Die Verwendung von Insignien bei der Krönung


Hausarbeit, 2006

37 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung und Quellen

2. Krönungen seit Karl dem Großen

3. Eine perfekte Krönung? Die Königskrönung Ottos I. in Aachen

4. Die Insignien des Kaisers/Königs bei seiner Krönung

5. Krönungen in der Frühen Neuzeit außerhalb Aachens

6. Zusammenfassung

7. Quellen- und Literaturangaben

1. Einleitung und Quellen

Die Tradition der Bekrönung oder Bekränzung stammt bereits aus der Antike. Bevorzugt gekrönt wurde damals mit dem Lorbeerkranz oder einem Diadem. Dieses Diadem darf man sich anfangs noch nicht als einen prachtvoll geschmückten und aus dem edelsten Metall gefertigten Kronreif vorstellen, sondern eher als eine textile Kopfbinde, die mit einigen Steinen geschmückt war.1 Daraus entwickelte sich dann die Krone. Der antike König war ständig mit der Krone geschmückt, wodurch seine Herrschaft auch ständig sichtbar war.2 Auf die christliche Herrschaftsanschauung wirkten die Krönungsberichte aus dem Alten Testament. Im zweiten Buch Samuel wird über die Krönung Davids wie folgt berichtet: „ So brachte David das ganze Kriegsvolk zusammen und zog hin und kämpfte gegen Rabba und eroberte es und nahm seinem König die Krone vom Haupt; die war an Gewicht einen Zentner Gold schwer, und an ihr war ein Edelstein; und sie wurde David aufs Haupt gesetzt. Und er führte aus der Stadt viel Beute weg.“3 Aber schon früh begann die Geistlichkeit sich in die Krönung einzumischen. Schon im alten Orient war die Krönung des Herrschers durch Priester bekannt.4

Durch die Mitwirkung bzw. Durchführung der Krönung durch Priester wurde der zukünftige König auf eine höhere Ebene gestellt. Da die Priester in einer besonderen Nähe zu Gott standen, verstand sich der von ihnen gekrönte König auch als von Gott eingesetzt. Doch die Handlung der Priester beschränkte sich nicht nur darauf dem König die Krone aufzusetzen. Ihre eigentliche Aufgabe war es den König zu salben und ihn somit auf die erwähnte höhere Ebene zu stellen. Daß der Akt der Salbung zunächst wichtiger war als der der Krönung, zeigen alleine die vielen Textpassagen in der Bibel, die gegenüber denen der Krönung in der Überzahl sind. Besonderes Gewicht erhält die Salbung dadurch, daß sie wie gesagt von Priestern oder sogar Propheten gespendet wurde. Propheten stehen sogar noch höher als Priester, da sie ihre Anweisungen direkt von Gott bekommen. Am besten ersichtlich ist dies bei der Salbung des Königs David: „ Da sandte er hin und ließ ihn holen. Und er war bräunlich, mit schönen Augen und von guter Gestalt. Und der HERR sprach: Auf, salbe ihn, denn der ist’s. Da nahm Samuel sein Ölhorn und salbte ihn mitten unter seinen Brüdern. Und der Geist des HERRN geriet über David von dem Tag an und weiterhin.“5 Im Mittelalter wurde dem Herrscher durch die Salbung eine Qualität verliehen die ihn über die anderen Adligen stellte.6 Darüber hinaus erhob die Salbung den König zum Vicarius Christi, zum Stellvertreter Christi auf Erden.7

Er wurde somit selbst zum Priester, was sich auch in der eigentlich bischöflichen Insignie des Langstabes (im Gegensatz zum Zepter als Kurzstab) äußerte. Auch wurde der König anfänglich mit dem Chrisam gesalbt, also demselben Salböl welches auch bei der Bischofsweihe verwendet wurde. Im Laufe des 9. Jahrhunderts wurde jedoch die priesterliche Rolle des Herrschers angezweifelt.8 Seitdem durften die Könige nur noch mit dem minderwertigeren Katechumöl geweiht werden und der Langstab verschwand von der Insignienliste. Warum aber im Mittelalter die Salbung gegenüber der Krönung an Bedeutung verlor und wie Krönungen im Mittelalter vor sich gingen sehen wir in den nächsten Kapiteln.

