1. Einleitung
In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erschien am 25. August 2009 ein Artikel mit dem Titel: „Die Jüngsten werden die Ersten sein“ In diesem Bericht wird deutlich, dass in Europa knapp 5 Millionen Jugendliche (bis 25 Jahre) arbeitslos sind. In Deutschland ist die Jugendarbeitslosigkeitsquote bei 10,5%, dies ist in der EU knapp der Durschnitt. Dieser Prozentwert entspricht knapp einer halben Million Arbeitslosen unter 25 Jahren in Deutschland. Dieser Fakt hat mich nachdenklich gemacht und deshalb habe ich mir die Frage gestellt, ob nicht die Ausbildungsplatzabgabe ein Hilfsmittel zum Lösen dieses Problems sein könnte.
Im Rahmen meiner Hausarbeit möchte ich der Frage nachgehen, inwieweit die gesetzliche Ausbildungsplatzabgabe als Steuerungsmittel zur Bildung neuer Ausbildungsplätze dienen könnte.
Im ersten Punkt meiner Arbeit möchte ich auf die aktuelle Ausbildungsmarktsituation blicken und somit den heutigen Stand für die Auszubildenden deutlich machen. Da das Thema „Ausbildungsplatzabgabe“ im Moment nicht aktuell in der Presse und den Medien vertreten ist, erläutere ich im nächsten Kapitel diesen Begriff, das dazugehörige Gesetz „Berufsausbildungssicherungsgesetz“ (BerASichG) und den Ursprung dieser Debatte. Der heutige Stand umfasst auch die einzelnen Stellungen der verschiedenen Institutionen in Deutschland, wie Politik oder Gewerbe.
Da die Ausbildungsplatzabgabe im Jahre 2004 kontrovers diskutiert wurde, aber dennoch nicht in Kraft getreten ist, werde ich auf den „nationalen Pakt für Ausbildung und Förderkräftenachwuchs“ näher eingehen, welcher anstelle der Ausbildungsplatzabgabe ins Leben gerufen wurde. Da diese Abgabe in Dänemark schon seit längerem eine bewährte Methode ist den Ausbildungsmarkt anzutreiben, werde ich in Kapitel 6 die Gründe für das Gelingen in Dänemark beschreiben.
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Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Ausbildungsmarktsituation in Deutschland
3 Die Ausbildungsplatzabgabe
3.1 Definition
3.2 Ursprung der Debatte
3.3 Das BerASichG
3.3.1 Die Ausbildungsquote
3.3.2 Der Pro-Kopf-Abgabebetrag
4 Die verschiedenen Standpunkte zur Abgabe
4.1 Die Position der CDU/CSU
4.2 Die Position der LINKEN
4.3 Die Position der Industrie und Handelskammer (IHK)
5 Chancen und Gefahren der Abgabe
5.1 Chancen aus Sicht der Befürworter
5.2 Gefahren aus Sicht der Kritiker
5.2.1 Negative Auswirkungen in der Praxis
6 Die Ausbildungsplatzabgabe im Vergleich
6.1 Nationaler Pakt für Ausbildung und Fachkräftenachwuchs
6.1.1 Bilanz 2009 – 6. Paktjahr
6.2 Erfolgreiche Ausbildungsplatzabgabe in Dänemark
7 Fazit und Ausblick
8 Querverweis auf andere Vorlesungen
8.1 Regionale Netzwerke – A. Sehrer
8.2 Soziale Ungleichheit und Chancengleichheit – I. Ruppin
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Hausarbeit untersucht die Eignung der gesetzlichen Ausbildungsplatzabgabe als Steuerungsinstrument, um dem Mangel an Ausbildungsplätzen in Deutschland zu begegnen. Dabei wird analysiert, ob eine solche staatliche Intervention im Vergleich zu freiwilligen Vereinbarungen wie dem Ausbildungspakt oder ausländischen Modellen, etwa in Dänemark, eine effektive Lösung für die Jugendarbeitslosigkeit darstellt.
- Analyse der aktuellen Situation auf dem deutschen Ausbildungsmarkt
- Darstellung der kontroversen Positionen von Politik und Wirtschaft
- Gegenüberstellung von Chancen und praktischen Gefahren der Abgaberegelung
- Vergleich der Wirksamkeit des Ausbildungspaktes mit dem dänischen Abgabesystem
- Evaluation des BerASichG als politischer Gesetzesentwurf
Auszug aus dem Buch
3.1 Definition
Die Ausbildungsplatzabgabe ist „die Abgabe, die ein Betrieb bzw. ein Arbeitgeber zu zahlen hat, wenn er keine oder zu wenig Ausbildungsplätze zur Verfügung stellt.“4
Unter der Ausbildungsplatzabgabe, auch Umlage genannt, versteht man eine Sonderabgabe, die ein Unternehmen an eine noch zu errichtende Stelle zahlen muss, sollte der Betrieb zu wenig Auszubildende beschäftigen. Dieses Geld soll dann zur Subventionierung von Ausbildungsplätzen dienen.
