Besonderheiten der Bilanz- und Unternehmensanalyse bei Start-Up-Unternehmen


Seminararbeit, 2010
18 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Problemstellung und Zielsetzung
1.2 Definitionen und Begriffsabgrenzungen

2 Besonderheiten im Prozess der Bilanz- und Unternehmensanalyse bei Start-Up- Unternehmen
2.1 Beschaffung des Datenmaterials
2.2 Aufbereitung des Datenmaterials
2.3 Durchführung einer quantitativen Bilanzanalyse
2.4 Durchführung einer qualitativen Bilanz- und Unternehmensanalyse
2.5 Interpretation der gewonnenen Ergebnisse

3 Kritische Würdigung der Bilanz- und Unternehmensanalyse bei Start-Up-Unternehmen

4 Fazit

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

1.1 Problemstellung und Zielsetzung

Eine Bilanz- und Unternehmensanalyse verfolgt das Ziel ein Urteil über die gegenwärtige und zukünftige wirtschaftliche Lage eines Unternehmens zu treffen.1 Mit ihr kann eine breite Adressatengruppe zur Verfügung stehende Informationen zum Unternehmensge- schehen analysieren und darauf aufbauend situationsadäquate Entscheidungen treffen.2 Die Bilanz- und Unternehmensanalyse hat hierbei die Spezifika der analysierten Unternehmen zu beachten, um entscheidungsnützliche Informationen zu generieren. Im Rahmen der vor- liegenden Arbeit werden die Besonderheiten der Bilanz- und Unternehmensanalyse bei Start-Up-Unternehmen herausgearbeitet.

Im Anschluss an einleitende Definitionen und Begriffsabgrenzungen wird hierzu im zwei- ten Kapitel der Prozess der Bilanz- und Unternehmensanalyse dargestellt und auf Beson- derheiten bei Start-Up-Unternehmen eingegangen. Nach einer kritischen Würdigung im dritten Kapitel, die die Eignung der Bilanz- und Unternehmensanalyse bei Start-Up- Unternehmen darlegt, fasst das vierte Kapitel gewonnene Ergebnisse abschließend zusam- men.

1.2 Definitionen und Begriffsabgrenzungen

Unter dem Begriff Start-Up-Unternehmen werden in vorliegender Arbeit junge, dynamisch und überproportional wachsende Unternehmen subsumiert.3

Junge Unternehmen weisen eine erst kurze wirtschaftliche Existenz auf und befinden sich noch in der Aufbauphase des Geschäftsbetriebs oder am Anfang der Wachstumsphase.4 Vorrangiges Ziel dieser Unternehmen ist Wachstum und das Etablieren am Markt.5 Die Unterscheidung zwischen jungen und etablierten Unternehmen kann nicht trennscharf er- folgen mit der Konsequenz, dass eine Beurteilung auf mehreren Faktoren wie z.B. den her- gestellten Produkten, der Marktsituation, dem Kundenverhalten und der Branchenstruktur aufbauen muss.6 Eine Eingrenzung der Branchenzugehörigkeit von Start-Up-Unternehmen, wie zu Zeiten des Neuen Marktes üblich, soll im Rahmen dieser Arbeit nicht erfolgen, so- dass Start-Up-Unternehmen grundsätzlich in allen Branchen aktiv sein können.7

Weiteres Merkmal eines Start-Up-Unternehmens ist die hohe Dynamik und die daraus er- forderlich werdende notwendige Flexibilität des Unternehmens.8 Im Gegensatz zu etablier- ten Unternehmen, die über gefestigte Strukturen und Organisationen verfügen, unterliegen Start-Up-Unternehmen, vor allem aufgrund einer zunehmenden Globalisierung und Inter- nationalisierung der Märkte, einem ständigen Veränderungsprozess. Im Gegensatz zu etab- lierten Unternehmen wird die Dynamik im Wesentlichen durch interne Aktivitäten begrün- det, die daran ausgerichtet sind einen Wettbewerbsvorsprung durch innovative, kreative und flexible Lösungen zu erzielen.9 Ursächlich hierfür sind häufig die Gründungsgesell- schafter der Start-Up-Unternehmen. Diese hohe Dynamik schwächt sich mit der Festigung der Marktposition des Unternehmens ab.