2. Krönungen seit Karl dem Großen

Die Ursache für die Bedeutungsverschiebung liegt in der Krönung Karls des Großen. Mit den Krönungen der Karolinger nach ihm verfestigte sich der Vorrang der Krönung vor der Salbung. Deshalb war auch im mittelalterlichen Deutschen Reich der Begriff „Krönung“ die Bezeichnung der Herrschererhebung. In Frankreich und England hingegen spielten Salbung und Weihe immer noch die Hauptrolle, weswegen dort diese Bezeichnungen für die Herrschereinsetzung vorherrschten. Dabei war in Frankreich die Legende vom heiligen Salböl grundlegend, mit welchem Chlodwig getauft wurden sein soll. Auf Grund dieser Legende war Reims der Ort der Herrschererhebung in Frankreich.

Es lag aber auch an der Zeichenhaftigkeit der Krönung. Während man das Resultat der Salbung niemandem zeigen konnte, weil das Öl vor der Krönung wieder abgewaschen wurde, gewährleistete die Verleihung von Gegenständen eine dauerhafte Sichtbarkeit, die man auch dem Volk präsentieren konnte.9 Doch warum war diese Krönung eigentlich so wichtig?

Sicher, in der Hand eines starken und unumstrittenen Monarchen wie Karl führten der Kaisertitel zu einer Machtsteigerung und die Ausweitung des Machtbereichs auf Oberitalien.

In den Händen von Männern geringer Größe jedoch konnte er zum Fluch werden. Dies beweisen die Kämpfe um die Vorherrschaft unter Karls Nachfolgern und die diversen Reichsteilungen im Zuge derselben. „So lange der große Karl das Zepter trug, war diese Kaiserschaft eine Wahrheit, mit seinem Tode wurde sie zur Lüge, zu einer für unser Volk sehr gefährlichen Illusion, welche den Schwerpunkt der Geschicke unseres Landes außerhalb desselben suchte, viele Jahrhunderte hindurch die beste Kraft der Deutschen an das Wahngebilde der römisch-germanischen Kaiserei vergeuden machte und den inneren Ausbau des deutschen Staates dem immer wieder traumhaft flüchtig sich erweisenden Glanz einer abendländischen Oberherrlichkeit opferte.“10 Abgesehen davon, daß das zitierte Werk die Reichseinigung von 1871 als fabelhaften Höhepunkt sieht (der sie auch tatsächlich war) und dabei vorherige deutsche Staatsgebilde sehr kritisch beschrieben werden, steckt darin doch mehr als ein Körnchen Wahrheit. Denn dieser Kaisertitel war kein deutscher.

Der neue Kaiser war „Römischer Kaiser“ und sein designierter Nachfolger trug den Titel „Römischer König“. Dadurch, daß dieses König-/Kaisertum kein national-deutsches Königtum sondern ein rombezogenes Königtum war, war es in Deutschland, anders als in England oder Frankreich, kein Faktor der nationalen Integration.11 Im Titel des Herrschers finden wir auch den Nutznießer des neuen Kaisertums. Es war der Bischof von Rom, der Papst. Er konnte dem oströmischen griechisch-orthodoxen Kaiser in Konstantinopel nun einen christlich-katholischen Gegenkandidaten präsentieren, der das Erbe des weströmischen Kaisertums angetreten hatte. Da Rom nun die Krönungsstätte des Kaisers war und der Papst dem mächtigsten europäischen Herrscher die Krone aufsetzte, wurde Rom wieder zum Mittelpunkt der westlichen Welt, so wie es dies bereits in der Antike war. Den Papst freute es.

Und nicht nur das. Da der Papst Karl den Großen freiwillig gekrönt hatte, leiteten die Päpste daraus ab, daß sie nicht gezwungen werden könnten einen Kandidaten zu krönen. Deshalb müssen ihnen ein Zustimmungsrecht (Approbationsrecht, von lat. approbare: zustim- men, billigen, anerkennen) bei der Wahl des Thronfolgers einge- räumt werden, damit auch „der Richtige“ gewählt werden würde.12 Überhaupt ließen die Päpste nach der Krönung Karls des Großen keinen Zweifel daran aufkommen, daß nur sie den Kaiser krönen konnten. Schließlich wurde Karl ja vom Papst gekrönt, und wer wenn nicht sie als Statthalter Christi auf Erden wären zu solch einer Aufgabe berufen. Man hatte mit der Karlskrönung auch einen Präzedenzfall, aus dem bald eine Tradition wurde.

Kaiserkrönungen in Rom waren ein Spektakel bei dem die höchsten geistlichen und weltlichen Amtsträger zusammentrafen. Das Verhältnis dieser Gewalten zueinander wurde durch Gesten, Worte und Handlungen, Gewänder und Zeichen zum Ausdruck gebracht.13 Um genau zu wissen wie man sich verhalten, was man zu sagen oder zu tragen hatte hielt man dies schriftlich fest.

