Seit der politischen Wende in den Staaten des ehemaligen Ostblocks stellt die Zuwanderung der Aussiedler ein in der deutschen Öffentlichkeit diskutiertes Thema von sozialer Brisanz dar. Diese Migranten werden – obwohl rechtlich deutsche Staatsbürger - ebenso wie Asylbewerber und andere Ausländer als ungerufene Konkurrenten auf dem Arbeits- und Wohnungsmarkt betrachtet.
Neben der Wohnraumversorgung, die den Kommunen die größten Schwierigkeiten bereitet, ist auch die wirtschaftliche Integration nicht unproblematisch. Aber auch in sozialer Hinsicht bestehen massive Probleme, die in ihrer Tragweite oftmals unterschätzt werden und zum Teil mit den ökonomischen Problemen verknüpft sind.
Ausgehend von den rechtlichen Grundlagen und dem historischen Hintergrund sollen die Ursachen der Aussiedlung und die quantitative Problemlage vorgestellt werden. Die für die Integration wesentlichen Begriffsbestimmungen sollen überleiten zur Darstellung der Aussiedlerpolitik als Grundlage für den Prozess der Integration in ländlichen Räumen Deutschlands.
Anhand wissenschaftlicher Untersuchungen der 1990er Jahre werden die Integrationsprobleme auf dem Wohnungs- und Arbeitsmarkt erläutert und anschließend die sprachliche Integration und die Integration jugendlicher Aussiedler erörtert. Die aktuellen Lösungsstrategien und ihre Umsetzungen werden abschließend kritisch beurteilt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Rechtliche Grundlagen
3 Historischer Hintergrund
3.1 Geschichte der Deutschen in Rumänien
3.2 Deutsche in Polen
3.3 Entwicklung in der ehemaligen Sowjetunion
4 Ursachen der Rückwanderung nach Deutschland
5 Quantitative Situation der Rückwanderung
6 Integration als gesellschaftspolitische Aufgabe
7 Aussiedlerpolitik - Grundzüge und Anpassungen
8 Prozess der Integration und Probleme in den ländlichen Räumen
8.1 Aspekte der Integrationsproblematik
8.2 Aufnahmeverfahren
8.3 Räumliche Verteilung
8.4 Typen ländlicher Räume
8.5 Umfang der Leistungen
8.6 Wohnungsmarktintegration
8.7 Arbeitsmarktintegration
8.8 Sprachliche Integration
8.9 Integration jugendlicher Aussiedler
8.10 Aktuelle Strategien zur Lösung der Integrationsprobleme
9 Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die vielfältigen Integrationsprobleme von Aussiedlern in ländlichen Räumen Deutschlands, mit dem Ziel, die sozioökonomischen und strukturellen Herausforderungen des Eingliederungsprozesses kritisch zu beleuchten und den Einfluss aktueller integrationspolitischer Maßnahmen zu bewerten.
- Rechtliche Grundlagen und historischer Kontext der Aussiedlerbewegung
- Ursachen und quantitative Entwicklung der Rückwanderung
- Herausforderungen der Integration auf dem Arbeits- und Wohnungsmarkt in ländlichen Gebieten
- Sprachliche Integration und die spezifische Problematik jugendlicher Aussiedler
- Analyse aktueller politischer Lösungsstrategien und Netzwerkkonzepte
Auszug aus dem Buch
8.3 Räumliche Verteilung
Nach dem Eintreffen im Bundesgebiet werden die Aussiedler und ihre Familienangehörigen in der Außenstelle Friedland des Bundesverwaltungsamtes, der nunmehr einzigen Aufnahmeeinrichtung, registriert und auf die einzelnen Bundesländer verteilt (Bundesverwaltungsamt 2003, S. 1). Neben Friedland erfolgte in der Vergangenheit die Erstaufnahme an den Standorten Bramsche, Dranse, Empfingen, Hamm und Rastatt.
Die Verteilung der Aussiedler auf die Bundesländer wurde bis 1992 jährlich vom Bundesrat neu beschlossen und berücksichtigte Einwohnerzahl, Fläche und Wirtschaftskraft der Länder. Im KfbG wurden die 1992 ausgehandelten Zuteilungsquoten bis auf weiteres festgeschrieben (z.B. Nordrhein-Westfalen 21,4%, Bayern 14,4%, Baden-Württemberg 12,3%). Aufgrund dieser Umverteilung sind die sechs Regionen mit den Erstaufnahme-Einrichtungen des Bundes durch extrem hohe Fortzüge mit Zielen innerhalb Deutschlands gekennzeichnet; sie nehmen damit eine Sonderstellung bei der Binnenmigration ein (Gans 2003, S. 4).
