Diese Bachelorarbeit der Germanistik durchleuchtet verschiedene Dimensionen der Fantasie und der Wahrheit: sie erzählt die Geschichte von Elis Fröbom, einem jungen Matrosen zur See und seinem tragischen Schicksal. Dieser ist in seiner Melancholie und in seinem Seelenschmerz gefangen, bis schließlich der Wahnsinn die Überhand gewinnt. Auch die Liebe seines Lebens, Ulla Dahlsjö, kann ihn nicht vom Fluch der Bergkönigin befreien - so wandelt er vom diesseits ins jenseits auf der Suche nach Erlösung. An dieser und anderen Stelle(n) vergleicht die Autorin den literarischen Text von E.T.A. Hoffmann mit einigen ausgewählten zeitgenössischen Gemälden der dunklen Romantik von Caspar David Friedrich und lässt den Leser in die tiefen Abgründe der menschlichen Begierde und Sehnsüchte blicken. Da die Autorin promovierte Kunsthistorikerin und auch Germanistin ist, kann sie basierend auf der Textvorlage, einen interdisziplinären Spagat zwischen den beiden Geisteswissenschaften schlagen. Wird die Seelenqual schriftlich im Text Hoffmanns festgehalten, so kann die Stimmung der Melancholie in den Gemälden noch eine tiefere, visuelle Dimension schaffen, die den Leser in den Bann zieht. Textgewebe und Malerei vermitteln somit im stetigen Vergleich, die tragische Geschichte eines jungen Mannes, die sich wirklich im Jahre 1687 so, oder so ähnlich, zugetragen haben soll.
Inhaltsverzeichnis
- 1 Einleitung
- 2 Die Melancholie als beherrschender Grundtenor bei E.T.A. Hoffmann und Caspar David Friedrich.
- 2.1. Der Begriff der Melancholie und ein kurzer Abriss seiner historischen Herleitung
- 2.2. Die symbolische Verortung des Melancholie-Gedankens im Norden Europas und die Herleitung seiner negativen Konnotierung.
- 2.3. Die ossianische Stimmung, das Erhabene und der melancholische Norden
- 3 Text und Bild als mystische Melancholie-Vermittler in der Zeit der Romantik
- 3.1. Melancholie und Seelenschmerz bei Elis im Vergleich zu Caspar David Friedrichs Gemälden „Der Mönch am Meer“ (1810), „Das Eismeer“ (1823/24) und „Winterlandschaft“ (1811)
- 3.2. Die gequälte Seele in ihrer Einsamkeit - in die Vergangenheit und Zukunft blickend
- 3.3. Vanitas und Melancholie und ihre Verortung in der literarischen Landschaft bei Hoffmann und in der romantischen Geognosie bei Friedrich
- 3.4. Die feminine Trinität als psychische und zeitliche Konstante in Elis Leben: die Mutter, die Bergkönigin und die Braut im Vergleich zu Caspar David Friedrichs Gemälden „Kreidefelsen auf Rügen" (1818) und dem „Wanderer über dem Nebelmeer“ (1818)
- 3.5. Elis Reise nach Falun, Torbern – das Fantastische konfrontiert mit der Realität
- 3.6. Ulla Dahlsjö die ewige Braut und der „Mondaufgang am Meer“ (1822).
- 3.7. Die Unkommunizierbarkeit des Elis Fröbom zwischen der Ober- und der Unterwelt
- 3.8. Der Sieg der Bergkönigin oder Asche zu Asche und Staub zu Staub..
- 4 Fazit.
- 5 Literaturverzeichnis
- 6 Abbildungsverzeichnis
Zielsetzung & Thematische Schwerpunkte
Das primäre Ziel dieser Arbeit ist es, die melancholische und seelische Zerrissenheit des Hauptcharakters Elis Fröbom aus E.T.A. Hoffmanns Erzählung „Die Bergwerke zu Falun“ detailliert darzustellen. Dies geschieht durch die Analyse relevanter Textpassagen und einen Vergleich mit ausgewählten Gemälden des Zeitgenossen Caspar David Friedrich, dessen Werke ähnliche seelische Traumata und Vergangenheitsbewältigung widerspiegeln.