Diese allgemein gehaltenen Leitsätze oder Richtlinien werden als Ordo (lat. für Ordnung, gehörige Reihenfolge) bezeichnet. Der wichtigste von ihnen war der „Mainzer Ordo“ für die Krönung des ostfränkisch-deutschen Herrschers, der im „Pontifikale RomanumGermanicum“ enthalten ist.

Da Kaiserkrönungen die einzigen Feiern waren die Papst und Kaiser vereinte, durften sie nicht in den liturgischen Büchern fehlen. Diesem Vollständigkeitsbestreben der Verfasser ist es zu verdanken, daß heute noch über 200 Handschriften durch solche Bücher über- liefert sind.14 Die Entwicklung der Ordines läßt sich gut am Umfang derselbigen erkennen. Sind die ersten Ordines noch recht kurz und lassen den Teilnehmern mehr Raum für Individualismus, sind die späteren Ordines deutlich länger. Die Worte werden einzelnen Teilnehmern geradezu in den Mund gelegt. Die Überlieferung der Ordines setzt erst mit der Kaiserkrönung Ottos I. ein und endet 1530 mit der letzten durch einen Papst ausgeführten Kaiserkrönung Karls V.15 Ordines dienen aber nicht nur als Quelle für Richtlinien von Krönungen, sondern auch für die verwendeten Insignien.

In den ersten fünf Ordines werden unterschiedliche Insignien mit unterschiedlichen Namen und in keiner festen Reihenfolge genannt.16 Nur Schwert (gladius, ensa)und Krone (corona, diadema) sind in allen vertreten. Die anderen genannten Insignien sind das Zepter (sceptrum), der Stab (bacculus), der Ring (anulus), die Armspangen (armilliae), der Mantel (pallium) und die Lanze (lancea). Bis auf den Stab und die Lanze (siehe unten) sind dies die Insignien, die in Zukunft immer bei der Krönung übergeben werden.

Der Stab symbolisierte den quasi-geistlichen Stand des Herrschers, da er ja durch die Salbung nicht nur einen von Gott hergeleitete Souveränität erhielt sondern auch die priesterliche Weihe.17 Es kam jedoch bald zu den oben erwähnten Auseinandersetzungen zwischen dem Klerus und dem Herrscher über die tatsächliche kirchliche Macht des Monarchen und darüber ob er die gleichen Insignien tragen sollte wie ein Bischof. So wurde der Stab alsbald von der Insignienliste gestrichen und durch den Reichsapfel ersetzt.

Die Unterschiede bei Namensgebung, Art und Reihenfolge der Insignien läßt sich mit der Neuartigkeit des Brauchs begründen. Vor der Krönung Karls des Großen war die Krönung ein weltlicher Akt als Teil der Einkleidung. Man brauchte eben noch eine gewisse Zeit bis sich ein festes Zeremoniell mit feststehenden Insignien herausbildet.

3. Eine perfekte Krönung?

Die Königskrönung Ottos I. in Aachen

Einen Bericht über die Krönung Ottos I. zum deutschen König im Jahre 936 finden wir in den „Res gestae Saxonicae“ des Widukind von Corvey.18 Warum sich ein „?“ in der Überschrift findet, sehen wir am Ende. Die Zeremonie fand an drei Orten statt. Im Säulenhof vor dem Marienmünster wurde Otto von den Herzögen (Stammesherzöge von Bayern, Lothringen, Schwaben, Franken) und anderen hohen Adligen zum König gewählt.

Sie huldigten ihm, schworen ihm durch das Ineinanderlehen der Hände einen Treueid und setzten Otto auf einen Thron. So erheben sie Otto nach ihrem Brauch, die Thronsetzung war eine germanische Tradition, zum König. Alsdann begab sich der König ins Marienmünster wo er vom Erzbischof von Mainz dem Volk präsentiert wurde. Das Volk wurde vom selbigen Erzbischof befragt, ob es der Wahl der Fürsten zustimme. Die Anwesenden gaben ihre Meinung durch Zurufen von Glückwünschen kund und erhoben als Anerkennung des Königs den rechten Arm, wodurch der Bund zwischen König und Volk geschlossen wurde. Dieser Königsgruß galt als öffentlicher rechtssymbolischer Akt, der eine Mischung aus Handschlag und Schwurgeste darstellt.19 An- schließend schritt man zur Hauptzeremonie.

Nun begann etwas, was seit diesem Zeitpunkt immer wieder zu kontroversen Diskussionen Anlaß gab. Die Rede ist vom Streit um den Vorrang der Erzbischöfe als Koronator, also dem die Krönung (als Gesamtzeremonie) durchführenden Erzbischof.

