Diese Hausarbeit untersucht das mehrsprachige mentale Lexikon und dessen Bedeutung für den modernen Fremdsprachenunterricht. Im Fokus steht die Frage, wie Lernende ihre bereits erworbenen Sprachkenntnisse strategisch nutzen können, um neue Sprachen effizienter zu erlernen.
Das Portfolio verbindet theoretische Grundlagen, darunter das Strategie-Modell von Müller-Lancé, mit einer praxisorientierten empirischen Studie. Es wird ein Forschungsprojekt entworfen, das mithilfe von Schülerbefragungen die Akzeptanz und Anwendung von Interferenzstrategien beim Vokabelerwerb einer dritten Sprache (L3) untersucht. Die Analyse zeigt, wie sprachübergreifende Techniken, besonders zwischen verwandten romanischen Sprachen, den Lernprozess begünstigen können.
Die Arbeit liefert wertvolle Impulse für die Mehrsprachigkeitsdidaktik und richtet sich an Studierende, Lehrkräfte und alle, die sich für die kognitiven Prozesse des Sprachenlernens und die praktische Umsetzung im Unterricht interessieren.
Inhaltsverzeichnis
- ABSTRACT
- 1 EINLEITUNG
- 2 FORSCHUNGSTHEORETISCHE EINFÜHRUNG: DAS STRATEGIE-MODELL
- 3 DIE BEFRAGUNG ALS FORSCHUNGSMETHODE
- 4 EIN FORSCHUNGSPROJEKT ZUR MEHRSPRACHIGKEIT AUS SCHÜLERSICHT
- 4.1 DER HEUTIGE BEDARF IM UNTERRICHTSALLTAG UND IN DER FORSCHUNG
- 4.2 FORSCHUNGSFRAGE UND ZIELSETZUNG
- 4.3 FORSCHUNGSMETHODOLOGIE
- 4.4 AUSBLICK...
- 5 ZUSAMMENFÜHRUNG WICHTIGSTER ERKENNTNISSE
- 6 BIBLIOGRAPHIE
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese wissenschaftliche Arbeit befasst sich mit dem mehrsprachigen mentalen Lexikon im Kontext des Fremdsprachenunterrichts. Das Hauptziel ist die Untersuchung der Lernstrategien von Schülern beim Vokabelerwerb in einer dritten Sprache (L3) und der Einfluss von Interferenzstrategien im Vergleich zu anderen Lernmethoden. Die Forschungsfrage konzentriert sich darauf, wie zielführend und praktikabel Schüler Interferenzstrategien im Vokabelerwerb einer unbekannten L3 empfinden, insbesondere im Vergleich zu den Strategien nach Oxford (1999).
- Das Konzept des mehrsprachigen mentalen Lexikons und dessen Funktionsweise.
- Analyse und kritische Reflexion des Strategie-Modells von Müller-Lancé zum mehrsprachigen Lernen.
- Die Befragung als Forschungsmethode zur Erforschung des mehrsprachigen mentalen Lexikons.
- Konzeption und Methodologie einer explorativen Studie zur Mehrsprachigkeit aus Schülersicht.
- Identifizierung und Bewertung bevorzugter Lernstrategien von Schülern im Kontext des L3-Vokabelerwerbs.
- Die Relevanz und Potenziale mehrsprachigkeitsorientierter Ansätze im Fremdsprachenunterricht.
