3 Abnormale Rendite im Zeitraum von sechs Monaten
- 13. Diskussion der Ergebnisse
- 14. Conclusio
- 15. Limitation und Ausblick
- Literaturverzeichnis
- Anhang
- Verwendung von künstlicher Intelligenz
- Dokumentation zur Bereinigung des Datensatzes
Zielsetzung und Thematische Schwerpunkte
Diese Bachelorarbeit analysiert den Einfluss verschiedener Emissionsmethoden, insbesondere des klassischen und des Decoupled Bookbuilding-Verfahrens, auf das Underpricing bei Börsengängen (Initial Public Offerings, IPOs) in Deutschland. Das primäre Ziel ist es, empirisch zu untersuchen, ob das in der Literatur als marktnäher und flexibler beschriebene Decoupled Bookbuilding tatsächlich zu einem geringeren Underpricing und einer stabileren Kursentwicklung in der Praxis führt.
- Vergleich des klassischen Bookbuilding-Verfahrens mit dem Decoupled Bookbuilding-Verfahren.
- Analyse des kurzfristigen Underpricings am ersten Handelstag nach einem IPO.
- Untersuchung der abnormalen Renditen über einen Zeitraum von sechs Monaten nach dem Börsengang.
- Identifizierung und Diskussion der zugrundeliegenden Ursachen und Theorien des Underpricings.
- Beitrag zur Schließung der Forschungslücke bezüglich des empirischen Einflusses von Decoupled Bookbuilding auf das Underpricing.
Auszug aus dem Buch
9. Underpricing
Das Underpricing erweist sich als durchgängig beobachtbares Phänomen, das über alle Kapitalmärkte und Zeitperioden hinweg besteht (Uhlir, 1989, S. 3).
Dabei gibt es in der Finanzliteratur eine Vielzahl von Theorien, um das Underpricing zu erklären. Jedoch konnte sich bislang kein einzelnes Modell als abschließende Erklärung für das Underpricing etablieren. Vielmehr zeigt sich, dass unterschiedliche theoretische Ansätze je nach Kontext und Emissionssituation individuell relevant sein können. Ritter und Welch (2002, S. 1816) betonen in diesem Zusammenhang, dass nicht ein dominantes Modell entscheidend sei, sondern vielmehr die situationsabhängige Erklärungskraft unterschiedlicher Ansätze im Vordergrund stehen. Dennoch werden die Modelle der asymmetrischen Informationsverteilung zwischen Emittenten, Investor:innen und Emissionsbanken in der internationalen Finanzliteratur als zentraler Erklärungsansatz für das Phänomen des IPO-Underpricings betrachtet (Ellul & Pagano, 2006, S. 381; Elston & Yang, 2010, S. 534; Ghosh, 2005, S. 47).
Um im Rahmen der vorliegenden Bachelorarbeit zu bleiben, wird daher auf die Modelle der asymmetrischen Informationsverteilung genauer eingegangen, während die anderen Erklärungsansätze kürzer dargestellt werden.
Die Einordnung der Erklärungsmodelle erfolgt dabei auf Grundlage des Systematisierungsansatzes von Ljungqvist (2007), wie folgt:
Die Modelle der asymmetrischen Informationsverteilung erklären das Underpricing durch unterschiedliche Wissensstände zwischen den Akteuren am Kapitalmarkt basierend auf der Agency-Theorie.
Dabei stehen Emittenten, Investor:innen sowie Investmentbanken im Mittelpunkt der theoretischen Betrachtung (Kaserer & Kempf, 1995, S. 47–49).
Die folgenden Modelle werden im vorliegenden Kapitel erläutert:
Das Winner’s Curse Modell von Rock (1986, S. 187), erklärt das Underpricing bei Börsengängen auf Basis asymmetrischer Information zwischen Investor:innen. Er unterscheidet dabei zwischen:
1. Informierten Marktteilnehmer:innen: Sie verfügen über vollständige Informationen über den tatsächlichen Wert der Aktie bei einer Neuemission. Sie tragen dafür aber auch Kosten zur Informationsbeschaffung.