Diese kurze aber prägnante Erklärung beschreibt die komplexe Diskussion in zwei Sätzen. Kleine Unternehmen haben meist nicht die Möglichkeit weitere Arbeitsplätze anzubieten, da ihnen das Geld oder möglicherweise die Ausbilder fehlen, deshalb ist es gerade für sie eine „Bestrafung“, obwohl sie, wenn sie die Mittel dazu hätten, gerne weitere Ausbildungsplätze anbieten würden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der Jugendarbeitslosigkeit ein und formuliert die zentrale Fragestellung bezüglich der gesetzlichen Ausbildungsplatzabgabe als Steuerungsmittel.
2 Ausbildungsmarktsituation in Deutschland: Es wird der aktuelle Rückgang bei den abgeschlossenen Ausbildungsverträgen dokumentiert und kritisch mit demografischen Faktoren sowie dem Einfluss des Ausbildungspaktes verknüpft.
3 Die Ausbildungsplatzabgabe: In diesem Kapitel werden der Begriff der Ausbildungsplatzabgabe definiert, der Ursprung der politischen Debatte aufgezeigt und der Gesetzesentwurf des BerASichG sowie seine Funktionsweise im Detail erläutert.
4 Die verschiedenen Standpunkte zur Abgabe: Hier werden die unterschiedlichen und teils gegensätzlichen Positionen von CDU/CSU, der Partei DIE LINKE und der IHK gegenübergestellt und analysiert.
5 Chancen und Gefahren der Abgabe: Dieses Kapitel beleuchtet die Erwartungen der Befürworter hinsichtlich der Fachkräftesicherung und die Bedenken der Kritiker, insbesondere bezüglich der praktischen Umsetzbarkeit und möglicher negativer Auswirkungen auf kleine Unternehmen.
6 Die Ausbildungsplatzabgabe im Vergleich: Ein Vergleich zwischen dem freiwilligen Nationalen Pakt für Ausbildung und dem dänischen Modell der Ausbildungsplatzabgabe dient dazu, die Erfolgsfaktoren für beide Ansätze aufzuzeigen.
7 Fazit und Ausblick: Das Fazit bewertet die Ausbildungsplatzabgabe als ein nicht adäquates Steuerungsmittel und plädiert für den Erhalt der freiwilligen Ausbildungskultur in Deutschland.
8 Querverweis auf andere Vorlesungen: Dieser Teil ordnet die Erkenntnisse der Arbeit in den weiteren erziehungswissenschaftlichen Kontext ein, insbesondere in Bezug auf Berufsorientierung und soziale Ungleichheit.
Schlüsselwörter
Ausbildungsplatzabgabe, Ausbildungspakt, BerASichG, Ausbildungsquote, Jugendarbeitslosigkeit, Fachkräftesicherung, duale Ausbildung, betriebliche Ausbildung, Wirtschafts- und Sozialpolitik, Ausbildungsstellenmarkt, Steuerungsfunktion, Bildungsabschluss, Berufsorientierung, Deutschland, Dänemark.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Hausarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Debatte um die Einführung einer gesetzlichen Ausbildungsplatzabgabe in Deutschland als Mittel zur Schaffung neuer Lehrstellen und Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Arbeit fokussiert sich auf die aktuelle Ausbildungsmarktsituation, die politischen Positionen relevanter Akteure, das spezifische BerASichG sowie einen Vergleich mit dem Nationalen Ausbildungspakt und dem dänischen Modell.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Kernfrage lautet, inwieweit eine gesetzliche Ausbildungsplatzabgabe als effektives Steuerungsmittel dienen kann, um das Angebot an betrieblichen Ausbildungsplätzen nachhaltig zu erhöhen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es handelt sich um eine deskriptive und analytische Arbeit, die auf einer Literaturrecherche, der Auswertung von Statistiken zum Ausbildungsmarkt sowie dem Vergleich politischer und ökonomischer Argumentationsmuster basiert.
Was steht im Hauptteil im Fokus?
Im Hauptteil werden neben den theoretischen Grundlagen der Abgabe auch die Pro- und Contra-Argumente der CDU/CSU, der Linken und der IHK sowie ein praktischer Vergleich mit dem dänischen System detailliert diskutiert.
Welche Schlagworte charakterisieren diese Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Ausbildungsumlage, duales System, Fachkräftemangel und Ausbildungspakt geprägt.
Warum wird das dänische Modell als Vergleich herangezogen?
Dänemark gilt als Paradebeispiel dafür, dass eine Abgabe auf Ausbildung erfolgreich sein kann, wobei der Autor untersucht, ob dieses Modell direkt auf die deutsche Situation übertragbar ist.
Wie bewertet der Autor den Ausbildungspakt?
Der Autor sieht den freiwilligen Nationalen Pakt für Ausbildung als eine sehr gute und funktionierende Institution an, da er auf Konsens statt auf staatlichen Zwang setzt.
- Quote paper
- Andreas Herrmann (Author), 2010, Die Ausbildungsplatzabgabe als ein geeignetes Steuerungsmittel für den Ausbildungsstellenmarkt, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/161403