Wie stellt sich die Inklusionsthematik im Kontext Schule in Deutschland dar?


Hausarbeit, 2010

26 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

Einleitung

1. Inhalte der Fachöffentlichkeit
1.1 Die UN-Behindertenrechtskonvention
1.2 Fazit

2. Strukturen der Fachöffentlichkeit
2.1 Veröffentlichungen anhand der Onlinezeitschrift für Inklusion
2.2 Einschlägige Paragraphen
2.3 Hochschulen
2.4 Fazit

3. Inklusion im öffentlichen Raum
3.1 Die Zeit
3.1 Fazit

4. Schlussbetrachtung

5. Quellenverzeichnis

Einleitung

Das Thema Inklusion ist derzeit ein sehr aktuelles Thema. Durch die UNBehindertenrechtskonvention, die den Gedanken der Inklusion aufgreift, wird das Thema verstärkt diskutiert.

Die Abbildung auf dem Titelblatt stellt bildlich Inklusion dar, was den Einschluss von allen Menschen bedeutet. Integration sieht hingegen die Eingliederung bestimmter Personen vor. Die Arbeit befasst sich mit Inklusion, wobei Teilhabe als Synonym für Inklusion angesehen wird.

Das Thema für die Arbeit lautet: Inklusion. Wie stellt sich die Inklusionsthematik im Kontext Schule in Deutschland dar? Dabei soll auf den gesellschaftlichen Wandel von Inklusion eingegangen werden und dies anhand von Schule, da es sich an diesem Beispiel aufgrund der UN-Behindertenrechtskonvention derzeit am deutlichsten ablesen lässt.

Im ersten Teil der Arbeit wird auf Inhalte der Fachöffentlichkeit eingegangen und dabei wird der Inhalt der UN-Behindertenrechtskonvention näher dargestellt, da sich der Wandel von Inklusion am Beispiel Schule im Zusammenhang damit zeigt. Dabei wird neben dem Inhalt auch auf die Entstehung eingegangen.

Im zweiten Teil wird auf Strukturen der Fachöffentlichkeit eingegangen, anhand von Veröffentlichungen der Onlinezeitschrift für Inklusion, einschlägiger Paragraphen und Hochschulen. Nachdem im ersten Teil der Arbeit der Inhalt betrachtet wurde, wird im zweiten auf die Strukturen innerhalb Deutschlands eingegangen. Die Onlinezeitschrift für Inklusion stellt dabei im Bereich der Fachöffentlichkeit die Fachzeitschrift für das Thema dar, wo alle wichtigen Beiträge enthalten sind. Anhand dieser sollen Regelmäßigkeiten herausgearbeitet werden. Anschließend soll Inklusion im Rahmen der Gesetzgebung betrachtet werden, um herauszufinden, ob sich der Begriff Inklusion bereits durchgesetzt hat und wenn ja wie. Zuletzt werden alle Persönlichkeiten, die bei Veröffentlichungen in der Fachöffentlichkeit und der Öffentlichkeit mitwirken, in ihrem Arbeitsbereich betrachtet, um herauszufinden, wo sich die Beiträge zum Thema über Deutschland erstrecken und ob strukturelle Auffälligkeiten vorhanden sind und wenn ja welche. Diese Personen sind überwiegend an Hochschulen in den Bereichen Soziale Arbeit und Erziehungswissenschaften tätig und daher werden diese Hochschulen betrachtet und ihr Lage.

Im dritten Teil wird ergänzend Inklusion im öffentlichen Raum betrachtet, anhand der Zeitung die Zeit. Es sollen hierbei ergänzend Informationen zu Regelmäßigkeiten und Inhalten herausgearbeitet werden. Dabei soll außerdem ein Unterschied zwischen dem Diskurs im öffentlichen und fachöffentlichen Raum erkennbar werden. Da sich der Begriff Inklusion im breiten öffentlichen Raum noch nicht durchgesetzt hat, geschieht dies anhand der Zeitung die Zeit, vor allem im Bereich Wissen. Diese wird überwiegend von Fachleuten gelesen, erreicht aber andere Personen als z.B. die Onlinezeitschrift für Inklusion und wird daher stellvertretend für öffentliche Lektüre genutzt.

Im vierten Teil folgt die Schlussbetrachtung. An dieser Stelle soll abschließend eine Antwort auf die Fragestellung, wie sich die Inklusionsthematik im Kontext Schule in Deutschland darstellt, gegeben werden.