2. Uniformierten Marktteilnehmer:innen: Sie verfügen nicht über die notwendigen Informationen, um beurteilen zu können, ob eine Aktie unter-, über- oder fair bewertet ist. Dazu gehören neben Investor:innen auch der Emittent und das Konsortium. Sie verfügen zwar über spezifischere Informationen hinsichtlich der Emission, nicht aber über den gesamten Markt.
Daraus ergibt sich ein struktureller Nachteil für uninformierte Investor:innen. Während informierte Investor:innen, aufgrund ihres Informationsvorteils, ausschließlich in unterbewertete Emissionen investieren, beteiligen sich uninformierte Investor:innen grundsätzlich an allen Emissionen. Dies führt dazu, dass uninformierten Investor:innen überbewertete Aktien vollständig zugeteilt werden, während sie bei unterbewerteten Emissionen aufgrund der hohen Nachfrage durch die Beteiligung informierter Investor:innen oft keine Zuteilung erhalten. Dieses Ungleichgewicht führt langfristig dazu, dass sich uninformierte Investor:innen zurückziehen, da ihre erwartete Rendite negativ ausfällt (Rock, 1986, S. 187–192). Diese Informationsasymmetrie mit der Folge des Rückzugs aus dem Markt der uninformierten Investor:innen wird als Adverse Selektion bezeichnet (Beatty & Ritter, 1986, S. 228).
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Stellt die Problemstellung des Underpricings bei Börsengängen vor, insbesondere im Kontext verschiedener Emissionsmethoden in Deutschland, und formuliert die Forschungsfragen.
Begriffsdefinitionen: Erläutert zentrale Termini wie Initial Public Offering (IPO), Primär- und Sekundärmarkt, Emissionspreis, erster Preis und Underpricing, die für das Verständnis der Arbeit wesentlich sind.
Gründe für ein Initial Public Offering: Beschreibt die Motivationen von Unternehmen für einen Börsengang, darunter Kapitalbeschaffung, Risikodiversifikation und Erhöhung der öffentlichen Wahrnehmung.
Die wichtigsten Akteure beim Initial Public Offering: Identifiziert und beschreibt die Schlüsselrollen wie Konsortialführer, Konsortium, das emittierende Unternehmen und Investor:innen im IPO-Prozess.
Grundlegender Ablauf des Börsengangs: Skizziert die wesentlichen Phasen eines IPOs, von der Vorbereitung und der Due Diligence bis zur finalen Platzierung der Aktien.
Das Timing der Emission am Kapitalmarkt: Erläutert die Bedeutung des Emissionszeitpunkts und Marktumfelds, einschließlich Marktzyklen und "Quiet Periods", für den Erfolg eines Börsengangs.
Die Emissionspreisfindung: Beleuchtet die verschiedenen Verfahren zur Festlegung des Emissionspreises, einschließlich Festpreisverfahren, Auktionsverfahren und der Bookbuilding-Methoden, sowie deren Auswirkungen auf das Underpricing.
Stabilisierungsmaßnahmen: Beschreibt Instrumente wie die Greenshoe-Option und Lock-Up Agreements, die eingesetzt werden, um die Kursstabilität nach einem Going Public zu gewährleisten.
Underpricing: Diskutiert verschiedene theoretische Modelle und Erklärungsansätze für das Phänomen des Underpricings bei IPOs, darunter asymmetrische Informationsverteilung, institutionelle Ansätze und Behavioral Finance.
Konzeption der empirischen Untersuchung: Stellt das Forschungsdesign, die aufgestellten Hypothesen und die detaillierte methodische Vorgehensweise der quantitativen Studie zur Analyse des Underpricings dar.
Statistische Auswertung und Interpretation: Präsentiert die Ergebnisse der deskriptiven Statistik und der Hypothesentests zum Underpricing am ersten Handelstag und der abnormalen Rendite über sechs Monate.
Diskussion der Ergebnisse: Erörtert die Implikationen der empirischen Forschungsergebnisse im Kontext der theoretischen Annahmen und bestehender Literatur.
