In den letzen Jahren hat sich nicht nur die Intensität der Berichte, Interviews und umfassenden Studien bezüglich ethischen Verhaltens in der Wirtschaft stark gesteigert. Auch die Qualität derer hat zugenommen. Dies liegt mitunter an dem nicht ausreichend vorhandenen moralischen Fingerspitzengefühl der Manager in wichtigen, ihre Umwelt betreffenden Entscheidungen. Vor allem aber ist das Fehlverhalten Einzelner im Vorfeld der Finanzkrise ausschlaggebend, wodurch insbesondere die Manager der Unternehmen ins Visier öffentlicher Kritik geraten sind. Unzureichende Auffassungsgabe und mangelnde Integrität sind zwei Aspekte, welche in diesem Zusammenhang als Grund für erfolglose Unternehmensführung genannt werden. Wirtschaftswissenschaftler sind sich jedoch einig, dass ihnen nicht die Gesamtschuld angelastet werden darf. Auch unterstützenden und zuarbeitenden Unternehmensbereichen muss die Frage nach hinreichender Aufgabenerfüllung gestellt werden. Die Entscheidungen der Manager hatten also zur Folge, dass auch die Handlungen der Controller hinterfragt werden. Beurteilen sie die Managemententscheidungen kritisch bzgl. ihrer Nachhaltigkeit bzw. zweifeln sie die Entscheidungen aus den Chefetagen an? Entsprechen die Grundlagen der Entscheidungen, welche sie aufgrund von Analysen und Berechnungen bereitstellen, dem moralischen Verständnis? Eine Studie der Otto Beisheim School of Management ergab, dass in der heutigen Zeit das Handeln des Managements weniger Rücksicht auf ethische Standpunkte nimmt als noch vor einem Jahrzehnt.
Demgegenüber behauptet Prof. Dr. Götz Werner, Gründer der dm-drogerie markt GmbH + Co. KG: „Auch ein Unternehmer selbst muss heute, entgegen einer gängigen Auffassung, lupenreiner Altruist sein. Denn je mehr er sich dem Kunden zuwendet und seinen Egoismus ausblendet, desto besser wird das Unternehmen funktionieren und sich entwickeln“. Somit sind Controller gefragter denn je. Vor allem wenn es darum geht, bei wichtigen Entscheidungen abzuwägen, inwieweit diese negative wie auch positive Konsequenzen für die Umwelt des Unternehmens hervorrufen. Doch hier treten erste Probleme auf. Hierzu zählt bspw. die Controllingaufgabe, welche noch nicht vollends geklärt ist. In vielen Unternehmen nehmen Controller unterschiedlichste Aufgaben wahr. Des Weiteren ist auch das ethische Verständnis der Controller hinsichtlich der zukünftigen Anforderungen nicht ausreichend.
Grund hierfür ist auch die mangelhafte Einbindung ethischer Aspekte in deren Ausbildung!
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problematik der Arbeit
1.2 Aufbau der Arbeit
2 Controlling
2.1 Definitionen sowie Auffassungen und frühere Konzeptionen
2.2 Aktuelle für das Ethikverständnis relevante Konzeption
3 Ethik
3.1 Grundlagendefinitionen sowie Verständniserörterung
3.2 Darstellung der ausgewählten ethischen Positionen
3.2.1 Teleologische Normenbegründungen
3.2.2 Deontologische Normenbegründungen
3.2.3 Diskursethik
3.3 Ethische Konflikte und deren Entstehung
4 Controlling im Zusammenspiel mit Reflexion und Diskursethik
4.1 Kritiken an dem Ethikverständnis der Controller
4.1.1 Begründung der Ausgrenzung teleologischer Sichtweisen
4.1.2 Begründung der Ausgrenzung deontologischer Sichtweisen
4.2 Vorzüge der Diskursethik gegenüber früheren Theorien
4.3 Legitimation des Zusammenhangs von Controlling und Diskursethik
4.3.1 Konzeptionelle Weiterentwicklung des Controllings
4.3.2 Zusammenhang zwischen Controlling und Diskursethik
4.4 Basis sowie zukünftige Herausforderungen des Controllings
5 Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Relevanz ethischer Konflikte für das Controlling und beleuchtet, wie eine ethische Fundierung durch das Zusammenspiel von Reflexion und Diskursethik gelingen kann, um Controller in die Lage zu versetzen, nachhaltige und moralisch vertretbare Entscheidungen zu unterstützen.
- Analyse aktueller Controllingkonzeptionen im Kontext ethischer Fragestellungen
- Grundlagen und Definitionen ethischer Positionen (Teleologie, Deontologie, Diskursethik)
- Untersuchung von Entstehungsursachen ethischer Konflikte im Unternehmensalltag
- Rolle des Controllers als kritischer „Counterpart“ bei Managemententscheidungen
- Herausforderungen und zukünftige Anforderungen an ein ethisch orientiertes Controlling
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Teleologische Normenbegründungen
Essentielle Grundlagen für teleologische Normenbegründungen, welche einen engen Bezug zur Verantwortungsethik besitzen, sind Resultate. Dies begründet sich in der griechischen Bedeutung für „télos“. Die Handlung selbst steht im Hintergrund, von Bedeutung ist nur ihre Zweckmäßigkeit. Somit ist jedes Verhalten als gut zu identifizieren, wenn es dem Erreichen eines expliziten Ziels dienend ist. Aus diesem Grunde wird in der teleologischen Ethik nach Bedingungen gesucht, welche das „größtmögliche Glück der größtmöglichen Zahl von Menschen“ zur Folge haben. Denn nur somit wird gewährleistet, dass es sich bei den Ergebnissen um jene handelt, welche es in jeder Hinsicht zu erreichen gilt.