Auszug aus dem Buch
FORSCHUNGSTHEORETISCHE EINFÜHRUNG: DAS STRATEGIE-MODELL
In einem ersten Schritt sei die Struktur des mentalen Lexikons näher beschrieben. Müller-Lancé macht darauf aufmerksam, dass zunächst zwischen allen Sprachen im mentalen Lexikon Verbindungen bestehen, die nicht notwendigerweise nur von der L1 Sprache ausgehen, sondern gerade in den Fremdsprachen untereinander Assoziationspotentiale bestehen (vgl. ebd.: 124). Die zugrundeliegende Theorie nennt sich Subset-Hypothese, welche die gemeinsame Verwendung verschiedener Sprachen in gleichen Kontexten hinlänglich beschreibt (vgl. Paradis 2004: 210f). Dabei wird bei der Produktion von fremdsprachlichen Begriffen die Erstsprache häufig sogar ausgeschlossen (vgl. Müller-Lancé 2003: 124f). Dieses Phänomen der mentalen Verbindungen von lexikalischen Realisationen und deren Zugehörigkeit zwischen der L1 und den Fremdsprachen bezeichnet Müller-Lancé auch als langu-age tagging (vgl. ebd.). Konkret treten die stärksten mentalen Beziehungen im Zu-sammenhang mit den sogenannten Kognaten auf (vgl. ebd.). Diese beschreiben insbesondere phonetisch und semantisch verwandte Wörter, wie sie häufig in ge-meinsamen Sprachgemeinschaften wie die der romanischen Sprachgemeinschaft vorliegen (vgl. ebd.). Gerade bei erfahrenen Fremdsprachenlernern kann daher die interlinguale Verbindung respektive Zugang zu einer fremdsprachlichen Äußerung stärker sein, als dies eine intralinguale, also wortverwandte Verbindung innerhalb der gleichen Sprache realisieren würde (vgl. ebd.: 125). Im Bereich der Interkom-prehension, also dem Verständnis einer noch unbekannten Sprache, steht dem Subjekt demnach keine intralinguale Herangehensweise zur Verfügung. Genauso schnell wie solche sprachübergreifenden Verbindungen entstehen, so rasant kön-nen sie aber auch gleichzeitig wieder abbauen (vgl. ebd.). Das mehrsprachige men-tale Lexikon ist damit einer kontinuierlichen Dynamik unterworfen (vgl. ebd.). Betrachtet man bspw. einen fiktiven Lerner ohne bisherigen Kontakt mit der portu-giesischen Sprache, mit einer L1-Deutsch und L2-Spanisch Voraussetzung, wird dieser sich bei einer Worterschließung wie port. o sangue mit ziemlicher Sicherheit seiner Kompetenz aus dem Spanischen bedienen (vgl. Schmidely et al. 2016: 81).
Zusammenfassung der Kapitel
ABSTRACT: Das Portfolie behandelt das mehrsprachige mentale Lexikon und präsentiert ein theoretisch-praktisches Konstrukt zur Erklärung eines Modells, einer Forschungsmethode und eines geplanten Projekts aus studentischer Sicht.
1 EINLEITUNG: Dieses Kapitel führt in die Thematik des mehrsprachigen mentalen Lexikons ein und begründet die Motivation für die vorliegende Arbeit, die ein Strategie-Modell veranschaulichen und eine eigene Studie zur Mehrsprachigkeit im schulischen Kontext anstoßen will.
2 FORSCHUNGSTHEORETISCHE EINFÜHRUNG: DAS STRATEGIE-MODELL: Hier wird das Strategie-Modell von Müller-Lancé detailliert erläutert, das die Vorgänge beim mehrsprachigen Lernen, insbesondere im Kontext von L3-Erwerbern, durch die Struktur des mentalen Lexikons sowie Sprachverständnis- und Sprachproduktionsprozesse beschreibt.
3 DIE BEFRAGUNG ALS FORSCHUNGSMETHODE: Das Kapitel diskutiert die Befragung als nützliche Forschungsmethode für die Erforschung des mehrsprachigen mentalen Lexikons, wobei sowohl quantitative Fragebögen als auch qualitative Interviews beleuchtet und deren Vor- und Nachteile sowie Beispiele aus früheren Studien aufgezeigt werden.
4 EIN FORSCHUNGSPROJEKT ZUR MEHRSPRACHIGKEIT AUS SCHÜLERSICHT: Dieses Kapitel identifiziert den Bedarf an mehrsprachigkeitsorientierten Ansätzen im Unterricht und stellt die Forschungsfrage sowie die Hypothesen einer geplanten explorativen Studie vor, die die Perspektive von Schülern auf Lernstrategien beim Vokabelerwerb untersuchen soll.
5 ZUSAMMENFÜHRUNG WICHTIGSTER ERKENNTNISSE: Die gesammelten Erkenntnisse zur Funktionsweise des mehrsprachigen mentalen Lexikons und die Bewertung der Befragung als Forschungsmethode werden hier zusammengefasst, wobei das vorgestellte Projekt die Relevanz der Schülersicht für die Mehrsprachigkeitsforschung hervorhebt.