Zur Vereinfachung nutze ich im gesamten Text nur die männliche Form bei Personen. Ich möchte an dieser Stelle darauf hinweisen, dass es sich aber jeweils sowohl auf männliche als auch weibliche Personen bezieht.

1. Inhalte der Fachöffentlichkeit

1.1 Die UN-Behindertenrechtskonvention

Die UN-Behindertenrechtskonvention ist das „Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen“. Es handelt sich um einen völkerrechtlichen Vertrag. Bereits bestehende Menschenrechte werden für die Lebenssituation behinderter Menschen konkretisiert. Die Umsetzung des Übereinkommens durch die Vertragsstaaten wird begleitet vom „UN-Ausschuss zum Schutze der Rechte von Menschen mit Behinderungen“. Das Übereinkommen und das Zusatzprotokoll wurden am 13. Dezember 2006 in New York verabschiedet. Am 26. März 2009 trat die UN- Behindertenrechtskonvention dann in Deutschland in Kraft.

An dieser Stelle soll kurz auf die Geschichte der UN-Behindertenrechtskonvention eingegangen werden. Menschen mit Behinderung stellen eine Minderheit dar. Für Minderheiten ist es nicht leicht Siege zu erringen. 1981 wurde mit dem „UN International Year of Persons with Disabilities“ ein Durchbruch für die Behindertenbewegung erreicht, vor allem international. Auf diesem Weg konnten die Öffentlichkeit und die Politiker auf Probleme aufmerksam gemacht werden. 1982 wurde „The Word Program of Action for Persons with disabilities“ verabschiedet. Dadurch hatte die Behindertenbewegung einen gemeinsamen Handlungsansatz und den Traum von einer Konvention. 1983-1992 rief die UN die „Dekade der Behinderten“ aus, um den Belangen der Menschen mit Behinderungen Nachdruck zu verleihen. 1987 startete Italien die erste Initiative in Richtung auf eine Konvention und 1989 Schweden. Beide Versuche blieben erfolglos, da die Zeit noch nicht reif für eine Konvention war.

1993 sind von der UN-Vollversammlung die „UN Standard Rules“ verabschiedet worden. Diese umfassen 22 Regeln. Dabei handelt es sich um Richtlinien zur Verbesserung der Rechte von Menschen mit Behinderung. Sie stellen somit eine politische und moralische Verspflichtung dar. Leandro Despoy war Berichtserstatter auf Empfehlung der Menschenrechtskonvention. 1993 machte er in seinem Gutachten einige Empfehlungen, z.B. einen internationalen Ombutsmann zu berufen. 1993 entstanden viele Initiativen. Bei der „Weltkonferenz für Menschenrechte“ wurden die Menschenrechte von Menschen mit Behinderung zum ersten Mal in einer internationalen Menschenrechtsdeklaration offiziell anerkannt.1

2001 schlug Mexiko, als erneuten Versuch initiativ zu werden, während der „World Conference against Racism, Racial Discrimination …“ einen Text entsprechend den angedachten Eröffnungsverhandlungen der UN Generalversammlung zu den Rechten von Menschen mit Behinderung vor und dieses Mal mit Erfolg. Die „UN Standard Rules“ sind durch die UN-Behindertenrechtskonvention nicht hinfällig. Sie haben eine andere Aufgabe als Rahmenrichtlinien. Ein Jahr später wurde eine Arbeitsgruppe eingesetzt, das „Ad hoc- Komitee“. Dieses hat über vier Jahre die Grundlagen für die Konvention geschaffen. Im August 2006 wurde dann der Text der Konvention als Entwurf verabschiedet. Am 25. August 2006 einigte sich das Komitee über den Text. Der Vorsitzende des „Ad hoc- Komitee“, der Botschafter John Don MacKay, hat den Text der Konvention enorm vorangetrieben. Der Text wurde überarbeitet und in die offiziellen Sprachen der UN übersetzt und schließlich am 13. Dezember 2006 von der UN Generalversammlung angenommen. Die Konvention wurde im März 2007 unterzeichnet und dadurch ratifizierungswürdig. Eine Konvention tritt erst in Kraft, wenn 20 Regierungen ihre Ratifizierungsunterlagen dem UN Generalsekretär vorlegen, was am 3. Mai 2008 der Fall war. Unmittelbar nach der Verabschiedung sind die Bürgerrechte und politischen Rechte in Kraft getreten. Die wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rechte, was den Artikel Bildung einschließt, werden schrittweise eingeführt. Jeder der beigetretenen Staaten hat nun dem „Monitoring Comitee“ einen Eingangsbericht zu geplanten Maßnahmen vorzulegen.2 Das Deutsche Institut für Menschenrechte hat seit Mai 2009 die Aufgabe übernommen als „Monitoring-Stelle“ die Umsetzung der Konvention durch staatliche Organe in Deutschland zu begleiten und zu überwachen.3 Zusätzlich zur UN- Behindertenrechtskonvention gibt es noch das „Fakultativprotokoll“. Dieses sieht ein internationales Beschwerdeverfahren vor. Dadurch bekommen Personen oder Personengruppen das Recht sich an den „Ausschuss für die Rechte von Menschen mit Behinderungen“ zu wenden, wenn vorher alle innerstaatlichen Rechtsbehelfe erschöpft wurden. Erkennt der Ausschuss eine Beschwerde an, spricht er eine Empfehlung gegenüber dem Vertragsstaat aus und trifft keine rechtsverbindliche Entscheidung.4