- Historische und philosophische Herleitung des Begriffs der Melancholie und deren Verortung im Norden Europas.
- Vergleichende Analyse von Hoffmanns literarischem Werk und Friedrichs bildender Kunst zur Darstellung mystischer Melancholie in der Romantik.
- Tiefergehende Betrachtung der psychologischen Dimension von Elis Fröbom und die Verarbeitung seiner traumatischen Verluste.
- Die symbolische Bedeutung von Naturmotiven (Meer, Berge, Eis) und Himmelsrichtungen als Träger melancholischer Stimmungen.
- Auseinandersetzung mit dem Vanitas-Gedanken und romantischer Geognosie als Ausdruck der Vergänglichkeit.
- Die Darstellung von Einsamkeit, Entzweiung der Seele und der Unkommunizierbarkeit innerer Welten.
Auszug aus dem Buch
Melancholie, Seelenschmerz und Wahnsinn in den Bergwerken zu Falun von E.T.Α. Hoffmann und in Gemälden von Caspar David Friedrich
Elis Fröbom! Elis Fröbom! – Bist du mal wieder ein recht trauriger Narr worden, und vertrödelst die schöne Zeit mit dummen Gedanken? – Hör Elis' wenn du von unserem Hönsning wegbleibst, so bleib lieber auch ganz weg vom Schiff! – Ein ordentlicher tüchtiger Seemann wird doch so aus dir niemals werden.
Schon zu Beginn der Erzählung erahnen die Matrosen beim jungen Elis eine gewisse Betrübtheit der Seele und wollen ihm diese Traurigkeit, seine Trauer um den Tod seiner geliebten Mutter nicht lassen Elis ist irritiert und fühlt sich angegriffen, beinahe aggressiv setzt er sich zur Wehr:
[D]u siehst, Joens, dass ich saufen kann wie Einer von euch, und ob ich ein tüchtiger Seemann bin mag der Kapitain entscheiden. Aber nun halt dein Lästermaul, und schier dich fort! – Mir ist eure wilde Tollheit zuwider. – Was ich hier draußen treibe, geht dich nichts an!“ „Nun, nun, erwiderte Joens, ich weiß es ja, du bist ein Neriker von Geburt, und die sind alle trübe und traurig, und haben keine rechte Lust am wackeren Seemanns-Leben!
Im tragischen Verlust der gesamten Familie als knapp zwanzigjähriger, kann wohl der Ursprung der Melancholie und des Seelenleidens von Elis verortet werden. Schien er den tragischen Tod des Vaters und den seiner Brüder noch verarbeitet zu haben, stürzt ihn der Tod seiner geliebten Mutter, als die einzig noch lebende Bezugsperson seiner Familie, in eine endlose Depression – in ein buchstäbliches Meer der Einsamkeit. Das Meer und die Einsamkeit bilden auch die Anknüpfungspunkte zu den Gemälden bei Caspar David Friedrich: hier im Speziellen wollen wir im Vergleich zu Hoffmann „Der Mönch am Meer“ (1810) „Das Eismeer“ (1823/24) sowie die „Die Winterlandschaft“ (1811) analysieren, die wie keine anderen Werke Friedrichs eine spektakuläre Umsetzung von menschlicher Verzweiflung und Irritation zum Ausdruck bringen.
Zusammenfassung der Kapitel
Kapitel 1 Einleitung: Dieses Kapitel führt in das Thema Melancholie, Seelenschmerz und Wahnsinn in E.T.A. Hoffmanns „Die Bergwerke zu Falun“ und Caspar David Friedrichs Gemälden ein und stellt die Forschungsfrage und die Methode des intermedialen Vergleichs vor.
Kapitel 2 Die Melancholie als beherrschender Grundtenor bei E.T.A. Hoffmann und Caspar David Friedrich: Hier wird der historische Kontext und die Herleitung des Melancholiebegriffs erläutert, insbesondere dessen Verortung im Norden Europas und die damit verbundenen negativen Konnotationen und die ossianische Stimmung.