Die Zuweisungsschlüssel innerhalb der Länder haben unterschiedliche Bezugseinheiten. In sechs Bundesländern (Bayern, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Saarland, Schleswig-Holstein und Thüringen) bezieht sich der Schlüssel einzig auf die Einwohnerzahlen. In den Bundesländern Baden-Württemberg und Sachsen haben die Zuweisungsschlüssel zu 50% die Einwohnerzahlen und zu 50% die Flächen der Kreise bzw. kreisfreien Städte als Bezugseinheiten. Nordrhein-Westfalen differenziert den Schlüssel für die Kommunen nach deren Einwohnerdichte. Die übrigen Bundesländern haben keinen Schlüssel festgelegt (Veith 1994, S. 366).
Gilt als Verteilungsmaßstab allein die Einwohnerzahl, so führt die Zuwanderung letztlich zu einer Verstärkung der Ballungseffekte in den Verdichtungsräumen; wird der Zuteilungsschlüssel auch auf die Fläche bezogen, wird eine stärkere Streuung der Wohnstandorte der Aussiedler erreicht (Wenzel 1999, S. 265).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung thematisiert die soziale Brisanz der Zuwanderung von Aussiedlern und die damit verbundenen Herausforderungen auf dem Arbeits- und Wohnungsmarkt.
2 Rechtliche Grundlagen: Dieses Kapitel erläutert den rechtlichen Status von Aussiedlern und Spätaussiedlern sowie die Bedeutung des Kriegsfolgenbereinigungsgesetzes.
3 Historischer Hintergrund: Es wird die Geschichte der deutschen Minderheiten in Osteuropa und den Nachfolgestaaten der Sowjetunion als Grundlage für die spätere Abwanderung skizziert.
4 Ursachen der Rückwanderung nach Deutschland: Hier werden die Push-Faktoren (Unterdrückung, Benachteiligung) und Pull-Faktoren (Familienzusammenführung, Hoffnung auf bessere Lebensbedingungen) analysiert.
5 Quantitative Situation der Rückwanderung: Das Kapitel liefert eine Phasenbetrachtung der Zuwanderungsströme von 1950 bis in die späten 1990er Jahre.
6 Integration als gesellschaftspolitische Aufgabe: Hier wird der theoretische Rahmen der Integration als wechselseitiger Prozess und die aktuelle Politik der Bundesregierung dargelegt.
7 Aussiedlerpolitik - Grundzüge und Anpassungen: Dieser Abschnitt beschreibt die Entwicklung der politischen Hilfsmaßnahmen und die zunehmende Reglementierung des Zuzugs durch Gesetze wie das AAG.
8 Prozess der Integration und Probleme in den ländlichen Räumen: Dieses Kernkapitel analysiert detailliert die Schwierigkeiten bei Wohnraum, Arbeitsmarkt, sprachlicher Integration und den besonderen Problemen jugendlicher Zuwanderer.
9 Fazit: Das Fazit fasst die Ambivalenz der bisherigen Integrationserfolge zusammen und betont die Notwendigkeit einer zukunftsorientierten Einwanderungspolitik.
Schlüsselwörter
Aussiedler, Spätaussiedler, Integration, ländliche Räume, Arbeitsmarkt, Wohnungsmarkt, Zuwanderung, Netzwerkkonzept, Segregation, Sprachförderung, Jugendintegration, Kriegsfolgenbereinigungsgesetz, Bevölkerungsentwicklung, Deutschland.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die spezifischen Integrationsprobleme, mit denen Aussiedler bei ihrer Ansiedlung in ländlichen Regionen Deutschlands konfrontiert sind.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf rechtlichen Rahmenbedingungen, den Ursachen der Rückwanderung, der Wohnraum- und Arbeitsmarktintegration sowie der Situation junger Aussiedler.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Ziel ist es, die komplexen Herausforderungen der Eingliederung in ländlichen Gebieten aufzuzeigen und zu untersuchen, inwieweit bisherige integrationspolitische Ansätze und Strategien wirksam sind.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Arbeit?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse wissenschaftlicher Untersuchungen, Studien der 1990er Jahre sowie einer Auswertung offizieller Statistiken und Berichte zur Aussiedlerproblematik.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden neben den theoretischen Grundlagen vor allem die praktischen Probleme in den ländlichen Räumen detailliert untersucht, inklusive der Rolle von Wohnstandortpräferenzen und Netzwerken.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Aussiedler, Integration, ländlicher Raum, Segregation, Arbeitsmarkt, Sprachkenntnisse und Netzwerkkonzept.
Welche Bedeutung hat das Wohnortzuweisungsgesetz für die Aussiedler?
Das Gesetz von 1996 soll eine gleichmäßige Verteilung erzwingen, wird aber kritisiert, da es die Mobilität der Aussiedler einschränkt und soziale Netzwerke gefährden kann.
Warum wird die Integration in ländlichen Räumen oft als schwierig eingestuft?
Aufgrund von Strukturproblemen, wie mangelnden Arbeitsplätzen und unzureichender Infrastruktur, sowie der sozialen Segregation in Übergangswohnheimen gestaltet sich die langfristige Eingliederung oft problematisch.
- Citation du texte
- Markus Lüske (Auteur), 2003, Integrationsprobleme von Aussiedlern in ländlichen Räumen Deutschlands, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/16177