Die deutsche Übersetzung der Konvention gibt diese größtenteils angemessen wieder. Einzelne Passagen werden jedoch kritisiert. Dies wird deutlich an dem englischen Begriff „inclusion“ bzw. „inclusive“, der durch „Inklusion“ bzw. „inklusiv“ zu übersetzen wäre. In den Bereichen Bildung und Arbeit wird dieser allerdings mit „Integration“ bzw. „integrativ“ übersetzt. Diese Übersetzung ist insoweit problematisch, da sich dahinter verschiedene Verständnisse verbergen. Allerdings werden die Verpflichtungen dadurch nicht umgangen, da für die Verpflichten eindeutig die authentische Sprachfassung gültig ist und nicht die deutsche Übersetzung.5

Ziel der UN-Behindertenrechtskonvention ist es alle Menschenrechte und Grundfreiheiten für Menschen mit Behinderungen zu gewährleisten. Die Konvention stärkt dadurch die bestehenden Menschenrechte. Zudem stellt sie eine Überwindung des Defizitansatzes dar.6 Die UN-Behindertenrechtskonvention ist ein großer Schritt voran in der Behindertenpolitik. Sie führt den Menschenrechtsansatz ein, das Recht auf Selbstbestimmung, Partizipation und umfassenden Diskriminierungsschutz für Menschen mit Behinderungen sowie die Forderung nach einer barrierefreien und inklusiven Gesellschaft.7

1.2 Fazit

Als Fazit für das deutsche Schulsystem lässt sich festhalten, dass komplexe Aufgaben zu erfüllen sind, soll die UN-Behindertenrechtkonvention umgesetzt werden. Der vermeintliche Übersetzungsfehler in dem betreffenden Abschnitt könnte sich dabei allerdings als hinderlich herausstellen.

2. Strukturen der Fachöffentlichkeit

2.1 Veröffentlichungen anhand der Onlinezeitschrift für Inklusion

Für einen Überblick sind ausgewählte Zeitschriften in Deutschland zum Thema Inklusion im Kontext Schule betrachtet worden. Dabei sind Fachzeitschriften für Pädagogik, Soziologie und Soziale Arbeit betrachtet worden. Da sich der Diskurs zu Inklusion sowohl pädagogisch als auch soziologisch darstellt, sind Fachzeitschriften für Pädagogik und Soziologie durchgesehen worden. Inklusion spielt auch in der Sozialen Arbeit eine Rolle und daher wurde auch eine Fachzeitschrift in dem Bereich durchgesehen. Es ist dabei aufgefallen, dass das Thema zu speziell für diese Zeitschriften ist und sich wenig damit befasst wird und die wenigen Artikel dann auch in der Onlinezeitschrift für Inklusion erscheinen. Deshalb wurde ausschließlich die Onlinezeitschrift für Inklusion betrachtet als die Fachzeitschrift für das Thema Inklusion.