Schlüsselwörter
Mehrsprachiges mentales Lexikon, Fremdsprachenunterricht, Lernstrategien, Interferenzstrategien, Sprachverstehen, Sprachproduktion, Strategie-Modell, Befragung, Fragebogen, L3-Erwerb, Sprachbewusstsein, Kognaten, Subset-Hypothese, Interkomprehension, Vokabelerwerb.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit erstellt ein Projektportfolio zum mehrsprachigen mentalen Lexikon, das theoretische Konzepte vorstellt, die Befragung als Forschungsmethode beleuchtet und ein exploratives Forschungsprojekt zur Mehrsprachigkeit aus Schülersicht konzipiert.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themenfelder sind das mehrsprachige mentale Lexikon, das Strategie-Modell zum mehrsprachigen Lernen, die Befragung als wissenschaftliche Methode, sowie Lern- und Interferenzstrategien im L3-Fremdsprachenunterricht aus der Perspektive von Schülern.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, die von Schülern bevorzugten Lernstrategien zu identifizieren, ihr Mehrsprachigkeitsbewusstsein zu erfragen und die Praktikabilität von Interferenzstrategien im Vokabelerwerb einer unbekannten L3 im Vergleich zu anderen Methoden zu bewerten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit plant die Verwendung einer Befragungsmethode, insbesondere semi-strukturierte Fragebögen mit offenen und geschlossenen Fragen, um quantitative und qualitative Daten zu erheben.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil wird zunächst das Strategie-Modell von Müller-Lancé als forschungstheoretische Einführung vorgestellt, gefolgt von einer tiefgehenden Erläuterung der Befragung als Forschungsmethode und der detaillierten Konzeption eines eigenen Forschungsprojektes aus Schülersicht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselwörter, die die Arbeit charakterisieren, sind: Mehrsprachiges mentales Lexikon, Fremdsprachenunterricht, Lernstrategien, Interferenzstrategien, Sprachverstehen, Sprachproduktion, Strategie-Modell, Befragung, Fragebogen, L3-Erwerb, Sprachbewusstsein, Kognaten, Subset-Hypothese, Interkomprehension, Vokabelerwerb.
Was sind Interferenzstrategien und warum sind sie in diesem Kontext wichtig?
Interferenzstrategien nutzen bereits erworbenes Wissen aus der Muttersprache (L1) und anderen Fremdsprachen (L2) zum Erschließen unbekannter Wörter in einer neuen Sprache (L3). Sie sind wichtig, da sie das Potenzial des vernetzten mentalen Lexikons ausschöpfen können, um den Spracherwerb zu erleichtern, insbesondere bei Sprachen derselben Sprachfamilie.
Was versteht man unter dem Strategie-Modell von Müller-Lancé und welche Komponenten hat es?
Das Strategie-Modell von Müller-Lancé (2003) erklärt die grundlegenden Vorgänge beim mehrsprachigen Lernen, insbesondere für L3-Lerner. Es besteht aus drei zentralen Komponenten: der Struktur des mentalen Lexikons, den Prozessen des Sprachverständnisses und der Sprachproduktion.
Welche Schülergruppen sind das Ziel der geplanten Studie und welche Daten sollen erhoben werden?
Die geplante Studie richtet sich an Schülerinnen und Schüler des Carl-Benz-Gymnasiums in Ladenburg aus den Fremdsprachenfächern Spanisch und Französisch der Jahrgangsstufen 6 bis 13. Es sollen Daten zu soziodemografischen Merkmalen, Sprachenprofilen, Mehrsprachigkeitsbewusstsein, individuellem Lernverhalten und der Bewertung von Lernstrategien erhoben werden.
Warum wird im Rahmen des Forschungsprojekts eine Schülerbefragung durchgeführt, obwohl frühere Studien oft auf Lehrerbefragungen setzten?
Die Studie zielt darauf ab, die Bedarfe und Perspektiven der Schüler selbst zu erfassen, da frühere Untersuchungen zu Lernstrategien im L3-Fremdsprachenunterricht oft auf Beobachtungen und Einschätzungen von Lehrkräften basierten. Eine direkte Befragung der Schüler soll tiefere Einblicke in deren Mehrsprachigkeitsbewusstsein und präferierte Lernstrategien ermöglichen.
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- Simon Sandleben (Author), 2022, Projektportfolio im Rahmen des mehrsprachigen mentalen Lexikons, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1615403