Neben einer kurzen wirtschaftlichen Existenz und einer hohen Dynamik im Geschäftsab- lauf sind Start-Up-Unternehmen grundsätzlich durch ein überproportionales Wachstum gekennzeichnet. Das Wachstum erstreckt sich hierbei auf alle Unternehmensbereiche, bspw. Umsatz, Produktpalette, Mitarbeiter, Produktionskapazitäten und Forschungsetat. Überproportional kann hierbei nicht exakt quantifiziert werden, sondern richtet sich ähn- lich der Unterscheidung zwischen einem jungen und einem etablierten Unternehmen nach verschiedenen Faktoren wie der Branche. Entscheidend bei der Betrachtung des Wach- stums ist eine ex-ante Betrachtung, die zukünftige Entwicklungen mit einzubeziehen ver- sucht und nicht ausschließlich vergangenes Wachstum wertet.10 Aufgrund der beschriebe- nen Dynamik kann es zu sehr volatilen Wachstumskennzahlen in einzelnen Perioden kommen, die der grundsätzlichen Einordnung als überproportional wachsend jedoch nicht zwingend entgegenstehen.11

Unter einer Bilanz- und Unternehmensanalyse wird in vorliegender Arbeit die Aufberei- tung und Auswertung von Unternehmensinformationen verstanden mit dem Ziel der Erlan- gung eines den tatsächlichen Verhältnissen entsprechenden Bilds der wirtschaftlichen Lage des Unternehmens.12 Die Bilanz- und Unternehmensanalyse wertet und interpretiert hierbei gewonnene Informationen, um eine Aussage über das Unternehmen in seiner Gesamtheit zu treffen.13 Grundlage der Analyse sind alle vom Unternehmen zur Verfügung gestellten Informationen.14

2 Besonderheiten im Prozess der Bilanz- und Unternehmensanalyse bei Start-Up- Unternehmen

2.1 Beschaffung des Datenmaterials

Den ersten Schritt einer Bilanz- und Unternehmensanalyse stellt die Sammlung der notwendigen Informationen dar. Grundsätzlich kann in eine externe und eine interne Bilanzanalyse unterschieden werden.15 Im Rahmen der internen Bilanz- und Unternehmensanalyse stehen dem Analysten alle im Unternehmen anfallenden Informationen zur Verfügung. Diese Informationen sind regelmäßig aktueller, zutreffender sowie zukunftsorientierter und damit entscheidungsrelevanter als externe Daten.16

Im Rahmen einer externen Bilanz- und Unternehmensanalyse stehen dem Analysten hin- gegen lediglich die freiwillig vom Unternehmen publizierten sowie die gesetzlich vorge- schriebenen Informationen, wie der Jahresabschluss, zur Verfügung und bieten einen de- mentsprechend schlechteren Einblick in die wirtschaftliche Lage des Unternehmens.

Je nach Machtposition können bestimmte Unternehmensadressaten wie Hausbanken und Anteilseigner allerdings über besondere Informationsrechte verfügen, die ihnen detailliertere Analysegrundlagen bieten.17

Bei Start-Up-Unternehmen ergibt sich regelmäßig das Problem, dass noch keine oder nur wenige Daten zur Verfügung stehen und folglich diese begrenzte Datenbasis zu nur be- grenzt aussagefähigen Ergebnissen führt.18 Gerade im Hinblick auf häufig volatile Verän- derungen bei jungen Unternehmen schränkt dies den Informationsgehalt der Bilanz- und Unternehmensanalyse stark ein, da eine Extrapolation vergangener Entwicklungen nicht möglich ist oder nur einen geringen Aussagegehalt bietet. Da bereits die Eignung der klas- sischen Bilanzanalyse zur Prognose der zukünftigen Unternehmensentwicklung etablierter Unternehmen aufgrund der Übertragung vergangenheitsorientierter Daten angezweifelt wird, trifft dieser Kritikpunkt besonders für Start-Up-Unternehmen zu.19

Abhilfe können hier in begrenztem Maße Prognosemodelle und Businesspläne schaffen, die ein Szenario der zukünftigen Unternehmensentwicklung aufzeigen. Jedoch sind auf- grund der Unternehmensdynamik auch hierbei nur begrenzte Prognosen möglich. Zur Be- urteilung der Prognosegüte bieten sich Soll-Ist-Vergleiche an, bei denen prognostizierte Kennzahlen und Erwartungen mit den tatsächlich eingetroffenen verglichen werden. Auf- grund fehlender quantitativer Daten liegt der Fokus der Bewertung von Start-Up- Unternehmen jedoch häufig auf qualitativen Aspekten wie der Geschäftsidee, der Erfahrung der Geschäftsführung und der allgemeinen Branchenentwicklung.20 Diese Werte können mittels Scoring-Modellen erfasst und der Analyse mit zugrunde gelegt werden.