Conclusio: Fasst die zentralen Erkenntnisse der Arbeit zusammen, dass keine signifikanten Unterschiede zwischen den Bookbuilding-Verfahren festgestellt werden konnten, und bewertet den Beitrag zur Forschungslücke.
Limitation und Ausblick: Beschreibt die Einschränkungen der Studie, wie unterschiedliche Stichprobengrößen und die Fokussierung auf die Börse Frankfurt, und schlägt zukünftige Forschungsrichtungen vor.
Schlüsselwörter
Underpricing, Börsengang, Emissionsmethode, Decoupled Bookbuilding, klassisches Bookbuilding, Kapitalmarkt, Aktienemission, Preisfindung, abnormale Rendite, Informationsasymmetrie, Risikodiversifikation, Unternehmensbewertung, Kapitalbeschaffung, Kursstabilisierung, Winner's Curse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Diese Bachelorarbeit untersucht den Einfluss verschiedener Emissionsmethoden, insbesondere des klassischen und Decoupled Bookbuildings, auf das Underpricing bei Initial Public Offerings (IPOs) in Deutschland.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themenfelder umfassen Underpricing, Börsengänge, verschiedene Emissionsmethoden, die Preisfindung am Kapitalmarkt sowie die kurz- und langfristige Kursentwicklung von IPO-Aktien.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, zu analysieren, ob das Decoupled Bookbuilding-Verfahren im Vergleich zum klassischen Bookbuilding zu einem geringeren Underpricing und einer stabileren Kursentwicklung in der Praxis führt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine quantitative empirische Untersuchung durchgeführt, die auf einer umfassenden Literaturrecherche und der statistischen Analyse von Börsengangsdaten an der Börse Frankfurt basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die theoretischen Grundlagen von IPOs, darunter Begriffsdefinitionen, Gründe und Akteure eines Börsengangs, die verschiedenen Emissionspreisfindungsverfahren, Stabilisierungsmaßnahmen und diverse Theorien zur Erklärung des Underpricings.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselwörter sind Underpricing, Börsengang, Emissionsmethode, Decoupled Bookbuilding, klassisches Bookbuilding, Kapitalmarkt, Aktienemission, Preisfindung, abnormale Rendite, Informationsasymmetrie und Kursstabilisierung.
Warum gilt das Decoupled Bookbuilding als marktnäher und flexibler in der Literatur?
In der Literatur wird das Decoupled Bookbuilding als marktnäher und flexibler beschrieben, weil die Preisspanne nicht zu Beginn, sondern erst später im Prozess bekanntgegeben wird. Dies ermöglicht eine bessere Berücksichtigung aktueller Marktstimmungen und Investor:innen-Einschätzungen bei der Preisfindung.
Welche Herausforderungen und Risiken sind mit Underpricing verbunden?
Ein nicht strategisch eingesetztes Underpricing kann für das emittierende Unternehmen zu einem Verlust potenzieller Einnahmen führen, da die Aktien unter ihrem "wahren Wert" ausgegeben werden und somit "money left on the table" liegt.
Was sind die zentralen Nachteile des Auktionsverfahrens bei Börsengängen in Deutschland?
Die seltene Anwendung des Auktionsverfahrens in Deutschland rührt daher, dass es oft nur einen kurzfristigen Höchstpreis erzielt, nicht zwangsläufig den nachhaltigen Wert widerspiegelt und keine strategische Eigentümerstruktur zur Kursstützung ermöglicht, was es für institutionelle Anleger weniger attraktiv macht.
Wie trägt das Underpricing im Winner's Curse Modell zur Aufrechterhaltung des Marktgleichgewichts bei?
Im Winner's Curse Modell dient das Underpricing als Ausgleich für das Problem der Adverse Selektion, um uninformierte Investor:innen für ihr erhöhtes Risiko zu entschädigen und ihren Rückzug vom Markt zu verhindern, wodurch ein funktionierendes Marktgleichgewicht aufrechterhalten werden soll.
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- Anonym (Autor), 2025, Der Einfluss der Emissionsmethode auf das Underpricing beim Initial Public Offering, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1612440