[...]


1 Mario Kramp: Krönungen und Könige in der Nachfolge Karls des Großen. Eine Geschichte und ihre Bilder, in: Ders. (Hg.): Krönungen. Könige in Aachen - Geschichte und Mythos. Katalog der Ausstellung, Bd. 1, Mainz 2000, S. 2-18, hier S. 5.

2 Siehe Joachim Ott: Die Frühgeschichte von Krone und Krönung, in: Mario Kramp (Hg.): Krönungen. Könige in Aachen - Geschichte und Mythos. Katalog der Ausstellung, Bd. 1, Mainz 2000, S. 122-130, hier S. 124.

3 II. Sm 12, 29/30.

4 Vgl. Karl Schnieth: Krönungen, in: Bautier, Robert Henri, u.a. (Hg.): Lexikon des Mittelalters, Bd. V, München/Zürich 1991, Sp. 1547-1549, hier Sp. 1547.

5 I. Sm 16, 12/13.

6 Vgl. Ernst-Dieter Hehl: Die Erzbischöfe von Mainz bei Erhebung, Salbung und Krönung des Königs (10.-14. Jahrhundert), in: Mario Kramp (Hg.): Krönungen. Könige in Aachen - Geschichte und Mythos. Katalog der Ausstellung, Bd. 1, Mainz 2000, S. 97-104, hier S. 98.

7 H.H. Anton: Salbung, in: Norbert Angermann (Hg.): Lexikon des Mittelalters, Bd. VII, München/Zürich, 1995, Sp. 1288-1292, hier Sp. 1291.

8 Ebd.

9 Joachim Ott: Die Verheißung und Verleihung von Kronen in der Kunst von der Spätantike bis um 1200 und die geistige Auslegung der Krone, Mainz am Rhein 1998, S. 211.

10 Zitiert nach Johannes Scherr: Germania. Zwei Jahrtausende deutsche Kulturgeschichte, 12. Reprintauflage der Originalausgabe von ca. 1890, Leipzig (ohne Jahr), S. 56.

11 Martin Kaufhold: 2. Februar 962: Die Kaiserkrönung Ottos des Großen, in: : Ders.: Wendepunkte des Mittelalters Von der Kaiserkrönung Karls des Großen bis zur Entdeckung Amerikas, Ostfildern 2004, S. 23-28, hier S. 28.

12 Zur Lösung des Problems siehe Kapitel 5.

13 Reinhard Elze (Hg.): Die Ordines für die Weihe und Krönung des Kaisers und der Kaiserin, Hannover 1960, S. VII.

14 H.-J. Becker: Ordines der Kaiserkrönung, in: Ekkehard Kaufmann und Adalbert Erler (Hg.): Handwörterbuch zur deutschen Rechtsgeschichte, Bd. III, Berlin 1984, S. 1289- 1291, hier S. 1289.

15 Elze, S. IX.

16 Vgl. Insignienliste bei : Percy Ernst Schramm: Kaiser, Könige und Päpste, Bd. 3, Stuttgart 1969, S. 44.

17 Siehe Winfried Dotzauer: Die Entstehung der frühneuzeitlichen deutschen Thronerhebung: Säkularisation und Reformation, in: Heinz Duchardt (Hg.): Herrscherweihe und Königskrönung im frühneuzeitlichen Europa, Wiesbaden 1983, S. 1-20, hier S. 29f.

18 Siehe dazu Widukind von Corvey: Res gestae Saxonicae, hg. von Ekkehart Rotter und Bernd Schneidmüller, Stuttgart 1997.

19 Siehe Schramm, S. 45.

Ende der Leseprobe aus 37 Seiten

Details

Titel
Die Verwendung von Insignien bei der Krönung
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg  (Institut für Geschichte)
Veranstaltung
Hauptseminar Insignienkunde
Note
1,3
Autor
Jahr
2006
Seiten
37
Katalognummer
V161922
ISBN (eBook)
9783640754854
ISBN (Buch)
9783640755004
Dateigröße
494 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Insignien, Kleinodien, Kronjuwelen, Krönung, Salbung, Reichskrone, Heilige Lanze, Zeremoniell, Ordo, Otto I., Aachen, Mainz, Karl der Große, Himmlisches Jerusalem, Kaiser, König, Papst, Approbation, Goldene Bulle, Maximilian I., Maximilian II.
Arbeit zitieren
Andreas Stoll M.A. (Autor), 2006, Die Verwendung von Insignien bei der Krönung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/161922

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