Die Qualität der von Start-Up-Unternehmen zur Verfügung gestellten Informationen, in- sbesondere Jahresabschlussinformationen, die von zentraler Bedeutung sind,21 ist ebenso häufiger Kritikpunkt.22 Da Start-Up-Unternehmen eine kurze wirtschaftliche Existenz auf- weisen und häufig ein starkes Wachstum verzeichnen, ist das Rechnungswesen im Ver- gleich zu etablierten Unternehmen oftmals unterentwickelt und nicht in der Lage qualitativ angemessene Informationen bereit zu stellen.23 Je nach Rechnungslegungssystem und An- forderungen der Rechnungslegung kann es Start-Up-Unternehmen auch an qualifiziertem Personal mit entsprechenden fachlichen Kompetenzen mangeln, da dem Unternehmen zur Verfügung stehende Mittel anderweitig verwendet werden.24 Hinzu kommt, dass „gerade bei jungen Wachstumsunternehmen die Rechnungslegung keinen hohen Stellenwert ge- niesst.“25 Gesellschafter sind in der Regel eher auf die Ingangsetzung des Geschäftsbe- triebs konzentriert als auf den Aufbau eines funktionierenden Rechnungswesens.26

2.2 Aufbereitung des Datenmaterials

Zur Analyse werden die gewonnen Informationen, insbesondere diejenigen des Jahresabschlusses, aufbereitet und im Anschluss eine Strukturbilanz erstellt. Die Aufbereitungsmaßnahmen umfassen dabei die Korrektur sowie die Verdichtung und Zusammenfassung von Bilanzpositionen.27

Bei der Korrektur von Bilanzposten ist der Analyst bestrebt, die einzelnen Positionen mög- lichst mit ihrem „wahren Wert“ abzubilden.28 Im Mittelpunkt der Betrachtung steht bei etablierten Unternehmen hier regelmäßig die Korrektur von stillen Reserven.29 Eine Elimi- nierung der stillen Reserven ist bspw. bei der Berechnung einer Eigenkapitalrendite von Relevanz, da nur so die Rendite auf das in realitas eingesetzte Kapital bestimmt werden kann. Weitere Korrekturposten stellen z.B. Leasingverhältnisse dar, die kapitalisiert wer- den um Verpflichtungen und Vermögenswerte eines Unternehmens darzustellen.

Einer korrekten Bilanz- und Unternehmensanalyse müsste zu jeder Bilanzposition eine entsprechende aktuelle Bewertung der Aktiv- oder Passivpositionen vorliegen. Dies dürfte sich im Rahmen einer internen Bilanz- und Unternehmensanalyse als unpraktikabel und unwirtschaftlich und im Rahmen einer externen Bilanz- und Unternehmensanalyse als un- möglich erweisen, da benötigte Informationen nicht zur Verfügung stehen.30 Vor diesem Hintergrund bleibt die Korrektur von Bilanzpositionen in der Regel unzureichend.

Da Start-Up-Unternehmen allerdings junge Unternehmen sind und noch keine lange Exis- tenz aufweisen, bestehen bei ihnen weniger Möglichkeiten stille Reserven in bedeutendem Ausmaß über Jahre hinweg anzuhäufen, was einer korrekten Darstellung der wirtschaftli- chen Lage des Unternehmens zu Gute kommt. Operative Leasingverträge, die von Start- Up-Unternehmen primär aufgrund ihrer Finanzierungswirkung und Nichtbilanzierung ab- geschlossen werden, können des Weiteren bei einer Bilanzierung nach den International Financial Reporting Standards (IFRS) auf Grundlage von Anhangspflichten31 kapitalisiert und insofern mit einbezogen werden.