Als Inbegriff der teleologischen Ethik wird der Utilitarismus betitelt, welcher die Konsequenzen der Handlungen evaluiert. Das Glück wird wie bei Aristoteles gleichgesetzt mit dem Ziel der Gemeinschaft, nach einem sinnvollen Leben zu streben und dieses zu bewahren. Die Handlungen eines jeden sollen demnach ein Höchstmaß an Genugtuung und ein Mindestmaß an Sorge für die Allgemeinheit hervorrufen. Dies bedingt auch moralisch verwerfliche Taten wie bspw. lügen oder bestechen, wenn sie das Wohlbefinden aller am meisten steigern können. Dementsprechend ist nicht das Wohl einer Organisation oder das des Einzelnen ausschlaggebend, sondern das aller Betroffenen, denn das Eigene zählt gleich dem fremden Wohl. Als Beispiel hierfür wird oft „whistle blowing“ genannt. Darunter wird das unerlaubte Veröffentlichen bzw. Bekanntmachen von Mängeln in Unternehmensprozessen verstanden, welche das Gemeinwohl beeinträchtigen. Der Akteur handelt unloyal, aber im utilitaristischen Sinne geboten, moralisch fürsorglich.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Vorstellung der Problematik, dass unzureichende ethische Einbindung in Managemententscheidungen eine kritische Reflexion durch das Controlling erforderlich macht.
2 Controlling: Erörterung der unterschiedlichen Controllingbegriffe und Hinführung zur Bedeutung der Reflexionsaufgabe als zentrales Element im 5-Ebenen-System.
3 Ethik: Definition ethischer Grundbegriffe und Darstellung der drei wesentlichen Positionen Teleologie, Deontologie und Diskursethik sowie deren Bedeutung für wirtschaftliches Handeln.
4 Controlling im Zusammenspiel mit Reflexion und Diskursethik: Kritische Auseinandersetzung mit traditionellen Ansätzen und Aufzeigen der Vorzüge der Diskursethik für eine ethisch legitimierte Controllingpraxis.
5 Schlussbetrachtung: Zusammenfassendes Fazit zur Notwendigkeit ethischer Reflexion im Controlling und Ausblick auf künftige Herausforderungen im globalen Wirtschaftsumfeld.
Schlüsselwörter
Controlling, Ethik, Ethische Konflikte, Diskursethik, Reflexion, Teleologie, Deontologie, Management, Verantwortung, Unternehmensführung, Nachhaltigkeit, Kommunikation, Rationalitätssicherung, Moral, Integrität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit thematisiert die wachsende Bedeutung ethischer Aspekte im Controlling und analysiert, wie durch ethisch fundierte Reflexion moralische Konflikte innerhalb unternehmerischer Entscheidungsprozesse erkannt und bewältigt werden können.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zu den zentralen Themen gehören die theoretische Grundlegung von Ethiktheorien, die kritische Analyse des Rollenverständnisses von Controllern sowie die Verbindung moderner Controllingkonzeptionen mit den Prinzipien der Diskursethik.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das primäre Ziel ist es, den ethischen Bezug zur Controllingaufgabe herzustellen und zu verdeutlichen, welche Konflikte sich aus divergierenden Interessenlagen ergeben und wie diese professionell reflektiert werden können.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse bestehender Controllingtheorien und wirtschaftsethischer Konzepte, ergänzt durch die konzeptionelle Einordnung und Reflexion dieser Ansätze für die praktische Anwendung im Unternehmenskontext.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung in Controlling und Ethik, die detaillierte Darstellung ethischer Positionen und eine vertiefende Diskussion über das Zusammenspiel von Controlling, Reflexion und Diskursethik zur Lösung von Konflikten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch die Begriffe Controlling, Ethik, Diskursethik, Reflexion, Verantwortung und Management geprägt.
Inwiefern spielt der Begriff „Reflexion“ eine Rolle für das Controlling?
Reflexion wird als der zentrale Grundbaustein definiert, um Entscheidungen kritisch zu hinterfragen, deren ethische Legitimität zu prüfen und somit einen Beitrag zu rationalen und gewissenhaften Unternehmensentscheidungen zu leisten.
Welche Bedeutung hat die „Diskursethik“ laut Autor für das Controlling?
Die Diskursethik dient als Brücke, um bei unterschiedlichen Interessenlagen innerhalb des Unternehmens einen Dialog zu ermöglichen, der zu einer moralisch gerechtfertigten und rational fundierten Lösungsfindung führt.
- Citar trabajo
- Marc Grabe (Autor), 2010, Die Bedeutung von ethischen Konflikten für das Controlling, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/161656