Kapitel 3 Text und Bild als mystische Melancholie-Vermittler in der Zeit der Romantik: Der Hauptteil vergleicht die psychischen Zustände von Elis Fröbom mit ausgewählten Gemälden von Caspar David Friedrich und analysiert Themen wie Einsamkeit, Vanitas, die feminine Trinität und die Unkommunizierbarkeit innerer Welten.
Kapitel 4 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt die Kohärenz zwischen Elis Fröbom, Hoffmann und Friedrich hinsichtlich der Darstellung von Ängsten und Wünschen der Romantik in Schrift und Bild.
Schlüsselwörter
Melancholie, Romantik, E.T.A. Hoffmann, Caspar David Friedrich, Die Bergwerke zu Falun, Elis Fröbom, Seelenschmerz, Wahnsinn, Bergkönigin, Einsamkeit, Vanitas, Psychologie, Naturmystik, Intermedialität, Romantische Geognosie.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Diese Arbeit untersucht die Darstellung von Melancholie, Seelenschmerz und Wahnsinn in E.T.A. Hoffmanns Erzählung „Die Bergwerke zu Falun“ und vergleicht diese mit Motiven in Gemälden von Caspar David Friedrich.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themenfelder sind die historische und kulturelle Verortung der Melancholie, die psychologische Analyse des Protagonisten Elis Fröbom, sowie der intermediale Vergleich zwischen romantischer Literatur und Malerei.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, den Hauptcharakter Elis Fröbom anhand melancholischer Textpassagen darzustellen und seine Innenwelt mit ausgewählten Gemälden Caspar David Friedrichs zu vergleichen, um so eine Brücke zwischen Literatur- und Kunstgeschichte zu schlagen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine interdisziplinäre Methode, die Textanalyse von E.T.A. Hoffmanns Werk mit kunstgeschichtlicher Analyse von Caspar David Friedrichs Gemälden verknüpft, um die Darstellung der Melancholie vergleichend zu untersuchen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt den Melancholiebegriff, seine historische Herleitung, die symbolische Bedeutung des Nordens, sowie detaillierte Vergleiche zwischen Elis Fröboms innerer Zerrissenheit und spezifischen Werken Friedrichs wie „Der Mönch am Meer“ oder „Das Eismeer“.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird charakterisiert durch Schlüsselwörter wie Melancholie, Romantik, E.T.A. Hoffmann, Caspar David Friedrich, Elis Fröbom, Seelenschmerz und Naturmystik.
Inwiefern spielen die nordischen Landschaften in der Melancholie-Darstellung eine Rolle?
Nordische Landschaften, oft dunkel, kalt und isoliert, werden in der Romantik symbolisch mit Melancholie und den negativen Konnotationen des Nordens in Verbindung gebracht, was in beiden Künstlern wiederzufinden ist.
Welche Rolle spielen Traumvisionen und die Unterwelt in Elis Fröboms innerer Welt?
Traumvisionen und die Unterwelt des Bergwerks dienen Elis als Fluchtort und als Metapher für die tiefen Abgründe seiner Seele, wo er seinen traumatischen Verlust verarbeitet und sich seinen inneren Ängsten und Sehnsüchten stellt.
Wie wird die unkommunizierbare Innenwelt von Elis in der Erzählung dargestellt?
Elis' Schwierigkeit, seine Gefühle und Visionen auszudrücken, führt zu einer Isolation von seiner Umwelt; die Autorin Hoffmann nutzt dabei vage Sprachformeln wie „es war ihm als ob“, um diese Ambivalenz und Zerrissenheit zu unterstreichen.
Wie manifestiert sich der Vanitas-Gedanke in Hoffmanns Erzählung und Friedrichs Gemälden?
Der Vanitas-Gedanke, also die Vergänglichkeit des menschlichen Lebens, zeigt sich in Elis' ständigem Hadern mit dem Tod und in Friedrichs Darstellungen von verfallenen Ruinen oder Schiffswracks, die auf die Endlichkeit des Daseins verweisen.
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- Dr. Petra Vincke-Koroschetz (Author), 2025, Melancholie, Seelenschmerz und Wahnsinn in den "Bergwerken zu Falun" von E.T.A. Hoffmann und in Gemälden von Caspar David Friedrich, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1618178