Im Anschluss an die weitestmögliche Korrektur der Bilanzpositionen werden diese um- gruppiert, neugebildet und aufgespalten um aussagefähige und für eine Kennzahlenrech- nung adäquate Größen zu erhalten.32 Diese Strukturbilanz bildet somit eine für die Bilanz- analyse aufbereitete und umgestaltete Originalbilanz.33 Zur Erstellung einer Strukturbilanz gibt es keine normierten Vorgaben, allerdings hat sich die Aufteilung der Aktivseite in das bilanzanalytische Anlage- und Umlaufvermögen sowie die Aufteilung der Passivseite in das bilanzanalytische Eigen- und Fremdkapital mit jeweiliger Unterteilung nach der Fris- tigkeit als praxisrelevant herausgestellt.34 Bei der Erstellung einer Strukturbilanz eines Start-Up-Unternehmens sind insofern keine Besonderheiten gegenüber einem etablierten Unternehmen zu beachten.

[...]


1 Vgl. Leffson (1984), S. 3.

2 Vgl. Peemöller (2003), S. 206.

3 Vgl. Hayn (2000), S. 15.

4 Vgl. Hayn (2000), S. 16.

5 Vgl. Hombeck (2000), S. 15f.

6 Vgl. Hayn (2000), S. 16.

7 Vgl. z.B. Behr/Kind (1999), S. 63.

8 Vgl. Hombeck (2000), S. 16.

9 Vgl. Hayn (2000), S. 19.

10 Vgl. Küting (2000), S. 597.

11 Vgl. m.w.N. Hayn (2000), S. 21.

12 Vgl. Küting/Weber (2009), S. 1.

13 Vgl. Rehkugler/Poddig (1998), S. 9.

14 Vgl. grundlegend zur Theorie der Bilanz- und Unternehmensanalyse Schneider (1989), S. 663 ff. 2

15 Vgl. Küting/Weber (2009), S. 3 ff.

16 Vgl. Rehkugler/Poddig (1998), S. 9.

17 Vgl. Küting/Weber (2009), S. 4.

18 Vgl. Behr/Gusinde (1999), S. 154.

19 Vgl. Küting (2000), S. 601.

20 Vgl. Behr/Kind (1999), S. 66.

21 Vgl. Fülbier/Honold/Klar (2000), S. 834.

22 Vgl. Z.B. Zwirner/Ranker/Wohlgemuth (2001), S. 473.

23 Vgl. Küting (2000), S. 601.

24 Vgl. Zwirner/Ranker/Wohlgemuth (2001), S. 473.

25 Behr/Gusinde (1999), S. 154.

26 Vgl. Behr/Gusinde (1999), S. 154.

27 Vgl. Küting/Weber (2009), S. 82 sowie Ballwieser (1987), S. 57.

28 Auf die Diskussion über „den wahren Wert“ soll im Rahmen dieser Arbeit nicht eingegangen werden. Es wird angenommen, dass dieser Wert bestimmbar ist.

29 Vgl. Hombeck (2000), S. 153 sowie Samuels/Brayshaw/Craner (1995), S. 223. 4

30 Vgl. Gräfer (2008), S. 28.

31 IAS 17.35.

32 Vgl. Coenenberg (2005), S. 956.

33 Vgl. Küting/Weber (2009), S. 83.

34 Vgl. Peemöller (2003), S. 319 sowie Küting/Weber (2009), S. 82.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Besonderheiten der Bilanz- und Unternehmensanalyse bei Start-Up-Unternehmen
Hochschule
Universität Bayreuth
Veranstaltung
Internationale Rechnungslegung
Note
1,7
Autor
Jahr
2010
Seiten
18
Katalognummer
V161728
ISBN (eBook)
9783640768226
ISBN (Buch)
9783640768202
Dateigröße
441 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bilanz- und Unternehmensanalyse, Bilanzanalyse, Unternehmensanalyse, Start-Ups, Start-Up-Unternehmen, junge Unternehmen, Wachstumsunternehmen
Arbeit zitieren
Peter Lammers (Autor), 2010, Besonderheiten der Bilanz- und Unternehmensanalyse bei Start-Up-Unternehmen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/161728

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