Es wurden dabei die Jahrgänge 2006 bis 2009 durchgesehen. Am 13. Dezember 2006 wurde die UN-Behindertenrechtskonvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen von der UN-Vollversammlung beschlossen. Danach ist in Art. 24 ein Recht auf Bildung für Menschen mit Behinderungen im Original eindeutig definiert. Dies wirkte sich auf das deutsche Schulsystem als eine „Schule für alle“ aus und brachte einige Diskussionen auf. Im Jahr 2006 machte die UNESCO auf den Übersetzungsfehler von „inclusion“ im englischen Original in „Integration“ ins Deutsche aufmerksam. Sie versuchten dies deutlich zu machen, indem sie schrieben: „Looking at education through an inclusive lens implies a shift from seeing the child as a problem to seeing the education system as a problem“. Im Jahr 2009 ist die UN-Behindertenrechtskonvention dann in Deutschland in Kraft getreten und hat somit erneut die Diskussion um Inklusion und eine „Schule für alle“ entfacht.8

Die Onlinezeitschrift für Inklusion erschien erstmals im Jahr 2006 und das Thema Schule wurde aufgegriffen und bis ins Jahr 2007 diskutiert. 2008 erschienen keine Beiträge. Es ist der dritte Bildungsbericht „Bildung in Deutschland 2008“ erschienen, welcher eine Verschiebung von der Betreuung in Sondereinrichtungen zur Nutzung integrativer Angebote darstellte. Das Ergebnis begeisterte und es bestand derzeit kein Handlungsbedarf, da die Übersetzung der UN-Behindertenrechtskonvention von integrativen Schulen spricht.9 2009 stiegen die Beiträge durch das Inkrafttreten der UNBehindertenrechtskonvention dann wieder enorm an.

Beim Durchsehen markanter Beiträge, die im Anschluss näher erwähnt werden, sind folgende Regelmäßigkeiten erkennbar, die in den Beiträgen kursiv hervorgehoben sind. Seit 2006 bis heute ist die UN-Behindertenrechtskonvention ein roter Faden, der sich durch die Diskussion der Fachöffentlichkeit zieht. Damit verbunden werden Themen, wie der Art. 24 der UN-Behindertenrechtskonvention, das Recht auf Bildung, eine „Schule für alle“ und der Übersetzungsfehler thematisiert. 2006 und 2007 war noch die Didaktik ein wichtiges Thema und damit verbunden Grundbausteine für den Unterricht, wie offener Unterricht und Individualisierung und auch Diagnostik, sowie das Gemeinsame und Verschiedene. Der Index für Inklusion taucht immer mal wieder in der Diskussion auf, wie auch Selektion. In der Fachöffentlichkeit überwiegt der Begriff Inklusion. Damit verbunden wird auch Integration öfter thematisiert. Als Synonym für Inklusion wird vereinzelt Teilhabe verwendet. Weiterhin ist vereinzelnd eine Bindestrichvariante von Integration/Inklusion ersichtlich. Es wird vereinzelt auf den soziologischen Diskurs aufmerksam gemacht, aber dieser wird nicht explizit diskutiert. Der Diskurs stellt sich überwiegend pädagogisch dar. Bei den Personen, die Beiträge in der Fachöffentlichkeit veröffentlichen, ist auffällig, dass diese fast ausschließlich an Hochschulen tätig sind, und zwar in den Bereichen Erziehungswissenschaften und Soziale Arbeit, wie im folgenden zu sehen ist.

[...]


1 vgl. Kallehauge 2009, S. 197-198

2 vgl. Kallehauge 2009, S. 198-201

3 vgl. Aichele 2009, S. 203

4 vgl. Aichele 2009, S. 207

5 vgl. Aichele 2009, S. 210-211

6 vgl. Aichele 2009, S. 203-204

7 vgl. Deutsches Institut für Menschenrechte, Internetquelle

8 vgl. Schumann, B. 2009, Internetquelle

9 vgl. Schumann, B. 2009, Internetquelle

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Wie stellt sich die Inklusionsthematik im Kontext Schule in Deutschland dar?
Hochschule
Hochschule Neubrandenburg
Autor
Jahr
2010
Seiten
26
Katalognummer
V161337
ISBN (eBook)
9783668754317
ISBN (Buch)
9783668754324
Dateigröße
587 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Inklusion, deutsches Schulsystem, UN-Behindertenrechtskonvention, UN-Konvention
Arbeit zitieren
Ivonne Schachtschneider geb. Schröder (Autor), 2010, Wie stellt sich die Inklusionsthematik im Kontext Schule in Deutschland dar?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/161337

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